Monate: Mai 2016

Meine Traumreise mit Jürgen Klinsmann

Der VfB ist in der zweiten Liga, was bleibt einem da als VfB-Fan noch? Nostalgie, klar, der Blick auf Meisterjahre und sonstige emotionale Momente der Vergangenheit. Und es die Zeit zum Träumen. In letzter Zeit, schätze seit rund zwei Monaten, wiederholt sich bei mir immer wieder ein Traum. Also kein Tagtraum, sondern ein Traum, Ihr wisst schon, so richtig beim Schlafen. Und der Traum geht so: Es muss ein schöner Sommertag sein, jedenfalls trage ich mein kurzärmeliges VfB-Traditionstrikot, meine tief ins Gesicht gezogene Schildmütze mit der Aufschrift „Faith“ und eine Sonnenbrille. Ich bin auf dem Weg ins Stadion und ich bin guter Laune. Offensichtlich befindet sich der VfB in meinem Traum nicht im Abstiegskampf. Es sind sogar alle gut drauf. In der S-Bahn wird viel gelacht, mir fällt auf, dass mich einige verstohlen mustern, ein paar nicken mir zu. Ich nicke zurück, bin ja ein freundlicher Mensch. Meistens. Wie immer bin ich so zeitig dran, um beim PSV eine Rote zu essen und mir ein Bier schmecken zu lassen. Beim Anstehen auf die erste Halbe …

Quatsch Comedy Club

Jede Woche neu, jede Woche live: die Stand-up Comedians von der Mercedes Straße. Wurde nach dem Abstieg kurz ein wenig Trübsal geblasen, präsentiert der VfB bereits sein neues Show-Programm: der Präsident sagt nach seinem letzten Auftritt leise Tschüssle, der Sport-Vorstand sorgt bei „Sport im Dritten“ für den einen oder anderen Brüller, Guido Buchwald hatte die Lacher auf seiner Seite, als er sich in Gespräch brachte als Präsident, Vorstand, Sport-Direktor, Maskottchen oder zumindest als Kulissenschieber. Nur dem Aufsichtsrat sind Pointen zunächst egal. Er engagiert als neuesten Show-Act den Holländer Jos Luhukay, einer, der zum Lachen eher in den Keller geht. Aber spaßbefreite Trainer wie Magath, Groß oder auch Stevens haben in Stuttgart durchaus (Publikums-)Erfolge gefeiert. Es wirkt wie Aktionismus, einen Trainer zu verpflichten, ohne einen Sportdirektor zu haben. Diese Personalien müssen passen! #VfB — arctic light (@arcticlight) May 17, 2016 Ich würde es begrüßen, wenn es erstklassiges Entertainment auf dem Rasen gäbe, wenn wir alle dort etwas zu lachen hätten. Darauf müssen wir bis zum Rückrundenstart warten. Nachdem Stefan Mappus abgesagt hatte, ist nun Günther Oettinger …

Tausend Tränen tief

Enttäuscht, resigniert, verbittert, wütend, müde, traurig, entsetzt, hoffnungsvoll, melancholisch, erleichtert, fassungslos – kann man das alles gleichzeitig fühlen? Es fühlt sich jedenfalls scheiße an. Ich hatte eine Woche Zeit, mich auf den Abstieg vorzubereiten. Aber er trifft mich doch mit einer unerwarteten Wucht. Der Abstieg kam in der Nacht und hielt mich umschlungen, ich bin erwacht und er war immer noch da. So wird das jetzt lange gehen. Ich bin wütend! Der Abstieg ist so unnötig. Die erste Liga wurde hergeschenkt nach dem Hoffenheim-Sieg: Ein frappierender Spannungsabfall im gesamten Verein, der über neun Spiele von keinem der Verantwortlichen gebremst werden konnte. Nicht gehandelt zu haben, sich nicht mit allem gegen den Abstieg gewehrt zu haben wie Bremen und Frankfurt, ist das wahre Versagen von Bernd Wahler, Robin Dutt, Jürgen Kramny und der Mannschaft. Wer ernsthaft überlegt, mit Dutt und Wahler weiter zu arbeiten, schadet dem Verein. Ich fasse es nicht! Hätte Dutt in den Wochen zuvor so gekämpft wie in der letzten Woche um seinen Job, dann wäre der VfB nicht abgestiegen. Wenn Dutt so …

Die Totengräber des VfB

Warum bin ich VfB-Fan? Der Verein kam zu mir durch meinen Vater, der mich als ganz kloiner Junge mit ins Neckarstadion genommen hat. So ein riesiges Stadion, es roch nach Bratwurst, man konnte so laut schreien wie man wollte und dann trugen die Spieler so ein schönes Trikot. Mein erstes Idol war Hermann Ohlicher, natürlich weil er viele Tore schoß, aber auch weil ich glaubte, er ist wie ich: Er liebt den VfB. Der Verein ist wie ein warmes Herz, eine heiße Liebe, aber auch eine wehmütige Erinnerung. Das kann das Geräusch des Jubels, der Schmerz einer vergebenen Chance, der rhythmische Gesang von 1893-hey-hey sein. Der VfB gehört für mich zur Familie. Ist mal der große Bruder, zu dem ich aufsehe. Mal der Opa, wenn er von Tradition und alten Zeiten spricht. Mal die zickige Schwester, wenn der Club wieder eine Pussy ist. Es muss schon viel passieren, ehe man jemand aus der Familie verstößt. Vertrauensbruch. Hinterhältigkeit. Betrug. Eine wehrlose Mannschaft. Ein überforderter Trainer. Ein planloser Manager. Ein unbeholfener Präsident. Und schließlich Fans, für die …

This Club is on fire!

Es wird über guten und bösen Fußball diskutiert in diesen Tagen. Auslöser ist Pep Guardiola, der für das schöne Spiel steht, aber mit Bayern München „nur“ dreimal hintereinander Meister geworden ist. Es gibt wirklich Leute, die so überheblich sind und Guardiolas Fußball über den von Klopp, Rangnick, Schmidt, Schuster oder Simeone stellen. Weil Pep Fußball „spielen“ läßt und die anderen eher auf die Fehler des Gegners warten oder sie erzwingen wollen. Ich bin da ganz einfach gestrickt: Für mich spielt der VfB bösen Fußball – und warum? Weil er nicht erfolgreich ist. So gesehen gibt es nicht gut und böse, sondern erfolgreich und den VfB. Und wie man zum Erfolg kommt, dafür gibt es verschiedene Wege. Nicht nur den Pep-Way und den Halunken-Style von Diego Simeone. Der VfB hat den Weg in den Mißerfolg genommen. Von diesem Weg läßt er sich seit rund fünf Jahren nicht abbringen, ganz so wie die Weinwanderer am Vatertag. Jetzt brennt es lichterloh in der Mercedes Straße. Und zwar überall. Trainerstab Jürgen Kramny saß wie das reine Elend in Bremen …

Verein für Bequemlichkeit

Auf meinen Freund Sammy konnte ich mich immer verlassen: Wenn ich am VfB zweifelte, wenn ich vor Spielen Angst hatte und wenn es um alles ging, gab er mir mit seinem Optimismus Hoffnung. Ich sah mit ihm das Bochum-Spiel 2007, er sagte das 2:1 gegen Cottbus voraus und war sich letzte Saison absolut sicher, dass gegen Mainz und den HSV gewonnen wird. Vor dem Bremen-Spiel schüttelte er allerdings den Kopf: „Des wird heut‘ nix!“ Damit war der Abend eigentlich gelaufen. Warum habe ich mir das Spiel noch angetan? „Zwei Tore auswärts, das ist eine gute Leistung, vor allem ohne unsere Fans. Und das auswärts in diesem Hexenkessel in Bremen. Ja gut, wir müssen die individuellen Fehler abstellen, insbesondere in der Abwehr, aber die anderen haben jetzt den Druck: Die können etwas verlieren, während wir aus einer komfortablen Situation kommen. In der fühlen wir uns am wohlsten. Von uns erwartet niemand etwas, es gibt noch sechs Punkte und die können wir uns holen“. Ein absolut lächerliches Statement? Ja – und ein frei erfundenes. Aber es wäre …