Monate: Juni 2016

Die EURO für die Ohren

Ich denke, wir sind uns einig: Die Vorrunde der EM hätten wir uns eigentlich schenken können. So richtig begeistern konnten eigentlich nur die Isländer. Micky Beisenherz schrieb dazu: „Wenn ich was sehen will, wo ich mir die ersten 88 Minuten sparen kann, dann gucke ich den Tatort.“ Und damit hat der Gute Recht, denn die späten Tore nervten wirklich. Aber nach den Achtelfinalspielen hat es den Anschein, als ob die Europameisterschaft gerade noch rechtzeitig Fahrt aufnimmt. Gleichzeitig gab es wohl noch kein Turnier, das medial so intensiv begleitet wurde wie diese Europameisterschaft. Doch leider ist vieles davon nicht wirklich erstrebenswert. Wer den Fernseher also zum Anpfiff ein- und zum Abpfiff wieder ausschaltet, macht wahrscheinlich nichts falsch. Eine der angenehmeren Erscheinung sind hingegen die zahlreichen Podcasts, die um das Turnier herum produziert werden. Neben einigen Perlen aus der Blogosphäre tut sich hier vor allem Deezer hervor. Und deswegen waren wir gerne bereit, das EM-Angebot des weltweit zweitgrößten Musikstreaming-Dienst hier vorzustellen. Denn Deezer überträgt in Kooperation mit Sport1.fm nicht nur alle Partien live, sondern produziert auch zwei exklusive Podcast-Formate. Neben …

Diese EM macht (noch) keinen Spaß!

Meine Vorfreude auf das Turnier war so groß. Anfang des Jahres überlegte ich mir, was wir hier im Blog alles machen könnten: Podcast. Videos. Die besten Szenen mit Gummibärchen nachbauen. Doch je näher das Turnier rückte, desto mehr verebbte mein Enthusiasmus. Und als dann noch die ersten Lieder im Radio zu hören waren, deren einzige Motivation es ist, als EM-Song Kasse zu machen, spätestens da hatte ich keine Lust mehr auf die Europameisterschaft. Nach den ersten zehn Turniertagen sehe ich mich in meiner Ablehnung bestätigt. Bisher ist die EM für mich: David Guetta, Mark Forster, wenige Tore, späte Tore, besorgte Bürger mit Pickelhauben und Reichskriegsflagge, Favoritensiege, Geheimfavoritensterben, Eventisierung von Nichtigkeiten, Fremdschämen, Hashtagflut, schlechte Torwartleistungen, mittelmäßige Kommentatoren, erstaunlich unauffällige Schiedsrichter. Kurz gesagt: Diese EM hat es auch nach mehr als einer Woche nicht geschafft, was seit 1990 jedem großen Fußballturnier in Windeseile gelungen ist: Mich zu begeistern. Und ich merke, dass es vielen so geht wie mir. Aber woran liegt das? Am aufgeblähten Teilnehmerfeld? Eher nicht. Denn gerade die vermeintlich “Kleinen“ wie Nordirland, Ungarn, Island und Albanien sorgten bisher …

Unser Moppel-Ich

Das Gewicht zu halten ist kein Spaß. Der tägliche Kampf mit den Pfunden ist nichts für Feiglinge. Fish & Chips und Pale Ale sind mächtige Gegner. Und dann das Full English Breakfast. Eier, Eier, Eier, Baked Beans, Würstchen, Frühstücksspeck, weißer Toast, Räucherheringe, Blutwurst und über alles drüber diese Brown Sauce. Es ist wirklich schwer, lieber Bastian Schweinsteiger, das sieht man Ihnen an. Umso beeindruckter war ich von Ihrem Kurzauftritt gegen die Ukraine. Alter…da wackelt ja echt die Wampe unterm Trikot bei dem Sprint! #schweini #GERUKR — Philipp (@Ph_Ha) June 12, 2016 Dass Schweinsteiger den einzigen Sprint, zu dem er heute fähig war, zu einem Tor nutzte: effizient. #GERUKR — texterstexte (@texterstexte) June 12, 2016 Bleiben Sie deshalb bitte wie Sie sind! Nehmen Sie nicht ab und werden Sie nicht zum Biggest Looser, Herr Schweinsteiger, sonst sehen Sie so ungesund und verbissen aus wie Thomas Tuchel. Mit Ihrem 192-Meter-Sprint haben Sie uns die Hoffnung zurück gegeben, dass wir keine Kalorien oder Weight-Watchers-Punkte zählen müssen, dass wir das dritte und vierte Weißbier auch noch trinken können und dass …

Niceland

Die Haare wie Johan Cruyff, die Socken runter gerollt wie Socrates, ein Blick für den freien Raum wie Bernd Schuster. Es sah immer so leicht aus bei ihm. Am Ende flog der Ball punktgenau dort hin, wo er ihn gerne haben wollte. Außenrist, Innenrist, Vollspann – die Schönheit seiner Pässe und die Eleganz seiner Bewegungen sind bis heute unerreicht. Wenn Asgeir Sigurvinsson auf dem Platz stand, dann schien die Sonne heller, wirkte der Rasen saftiger und die Tore größer, das VfB-Spiel erreichte eine eigene Kunstform. Mit seinen feinen Füßen hätte es mich nicht gewundert, wenn er mit ihnen auch akustische Gitarre gespielt hätte. Zu niemandem passte Dirigent besser als zu Sigurvinsson. Wenn es das schon in den 80ern gegeben hätte, man hätte den Isländer als Wi-Fi des VfB-Teams bezeichnet: Er verband alle Spieler und Mannschaftsteile magisch miteinander. Wegen ihm kann ich die Mannschaft von 1982 immer noch auswendig aufsagen. Roleder. Förster. Förster. Schäfer. Hadewicz. Niedermayer (Kurt!). Allgöwer. Ohlicher. Six. Kelsch. Reichert. Und eben Sigurvinsson. Er war der Beste. Wegen ihm liebe ich Island. „Eismeer-Zico“ nannten …

Der Ungeliebte

Immer wenn die Nationalmannschaft spielt, denke ich über meinen Beziehungsstatus zu Mario Gomez nach. Wenn er mir seit 2009 begegnet, weiss ich nicht so richtig, was ich fühlen soll. Er schoß uns zur Meisterschaft 2007, oiner von uns, dem man anmerkte wie sehr er es liebte, für den VfB zu spielen. Aber auch einer, der nach München wechselte, nachdem er vier Tore gegen Wolfsburg schoß. Das nahm ich ihm damals wirklich übel, ich dachte, er könne sich den bequemen Zwischenschritt in München sparen und gleich zu Real Madrid, Chelsea oder ManUnited gehen. Anstatt dessen ließ er sich vom Rekordmeister vereinnahmen, hampelte in Lederhosen rum und wurde gebrainwasht mit der „Mia-san-mia“-Doktrin bis er schließlich selbst dran glaubte, ein geborener Bayer zu sein. Das schmerzt. In München mochten sie Gomez allerdings nicht. 33 Millionen für einen Chancen-Verstolperer und -Versemmler, so die langläufige Meinung. Für diesen schwerfällig wirkenden Stürmer, der nicht selten unbeholfen durch den Strafraum tapste. In München sah er deshalb aus wie ein großer, trauriger Bär. Er hat sich zwischendrin auch an ein paar Dribblings versucht, …

Pirates of the Neckaribbean

Stürmische Zeiten in Cannstatt. Der Stuttgarter Schoner mit dem prägnanten roten Ring um den Rumpf hat Schiffbruch erlitten und muss schnellstens wieder flott gemacht werden, damit man durch die kabbeligen Zweitligagewässer sicher in den reichen Hafen namens Bundesliga einfahren kann.  Aber von wem? Nachdem das Robin Dutt kielgeholt wurde, Bernd Wahler über die Planke geschickt wurde und man Jürgen Kramny fürs erste auf einer einsamen Regionalliga-Insel ausgesetzt hat, herrscht große Unklarheit darüber, wer nun das Sagen hat. Immerhin ist bereits ein neuer Steuermann gefunden: Der niederländische Freibeuter Schnauzer-Jos soll das angeschlagene Schiff wieder auf Kurs bringen. Dass er die Gewässer mit all seinen Gefahren wie den Kaiserslauterner Klippen, den Fürther Felsen und dem Sandhäuser Strudel kennt wie seine Westentasche, steht außer Zweifel. Die große Frage: Wer rekrutiert die neue Crew? Wer hat das Kommando? Doch noch fehlt ihm eine verlässliche Crew für das große Abenteuer. Viele, die in der Vergangenheit als erfahrene Seemänner angeheuert wurden, stellten sich schnell als Leichtmatrosen heraus. Und schon jetzt vermisst man den ersten Maat mit den benineschen Wurzeln, der sich …