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Zorni im Land der Bruddler

Wir befinden uns im Jahre 2015 n. Chr. Ganz Fußball-Deutschland möchte Spiele gewinnen, egal wie. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Schwaben bevölkertes Dorf namens Stuttgart hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Es sieht keine Alternative darin, schnell und schön zu spielen. Das Leben ist nicht leicht für die Fans, die zwar das schöne Spiel lieben, aber auch gerne ein paar Punkte hätten, um in der Rangliste der Vereine nicht jedes Jahr ganz unten stehen zu müssen. Trainer der unbeugsamen Schwaben des VfB ist Zorni. Er kann schneller sprechen als sein Schatten. Als Teilnehmer am DFB-Trainer-Lehrgang ist Zorni in den Taktik-Zaubertrank gefallen. Seitdem hält er sich und seine Taktik für alternativlos. Er läßt spielen wie auf einer Wildschweinjagd, was seine Spieler bisher noch nicht kannten. Das Problem ist, dass Zornis Spieler selten ins gegnerische Tor treffen, den Ball aber aus dem eigenen Tor sehr oft herausholen müssen. Zorni hat Nebensitzer Mehmet Scholl bei der Abschlussarbeit nicht abschreiben lassen, so dass der jetzt beleidigt ist und ihn als Laptop-Trainer verunglimpft. In Pressekonferenzen tippt sich Zorni oft …

Die tragischen Meister von 2007

Kevin Kuranyi kommt zurück in die Bundesliga, das wird allenthalben gefeiert, zu allererst von ihm, denn er ist eine tragische Figur im deutschen Fussball. Einst hochgelobt als Stürmerhoffnung in der Post-Rumpelfuß-Ära, wurde er von Jürgen Klinsmann rasiert vor der WM 2006. Zwei Jahre später wurde er während des Länderspiels gegen Russland auf der Tribüne bepöbelt und floh wortlos aus dem Stadion. Joachim Löw hatte wenig Verständnis dafür und suspendierte ihn. Und als schliesslich sein Heimatverein VfB Stuttgart 2007 Meister wurde, war Kuranyi zwei Saisons vorher nach Gelsenkirchen gewechselt, vermeintlich wegen der besseren sportlichen Aussichten und Zahlen, die in der Gehaltsabrechnung auf Schalke ein bisschen größer waren als im Kessel. Als Stuttgarter Homeboy, der gerne am Waranga und abseits cornert, hätte Kuranyi auch nach Stuttgart gepasst; weniger sportlich, denn an Daniel Ginczek, Martin Harnik und Timo Werner käme er nicht vorbei, eher folkloristisch, denn Karrieren verlaufen beim VfB oft tragisch. Besonders auffällig ist dies bei der Meisterschaftmannschaft 2007. Timo Hildebrand: Irritierte durch seinen Vertragspoker und verließ nach überragenden Leistungen (Bochum!) den VfB nach der Meisterschaft in …

Die hippste Mannschaft Deutschlands

Graue Maus, Fahrstuhlmannschaft, Stadt, die es nicht gibt. Das war Arminia Bielefelds Definition bis vor einem Jahr. Dann kam das Spiel des Jahres: Der Zweitliga-Abstiegskampfkrimi in Dresden. Die Bielefelder gewannen unter dramatischen Umständen, erreichten die Relegation gegen Darmstadt, gewannen das Hinspiel am Böllenfalltor souverän, um im nächsten Spiel des Jahres in letzter Sekunde doch noch abzusteigen. Und heute? Sind sie souveräner Tabellenführer in der dritten Liga, haben mit Fabian Klos den besten Stürmer der Liga im Team, schießen Tore des Monats und werden nach ihrem Halbfinal-Aus gegen Wolfsburg von ganz Fußballdeutschland gefeiert. Ist die Alm auf einmal die Anfield Road Deutschlands? Laufen die Großstadt-Hipster in Zukunft nicht mehr mit St. Pauli Hoodie durch die City, sondern im RUN DSC Shirt und mit tätowiertem Lohmann auf dem Oberarm? Ist das geil. Wolfsburg macht das 0:4 und SOFORT steht die ganze Alm und feiert ihre Arminia! Das könnt ihr niemals kaufen, Wölfe! #DSCWOB — Sebastian Zobel (@zwitscheridooo) 29. April 2015 In Zeiten, in denen vielen Fans der Fußball zu kommerziell, zu stromlinienförmig geworden ist, und in denen sich die zweiten Mannschaften vieler Bundesligisten …

Kiiiiiischteee! So bleibt der VfB erstklassig!

Die ZEIT schreibt, dass „der HSV, derzeit nicht lebendiger ist als seine Dino-Artgenossen“. Beim VfB hingegen ist in erster Linie die Hoffnung lebendig. Die Hoffnung, dass die Heimspiele gegen Bremen, Mainz, Freiburg und den HSV gewonnen werden. Doch woher kommt der Optimismus? Weil es der Anspruch in der Vergangenheit war, dass diese Mannschaften geschlagen werden? Sind die VfB-Verantwortlichen Traumtänzer oder Realisten? Wir haben uns die nächsten sieben Spiele ganz genau angeschaut und wagen folgende Prognose: Der VfB wird die Klasse auf Platz 15 halten. Ihr glaubt das nicht? Schaut es Euch an, so verrückt ist es nicht. Ehrlich. 28. Spieltag: VfB – Bremen 3:3 Es gab in der Vergangenheit einige Spektakel-Spiele gegen Bremen: Ein 4:4 mit drei Toren von Marcelo Bordon, irgendwann mal ein 6:3 mit drei Toren von Mario Gomez und sogar ein 6:0 mit dem Highlight, dass Artur Boka mit rechts (!) ein Treffer gelang. Und schließlich in der Meistersaison 2006/2007 ein 4:1, es war irgendwie der Anfang von allem. Damals spielten beim VfB zwei Linksverteidiger, die identisch aussahen. Da war zum einen Ludovic. Er fing …

Neckar Nine: The Skyfall of a Club

Ich fühle mich gerade so rough, warum eigentlich? Weil ich wohl als Einziger die Videos (look here) der Prenzlschwäbin langatmig und unwitzig finde. Oder liegts am drohenden Abstieg des VfB? Oder weil das Tegernseer beim Benz ausverkauft ist? Wahrscheinlich habe ich zu viele Interviews mit Noel Gallagher gelesen (wie hier), der ist ein mächtiger Stinkstiefel. Wenn ich jedenfalls an den VfB der letzten fünf bis sieben Jahre denke, kommen mir unweigerlich diese Filmtitel in den Sinn: „Inglorious bastards“, „Das dreckige Dutzend“, „I know what you did last summer“, „Skyfall“, „The Expendables“. Wenn ich die Besetzung als International Head Of Some NextGen Creative Casting machen dürfte, dann fällt meine Wahl weniger auf Trainer oder Spieler, als vielmehr auf das Management. Hier sind meine Hauptdarsteller beim VfB im Blockbuster „Neckar Nine: The Skyfall of a Club – aus meiner Sicht allesamt als Schurken besetzt: Fredi Bobic: In seiner Paraderolle als Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Von ihm wird übrig bleiben, dass er Bernd Wahler den Bären aufgebunden hat, dass Transfers immer erst in den letzten 2 Stunden der Wechselfrist …

Cacau_VfB_Comeback

„Barca eliminato.“ – „Stuttgart kaputt.“

Vor genau 5 Jahren, kaum einer erinnert sich, speziell in diesen trüben Zeiten, war ein großer Tag für den VfB und irgendwie auch für mich. Mein Kumpel Sammy sagte vor 5 Jahren und noch ein paar Wochen mehr „Komm’, gegen Barcelona sind wir im Stadion und dann fahren wir auch gleich ins Nou Camp!“ Meine Antwort „Gereist wird erst ab Viertelfinale!“ ignorierte er nichtmal und besorgte zusammen mit Heikx Karten für Hin- und Rückspiel des Champions League-Achtelfinals gegen den FC Messi Barcelona. Da stand ich am 23.02.2010 vor dem Palm Beach, fror mir den Arsch ab, das Wulle war einfach auch zu kalt. Ich wartete auf Sammy, was eigentlich nie vorkommt, denn er ist immer und überall vor mir da, es schiffte jedenfalls und ich bekam langsam kalte Füße. Es war eng unter den Schirmen und es wurde gerempelt, aber die Fans waren euphorisch, zumindest zuversichtlich, ich weiss heute gar nicht mehr wie das geht. Jeder hatte so ein Grinsen im Gesicht, einer sagte „Der Messi kriegt heute auf die Socken“ und alle so „Yoahhhrrr!“. …

VfB mit Herz

Warum ich VfB-Heimspiele anschaue? Es muss Liebe sein.

Es ist kalt und ungemütlich im Stadion, man sieht sowieso schlechter als bei Sky, dazu gibts keine Wiederholungen und ich vermisse Jässica Kastrop. Was man zudem geboten bekommt, ist dürftig und wenn man sich über Tore freuen will, dann nur über die des Gegners: Seit dem 18. Oktober (8. Spieltag) hat der VfB zu Hause nicht mehr getroffen. Martin Harnik war es beim 3:3 gegen Leverkusen, seit dem gelingt den Stuttgartern in 464 Minuten offensiv nichts mehr. Man muss leiden können, wenn man zu einem VfB-Heimspiel geht. Oder es muss Liebe sein. Ich persönlich finde ein VfB-Heimspiel aus verschiedenen Gesichtspunkten interessant. Die Anfahrt ist meist ein Abenteuer, mit dem Auto sowieso, aber auch mit den Öffentlichen, pünktlich zu Heimspielen fahren die S-Bahnen alles andere als zuverlässig und dazu wird gerne an Weichen, Stellwerken oder Tunneln herumgebastelt, so dass der Halt an wichtigen Stationen ausfällt. Die Planer scheinen keine VfB-Fans zu sein. Urban Adventures also, um nach Cannstatt zu kommen. Ich bin dort aufgewachsen, frische Jugenderinnerungen auf, denke an Flirts im Eiscafe Gamba, an feuchtfröhliche Abende …