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KSC, du Opfer!

Was ist das denn? Eine fiese Bushido-Headline für mehr Klicks? Zu lange in der Sonne gestanden oder zu viel Bengaloqualm eingeatmet? Ja, zugegeben, eine ziemlich populistische Überschrift. Aber sie trifft’s einfach zu gut: Denn der Karlsruher SC war kein Gegner im Derby, sondern ein Opfer. Wie heißt es so schön: Die Badener waren stets bemüht. Mehr aber auch nicht. Dazu ist das Team fußballerisch einfach zu limitiert. Andererseits: Das war 1860 München auch. Hat sie trotzdem nicht daran gehindert, bis zur 93. Minute gegen den VfB Stuttgart zu führen.

Slapstick-Einlagen wie in München sparen sich die VfB-Spieler im Derby. Man merkt schnell, dass das Team griffiger ist als bei den letzten Auftritten. Wolf sei Dank: Das Team hat verstanden, worum es im Derby geht. Die Spieler sind physisch präsent. Auch die, von denen man es gar nicht unbedingt erwartet wie Maxim oder Özcan. Zweikämpfe werden mit der gebotenen Konsequenz geführt und der ballführende Karlsruher Spieler ist nicht zu beneiden, denn ständig steht ihm ein VfB-Spieler auf den Füßen – oder gleich mehrere. Tatsächlich war der drohende Spielabbruch wohl die einzige Chance für Karlsruhe, das Spiel nicht zu verlieren.

Offensiv ist der Auftritt der Stuttgarter trotzdem eher mau: Lange Zeit viel zu statisch, ohne Mut, und wieder mit viel zurück und quer, aber viel zu wenig vertikal. Daran ändert auch Alexandru Maxim wenig, obwohl er eine gute Partie auf den Rasen legt. Wieder nicht zentral, sondern auf dem linken Flügel. Schön zu sehen, dass  er seine Rolle dort angenommen hat. „My favourite position is more central“, sagte er nach den Spiel in der Mixed Zone. „But I love this club and I know that this was my chance!“. Chance genutzt, kann man sagen. Hannes Wolf sagte nach der PK, dass er eine Lösung für Carlos Mané gesucht hatte. Einen, der den letzten und vorletzten Pass spielen kann, einer, der mit seiner Kreativität und mit seinen Ideen einen Abwehr aushebeln kann. Und Wolf war sich sicher, dass Maxim alles geben würde. „Kann sein, dass er ein bisschen sauer auf mich ist, aber nicht auf den Verein, die Fans und die Mitspieler“.

Wenn Angry Alex so weitermacht, ist er definitiv eine Bereicherung für das Team. Seine Standards sind gefährlicher als alles, was wir in München gesehen haben. Und dass seine Einstellung passt, sieht man in den letzten Minuten der Partie als er immer noch Bälle jagt. Umso erstaunlicher, dass Hannes Wolf in der Vergangenheit keine Option in ihm sah.

Derbysieger ❗❗❗ #believe #vfb #immerweiter #heimsieg #derbysieger

Ein Beitrag geteilt von Timo Baumgartl (@baumgartl5) am

Das Derby war für das Stuttgarter Team und ebenso für die Fans eine 90-minütige Wellness-Behandlung für die Fußballseele, um den Ballast aus fünf sieglosen Spielen endlich abzuschütteln. Die KSC-Wohlfühl-Kur kommt genau zur richtigen Zeit, um die restlichen sechs Partien mit ordentlich Rückenwind und Selbstbewusstsein anzugehen. Mit einem wiedererstarkten Maxim und einem Takuma Asano, der zwar doppelt traf, aber ansonsten sehr glücklos war. Sogar mit einem Florian Klein, der auch noch in der 90. Minute durch das Mittelfeld sprintete als wäre der leibhaftige Bushido hinter ihm her.

Das Derby war ein Paradebeispiel dafür, wie ein Aufstiegskandidat gegen einen Tabellenletzten spielen sollte. Unaufgeregt, konsequent und högschd seriös (Jogi Löw Voice). Mit so einem Auftritt gewinnt der VfB auch in Bielefeld und gegen Würzburg. Für Union, Hannover und die erschreckend starken Auer sollte es dann offensiv etwas mehr sein. Aber bis es soweit ist, freuen wir uns noch ein bisschen.

7 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Whow,
    also ich hab eine Mannschaft gesehen, die um ihr Leben gekämpft hat, die gelaufen ist, bis die Sohlen qualmten und dann noch schneller, die alles abgerufen hat, was sie so hatte und die GottseiDank so stark in ihren fussballerischen und individuellen Qualitäten limitiert war, dass wir trotzdem gewonnen haben.
    Ich hätte nie gedacht, dass ich mal den KSC loben würde, aber die sind an ihr Limit gegangen, und wir?
    Will hier wirklich irgendeiner sagen, dass das ein gutes Spiel war?
    Will hier wirklich irgendeiner sagen, dass es so weitergehen kann?

    • @buzze sagt

      Am 28. Spieltag und bei der aktuellen Tabellenkonstellation ist für mich jede gewonnene Partie ein gutes Spiel. ?

  2. drausvomLande sagt

    jaja, die letzten Jahre haben Spuren hinterlassen, wir sind jahrelang zitternd und bebend hinter Punkten hergerannt, um nicht abzusteigen. Die Saison wurde immer kürzer und die Punkte immer wichtiger und lange haben wir es auch geschafft, die notwendigen Punkte am Ende zu haben.
    Und dann? Dann ging es im Jahr darauf nahezu identisch weiter.
    Und jetzt haben wir die Denke immer noch: Pünktchen für Pünktchen hamstern, um am Ende das Ziel zu erreichen. Nur ist das Ziel diesesmal nicht drinbleiben und „wir sind ja besser als unser Tabellenplatz und das zeigen wir dann nächstes Jahr“, nein, diesesmal haut uns das Erreichen des Ziels eine Aufgabe vor den Latz, die wir so und so + 50% NICHT lösen können. Das macht mir persönlich mehr Angst als ein weiteres Jahr 2. Liga. Tasmania Stuttgart?

    • @abiszet sagt

      Lieber dvL, ich habe kein KSC-Team gesehen, dessen Socken gequalmt haben. Da wäre deutlich mehr drin gewesen und diese Einschätzung gaben auch Trainer und Kapitän nach dem Spiel ab. Derby-Charakter existierte auf dem Rasen absolut keiner. Wenn ich schon spielerisch unterlegen bin, dann versuche ich körperlich alles reinzuwerfen – wenn es der Schiri zulässt – sogar über die Grenze des Erlaubten hinaus. Davon war nullkommanull zu sehen und so reichte dem VfB eine durchschnittliche Leistung zu einem ungefährdeten Derby-Sieg.

      Dass Punkte Saison für Saison gesammelt werden müssen, für welches Ziel auch immer, liegt doch im Wesen des Sports, der? Freiburg will nicht absteigen und kratzt alle Punkte zusammen, diese Saison schon 41 und nächste Saison gehts wieder von vorne los. Dortmund sammelt verzweifelt Punkte, um direkt in die CL zu kommen und das Jahr für Jahr und heuer fällt es ihnen trotz Talenteüberfluss im Kader schwerer als sonst. Bielefeld kämpft jedes Jahr gegen den Abstieg an. Lange Jahre aus der ersten Liga, zuletzt immer mehr aus der zweiten Liga. Für alle wird die Saison immer kürzer und die Punkte immer wichtiger. Nur für Bayern München nicht. Die haben national keine Gegner mehr, nur noch eigene und die heißen Arminia Arroganz und SC Selbstzufriedenheit.

  3. Stefan sagt

    Ich war seit langer Zeit zum ersten Mal im Stadion und hatte Spaß. Auch wenn mein Herz schon immer mehr für die Degerlocher schlägt (was momentan keine ganz leichte Stimmung verursacht), fand ich die Leistung der Cannstatter sehr ansprechend und unterhaltsam. Klar, man hätte sich noch ein bisschen mehr Varianten und Sicherheit im Sturm gewünscht aber die Tore waren herrlich und ein paar gute Chancen gab es als Zugabe. Großes Kompliment übrigens für die Stimmung. So ein volles Haus, das voll mitgeht hab ich noch nie erlebt. Selbst auf der Haupttribüne wurde weniger gebruddlt als sonst. Jetzt noch 6 Spiele Stabilität, dann hätte man aus einem Trauma einen Traum gemacht.

    • @buzze sagt

      Das stimmt: Die Stimmung war top. La Ola habe ich selten im Neckarstadion gesehen. Aber ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn das Führungstor nicht so zeitig gefallen wäre. Aber so war es tatsächlich für das Team und die Fans ein perfekter Sonntag Nachmittag.

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