Mini-Feature, Spielbericht, VfB
Kommentare 19

Wenn Du mich fragst, …

… wer mit einem 6:0 von Bielefeld aufsteigt, dann sage ich zu Dir:
Das können nur die bequemen Schwaben sein, die Jungs vom VfB.

33. Spieltag. Jeder Punkt, jedes Tor kann entscheidend sein. Jürgen Kramny würde sagen, das Team muss „alles raushauen.“ Und die Mannschaft liefert! Es wird um jeden Meter Rasen gefightet und kein Ball verloren gegeben. Jeder Spieler gibt 100% oder mehr und am Ende steht der höchste Sieg der gar nicht mal so kurzen Vereinshistorie zu Buche – herausgeholt gegen den haushohen Favoriten.

Oh, sorry, das war ja gar nicht der VfB in Hannover, sondern die Arminia auf der Bielefelder Alm! Denn nur dort wird der Stuttgarter Aufstieg nahezu klar gemacht. Durch eine epochale Leistung der Bielefelder, die in dieser Saison viele späte Gegentreffer (Terodde!) und viele Trainer (Kramny!) erlebt haben. Am Ende haben sie nicht nur drei Punkte gegen Aufstiegskandidat Braunschweig geholt, sondern der Eintracht auch noch das gute Torverhältnis zerstört.

Und in Hannover? Da stolpert Stuttgart mit einer Niederlage in die Bundesliga. Weil im VfB-Erbgut anscheinend fest verankert ist, dass man nur Bestleistung bringt, wenn es denn wirklich sein muss. Wie in der zweiten Halbzeit gegen Dresden. Wie in der zweiten Halbzeit gegen Bielefeld. Wie in der zweiten Halbzeit gegen Nürnberg. Oder wie 70 Minuten gegen Union Berlin.

Im Spitzenspiel hingegen weicht die Spannung mit jedem frenetisch bejubelten Treffer, der aus Bielefeld gemeldet wird. Das Spiel, das in den ersten zehn Minuten knisterte, verliert rapide an Fahrt. Und beim VfB ist irgendwann komplett die Luft raus. Aber warum auch eine Gelbsperre für das Saisonfinale riskieren? Doch die Hannoveraner wollen vor knapp 50.000 nicht so recht mitmachen beim entspannten Sonntagskick, den die Stuttgarter vorschlagen. Und nachdem Felix Klaus, der ein veritables Mike Hanke Double abgeben würde, einmal um den Stuttgarter Strafraum gecruist ist, steht es 1:0. Aber macht ja nix! Es reicht ja, das Heimspiel gegen Würzburg zu gewinnen. Dabei wäre die Partie in Hannover die perfekte Gelegenheit gewesen, die Vorgaben des Trainers wie Mut, Entschlossenheit und Seriosität in Taten umzusetzen. Chance verpasst.

Wie kann die Arminia sich auch erdreisten, Braunschweig aus dem Stadion zu schießen? Ist ja klar, dass die Jungs vom VfB keine Bestleistung abrufen können, wenn sie auch mit einer Niederlage aufgestiegen sind. Aber wir sollten ausnahmsweise fair sein: Gentners Statement war sicher nicht glücklich, aber die generelle Linie gibt der Trainer vor. Und Hannes Wolf sagte in der PK, es sei kompliziert gewesen, weil immer überlegt werden musste, wie viel Risiko gegangen wird, „da durch das Ergebnis in Bielefeld das Torverhältnis immer mehr in unsere Richtung gekippt ist und wir noch drei Punkte vor haben!“ Also auch er. Unverständlich.

Durchatmen statt durchdrehen
Und so erleben die Fans einen Beinahe-Irgendwie-aber-doch-noch-nicht-ganz-Aufstieg wie er unbefriedigender nicht sein könnte. Aber ich bin ehrlich: Lieber ein Kack-Aufstieg als gar keiner. Nach fünf Siegen in Folge kann man zwar auch mal ein Spiel verlieren. Aber doch bitte nicht so.

Oder ist der VfB einfach nur professionell und wir zu sentimental? Lieber eine knappe Niederlage verwalten statt mit Macht auf den Ausgleichstreffer gehen? Verbunden mit dem Risiko, weitere Gegentore zu fangen? Der einzige, der wollte und 90 Minuten mit Salif Sané griechisch-römisch rang, war Simon Terodde. Hannover hingegen bezahlte seine Einsatzbereitschaft mit Gelbsperren für Martin Harnik und Kapitän Edgar Prib und auch auf Abwehrchef Sané werden sie nach dessen roter Karte in Sandhausen verzichten müssen. Aber bei allem Verständnis: Der Auftritt des VfB vor erneut vielen Auswärtsfahrern war insgesamt eines Aufsteigers nicht würdig.

Was kann man positives aus der Partie in Hannover ziehen? Martin Harnik hat nicht getroffen und der VfB Stuttgart ist nach 33. Spieltagen in einer Situation, die der Traum für jeden Eventplaner sein muss: Zu 99% in der Bundesliga, aber perfekt kann man den Aufstieg erst im Heimspiel gegen einen Aufsteiger machen, der in der Rückrunde immer noch kein Spiel gewonnen hat. Und sogar die Wettervorhersage für kommenden Sonntag ist top. Verdient haben das vor allem die Fans. Okay, das Team auch. Aber erst, nachdem es sich mit einem klaren Heimsieg aus der Saison verabschiedet und bei Bielefeld gebührend revanchiert hat.

19 Kommentare

  1. Christian Fischer sagt

    Ich bin zwiegespalten. Einerseits war es schon immer ein VfB-Problem, dass man keinen Schritt mehr als nötig gegangen ist. Andererseits ist es doch nur allzu menschlich, dass Trainer und Mannschaft rational das sozusagen nur noch irgendwie zu Ende bringen wollten.

    Machen wir uns nichts vor: Die Ausgangslage ist nun überragend, Hannes Wolf kann das ganz große Ziel erreichen. Was denkst du, was für ein unmenschlicher Druck auf ihm lastet? Dem Ziel wird alles, auch jedes Gefühl untergeordnet. Wer vor Sonntag einen solchen Verlauf des Spieltages nicht unterschrieben hätte dem kann man auch nicht helfen.

    Und eins noch:
    „Und so erleben die Fans einen Beinahe-Irgendwie-aber-doch-noch-nicht-ganz-Aufstieg wie er unbefriedigender nicht sein könnte. Aber ich bin ehrlich: Lieber ein Kack-Aufstieg als gar keiner.“
    So eine Aussage im Anschluss an ein 0:1, nachdem man die 5 Spiele davor alle gewonnen und dabei jeweils drei Kisten gemacht hat, bekommt man nur bei uns in Stuttgart zu hören. Wer mit dem Gesamtverlauf dieser Saison nicht zufrieden ist der sollte sich zu einem anderen Verein auf der A8 Richtung Osten orientieren.

    Diese Arroganz, als wäre es eine Selbstverständlichkeit wieder aufzusteigen ist die zweite Krankheit des gesamten Vereins, wo viele Fans den Kontakt zur Realität leider längst verloren haben. Zum Glück gilt das nicht für unseren Cheftrainer.

    Gegen Würzburg erwarte ich trotzdem ohne Zweifel 3 Punkte, ganz einfach aus Fairnessgründen gegenüber der Konkurrenz im Abstiegskampf.

    • @buzze sagt

      Hey Christian,

      danke für Deinen Kommentar. Den Vorwurf der Arroganz kann ich nicht so stehen lassen. Der Gesamtverlauf der Saison ist einwandfrei und dass man in der Rückrunde nur zwei Spiele verliert, ist nicht selbstverständlich. Dass man mit diesem Kader einen der ersten zwei Plätze belegt, muss hingegen selbstverständlich sein – aus meiner Sicht jedenfalls. Die Siegesserie, der Last minute Sieg und die tolle Leistung gegen Union Berlin: All das waren herausragende Leistungen des Teams. Mir geht es nicht darum, dass man jetzt in Hannover verloren hat. Das kann passieren. Aber, dass das Team nicht mit allen Mitteln versucht hat, das eine Tor zu erzielen, das so wichtig gewesen wäre, verstehe ich einfach nicht. Und noch weniger verstehe ich, dass sich darüber im Verein anscheinend niemand so richtig ärgert: Maxim nicht, der laut kicker „be happy“ rufend durch die Mixed Zone lief. Baumgartl nicht, der die Niederlage bei der geilen Stimmung nicht so schlimm fand. Hannes Wolf nicht und auch Jan Schindelmeiser nicht. Mir fehlt jemand, den es so richtig ankotzt, dass man dieses eine Tor nicht gemacht. Jemanden, der sauer ist, weil man 2x gegen Hannover verloren hat.

      • Inwiefern wäre das Tor denn „so wichtig“ gewesen? Schön, gewiss, auch standesgemäß, und meinetwegen ein Zeichen. Aber wichtig? Also abgesehen davon, dass man gestern schon rechnerisch gesichert hätte, was nun eben eine Woche später kommt, und davon, dass wir Fans ein in doppelter Hinsicht besseres Gefühl gehabt hätten: zum einen die unmittelbare Euphorie, zum anderen ein, wie soll ich sagen, größeres Vertrauen in das Selbstverständnis der Mannschaft?

        Klar, ich ärgere mich auch, aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann in erster Linie deshalb, weil mir ein emotionaler Ausbruch sowie eine hohe Grundzufriedenheit, verbunden mit der einen oder anderen Ansage an konkurrierende Fans, für die laufende Woche versagt wurden.

        Sorry, ich hänge mich da an einer Formulierung auf, die nicht einmal im Text, sondern nur in einem vielleicht rasch geschriebenen Kommentar steht. Mag daran liegen, dass ich Gentner und Wolf sehr gut verstehen kann, die Kritik daran in den sozialen Medien eher nicht, und auf keinen Fall in ihrer Schärfe.

        • @buzze sagt

          Zum einen versaut der fehlende Punkt die ganze Woche. :-) Weder herrscht die große Aufstiegsfreude noch gibt es diese gespannte Erwartungshaltung, weil es noch wirklich um etwas geht. Das finde ich schade, denn ich finde es immer wieder faszinierend, was der VfB mit der Stadt Stuttgart bzw. seinen Bewohnern machen kann. Klar, 3 Punkte und 10 Tore Vorsprung = 99%iger Aufstieg. Aber wir lagen in dieser Saison gegen einen Aufsteiger auch schon mal nach 26 Minuten 0:3 hinten und dass Braunschweig daheim gegen den KSC hoch gewinnt, halte ich nicht für unwahrscheinlich. Mit nur einem Tor und dem damit erkämpften Punkt hätte der VfB all diese Rechenspiele verhindert und Pessimisten wie mir jegliche Bruddel-Grundlage entzogen.

          • Als ob der VfB ein Interesse daran hätte, das Bruddeln abzuschaffen! Es hat den Verein erst zu dem gemacht, was er ist. Das „gewohnt kritische Publikum“ ist unser(e) USP.

  2. Christian Fischer sagt

    @buzze

    Ich verstehe deinen Punkt. Da würde ich aber entgegnen, dass das nur menschlich ist. Für die handelnden Personen gibt es nur ein Ziel: den Aufstieg. Diesem Ziel ist man am Sonntag ein ganz entscheidendes Stück näher gekommen. Dass man da nicht grantig und wütend durch die Gegend läuft kann man doch nachvollziehen.

    Wie gesagt, wenn man vor dem Anpfiff diesen Verlauf irgendeinem Verantwortlichen angeboten hätte, dann hätten die das ohne Zögern unterschrieben.

  3. Christoph Miller sagt

    Hallo,

    Sorry, aber mit dieser Kommentar von heute macht mich fassungslos.

    Ich habe gestern während des Spiels auch gedacht: „nun gut verteidigen und das 0:1 sichern. Denn das Torverhältnis eröffnet auf einmal ganz neue Konstellationen und Chancen.“ Kein Mensch dachte, dass sich solche Varianten eröffnen. (Umgekehrt wäre es doch normal gewesen, wenn Braunschweig hoch gesiegt hätte. Dann wäre der VfB jetzt Dritter.)

    Das Verhalten des VfB war völlig richtig. Wenn der FCB so agiert hätte, würde alle Welt von Abgeklärtheit reden.

    Aber dieser Blog von heute scheint symptomatisch für den normalen VfB zu sein. Auch das VfB-Forum bruddelt vor sich hin. Unfassbar. Es erinnert mich an die glorreichen Zeiten, als der VfB vor 13.000 Zuschauern in der EL spielte. Der durchschnittliche VfB-Fan war damals der Meinung, es sei unter seiner Würde, ein EL-Spiel zu besuchen. CL musste es schon sein.

    Und nun so miesepetrige Aussagen. Ich fasse es nicht. Hier kümmert man sich – extrem abgehoben – nur noch um die passende Choreografie des Aufstiegs. Die Worte „K…-Aufstieg“ belegen, dass man als VfB-Fan wohl der Meinung ist, eigentlich müssten alle Gegner vom Platz gefegt und der VfB als 2.-Liga-Meister schon längst feststehen. „Welch‘ eine Beleidigung des Fans, dass der Aufstieg noch nicht sicher ist“ – das quillt aus den Zeilen des heutigen Blogs.

    Sorry. Mir ist es völlig egal, wie und wann der VfB aufsteigt. Hauptsache, er tut es, von mir aus auch in der Relegation. Ich wäre happy, wenn der VfB den einen Punkt am Sonntag nach einem 0:2-Rückstand mit einem glücklichen 2:2 gegen Würzburg holen würde. Denn Braunschweig wird sicher extrem hoch gewinnen. Und es ist mir sowas von egal, ob der VfB als 1., 2. oder 3. aufsteigt. Das sind Luxus-Problemchen.

    Jetzt alle Daumen halten und mitfiebern, den VfB unterstützen und fröhlich sein über diese gute Ausgangsposition. Der Fußball-Gott scheint doch Stuttgarter zu sein. Leute, welch ein Glück auf unserer Seite. Was habe ich mich geärgert über den Sieg von Braunschweig gegen Union, und nun gab es doch einmal Schützenhilfe. Das ist Grund zur Freude und zur Hoffnung auf ein Happy End. Noch ist es fern, noch müssen wir zittern. Umso mehr: VfB unterstützen!

    Ich lese gerne diesen Blog. Aber den Kommentar heute finde ich völlig daneben.

    • @buzze sagt

      Hi Christoph,
      schön, dass Du uns sonst gerne liest. Und schön, dass Du eine andere Meinung hast als wir. Ich kann auch Deinen Standpunkt verstehen. Aber ich kann nicht verstehen, dass der VfB nicht versucht, diesen einen Punkt mit allen Mitteln zu holen, wegen dem 8.000 Fans sich für 10 Stunden und mehr ins Auto oder den Zug setzen. Mein Unmut bezieht sich allein auf diesen Fakt. Ansonsten haben wir „a grandios Saison gespielt“ wie Roman Weidenfeller sage würde. Unsere Erwartungen wurden mal erfüllt, mal übertroffen und auch mal enttäuscht. Niemand erwartet, dass jeder Gegner problemlos geschlagen wird oder dass der Aufstieg am 30. Spieltag fix ist. Aber trotzdem kann ich mich über die Niederlage nicht freuen, die nur deshalb den Aufstieg bedeutet, weil 80 Kilometer südlich ein anderes Team das Spiel des Jahrzehnts abliefert. Aber wir sind uns einig: Ein Heimsieg gegen Würzburg wäre der perfekte Abschluss einer denkwürdigen und erfolgreichen Saison.

  4. @abiszet sagt

    Wenn hier in erster Linie über die „clevere Verwaltung“ einer Niederlage gesprochen wird, muss ich sagen: H96 hat deshalb verdient gewonnen, weil sie es mehr wollten und weil der VfB fahrig, blutleer und fehlerhaft aufgetreten ist. Und zwar von Anfang an, da hat Bielefeld noch nicht hoch geführt.

    @Christophh
    Bei Bayern München muss ich Dir widersprechen: Die hätten es niemals beim 1:0 bewenden lassen, die hätten den Ausgleich gewollt. Mindestens!

    Es ist sich hier auch keiner zu fein für die zweite Liga oder EL oder sonstwas und der Text fordert nicht, dass alle Gegner vom Platz gefegt werden sollen. Nein, ein mutiger Auftritt (den selbst Hannes Wolf seiner Mannschaft abspricht) ist gefordert, ein Auftritt, der der Ernsthaftigkeit des Saisonzeitpunkts angemessen ist. Wie oben gesagt war es ja nicht so, dass der VfB ab dem 4:0 auf Sicherheit gegangen ist. Die Spannung hat ab Minute 1 gefehlt.

  5. Christoph Miller sagt

    @abiszet

    Also echt, angesichts der glücklichen Umstände (normalerweise wären wir jetzt 3.) kann ich mich einfach nicht ärgern.

    Unser Verein hat die Chance, in wenigen Tagen aufzusteigen. Und hier wird diskutiert, als wäre es ein normaler Spieltag. Es sei mal dahin gestellt, ob dem VfB die Spannung von Anfang an wirklich fehlte. Jedenfalls stand es beim 1:0 für Hannover schon 2:0 für Bielefeld. Jedenfalls darf man in so einer Konstellation ruhig auch auf die Konkurrenz schauen. Jedenfalls kann man bei Hannover auch 0:3 statt 0:1 verlieren. Jedenfalls hat der VfB gestern einfach viel Glück gehabt. Soll man über glückliche Umstände schimpfen? Soll man so in die wichtigste Woche starten.

    Diese Bruddelei soll doch suggerieren, man sei viel erfolgsbessener als die Profis selbst und somit eigentlich der bessere, professionellere VfB-Manager. Die Reaktion der VfB-Spitze war aber völlig ok. Fokusierung auf das letzte Spiel und man hat zugestanden, dass Bielefeld Einfluss hatte.

    • @abiszet sagt

      Nein, der Text will nicht suggerieren, wir wären die besseren VfB-Manager. Er ist so gemeint, wie geschrieben: Mehr Engagement von Minute 1 an und wir wären in Liga 1. So sind wir es höchstwahrscheinlich nächste Woche. Reicht ja auch ;-).

      Und ja: Der VfB hat Riesenglück, dass er in dieser komfortablen Situation (3 Punkte mehr und 10 Tore besser als Braunschweig) ist. Diese Situation hat am vorletzten Spieltag nicht der VfB aus eigener Kraft geschafft, sondern Arminia Bielefeld ermöglicht. #DankeArminia

  6. drausvomLande sagt

    @buzze
    Danke für diesen Blog-Beitrag, dieser VfB hat sich diese Kritik wirklich redlich und mit viel Anstrengung verdient.
    @alle anderen:
    Was wollen wir denn nun sein – professionell oder menschlich? Menschlich, weil uns Gefühle zum Fussball und zum Verein bringen, weil die Emotionen des Spiels ein Salz in unserer Lebens-Suppe sind? Menschlich, weil wir verstehen, dass die Protagonisten unserer Emotionen diese selbst gar nicht bringen können, weil der Spielverlauf woanders …?
    Oder wollen wir professionell sein und akzeptieren, dass man nicht mehr tut als man tun muss? Kraft sparen für Zeiten, in denen man sie braucht, Karten aus dem Weg gehen, damit man in wichtigen Spielen zur Verfügung steht?
    Ja Himmel Arsch und Zwirn ist es nicht Kern- und Hauptaufgabe professioneller Fussballspieler, die menschlichen Emotionen der Fans zu bedienen und welches wichtigere Spiel gibt es als erster gegen zweiter? Welche „Spannung“ kann nun professionell aus Hannover mitgenommen und ins Spiel gegen Würzburg übertragen werden? Eigentlich dachte ich, dass Professionalität auch bedeutet, Chancen dann zu ergreifen, wenn sie sich bieten und nicht auf die nächste Gelegenheit zu warten.
    Ich habe keinen aufstiegsgeilen VfB gesehen, ich habe die Einstellung und Leidenschaft der Abstiegsmannschaft gesehen, ist ja nicht schlimm, dass wir verlieren, solange die anderen höher verlieren …
    Professionell habe ich eine gegen den Abstieg kämpfende Mannschaft gesehen, die einen Aufstiegsfavoriten mit 6 Toren vernichtet hat und menschlich sehe ich einen Absteiger, der seinem Intimfeind noch so richtig schön eine reinwürgen kann, das macht dann in Summe wieviel Tore?
    Professionell sehe ich einen VfB, der im Endspurt massiv an Dampf verloren hat und menschlich will ich gar nicht denken

  7. Christoph Miller sagt

    @drausvomLande

    Klare Antwort: nein. Aufgabe des VfB ist es, erfolgreich zu sein.

    Ich verstehe alle dienjenigen, die in Hannover dabei waren. Wer im Stadion ist, will nicht einen verlierenden VfB sehen. Geschenkt.

    Alle anderen aber sind mehr als zufrieden. Außer online habe ich noch keinen VfB-Fan getroffen, der so bruddelt wie man es im www lesen kann. Jeder VfB-Fan, der halbwegs bei Sinnen ist, hat die Situation sehr nüchtern realisiert und erkannt: Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.

    Man sieht das aktuell, in anderer Konstellation aber ähnlichem Ergebnis, bei Hoffenheim. Die führten 5:0 in Bremen und kassierten noch drei Gegentore. Das ist extrem bitter, denn dadurch wurde die Ausgangslage für den Kampf um Platz 3 massiv verschlechtert.

    Deshalb meine ich:

    1.) Selbst wenn es stimmen sollte, dass der VfB in Hannover „sich hängen ließ“, gibt es keinen Grund, von einem „K…-Aufstieg“ zu sprechen – so, als wäre das ein Wunschkonzert, das man sich hin-choreografiert.
    2.) Aber der Vorwurf mit dem „hängen lassen“ stimmt bereits nicht. Es war völlig richtig, nicht alles zu riskieren. Dass das so gewollt war, haben alle Verantwortlichen ja bereits gesagt. Das Risiko, das Toirverhältnis zu verschlechtern, war angesichts der unerwarteten Schützenhilfe plötzlich größer. In dieser Relation muss man das sehen, und der VfB handelte entsprechend klug und rational.

    • @buzze sagt

      Mit einem einzigen Tor hätte der VfB die ganze Stadt samt Umgebung für eine Woche euphorisieren können. Sie haben es nicht mal versucht. Klug und rational? Vielleicht. In meinen Augen haben sie mit der Darbietung in Hannover trotzdem viel von dem kaputt gemacht, was sie sich 32 Spieltage lang aufgebaut haben. Das Team kämpft eine Saison lang für den Aufstieg, um ihn dann so einzufahren: Für mich bleibt das ein „Kack-Aufstieg.“ (Das sollte übrigens eine Referenz an das „Kack-Tor“ sein, das Arnd Zeigler kürt: Tor bleibt schließlich Tor und Aufstieg bleibt Aufstieg.)

  8. drausvomLande sagt

    @Christoph Miller
    Der Unterschied zwischen Deiner Bewertung und meiner liegt schlicht darin, dass Du den Jungs eine bewusste Entscheidung für diese Spielweise zuschreibst und ich im Gegensatz den Eindruck hatte, dass sie es einfach nicht besser hinbekommen haben. Und selbst wenn Du recht hättest (und komm mir jetzt nicht mit der Trainer-Aussage nach dem Spiel, die war politisch), war es in meinen Augen die falsche Entscheidung, denn wenn das ausschliessliche Ziel der Erfolg ist, dann muss ich in Hannover dieses eine Tor machen und darf mich auf keinen Fall auf die nächste Chance verlassen.
    Und wenn Professionalität bedeutet, dass man tausende von Fans, die diese Strecke auf sich genommen haben, einfach so mal vor den Kopf stossen kann, dann ist das traurig.
    Jetzt brauchen wir nur noch einen Zitter-Punkt gegen Würzburg und haben einen Erfolg mit Gschmäckle, toll. Oder Schützenhilfe aus Ost-Frankreich, noch besser

  9. Ich kann ehrlich gesagt die Kritik an dem Blogbeitrag nicht nachvollziehen, denn mir geht es genauso. Nur ein VfB-Tor hätte den sicheren Aufstieg bedeutet, ein weiteres Gegentor angesichts der hohen Führung der Arminia nur ein unwesentliche Verschlechterung der Tabellensituation bedeutet. Warum man dann nicht, wie Gentner zugibt, am Ende all in geht, ist mir unbegreiflich. Natürlich ist es kein Weltuntergang, aber anders wärs schöner gewesen.

    Und nein, das hat auch nichts mit überzogener Erwartungshaltung und „Dann geh doch zu den Bayern“ zu tun. Dieser Wiederaufstieg ist keine Sensation, sondern die verdammte Pflicht der Mannschaft, für dass sie in 34 Spielen alles geben sollte. Mehr erwarte ich gar nicht als Fan. Wahrscheinlich hätte Hannover so oder so gewonnen, weil sie an diesem Tag einfach besser waren als der VfB. Wofür ich kein Verständnis habe: Dass sich die Mannschaft irgendwann angesichts der Leistung einer anderen Mannschaft zurücklehnt und sich denkt: „Ach, wieso alles geben, geht doch auch ohne.“

  10. Banyasz Tatabanya sagt

    Die Mannschaft hat die Aufgabe den Aufstieg so früh wie möglich einzutüten. Demgemäß hat sie es gegen Hannover verbockt alles klar zu machen. Schade dass Terodde am Schluß nicht durchbrechen und den Ausgleich erzielen konnte da sein Gegenspieler lieber die rote Karte in Kauf nahm. Wenn man schon auf Halten des 0-1 gespielt haben will, verwundert es dass Harnik kurz vor Schluß bei einem Hannoveraner Schnellangriff/Konter den Ball noch an den Pfosten setzen durfte. Natürlich ist dennoch Alles gut und Sonntag muß ein schöner Tag werden. Alles Andere als 3 Punkte gegen Würzburg ist indiskutabel.

    Rückblende: Man verlor in der Abstiegssaison zu Hause gegen das damals bereits abgeschlagene Hannover trotz hundert Chancen, was der Anfang von Ende war. In der Hinrunde verlor man dank eines klassischen Langeraks wieder zu Hause gegen Hannover. Nun war paybacktime in Hannover angesagt, was aber beim VfB niemand recht mitbekam. Gepaart mit der besonderen Brisanz des Aufstiegsgipfels zweier Absteiger am 33. Spieltag, war die Performance von letztem Sonntag nicht nur eher mau. Im Ergebnis aber Alles hoffentlich egal, da 3 Punkte gegen Würzburg ohnehin Pflicht sind.

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