Autor: @abiszet

Verein, Club, Unternehmen, Basta-AG

Nach der in der letzten Mitgliederversammlung mit überwältigender Mehrheit beschlossenen Ausgliederung ist der VfB Stuttgart ein anderer geworden. Wem das noch nicht schon lange klar war, dem wurde es nun vor Augen geführt. Präsident Wolfgang Dietrich schließt als Anteilseigner an der VfB AG auch einen Investmentfonds nicht aus. Das bedeutet nicht, dass er es forciert. Es bedeutet aber: Der erste Mann des VfB wird alles tun, um den VfB wieder erfolgreich zu machen. Alles. Dafür scheut er auch vor unpopulären Entscheidungen (Rauswurf Schindelmeiser) nicht zurück. Dafür erinnert er sich im Zweifel an Aussagen vor der Ausgliederung („regionale Firmen als Partner“) nicht mehr. So viel zu Fakes und Fakten. Das ist für Fans und Mitglieder nicht schön, aber bei einem Unternehmen werden schließlich auch nicht Mitarbeiter und Käufer in jede Entscheidung einbezogen. Es wird entschieden. Und gemacht. Basta. Und Wolfgang Dietrich ist ein Basta-Präsident. Wo er ist, ist vorne. Was er sagt, wird gemacht. Machtworte und ein autoritärer Gestaltungswillen werden dabei natürlich skeptisch betrachtet, denn Werte wie Partizipation und Kooperation werden dadurch an den Rand gedrängt. …

Käpt’n der guten Hoffnung

Junge Spieler, alte Spieler, erfahrende Spieler, Grünschnäbel: Beim VfB wurde in den letzten Wochen weniger über die Qualität von Spielern gesprochen, sondern über deren Alter und Anzahl von Bundesligaspielen. Vorläufiger Höhepunkt ist die Berufung von Dennis Aogo zum Kapitän. Seine Haupt-Qualifikationen scheinen sein Geburtsjahr 1987 und seine 220 Bundesligaspiele zu sein. Es wäre genau so, wenn man die Qualitäten des VfB-Präsidenten an seinen Mitgliedsjahren im Verein festmachen würde. Aogo ist ein Spieler, der erst acht Wochen beim VfB ist und in dieser Zeit nicht mit einer außerordentlichen Form aufgefallen wäre. Solide spielt er, mehr rückwärts als vorwärts, zwei Tore durch Ecken hat er vorbereitet, eines durch einen Elfmeter verschuldet. Alles okay also. Aber kann er auch Kapitän? Wer kann das beim VfB Stuttgart überhaupt? Wie sieht die Statik der Mannschaft aus? Es gibt in Cannstatt Schiffsjungen, Leichtmatrosen und alte Seebären, aber keinen echten Kapitän. Dennis Aogo ist eine pragmatische Lösung, Christian Gentner verletztsbedingt nicht an Bord, Simon Terodde formbedingt nicht immer an Deck. Timo Baumgartl trug die Binde einmal beim Testspiel, aber er hat immer …

Aufbaugegner mit drei Buchstaben

Was rege ich mich auf? Wenn eine Mannschaft nur eines der letzten zehn Heimspiele gewinnt, dann gewinnt sie: gegen den VfB. Wenn jemand nach vorne harmlos ist und nur durch einen Fehler ein Tor machen kann. Wer macht dann den Fehler: der VfB. Wenn der VfB dann in der zweiten Halbzeit klar besser ist, den Ausgleich schafft, Torchancen hat, wer bekommt dann in der Nachspielzeit das entscheidende Tor: der VfB. Das ist keine Polemik, das ist seit vielen Jahren so und beim VfB werden auch als AG weiterhin Traditionen gepflegt. Warum rege ich mich dann trotzdem auf? Weil ich dachte, wenn beim Club so ziemlich alle Personen ausgetauscht wurden, wenn erneut wieder sieben(!) Neuzugänge aufgeboten werden, dann ändert sich etwas, dann werden Muster aufgebrochen, Einstellungen geändert. Aber ich muss nach dieser deprimierenden 2:1-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt sagen: Pure Dummheit wird niemals siegen. Ich erwarte noch mindestens 2 Tore. Wehe die nehmen auch nur eine Minute den Fuß vom Gas, vor einer Führung. #SGEVfB — Golwar (@Golwar) September 30, 2017 Ok, es kam schon viel zusammen: …

Manege frei!

Herzlich willkommen zu Eintracht Frankfurt gegen VfB Stutgart, dem Circus Balligalli der Bundesliga. Die Begegnung ist eines der größten Spektakel in Fußball-Deutschland, allein in den letzten vier Spielen fielen 24 Tore. Hauptattraktion in den Partien der höchsten Spielklasse war einst Hermann Ohlicher: Er ist mit elf Toren der treffsicherste VfB’ler gegen Frankfurt, gleich vier Mal traf er beim 5:5 und 3:4 in der Abstiegssaison 1974/75. Mit Spannung wird erwartet, ob Zirkusdirektor Hannes Wolf der Balanceakt zwischen Offensive und Defensive gelingt, zuletzt musste er mit vielen Ausfällen jonglieren. Die Artisten des VfB hatten vor allem mit Pirouetten und Salti im gegnerischen Strafraum so ihre Probleme. Große Hoffnungen werden in Akrobat Akolo gesetzt, während Torjäger Simon Terodde derzeit etwas unsicher auf dem Hochseil des Angriffs agiert. Aber sein Auffangnetz steht bereit: es heißt Daniel Ginczek. Unter dem Künstlernamen „Goodstuber“ hat sich Holger Badstuber in kürzester Zeit zum Feuerschlucker entwickelt: Er löscht unter großem Applaus und mit größter Ruhe die dicksten Brandherde in der Defensive. Allerdings haben die vielen Jahre im Rampenlicht ihre Spuren hinterlassen. Hoffentlich hält er eine …

Safety first, Lederhosen second

Der VfB ist ein Club für alle. Der VfB ist ein Club, der für Toleranz, Verständnis, Diversität steht, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Glaube, sexueller Orientierung, Und jetzt wird sich um das Tragen von Lederhosen gestritten, es wird gar Gewalt angedroht, weil Fans bayrische oder schwäbische Tracht tragen? Really?   Natürlich ist es Ausdruck einer gewissen Gedanken- und Ahnungslosigkeit, mit Tracht in die Cannstatter Kurve zu gehen. Jeder darf Trachten nicht gut finden, jeder darf dies auch gerne laut und unmissverständlich zum Ausdruck bringen (siehe Spruchband), aber Fans des eigenen Clubs ausgrenzen? Bitte nicht! Wenn wir schon über Klamotten streiten wollen, dann bitte nochmals über das Fritzle-Jubiläumstrikot. Die Idee ist gut, aber bei der Gestaltung des Trikots gibt es so viel Luft nach oben wie beim Offensivspiel des VfB Stuttgart. Große Ehre für unser Maskottchen! Timo #Baumgartl und Co. gehen heute im Fritzle-Geburtstagstrikot ab. #VfB #VfBFCA #stuttgartgehtab pic.twitter.com/VE6QI2NL4g — VfB Stuttgart (@VfB) 23. September 2017 Gibts wirklich nichts Wichtigeres? Zum Beispiel die ultra-vorsichtige Spielweise des VfB? Zum Beispiel das Comeback von Daniel Ginczek? Zum Beispiel der …

1 Jahr Hannes Wolf! 1111! Elf! <3

Isses wirklich schon ein Jahr her? Wirklich? Beim VfB waren die Trainer zuletzt immer nur wenige Monate im Amt, so dass man sich ernsthaft fragen musste, ob es nicht besser wäre, ihnen nur 6-Monats-Verträge zu geben. Und dann kam Hannes Wolf. Obwohl Markus Gisdol, André Breitenreiter und Peter Neururer auf dem Markt waren. Eine mutige Entscheidung von Jan Schindelmeiser. Hannes Wer? Für die meisten ein unbeschriebenes Blatt. Ok, mit der BVB-Jugend drei Mal Meister geworden, aber keine Erfahrung im Profibereich, was will denn des Bua’le beim VfB Stuttgart? Doch tatsächlich: Nach dem ganzen Chaos des Abstiegs küsst Wolf den VfB wirklich wach. Die Fans schließen ihn in ihr Herz. Er ist ein nicht unbedeutender Faktor für die euphorische Stimmung im Aufstiegsjahr. Denn des Bua’le überzeugte schnell. Mit seiner Kompetenz, mit seiner kommunikativen Art, mit seiner Empathie. Aber auch mit seiner Krisenfestigkeit – siehe Dresden, Hannover und Würzburg. Siehe fünf Spiele ohne Sieg im Frühjahr. Siehe Großkreutz-Affäre, siehe Schindelmeiser-Rauswurf. Er schaffte das, was alle für selbstverständlich hielten: den direkten Wiederaufstieg. Hannes Wolf ist gerade raus, ein …

Mit dem A-Team zum Sieg!

Das Wichtigste zuerst: Lieber Christian Gentner, wir wünschen gute, vollständige und schnelle Genesung! Genesungswünsche von Köln über Frankfurt bis hin zu Lukas Poldolski und Jürgen Klinsmann: Das tut sicher gut und daran sieht man auch den Stellenwert des Kapitäns über Stuttgart hinaus. Wir stehen hinter Dir, Gente!💪 Das gesamte Team wünscht Kapitän Christian #Gentner eine gute und schnelle Genesung! #comebacksoon #VfB pic.twitter.com/GXTV6gT8D5 — VfB Stuttgart (@VfB) September 17, 2017 Kennt eigentlich noch jemand die Action-Serie „Das A-Team“? Ein 80er Jahre-Ding, das heute nur noch nachts auf irgendwelchen Spartensendern läuft. Aber was haben irre Kostümierungen, bemüht-blödelhafte Dialoge, völlig übertriebene Schießereien und unrealistische Verfolgungsjagden mit dem VfB zu tun? Nichts. Das A-Team ist deshalb der Aufmacher, weil die entscheidenden Akteure im Spiel gegen den VFL Wolfsburg mit A beginnen: A.Donis, der mit seinen packenden Soli die VFL-Abwehr auf der linken Seite immer wieder aufriss. Ascacibar, der griffige Gaucho und Balldieb, der überall war und sich gegen Ende der Partie sogar offensiv betätigte. Er war der beste Mann auf dem Platz. Akolo, der das entscheidende Tor schoss, weil …

No sleep till Klassenerhalt!

Greenhorns, Lehrgeld, Unerfahrenheit: Ich kann es nicht mehr hören. Zieler, Gentner, Aogo, Beck, selbst Terodde – man kann nicht sagen, dass der VfB nicht genug Erfahrung auf dem Feld hatte. Trotzdem geht das Spiel gegen Schalke klar verloren. Vor allem, weil direkt nach der Halbzeit wie schon in Berlin die Spannung fehlt. Das ist keine Frage der Erfahrung, sondern der Einstellung. Was machen die da in der Halbzeit? Mit Baldrian anstoßen? Ist halt einfach dämlich, wenn du das Spiel in zwei Minuten verkackst. Und dieser Scheiß Schlendrian verfolgt uns seit Jahren. #VfB — twofourtwo (@two_four_two) September 10, 2017 Es sind individuelle Fehler, die zu den Gegentoren führen. Ein Muster, das uns recht bekannt vorkommt, oder? Gerade beim 1:3 präsentierte sich Marcin Kaminski als Schlafes Bruder von Timo Baumgartl. Als ob beim VfB in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung das Problem gewesen wäre. Ob Sunjic, Schwaab, Niedermeier, Klein oder Tyton, das Problem war nie die fehlende Erfahrung, sondern die fehlende Qualität. Und ja: Holger Badstuber hätte der Mannschaft auf Schalke gut getan. Aber nicht wegen seiner …

Sieht so Reschkes Spürnase aus?

Der VfB ist ein Traditionsclub und Last-Minute-Transfers haben in Stuttgart eine große Tradition. Slim Shindy war ein echter (Schindel)Meister darin: Pavard und Mané, Brekalo und Onguené und Ofori hießen seine Verpflichtungen kurz vor knapp. Vor ihm holte Robin Dutt am letzten Tag Toni Sunjic und Federico Barba. Und Fredi Bobic war quasi der Erfinder der Last-Second-Transfers, er ging vorher extra in den Urlaub, um gestärkt die heiße Spätphase des Transferfensters durchzustehen. Aber was sagt es über einen Club aus, wenn der Kader immer erst am 31. August bzw. 31. Januar komplett ist? Dass die Transferpolitik nicht wirklich strukturiert ist? Dass es keinen klaren Plan gibt? Dass die Verantwortlichen Gambler sind, die auf fallende Preise hoffen? Was sagt es aus über einen Club, der am Deadline Day einen Andi Beck verpflichtet: Sieht so das Netzwerk und die Spürnase von Michael Reschke aus? Nix gegen das Beck’le, oiner von uns, ein absolut sympathischer Kerle, aber was darf man von ihm erwarten? Wie bei Dennis Aogo: ein solides und biederes Spiel ohne Überraschungen, in etwa Florian-Klein-Niveau. Aber womöglich …

Mitch, wir sind gar nicht glucklitsch …

… können aber verstehen, dass Du zum UD Levante wechselst. Du willst regelmäßig spielen und danach sieht es in Stuttgart einfach nicht aus. No worries, Mitch! Du wirst immer als Aufstiegstorhüter in der VfB-Geschichte stehen. Weshalb wir Dich vermissen werden? Wegen Deiner spontanen Bereitschaft, auch nach dem Abstieg dem VfB treu zu sein und ihn wieder in die Bundesliga zu bringen. Wegen Deiner sympathischen Interviews mit dem drolligen Akzent. Wegen Deiner Klasse als Linientorwart mit vielen Monster-Saves, die Punkte gerettet haben wie zum Beispiel gegen Heidenheim oder Nürnberg. Sogar wegen Deiner Slapstick-Einlage bei der 1:2-Niederlage gegen Hannover. Wegen Deines ansteckenden Lachens und Deiner offenen Art, außerhalb des Platzes auf andere zuzugehen. Und, das darf nicht verschwiegen werden: Weil Deine Frau Riahannon einfach die schönsten Architekturfotos postet. Ein Beitrag geteilt von Riahannon Langerak (@riri_langerak) am 31. Mai 2017 um 12:37 Uhr Manchmal hatte ich allerdings Angst, wenn eine Flanke oder ein Eckball in Deinen Strafraum flog. Und beim Herauslaufen bei 1:1-Situationen hatte ich nicht immer ein gutes Gefühl, das wirkte doch flatterig und bisweilen unsicher. Trotz …