Monate: Oktober 2014

Danke, Armin Veh!

Wir Stuttgarter sind Freunde von Kontinuität, Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit: Wir hören seit 25 Jahren die Fantastischen Vier, fahren unseren Doimler, trinken draußen schon immer in der Kälte unser Bier im ehemaligen Klohäusle „Palast“ und wenn wir zappeln und feiern wollen, dann fällt unsere Wahl seit ewigen Zeiten auf die „Boa“ und den „Perkins Park“. Deshalb kommen wir mit Armin Veh derzeit nur schwer zurecht. Jede Woche eine neue Aufstellung, neue Spieler, ein neues System, „so goht’s doch net!“ Und was sollte das jetzt in Frankfurt? Timo Werner und Antonio Rüdiger auf der Bank, dafür der ausgemuserte Sercan Sararer von der U23 direkt in die Startformation. Das kann doch nicht gut gehen. Doch, das kann. Danke, Herr Veh, was haben Sie mit der Mannschaft gemacht, dass sie innerhalb von einer Woche zwei Spiele des Jahres abliefert? Zehn Tore in drei Spielen? Das müssen Sie mir erklären und dann sagen ich Ihnen mal was zu Ihrem Styling. Denn, bei allem Respekt, so wie in Frankfurt können Sie nicht rumlaufen. Wirklich nicht. Herr Veh, Ihr Coaching ist auf …

Jugendspieler

Wild Boys: Der VfB und ich in den 80er-Jahren

Die Aufholjagd des VfB nach 3 Toren Rückstand führt uns zurück in die 80er, als es noch Ascheplätze gab, Hansi Müller spielte und ich David Bowies „Heroes“ zum ersten Mal hörte. Inklusive nostalgischem Blick zurück auf die eigene Karriere als rechter Verteidiger, Libero und Sechser. Mega! Meine Frage im letzten Text, wann der VfB zuletzt einmal einen 3-Tore-Rückstand aufgeholt hat und ob dies vor dem Mauerfall war, wurde flux drüben bei Facebook beantwortet: Ja, das war vor der Wende, in der Saison 1980/1981, gegen Borussia Dortmund, Endstand ebenfalls 3:3. Auf beiden Seiten ein schönes Line-up, an das sich mein Freund Sammy und ich sogar in großen Teilen ungestützt erinnern: Immel, Burgsmüller, Votava, die Förster-Brüder, Holcer (Dragan Holcer!), Hattenberger (Roland Hattenberger!), heute würde man sagen „Mega“, mir entgleitet da ein seliges „Ach“. Nicht weil in den 80ern alles besser war, aber es war eben meine Zeit des jugendlichen Übermuts, die Zeit von Depeche Mode, David Bowie, Ultravox und Duran Duran, die Zeit von „Remington Steele“, „Ein Trio mit 4 Fäusten“, „Ein Colt für alle Fälle“, Serien, …

Rot weiß Pinsel

Schöne, neue Welt?

Ich weiss nicht, ob Ihr Bob Ross kennt. Ich habe ihn vor zwei oder drei Jahren kennen gelernt. Da sah ich ihn nachts auf Bayern 3 (und danach noch viele alte Folgen „Disco“ mit Ilja Richter). Ich war bei Freunden in Nürnberg zu Besuch, wir wollten nach einem turbulenten Abend noch einen Absacker nehmen und der Fernseher lief. Und ein älterer Typ, mit wilder Frisur und sanfter Stimme malte im TV. Ich kenne mich mit Malerei nicht so aus und möchte Bob nicht zu nahe treten, aber ich würde seine Malerei naiv nennen. Die Sendung hieß „The Joy of Painting“ und er erklärte, was er malte. Großflächig trug er Farbe auf, dann fing er an zu tupfen und nach und nach entstand ein Bild. Er tupfte hier und tupfte da und es wuchs ein Berg mit einem See davor. Dann fing er an, aus diesem Bild ein neues Motiv zu entwickeln. Wolken kamen hinzu („Let’s make some happy little clouds“), Vögel, Bäume („Everyone needs a friend“) und plötzlich wurde es eine neue Welt. Ein malerischer …

Foto: muzsy / Shutterstock.com

Lajos, Włodzimierz, Artur und ich

Wir schreiben hier ja gerne über unsere ganz persönlichen Fußballerinnerungen. Während abiszet das VfB-Gen vererbt wurde, wuchs ich in der ostwestfälischen Provinz nahe Bielefeld auf. Ohne fußballbegeisterte Eltern, ohne fußballbegeisterte Geschwister. Eigentlich sogar ganz ohne Geschwister. Aber Eltern. Die liebten mich, aber nicht den Fußball. Wie das Leben eben so spielt. Ohne jegliche Vorprägung durch mein Umfeld konnte ich meine eigenen fußballerischen Erfahrungen machen und Vorlieben entwickeln. Und so kam es wie es kommen musste: Ich wurde Bayern-Fan. Aber das ist ein anderes Thema. Ich war jung und brauchte einen Club. Mit steigendem Alter und Lokalpatriotismus sowie zunehmender Leidensbereitschaft wandte ich mich später natürlich Arminia Bielefeld zu. Eine der frühesten fußballerischen Momente, die sich in meinem Langzeitgedächtnis verankert haben, ist das WM-Finale 1986. Allerdings weiß ich nur noch, dass ich es gesehen habe und dass die Niederlage der deutschen Mannschaft die allgemein gute Stimmung nicht nachhaltig stören konnte. Ich nehme daher an, dass auch die Freunde meiner Eltern keine ausgewiesenen Fußball-Fans waren. Etwas konkreter erinnere mich da schon an die Saison 1987/1988, nicht zuletzt bedingt durch meinen …

WM Pokal

WM-Lieblingsspieler, Folge 9: Robert Huuuuth (2006)

Ballack, Klose, Pirlo, Zidane, Cannavaro, alle nominiert fürs All-Star-Team der WM 2006. Aber meine Stimme haben sie nicht bekommen. Robert Huth, ein Kerl, so groß und beweglich wie ein Wiesenbaum, er hat es mir angetan, er war für mich das Symbol der WM 2006. Seine Rolle war sportlich überschaubar, aber ich habe ihn schon beim Confed-Cup ins Herz geschlossen. In der Länderspielwoche möchte ich mit einem neuen Spieler unsere Serie der WM-Helden wiederbeleben. Das ist vielleicht ein bisschen untergegangen: Während der Weltmeisterschaft in Brasilien wurden in loser Folge Lieblingsspieler gekürt, die Gründe sind ausschließlich persönlicher und weniger sportlicher Natur. Hier eine kleine Auswahl aus unseren bisherigen acht Folgen: 1974 Johnny Rep >> Nach einem Besuch im Mannschaftshotel der Argentinier war ich Fan der langhaarigen Südamerikaner, entdeckte aber den holländischen Stürmer in einer Pizzeria in Jesolo für mich. 1986 Jose Burruchaga >> Im Finale machte der Argentinier mächtig Eindruck bei mir und hinterließ Spuren in Delmenhorst. 1990 Tony Cascarino >> Ja, die Iren, die liebe ich wegen der Liebe. 1994 Alexis Lalas >> Mein erster Job …

Geschenk

Wie der VfB die Punkte herschenkt

Es geht aufwärts! Der VfB verbessert sich kontinuierlich: Erneut kein Gegentor in den letzten zehn Minuten und sieben Spiele schon kein Tor eines Ex-Stuttgarters in dieser Saison: Traore, Schipplock, Bicakcic, Schieber, keiner traf (gut, dass die meisten von ihnen gar nicht auf dem Feld waren). Nach dem 3:2 der Berliner sind es die ganz kleinen Erfolge, über die man sich freuen kann. Aber: Wenn der VfB gegen eine solche Mannschaft nicht gewinnt, gegen wen dann? Eine völlig verunsicherte, strukturlose Berliner Mannschaft gegen die der VfB nach fünf Minuten nach einer traumhaften Kombination sogar in Führung geht. „A gmahte Wiesn“, würde der Bayer sagen. „Heiligx Blechle“, murmelt der Stuttgart-Fan kopfschüttelnd nach dem Spiel. Michael Preetz wie Jos Luhukay sprechen einhellig davon, dass es das beste Berliner Spiel der Saison war und das ist eine Watschn‘ für den VfB. Berlin hat sich durch einige neue Spieler bei weitem nicht gefunden, macht aber weniger Fehler und nutzt die des VfBs gnadenlos aus. Wenn ein Spieler wie Änis Ben-Hatira neben Salomon Kalou der beste Berliner Spieler ist, dann ist …