Allgemein, Spielbericht, VfB
Kommentare 9

Alles nur geklaut …

Red Bull Leipzig ist böse. Ganz böse. Die Fratze und die Ungerechtigkeit des Kapitalismus. Die können alles und jeden kaufen, wahrscheinlich auch Schiedsrichter und das ekelhafteste ist, dass sie auch noch attraktiven Fußball spielen. Regelrecht zum Kotzen ist, dass Red Bull gegen den VfB gewonnen hat und das mit angezogener Handbremse. Während wir uns noch freuen, Fan einer AG mit Vereinstradition zu sein, macht Red Bull die Kiste. 1:0. Trocken, humorlos, mit dem ersten Torschuss.

Red Bull Leipzig ist wie die Chinesen. Sie klauen Know-how und verbessern es. Erst haben sie unsere gesamte Jugendabteilung abgeworben, uns dann Josua Kimmich weggenommen, um uns schließlich noch unser Wunderkind Timo Werner zu entreißen. Jetzt tun sie so, als ob sie Werner entdeckt hätten, dabei war das doch Bruno Labbadia. Unter ihm machte Werner sein erstes Bundesligaspiel. Alles nur geklaut also bei Red Bull. Ohne Brause-Millionen und VfB-Know-how wären die immer noch in der dritten Liga und müßten gegen den KSC spielen.

Red Bull hat mit den Verkaufserlösen dieses bäbbigen Zeugs ein Nachwuchsleistungszentrum hingestellt, das wohl das Beste in Europa ist, geschafft hat es allerdings noch keiner der Jungbullen in das Profiteam. Da kauft Ralf Rangnick, ein naseweiser Hardcore-Vertreter von Pressingfußball, lieber Nachwuchskicker aus der ganzen Welt. „Die hätte jeder kaufen können“, führt Rangnick dann oft überheblich an. Logisch, wenn man so 15 bis 25 Millionen übrig hat. Klar war: Der VfB hatte Angst vor diesem hochgezüchteten Marketinginstrument, dessen Sinn in erster Linie im Verkauf von Brause liegt und weniger im Erreichen einer Meisterschaft. Angst vor einer Klatsche, die die gute Stimmung verdorben hätte. Mit der defensivsten Aufstellung der VfB-Geschichte wollte Hannes Wolf nur Schadensbegrenzung betreiben, selbst Huub Stevens war da mutiger.

So liest sich das, wenn man das Spiel ideologisch gesehen hätte und wenn man unsachlich und emotional auf die Niederlage reagiert. Das Spiel gab dazu aber keinerlei Anlass, ich habe es ganz anders gesehen: Der VfB wollte nicht hoch verlieren, Red Bull mit möglichst wenig Aufwand drei Punkte holen. Das ist beiden Teams gelungen. Ende der Geschichte.

Schade, denn nach Wolfs Statement auf der Pressekonferenz durfte man etwas mehr Mut erwarten. Doch der VfB spielt erneut nach dem Fanta 4-Motto „Du bist nur Gast hier, du fasst hier nichts an.“ Die Stuttgarter bewerben sich weiterhin nachdrücklich um den Preis für die beliebteste Auswärtsmannschaft der Liga.

Fußball war eine Zeit lang einfach: Man war Fan des Vereins, in dessen Stadt man geboren wurde, zu dem einen der Vater mitgenommen hat, in dessen Trikot man sich verliebt hatte oder weil man dort einen Spieler zu seinem Idol auserkoren hat. Das war’s. Heute ist das anders, es hat eine ganz andere Dimension. Was für ein Typ Mensch wir sind, soll unser Fan-Sein ausdrücken: Wir sind so super wie der Verein, den wir lieben.

Das ist nicht mein Ding. Egal gegen wen der VfB gewinnt: Ich freue mich. Egal gegen wen der VfB verliert, darüber ärgere ich mich. Ok, wenn es der FC Bayern und der KSC wären, ein bisschen mehr. Aber eine Niederlage gegen Red Bull? Erwartbar. Mich darüber aufzuregen, ist Energy-Verschwendung.

Foto: shutterstock.com

9 Kommentare

  1. Eduard sagt

    Man soll nicht rumheulen wenn der VFB seine so genannte Talente weggibt paar Beispiele Gomez , Khedira, Leno, Rudy, Rüdiger, usw es sind zu viele Namen. Bin selber VfB Fan lebe in Stuttgart was soll ich dazu sagen? Selber Schuld ganz einfach. Die guten Spieler werden verkauft und dann werden Spieler eingekauft die erstmals Fussball spielen lernen müssen. Und das alles nur wegen Geld. Erfolg zählt nicht beim VfB. Einfach nur dumm. Man muss die Spieler auch halten können und dann kommt auch der Erfolg. VFB bitte Augen aufmachen!

  2. Dirk Walther sagt

    Ihr vergesst, das der erste deutsche Meister aus Leipzig kam. Unsere Traditionsvereine wurden nach der Wende zur Sau gemacht. Nun hat man endlich mal einen Verein aus dem Boden gestampft, der mit den westdeutschen mithalten kann… vor allem eben auch finanziell. Mein Gott , Leipzig ist eine international bekannte Weltstadt, die auch einen guten Fußballverein verdient hat… immer dieseses sinnlose Geschimpfe…grausam.

    • @abiszet sagt

      @Eduard
      Ja genau, als das sollte es nicht verstanden werden: Jammerei. Bei den von Dir aufgeführten Beispielen sind Khedira und Gomez einfach nicht zu halten gewesen, sie sind größer geworden als der VfB. Bei den anderen muss das Ziel sein, das Talent (rechtzeitig) zu erkennen und sie so lange wie möglich halten. Und wenn Spieler bzw. Trainer oder Verantwortliche gehen, dann muss man immer fragen: warum? Der Schnitt im Jugendbereich und dem Abgang u.a. von Frieden Schrof ist zu großen Teilen Fredi Bobic „zu verdanken“.

      @Hidir und @Dirk
      „So liest sich das, wenn man das Spiel ideologisch gesehen hätte und wenn man unsachlich und emotional auf die Niederlage reagiert. Das Spiel gab dazu aber keinerlei Anlass, ich habe es ganz anders gesehen“
      Ich weiss nicht, ob Ihr diesen Satz gelesen habt. Ich habe das Spiel eben nicht ideologisch gesehen. Natürlich ist es so, dass Daimler durch Kauf der Anteile am VfB beteiligt ist, aber leider engagiert sich der Automobilkonzern nicht in dem Maße wie Red Bull ;-) Aber das ist nicht der einzige Unterschied zwischen VfB und Red Bull … by the way: Natürlich hat Leipzig einen erfolgreichen Fußballverein verdient, so wie viele andere Städte auch.

  3. Pingback: Presse 23.10.2017 | rotebrauseblogger

  4. sommerwind64 sagt

    Also wenn der Herr Dietrich morgen DEN Meagsponsor präsentiert und übermorgen Messi, Draxler und Sane nach Stuttgart holt, lehnt ihr das alle ab? Total untraditionell mit Sponsorgeldern eine Pokal, DM + CL-siegfähige Mannschaft zusammen zu stellen? Richtig? Barca, Manu, Inter und Real alle uncool?
    Mal ehrlich Leute, Bayern hat sich seine Kohle auch nicht alleine erwirtschaftet und das was jahrelang mehr reingeflossen ist eben sehr, sehr gut verwaltet. Ja, da darf man schon ein bisschen neidisch auf RB sein.
    Tradition und Ehre sind schön und nett, Siege und Meisterschaften eben noch netter. Besonders wenn sie Weiß und Rot 1893 Punkte einbringen.

    • @abiszet sagt

      In der Tat ist die „Anschubfinanzierung“ von Daimler in großen Teilen in die Mannschaft geflossen, leider in der Höhe nicht vergleichbar mit Red Bull. Die Unterschiede zwischen Red Bull und dem VfB liegen viel tiefer, es auf die Finanzierung zu reduzieren, wäre zu einfach. Aber darum geht es in diesem Text nicht.

  5. sommerwind64 sagt

    Ich hoffe ich habe den Text richtig verstanden. Es geht nicht darum, endlich mit dem Rumgehacke auf RB aufzuhören und die Leistung der Verantwortlichen und Spieler anzuerkennen? Durch die Anschubfinanzierung haben sie, sagen wir, den Erfolgsweg etwas abgekürzt. Naja, eben die Seilbahn genommen. Nicht sportlich, aber effizient und mit viel Puste für den weiteren Aufstieg. Gönnen wir es ihnen und freuen uns drauf, dass der VfB hoffentlich bald in ruhige Tabellenregionen aufsteigt.

    • Ich denke, es ist unbestritten, dass die Verantwortlichen in Leipzig aus viel viel machen. Und genauso offensichtlich ist es, dass sie die Freiheiten nutzen, die ihnen erst der DFB/die DFL und jetzt die UEFA lassen. Wer will es ihnen auch verdenken? Trotzdem muss man es nicht gleich feiern, wenn Spieler von Salzburg nach Leipzig und die Gelder von einer Hosentasche in die andere wandern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*