Spielbericht, VfB
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Die zweite Liga tut dem VfB gut!

VfB Stuttgart

Die sogenannte Mixed-Zone im Stadion ist die Zweikampf-Area zwischen Journalisten und Fußballern. Die Tür vom Kabinentrakt geht auf, Spieler kommen raus und gehen durch einen abgesperrten Bereich, hinter dem sich Journalisten drängeln. „Timo, Timo!“, „Mii-hiiitch!“, „Genteee!“ müssen an den verbalen Blutgrätschen der Medienschaffenden vorbei und bleiben stehen, wenn … ja, warum eigentlich? Aus Höflichkeit? Als ich durch die Mixed Zone nach dem Sandhausen-Spiel gehe, schnappe ich eine Aussage von Timo Baumgartl auf: „Die zweite Liga tut mir gut, ich bin froh diesen Weg gegangen zu sein“. Auf dem Weg aus dem Stadion reift in mir die Erkenntnis: Die zweite Liga tut nicht nur Timo Baumgartl gut, sondern der ganzen Mannschaft. Ja, sogar dem gesamten VfB Stuttgart!

Warum? Nehmen wir zum Beispiel die 74. Minute:
Nach einem Konter über Anto Grgic kommt ein Querschläger auf Umwegen zu Schäng Zimmer, der glockenfrei das ganze Tor offen vor sich hat hat, aber nur Keeper Knaller anschießt. Eine solch hundertprozentige Torchance nicht zu nutzen, kann man sich in der ersten Liga nicht erlauben.

Oder die 77. Minute:
Sandhausens Thomas Pledl setzt sich mal wieder auf der linken VfB-Verteidigungsseite gegen drei Mann durch, flankt in den Strafraum und da steht Richard Sukuta-Pasu. Drei Meter vor dem Tor – und schiebt den Ball neben das Tor. Chicharito hätte den gemacht, ebenso Anthony Modeste, selbst Mario Gomez und Pierre-Michel Lasogga hätten getroffen. Und genau deshalb tut dem VfB die zweite Liga gut: Es werden Defizite aufgezeigt, ohne dass sie zwingend Konsequenzen haben. Nachlässige Abwehrarbeit? Nicht so schlimm, denn in der Mitte steht am Sonntag in Sukuta-Pasu ein Mann, der zuvor für Leverkusen, St. Pauli, Bochum, Graz, Brügge und Cottbus schon das Tor nicht traf.

Es können also Gurken-Spiele wie das gegen Sandhausen glücklich gewonnen werden, obwohl Fehler gemacht wurden. Auf und außerhalb des Spielfelds. Mir erschlossen sich die Einwechslungen zum Beispiel nicht unbedingt.

Ausschnitt aus unserem Live-Ticker für die StZ/StN: Ist die Auto-Korrektur ihrer Zeit voraus?

Die Verantwortlichen sehen, auf wen sie setzen können in der ersten Liga und auf wen nicht. Da wird bei Slim Shindy und Hannes Wolf sicher der Name Jean Zimmer fallen, eventuell auch über die offensichtlichen Geschwindigkeitsdefizite eines Kevin Großkreutz diskutiert, womöglich wird sogar der Kapitän in der augenblicklichen Form thematisiert. Der VfB kann die zweite Liga quasi zu Testspielen unter Real-Bedingungen nutzen, um sich auf den Ernstfall erste Liga vorzubereiten.

Was er natürlich dabei nicht vergessen darf: zu gewinnen. Deshalb ist es wichtig, Spieler wie Carlos Mané und Simon Terodde im Team zu haben. Spieler, die den Unterschied ausmachen. Denn bei bei ihnen gibt es wohl keine zwei Meinungen: Sie sind erstligareif! Und in der Bundesliga ist dann auch der Rasen hoffentlich wieder vernünftig gewässert. Auf dem stumpfen Grün kann man ja nicht mal vernünftig jubeln!

 

Titelbild: vfb-bilder.de

12 Kommentare

  1. „Nicht so schlimm, denn in der Mitte steht am Sonntag in Sukuta-Pasu ein Mann, der zuvor für Leverkusen, St. Pauli, Bochum, Graz, Brügge und Cottbus schon das Tor nicht traf.“

    Man könnte einwenden: für den VfB reicht’s trotzdem, aber eben nur ein mal ;)

    • @abiszet sagt

      Genau das ist der Punkt, Marc: In der Bundesliga wären diese Fehler bestraft worden, da die Stürmer dort nicht nur einen lichten Moment haben wie Sukuta-Pasu …

  2. Pessimist sagt

    Lieber A-Z
    Du sprichst mir mal wieder aus der Seele.
    Es hat sich nichts verändert – in der Bundesliga hätten wir momentan aus den beschriebenen Dingen heraus maximal 18 Punkte und würde uns wieder im Sumpf befinden.
    Es sind noch viele Dinge zu bewegen – bleibt zu hoffen, dass der Hannes Wolf da die Dinge weiter entwickeln kann.
    So brauchen wir auf jeden Fall nicht hoch – sonst schickt uns Augsburg (etc) wieder mit einer Packung heim…..

  3. Oliver sagt

    Natürlich tut den Roten die zweite Liga gut. Allein schon deshalb, weil wir in den vergangenen Jahren selten bis gar nicht eine Erstliga-Mannschaft auf dem Rasen hatten. Der Patient war eigentlich schon tot und damit meine ich nicht nur den Profi-Kader.

    Jetzt steht ein nahezu völlig anderes Team auf dem Rasen, welches sich sicherlich erst noch finden muss. Da sind Fehler und Abstimmungsprobleme ganz normal. Die Mannschaft wächst für mich außergewöhnlich schnell zusammen. Hannes ist kein Zauberer und daher dürfen wir keine Wunderdinge von ihm erwarten, aber er legt ein gesundes Tempo vor.

    Am Sonntag wäre ein 4:2 vielleicht das richtigere Ergebnis gewesen, wenn Großkreutz und Zimmer für den VfB und Sukuta-Pasu für den SV getroffen hätten. Aber hätte, hätte, Fahrradkette, am Ende stand es 2:1 und das IMO verdient. Wir wollen ja nicht vergessen, dass wir u.a. die beste Abwehr der Liga knacken mussten.

    Sollten wir am Ende der Saison aufsteigen, dann soll bitte keiner (hier) glauben wir rocken gleich die Liga wie Leipzig. Der Weg zurück ins Mittelfeld oder gar an die Spitze wird steinig und schwer, sehr schwer!

    • @buzze sagt

      Sandhausen stand hinten wirklich gut. Wenn ich Teroddes Chancen zähle und den Elfer weglasse, komme ich auf genau eine: Das Tor. Aber dass der VfB am Ende in Schwimmen geriet, hätte ich nicht gedacht. Aber ich glaube, dass Hannes Wolf auch – oder gerade – aus solchen Spielen seine Lehren zieht.

  4. Nun, aber auch Fehler des Trainers sollte man nicht übersehen…. Was soll immer die Einwechslung eines zweiten Stürmers, wenn dann kein Mittelfeld da ist, das die Stürmer bedient?….. Warum kommt er nicht drauf, Maxim Mal zentral spielen zu lassen, wo er seine Stärken ausspielen kann. Anstatt Zimmer zu bringen, hätte er Maxim einwechseln sollen, Asano auf den linken Flügel umstellen und es hätte ein ansehnliches Spiel gegen. Und warum spielt eigentlich Gentner jede Woche? …..

    • @buzze sagt

      Wie geschrieben: Die Wechsel waren auch aus unserer Sicht diskussionswürdig. Wobei man natürlich auch sehen muss, dass Zimmer beim Stand von 1:0 kam. Ich denke nicht, dass Wolf nach dem 1:1 auch so gewechselt hätte.

    • @abiszet sagt

      Herzlichen Dank, lieber Pessimist. Aber so schlimm wie Du sehe ich es nicht ganz ;-)

      Klar, das Spiel gegen Sandhausen hätte der VfB gegen Köln, Frankfurt, Hertha oder Mainz mit 1:3 verloren. Augsburg hätte das in der augenblicken Form nicht geschafft ;-)

      Aber im ernst: Ich finde, man sieht, dass Hannes Wolf die Mannschaft entwickelt. Das ist schon ein anderer Fußball. Spiele gegen Mannschaften wie Sandhausen oder auch Heidenheim, die weniger von der Substanz der Spieler als von der taktischen Brillanz der Trainer leben, sind super unangenehm. Und letztlich macht da die individuelle Klasse des VfB den Unterschied.

      Stimmt absolut @Oliver!

      Ich sehe das Problem schon ein bisschen früher, @Timo:
      Bereits in der ersten Halbzeit gab es im Mittelfeld ein riesiges Loch: Innenverteidiger und Anto Grgic versuchten das Spiel aufzubauen, während fünf Spieler weitgehend an der Strafraumgrenze „warteten“ (Gentner und Asanao auf der „8“, außen Green und Mané, in der Mitte Terodde). Da hat ein Zwischenspieler gefehlt, wie es Maxim einer sein könnte, eventuell kann das auch Ebbo Ofori spielen. Mit @buzze habe ich das diskutiert und wir waren der Meinung, dass Asano und Green irgendwie fast auf derselben Position spielen bzw. sich zu ähnlich sind. Wir sind gespannt, welches Line-up Wolf gegen HDH wählt.

    • Clemens sagt

      Warum spielt Gentner eigentlich jede Woche? Das habe ich mich auch bereits des öfteren gefragt. Aber bei Gentner weiß man eigentlich immer erst wie wichtig er ist, wenn er mal fehlt.

  5. Tobi vfb sagt

    Ich muss mal ganz ehrlich sagen, dass nicht nur dem Verein die zweite Liga gut tut, auch den Fans tut es gut, endlich mal wieder zu jubeln und Tore zu feiern. Wir hatten in der ersten Liga oftmals kein Glück, was wir uns jetzt wieder holen.

    • @abiszet sagt

      Yep Tobi, das stimmt, Siege konnten wir in den letzten Jahren nicht gerade viele feiern. Vielleicht hätte ich schreiben sollen „Die zweite Liga tut uns allen gut“ ;-)

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