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Auf Level.

„Auf Level.“ Das ist die Formulierung, die Hannes Wolf wählt, um das Spiel gegen Erzgebirge Aue zu beschreiben. Und wie so oft findet er genau die richtigen Worte. Denn „auf Level“ ist Neusprech für das, zu dem wir alten Säcke immer sagten: „Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss.“

Das Spiel gegen Aue ist seltsam. Nach drei Heimspielen bei Kaiserwetter ist es grau und nieselt. Einer dieser Tage, an denen man gerne mal Spiele verliert, die man eigentlich gewinnen sollte. Doch zum Glück ist der VfB nicht so schlafmützig wie gegen Nürnberg. Ganz im Gegenteil: Das Team hat die Partie von Anfang an im Griff. Aue ist anzumerken, dass es eben nicht jede zweite Woche vor 60.000 Fans spielt, sondern auf einer Baustelle mit knapp 10.000 Zuschauern.

Und ganz ehrlich, wenn du mich fragst, wer Meister wird, dann sage ich dir: Der, der seine Heimspiele gegen die Aufsteiger gewinnt. Tedesco hin, Wundertrainer her: Aue ist am 32. Spieltag kein Gegner, gegen den man als Aufstiegskandidat Nr. 1 verlieren darf. Der 19-Tore-Sturm Köpke/Nazarov ist abgemeldet – abgesehen von den defensiven Kreativpässen von Benjamin Pavard.

Und vorne richtet es eben die VfB-Lebensversicherung namens Simon Terodde. Wie schon gegen Nürnberg sorgt er für den ersten Stuttgarter Treffer. Und wie schon gegen Nürnberg ist es ein Elfmeter. Und wie schon gegen Nürnberg hat Terodde ihn selbst herausgeholt. Mal unter uns: Wäre ich Marketing-Fuzzi einer Versicherung, ich wüsste, wer mein nächster Markenbotschafter wäre.

Nach dem frühen Führungstreffer kommt es, wie es kommen muss: Der VfB schaltet in den Verwaltungsmodus. Und wie oft hat das geklappt? Genau: Nie. Diesmal fällt immerhin kein Gegentor, aber diese Lethargie ist absolut unnötig, weil man stets das Gefühl hat, Wolfs Truppe könnte alles im Griff haben – solange sie Druck macht.

Die zweite Hälfte beginnt wie die erste endete: Mit Todespässen von Pavard und Auern, die gefühlt mehr Ballbesitz haben. Aber, was hat der VfB? Genau Simon Terodde. Und nach der ersten guten Flanke von Emiliano Insua nickt der Mann, der jetzt in 30 Spielen genau so viele Tore geschossen hat, wie der KSC in 32 Partien, die Murmel ins lange Eck. Deckel drauf, alles gut, vielen Dank.

Auf Level. Das gilt nicht nur für Simon Terodde, der garantiert einen Cheatcode benutzt, um mittlerweile auf 23 Saisontreffer und damit 48 in zwei Zweitliga-Saisons zu kommen. Das gilt auch für Alexandru Maxim, der zwar mal wieder Pirouetten im Mittelfeld dreht, aber trotzdem grätscht, was das Zeug hält und schließlich für das 3:0 sorgt, das auch das Torverhältnis sehr gut aussehen lässt.

Zugegeben: Aue war ein einfacher Gegner. Nächste Woche wird es schwieriger, denn dann steht der Endboss im Weg: Martin Harnik und Hannover 96. Ein Sieg und der Aufstieg ist besiegelt. Aber selbst, falls der VfB Stuttgart in Hannover verliert, wartet das Bonuslevel: Denn dann kann das Team mit einem Heimsieg am letzten Spieltag gegen die Würzburger Kickers den Aufstieg klar machen.

Zum Mitschreiben: Mit einem Heimsieg vor 60.000 begeisterten Fans gegen einen Aufsteiger aus der dritten Liga, dessen Heimspiele mit 12.000 Zuschauern ausverkauft sind und der in der Rückrunde noch kein einziges Spiel gewinnen konnte.

Danach kann es nur heißen: Level up!

4 Kommentare

  1. Thomas sagt

    Auf ein Wort, liebe leidenschaftliche VfB-Fans und Vorsinger,

    dass was heute in der Canstatter Kurve abgegangen ist, war nicht bundesligareif!

    Steht auf…, ja alle stehen – einmal, zweimal und auch beim dritten Mal kommt anschließend…nichts. Die sonst so fleißigen Vorsinger – schweigen. Sehen sich hilfesuchend an. Stille. Verwundert setzen sich die grob 50T seltsam berührt wieder hin. Kein Funke springt und nimmt die Fans im ganzen Rund mit. Der rechte Flügel der Stehplätze – null Action, die oberen Ränge, a bissle klatschen.
    Hallo, ihr könnt das besser! Dynamo – KSC – Union, erinnert ihr euch? Letze Woche,
    20T waren mit in Nürnberg, 20T haben sich für „unseren“ VFB die Kehle aus dem Hals gebrüllt, auch und gerade nach dem Rückstand.

    Heute? Spiel wieder phasenweise pomadig, aber viel schlimmer, wir Fans haben es durchgehen lassen und unsere Jungs nicht angetrieben! Klar 14′ Elfer 1:0 – zurücklehnen und jetzt Gala, bitte. Weckt mich zum nächsten Torjubel. Ist das unser Anspruch? Sind wir Bayern?
    Hoffe, gegen Würzburg kann man uns Fans besser hören, nämlich erstligareif.

    • @buzze sagt

      Ich war heute leider zu sehr mit dem Ticker und dem schwächelnden Stadion-Wlan beschäftigt, um diese atmosphärischen Störungen zu registrieren, aber ja: Gerade in der 20. bis 40. Minute war es etwas seltsam heute.

  2. Saudaggl sagt

    Was den Aufstieg angeht, bitte nur noch nicht das Fell des Bären erlegen bevor er erlegt ist. Wenn Braunschweig heute gewinnt und wir nächste Woche gegen Hannover verlieren, dann hätten wir ein Endspiel bei dem einfach alles geschehen kann.

    Es hätte zwar was in der Relegation den HSV in die zweite Liga zu schießen, aber bitte lassen wir’s nicht drauf ankommen. Nochmal Gas geben, keinen Zentimeter zurück!

    • @buzze sagt

      Natürlich ist der VfB noch nicht aufgestiegen. Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn uns vor der Saison jemand angeboten hätte, dass wir den Aufstieg mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen Würzburger Kickers klarmachen können, hätten wir sofort eingeschlagen, oder? Die Partie gegen Würzburg ist genau wie das Aue-Spiel: Wenn der VfB nicht gewinnt, hat er den Aufstieg auch nicht verdient. Aber jetzt drücken wir erstmal Union kräftig die Daumen!

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