Alle Artikel in: Querpass

Jean Zimmer

Die Rennsemmel

Jean Zimmer muss man lieben, denn er sieht ein bisschen aus wie ein Milchbrötchen. Dabei gibt es einige, die halten nicht viel von ihm. Und es gibt viele, die halten gar nichts von ihm, dem Kämpfer, Renner, Grätscher und Hinters-Tor-Flanker. Ich mag das nicht, wenn die eigenen Spieler angepisst werden. Ok, er hat eine lustige Figur, ist fast so breit wie hoch und er kann quasi nur geradeaus laufen. Aber ihn ständig dissen, einen eigenen Spieler, muss das sein? Seit Philipp Lahm, Andi Hinkel und Ricardo Osorio haben wir einen gewissen Anspruch an unsere Außenverteidiger. Artüür Boka, Ludovic Magnin, Stefano Celozzi, Go Sakai, Konstantin Rausch, Lord Hlousek und Florian Klein bekamen das zu spüren. Jetzt eben Jean Zimmer. Aber sind wir ehrlich: Zimmer ist besser als Daniel Schwaab, der irgendwie immer unbeteiligt wirkte und oft wie ein verschrecktes Huhn feststellen musste, dass er einen Gegenspieler übersehen hatte. Zimmer dagegen ist hyperaktiv, ein Power-Paket, Zweikämpfe sind sein Ding, er verteidigt bissig wie ein Wachhund seine rechten Seite: Wegen der eingangs erwähnten Ähnlichkeit zur Backware und weil er mit seinen …

Wir verlosen etwas Retro-Romantik!

10 Jahre, eine Meisterschaft, UEFA-Pokal-Finale, Champions League, Tor des Jahres, Torschützenkönig. So eine Karriere muss man beim VfB Stuttgart erstmal schaffen. Okay, von wem ist die Rede? Klinsmann? Allgöwer? Elber? Nein, ausnahmsweise geht es hier nicht um einen Spieler, sondern um einen Sponsor. Von 1986 bis 1996 war Südmilch der Sponsor der Schwaben – in den letzten Jahren mit dem Produkt ViFit, einem probiotischen LC1-Klon, den vermutlich nie jemand getrunken hat. Die Geschichte von Südmilch ist übrigens ähnlich bewegt wie die des VfB Stuttgart: Ganz am Anfang stand das städtische Milchamt Heilbronn, daraus wurde die “Interessengemeinschaft Milch (Intermilch-Gruppe)”, die mit der “Dauermilchwerk Hohenlohe-Franken GmbH” 1972 zur Südmilch AG wurde – dem größten deutschen milchverarbeitenden Unternehmen. Spannender als jeder Abstiegskrimi, oder? Zu einer guten Story fehlen natürlich noch etwas Wirtschaftskriminalität, gefälschte Bilanzen, die Deutsche Bank und Geschäfte im Osten. Gab es auch alles bei der Süd- bzw. Sachsenmilch AG. Für den VfB war der Schritt zur Göttinger Gruppe als nächster Sponsor also nur der logische Schritt. Dennoch hat kein Sponsor den VfB so lange begleitet wie Südmilch. …

VfB 2016 und VfB 2017: Same, same, but different?!

Euphorie zum Anfang der Rückrunde? Ja, das können wir. Köln, HSV, Frankfurt, Berlin – alles Siege Anfang 2016. Nicht immer souverän, aber was soll’s. Und jetzt: Siege gegen St. Pauli, Düsseldorf, Sandhausen und Heidenheim. Nicht immer souverän, aber was soll’s. Letzte Saison folgte ab der Heimniederlage gegen Hannover ein beispielloser Abwärtstrend – müssen wir damit wieder rechnen? Beim VfB ist alles möglich und wir müssten misstrauisch sein. Ich leg’ mal mein Ohr auf die Schienen der Geschichte: Robin Dutt gefiel uns mit seiner legendären Fuckyou-Pressekonferenz und auch Thomas Schneider, weil wir mal einen jungen Trainer aus dem eigenen Stall haben wollten. Alex Zorniger gefiel, weil er so schön schwäbisch sprach und Jos Luhukay, weil er Mr. Aufstiegs-Spezialist ist. Alles bittere Enttäuschungen. Wenn ich mir das Scheibenschießen am Ende der Spiele gegen Sandhausen und Heidenheim anschaue, dann müssen wir skeptisch sein. Klar, haben sich Spieler und Keeper in die Schüsse geworfen, aber wäre es nicht besser gewesen, die Spielkontrolle zu übernehmen gegen Gegner, denen der VfB überlegen ist? Sollten wir nicht weniger die Leidenschaft und Opferbereitschaft …

Die VfB-Singlebörse

Der VfB im Jahr 2017: Instagram Stories aus der Kabine, Spielerfrauen zur Primetime als Shopping-Queen auf VOX, ein eigener TV-Sender, immer neue Merchandising-Produkte, Eventisierung der Spiele – das kann man so machen. Vielleicht muss man es sogar machen, wenn man auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben möchte. Durchaus spannend, was da abseits des Platzes passiert. Und wie geht es weiter? Wir hätten da einige Ideen: z.B. ein VfB-Promi-Dinner mit Buffy Ettmayer im Clubrestaurant. Ein Brustring-Dschungelcamp mit Thorsten Legat, Eike Immel und Maurizio Gaudino in den Katakomben. Ein Friseursalon, der 14-jährigen den offiziellen Jérôme Onguéné Style verpasst. Und Aktionstage, an denen sich Fans mit ihrem VfB-Lieblingsspieler vor dessen Auto fotografieren lassen können – gegen Aufpreis sogar im Parkverbot. In Zeiten, in denen Werkzeug- und Schraubenhersteller Familystores auf der Königstraße eröffnen, will sich der VfB offensichtlich als Lifestyle-Marke positionieren, um im Leben der VfB-Fans nicht nur sportlich eine Rolle zu spielen. Und so möglichst unabhängig werden vom sportlichen Erfolg. Clever! Solange der Verein genau darauf schaut, was zu ihm und seiner Marke passt. Der neueste Clou ist offenbar eine Single-Börse. …

Die große Rückrundenvorschau: So steigt der VfB auf!

Vor dem Rückrundenstart möchte sich VfB-Trainer Hannes Wolf nicht auf ein Spielsystem festlegen: „Wir wollen alle Aspekte des Spiels bedienen. Ballbesitz-, Pressing- und Umschaltspiel und dabei stets eine hohe Intensität bei Geschwindigkeit, Passspiel und Zweikampfführung an den Tag legen.“ Sport-Vorstand Jan Schindelmeiser sieht das Team gut aufgestellt und hat absolut Vertrauen in die Qualität des Kaders. Wir haben da gerade in der Defensive zwar noch leise Zweifel, schauen aber insgesamt positiv auf die Rückrunde: 18. Spieltag: St. Pauli Anto Grgic beginnt im 4-1-4-1-System. Der 20-jährige Schweizer erinnert Nostalgiker an Zdravko Kuzmanovic: Dieses durchgedrückte Kreuz, diese Eleganz, diese Pass-Sicherheit, aber eben auch das fehlende Tempo. Einen Blitzstart legt der VfB dennoch hin: In der 4. und 9. Minute treffen Simon Terodde und Christian Gentner. Der VfB kann sein Trademark nicht verleugnen, ruht sich aus, kassiert zwei Tore und verliert völlig den Zugriff aufs Spiel. Eine geniale Einzelaktion des eingewechselten Alexandru Maxim in der Nachspielzeit bringt drei Punkte. Der Rückrundenstart wird mit zwei von fünf Wölfen bewertet, da sich wenig geändert hat im Vergleich zur Vorrunde. Mirko Slomka erzählt seinen Spielern in Karlsruhe währenddessen, dass er …

2017: Das Jahr der guten Nachrichten

Als Stuttgarts optimistischer Fußball-Blog (Kessel.TV-Slang: „Man muss auch mal was gut finden!“) sind wir sicher: 2017 wird das Jahr der guten Nachrichten für den VfB. Hier die ersten elf good News, weitere folgen im Verlauf der Rückrunde. Transfer-Coup von Jan Schindelmeiser Toni Sunjic wird für 19,5 Millionen nach China verkauft, er verdient bei Shanghai Shenhua 100.000 Euro in der Woche und soll dort mit Carlos Tevez ein Sturmduo bilden. Eine Schlagzeile, die ich demnächst lesen will: Chinesischer Klub greift tief in die Tasche – 25 Millionen für VfB-Star Toni Sunjic 😍 #VfB — Jens (@whitered1893) 23. Dezember 2016 Alexandru Maxim sonnt sich Der vielgescholtene Rumäne erhält wegen seiner schönen Hackentricks und anmutigen Bewegungen ein Angebot von Reid Anderson vom Stuttgarter Ballett. Nach zähen Verhandlungen lehnt Maxim schließlich ab und wechselt für einen knapp zweistelligen Millionenbetrag nach Gran Canaria zu Las Palmas. Nicht nur das Wetter und das Gehalt stimmen: Weil Maxim nicht auch beim achten Trainer auf der Bank sitzen will, hat er sich eine Stammplatzgarantie zusichern lassen. Der VfB ist doch der FC Bayern der …

Nur zu Gast oder Aufstieg, adé? Das große Hinrunden-Fazit.

32 Punkte, fünf Niederlagen, Platz 3, ein neuer Trainer und ein neuer Präsident: Das sind die nackten Zahlen der VfB-Hinrunde. Wie sie interpretiert werden, da ist man sich beim VfB-Anhang nicht so sicher. Während die einen in hysterische Panik verfallen und den Aufstieg bereits abgeschrieben haben, wähnen sich die anderen tiefenentspannt auf einem guten Weg. Vielleicht ist es genau diese Zerrissenheit, die als sogenanntes „schwieriges Umfeld“ bezeichnet wird. Wir wollen versuchen, in diesem Spannungsfeld ein unemotionales Hinrundenfazit zu ziehen und fragen uns: Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Torwart: Habe ich Mitch Langerak hier zu früh gelobt? Aus einem sicheren Rückhalt wurde Ulle 2.0 Abschläge landen im Seitenaus, Strafraumbeherrschung sieht anders aus und dazu streut der Australier noch den einen oder anderen verheerenden Fehler ein. Die Legende sagt, dass #Langerak auch in zehn Jahren noch die Hände oben hat, um Brych anzuzeigen, dass er Karaman nicht berührt hat #VFBH96 — SPOX Redaktion (@spox) 12. Dezember 2016 Fazit: Er gehört ganz sicher zu den besseren Torhütern der zweiten Liga, muss aber seine Form stabilisieren. Abwehr: Toni …

Eine VfB-Weihnachtsgeschichte

Am Rande einer Allee, vis-a-vis eines roten Hauses, ganz in der Nähe eines großen Sterns, steht ein Wegweiser. Er streckt seine Arme aus: Der eine zeigt auf die eine, der andere auf die andere Seite, und auf jedem der beiden Arme steht geschrieben, wohin der Weg führt und was es bedeutet: Freude (Aufstieg) oder Chaos (zweite Liga) Es ist gut, dass der Wegweiser da ist. Denn wer hätte sonst den Weg zeigen sollen? Ein schlecht gelaunter Holländer mit dünnem Oberlippenbart und einer Vorliebe für ehemalige Schützlinge? Dann doch lieber dieser junge, forsche Blondschopf mit dem ernsten Blick, den alle gern haben müssen! Um den Wegweiser herum, auf der Wiese, stehen viele junge Männer, ihr Tatendrang ist von weitem zu erkennen. Zappelig sind sie wie junge Hunde, ungeduldig, aber auch freudig erregt, manche sind egoistisch, einige tragen verborgen einen Brustring über dem Herzen. Ab und zu flattern weiße Schmetterlinge umher und setzen sich auf die Arme des Wegweisers. Ihnen braucht er den Weg nicht zu zeigen, sie wissen ihn von ganz alleine. Kritische Geister fragen: „Was stehen …

The Nowhere Man

Seit Gotoku Sakai beim Hamburger SV zum Mannschaftskapitän berufen wurde, wissen wir: Das Amt ist total überschätzt. Bisher dachten wir, der Spielführer wäre eine Persönlichkeit, der in der gesamten Mannschaft mit Respekt begegnet wird. Ein Spieler, der wegen seiner Leistung unantastbar ist. Einer, der Verantwortung übernimmt in kritischen Phasen eines Spiels. Einer, der andere mitreisst und führt. Die ZEIT meint dagegen auch, dass ein Kapitän nicht mehr wichtig sei. Aber ok, vielleicht sollten wir uns nicht am Tabellenletzten der Bundesliga und an den Guardiolanern einer Wochenzeitung orientieren. Der Kapitän des VfB heisst seit Sommer 2013 Christian Gentner. Er ist eine Integrationsfigur im wahrsten Sinne des Wortes: Er kommt aus der Jugend des VfB, wurde 2007 Meister und 2009 gleich nochmal (allerdings mit Wolfsburg) und nach Aussage von Serey Dié kümmert er sich um die Neuzugänge: Hilft ihnen beim Einleben, erklärt ihnen die Kehrwoche, unterstützt sie beim Auto-Kauf. Klar, das ist wichtig, aber entscheidend ist auf dem Platz. Wir wollen kurz beleuchten: Wie sieht das Aufgabengebiet von Kapitän Gentner aus und wie gut füllt er die …

VfB-Siege als Gesundheits-Garantie

Länderspielpause bedeutet bei uns: Themenwoche. Zuletzt hatten wir Music, Fashion, Stars & Cars, dieses Mal soll sich alles um Gesundheit drehen. Klingt unsexy, aber in drei Folgen werden wir das Thema hochseriös aufarbeiten, ganz wie es sich für ein charmanten Service-Blog wie den unseren gehört. Wir starten mit wertvollen Tipps von hochdekorierten Wissenschaftlern, wie man als VfB-Fan durch die erkältungsintensive Jahreszeit kommt. In der zweiten Folge stellen wir Fitnessübungen zum Nachmachen vor und in Part 3 geht es darum, wie wir die winterlichen Heimspiele in der saukalten Mercedes-Benz Arena überstehen können. Hier werden übrigens auch unsere Fashion-Victims auf ihre Kosten kommen. Es gibt nicht wenige, die die Arbeit von VfB-Mannschaftsarzt Dr. Raymond Best kritisieren. Verletzungen werden angeblich nicht richtig oder zu spät diagnostiziert und Verletzungspausen und Reha-Zeiten werden durch seine Behandlung verlängert statt verkürzt. Die Spieler kommen eher auf dem Zahnfleisch daher, statt auf dem Feld zu stehen, so der Vorwurf einiger, die keine Ärzte sind. Aber mal ehrlich: Für einen Zahnarzt macht Dr. Best doch einen erstaunlich guten Job, oder? Ja, kein besonders kreativer Kalauer, aber was bleibt einem, …