Ausgliederung, VfB
Kommentare 5

Chancen & Risiken der Ausgliederung

Dies ist ein Gastbeitrag von Ralf Leister aus Hamburg. Er setzt sich seit knapp dreieinhalb Jahren mit den wirtschaftlichen Hintergründen im Profifußball auseinander und schrieb 2014 seine Bachelorarbeit über die Ausgliederung des HSV. Der Autor ist langjähriger und LEIDENschaftlicher HSV-Fan und arbeitet als Berater in der Konzernstrategie der Otto Gruppe (OTTO, SportScheck, AboutYou, Hermes etc.) in Hamburg. Nebenberuflich untersuchte er gemeinsam mit der Hamburg School of Business Administration (HSBA) und dem Forschungsinstitut IVOX Glass Lewis die Strukturen der Bundesligisten aus der Saison 2015/16 und bietet ein Seminar an der HSBA und der Nordakademie in Elmshorn zu diesem Thema an. Ralf Leister betreibt überdies den Blog FussballWirtschaft.de

Ausgliederungen sind im Fußball aktuell in Mode. In der abgelaufenen Bundesligasaison spielten 14 Kapitalgesellschaften gegen 4 eingetragene Vereine. Mit dem SV Darmstadt ist einer dieser Vereine abgestiegen.

Der beste Club, der ausschließlich in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins organisiert ist, ist der SC Freiburg, der die Saison als Siebter abschloss.

In meiner Recherche für diesen Beitrag hatte ich den Eindruck, dass das Thema der Ausgliederung beim VfB häufig sehr einseitig betrachtet wird. Während der Verein nahezu ausschließlich auf die Vorteile eingeht, gibt es von Fan-Seite stark kritische Stimmen.

In diesem Beitrag möchte ich die Chancen & Risiken einer Ausgliederung des VfB objektiv abwägen. Im Idealfall hilft dieser Beitrag bei der Entscheidung für oder gegen die Ausgliederung am 1. Juni. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf diese 4 Themen: Finanzbedarf, Strukturen, Einfluss & Daimler-Deal.

Finanzbedarf bringt Stein ins Rollen
Frisches Kapital ist der offensichtlichste Vorteil einer Ausgliederung bzw. Anteilsveräußerung. Geld können Fußballclubs grundsätzlich immer gebrauchen und ausgeben.

Chancen: Der Wettbewerb im Fußball ist so konzipiert, dass die Fußballclubs direkt gegeneinander antreten. Genau diese Eigenschaft macht den sportlichen Wettkampf ja so interessant. Obwohl es am Ende um den sportlichen Vergleich zweier Teams geht, spielen die Finanzen eine große Rolle.

Jugendarbeit, Infrastruktur, Entschuldung, langfristige Kaderplanung & Co kosten Geld. Die Einnahmen aus dem Anteilsverkauf könnten hierfür eingesetzt werden und den VfB Stuttgart so sportlich wie finanziell nachhaltig stärken.

In der Wissenschaft spricht man diesbezüglich vom sogenannten Big Push. Das bedeutet, dass ein Club seine Position im Wettbewerb durch eine Finanzspritze auf einen Schlag maßgeblich verbessern kann.

Ohne diesen Push ist es schwierig, sich langfristig hoch zu arbeiten. Bei den ersten Anzeichen von Erfolg verlassen viele Spieler ihren aktuellen Club, weil woanders das Geld bzw. noch größere sportliche Erfolge rufen. Die finanziellen Mittel aus der Veräußerung von Anteilen könnten dabei helfen, die besagten Spieler zu halten.

Des Weiteren lohnt sich ein Blick ins Rheinland nach Köln: Nach Abschluss des 34. Spieltags in der vorletzten Woche habe ich bei Twitter gelesen, dass der FC Köln der beste Club ohne externen Investor sei. Ein fünfter Platz ist dabei für viele Bundesligisten äußerst attraktiv. Schließlich geht damit die Qualifikation für die Europa League einher.

Ich bin mir jedoch sicher, dass sich der Platz des besten Clubs ohne externen Investor in der Abschlusstabelle in den kommenden Jahren langsam Richtung Zweistelligkeit verschiebt. Die Möglichkeiten der durch Investoren gestützten Clubs wird über kurz oder lang zu deren Dominanz führen.

Das ist aber nur meine persönliche Meinung bzw. Einschätzung.

Eine Ausgliederung inklusive der Veräußerung von Anteilen kann die Lücke zu diesen Clubs jedoch zumindest verringern, um die Bundesliga so langfristig spannender und ausgeglichener zu machen. Die Chance auf eine gute Saison des VfB Stuttgart erhöht sich mit zusätzlichen Geldern. Sicher ist eine gute sportliche Performance allerdings nie.

Risiken: Auf der anderen Seite könnten die zusätzlichen Mittel natürlich auch wenig nachhaltig eingesetzt werden. Auch wenn die Verlockung groß ist, das frische Kapital in einzelne Spielerverpflichtungen zu stecken, sollte der VfB davon absehen.

Die attraktive Veräußerung von Anteilen kann bei zwei, drei Fehlgriffen schnell verpuffen. Gerade in der heutigen Zeit wissen wir, dass sich auch ein Zlatan Ibrahimovic verletzen kann. Abgesehen davon ist es natürlich auch denkbar, dass sich ein Spieler nicht so entwickelt, wie gehofft.

Außerdem ist darauf zu achten, dass die Ablösesummen für Spielerverpflichtungen nicht in die Höhe getrieben werden, weil der VfB Stuttgart anklopft, der nach der Ausgliederung mehr Geld zur Verfügung hat.

In den vergangenen Transferperioden hat RB Leipzig dieses Problem offen angesprochen. Darüber hinaus glaube ich, dass wir in Hamburg gelegentlich ein ähnliches Phänomen bekämpfen.

Fazit: So wie ich die Pläne der VfB-Führung verstehe, ist sie sich der Gefahren bewusst. Natürlich sind diese Bekenntnisse erstmal nur Worte an denen sich das Management später messen lassen muss. Die Ausgliederung an konkrete Bedingungen zu knüpfen, ist jedoch nicht möglich.

Meiner Ansicht nach gibt es in Bezug auf das Geld mehr Chancen als Risiken.

Ausgliederung als Chance, die Strukturen anzupassen
Die Anpassung einer Struktur ist auch außerhalb einer Ausgliederung möglich, jedoch aktuell Teil des vorliegenden Konzepts.

Chancen: Zu Beginn dieses Abschnitts ein Zitat aus der aktuellen Satzung des VfB Stuttgart 1893 e.V.:

„Der Verein bekennt sich grundsätzlich zur Ausübung des Sports um seiner selbst willen und verfolgt keine wirtschaftlichen Ziele. [§2 Nr. 4 Satzung VfB Stuttgart 1893 e.V.]“

Diese Satzung kann meiner Ansicht nach in der heutigen Zeit nicht den organisatorischen Rahmen eines professionellen Bundesligisten bilden. So romantisch die Vorstellung ist, dass es ausschließlich um den Sport geht. Mittlerweile geht es im Fußball eben auch um Millionen.

Dass eine Umstrukturierung zwingend erforderlich ist, zeigt auch die Studie, die ich in Kooperation mit der HSBA und IVOX Glass Lewis veröffentlicht habe. Diese könnt Ihr unter anderem in der Wirtschaftszeitung Capital und der Print-Ausgabe des Kicker (vom 8.2.2016) nachlesen.

Wer die wissenschaftliche Veröffentlichung lesen möchte, wird in der Zeitschrift für Corporate Governance (leider kostenpflichtig) fündig.

Der VfB Stuttgart landete hierbei im Vergleich aller Bundesligisten der Saison 2015/16 auf dem Drittletzten Platz (vor Mainz und Darmstadt). Diese Auswertung zeigt, wie notwendig Anpassungen der Struktur sind.

In der Wissenschaft spricht man anstatt von „Strukturen“ häufig von „Corporate Governance“. Dabei geht es vereinfacht gesagt um Mechanismen innerhalb der Struktur, die eine nachhaltige Unternehmensführung gewährleisten. Natürlich bringt hierbei die beste Struktur nichts, wenn die falschen Personen darin agieren.

Deshalb ist der wichtigsten Punkt in Bezug auf die Corporate Governance der so genannte Kandidatenfilter.

Vor jeder Wahl sollte ein qualifiziertes Gremium die Eignung der vorgeschlagenen Kandidaten für das zu besetzende Gremium prüfen. In das Präsidium, den Aufsichtsrat sowie den Vorstand sollten nur Personen gewählt werden können, die für die Posten geeignet sind.

Während die Kandidaten für das Präsidium im vorliegenden Konzept vom Vereinsbeirat vorgeschlagen werden, gibt es für Vorstand & Aufsichtsrat der AG kein Konzept zur Prüfung der Kandidaten.

Im Vorstand soll sich nach der Ausgliederung nichts ändern und der Aufsichtsrat wird aus Vertretern des Präsidiums, des Ankerinvestors sowie des Haupt-Sponsors bestehen. Diese Regelungen sind nachvollziehbar, trotzdem wäre ich für die Implementierung eines Kandidatenfilters.

Risiken: Die größte Angst, die mit der Ausgliederung einhergeht, ist die Verlust der Kontrolle über den VfB Stuttgart. Hier enthält das vorliegende Konzept jedoch gute Mechanismen, die genau das verhindern sollen.

Sollten die Investoren des VfB die Aktien weiterverkaufen wollen, geht dies durch die Ausgabe von vinkulierten Namensaktien nur mit Zustimmung der Hauptversammlung.

In dieser wird der Verein immer eine Mehrheit von mindestens 75,1 % haben. Diese Regelung wird in der Satzung verankert und ist von einer möglichen Abschaffung der 50+1-Regel in der Bundesliga nicht betroffen.

Durch diese Mehrheit können alle maßgeblichen Änderungen vom Vereinsvertreter alleine und unabhängig von der Zustimmung der Investoren entschieden werden.

Fazit: Die Beteiligung von Investoren am Eigenkapital der Gesellschaft ist ungewohnt. Das vorliegende Konzept enthält jedoch meiner Meinung nach die kritischsten Elemente einer guten Corporate Governance.

Darüber hinaus fehlt es aus meiner Sicht lediglich an objektiv nachvollziehbaren Kandidatenfiltern für den Aufsichtsrat und insbesondere den Vorstand. Die Erstbesetzung nach einer möglichen Ausgliederung halte ich jedoch für sinnvoll.

Veränderung des Mitgliedereinflusses als Bedrohung
Die Mitbestimmung der Mitglieder macht einen Verein aus. Innerhalb der Vereinsstruktur (Amateursport sowie zahlreiche weitere Sportarten) bleibt die Mitbestimmung von einer Ausgliederung erstmal unberührt.

Durch eine Umstrukturierung rutschen die Mitglieder durch den Wegfall des Aufsichtsrates auf e.V.-Ebene sogar noch näher an die Vereinsführung heran.

Natürlich haben viele Mitglieder ein großes Interesse am Profifußball des VfB. Das zeigt nicht nur die erstligataugliche Stadionauslastung, sondern auch die Nachfrage auf anderen Kanälen.

Chancen: Obwohl ich mich mit dem Thema der Mitbestimmung durch die Mitglieder schon länger auseinandersetze, habe ich nirgendwo eine Regelung gefunden, wie viel Mitbestimmung gut ist.

Aufgrund dessen kann ich hier keine große Chance ausmachen.

Risiken: Natürlich ist es ohne konkreten Richtwert auch schwierig von einem Risiko zu sprechen. Dennoch ist es unausweichlich, dass die Mitglieder an direktem Einfluss auf den Profifußball verlieren. Das liegt vor allem an zwei Gründen.

1. Mehrere Gremien: Nach einer möglichen Ausgliederung besteht der VfB Stuttgart nicht mehr aus einer, sondern aus zwei rechtlichen Einheiten. Vom Beschlussorgan des Vereins (Mitgliederversammlung) bis zur Führung der AG (Vorstand) gibt es aller Voraussicht nach mehr Gremien als zuvor. Die Mitglieder sind demnach sprichwörtlich weiter vom Management entfernt als vor der Ausgliederung.

2. Externe Investoren: Hinzu kommt, dass der Verein in Zukunft aller Voraussicht nach nicht mehr 100% der Anteile an der Profifußballabteilung halten wird. Ein großes Ziel der Ausgliederung des VfB ist schließlich der Verkauf von Anteilen an externe Investoren (Daimler AG).

Jeder, der sagt, dass die Mitglieder nach der Ausgliederung weniger Möglichkeiten zur Mitbestimmung haben als vorher, hat demnach Recht. Das klingt natürlich erstmal negativ, da mehr Stimmrecht pauschal besser ist, als weniger Stimmrecht. Zumindest aus Sicht desjenigen, der die Stimme hat bzw. droht sie sich selbst einzuschränken.

Die Frage, warum Mitglieder dann für eine Ausgliederung stimmen sollten, ist daher nur die logische Konsequenz. Mir fällt nur ein Argument ein: Die finanziellen Chancen überwiegen die Risiken einer Ausgliederung. Die Einschränkung der Mitbestimmung ist der Preis, den die Mitglieder dafür zahlen müssen.

Ich weiß, dass das hart klingt, aber außer über den Repräsentanten des Vereins in der Hauptversammlung und dem Aufsichtsrat, haben die Mitglieder keinen direkten Einfluss auf die Handlungen der AG. Zumindest sind diese nicht in der Struktur verankert.

Über Fan-Proteste, Petitionen etc. können die Fans / Mitglieder natürlich weiterhin ihre Meinung kundtun. Der Vorstand der AG ist aber nicht direkt daran gebunden, diese Meinung auch zu berücksichtigen.

Fazit: Durch eine Ausgliederung werden die Mitglieder an Möglichkeiten zur Einflussnahme auf das Profigeschäft verlieren. Einzige Möglichkeit bleibt der Entsandte des Vereins in der Hauptversammlung bzw. des Aufsichtsrates der AG.

Attraktiver Daimler-Deal bereits vor der Abstimmung sicher
Bereits vor der Mitgliederversammlung hat die Daimler AG eine Investition in Höhe von 41,5 Millionen Euro für 11,75 % der Aktienanteile zugesagt. Hinter dem Deal liegt eine Unternehmensbewertung von gut 350 Millionen Euro.

Chancen: Die Unternehmensbewertung ist etwas niedriger als die des FC Bayern (Allianz AG zahlte 110 Millionen Euro für 8,33 %) und höher als bei Hertha BSC (Finanzinvestor KKR zahlte etwa 20 Millionen Euro für 9,7 %).

Zudem ist es deutlich mehr, als der HSV mit seinen Anteilseignern (allen voran Klaus-Michael Kühne) in zahlreichen Finanzierungsrunden ausgemacht hat. Insgesamt haben die Norddeutschen ca. 20% für ungefähr 60 Millionen Euro verkauft.

Darüber hinaus sind die Daimler AG und der VfB Stuttgart eng miteinander verbunden. Das ist grundsätzlich eine gute Voraussetzung für eine Fortsetzung bzw. Intensivierung der gemeinsamen Zusammenarbeit.

Während die individuellen Motive der Daimler-Vorstände natürlich nur schwer zu durchschauen sind, muss der Vorstand im Interesse der Daimler-Aktionäre handeln. Dementsprechend muss der Autobauer über das Investment einen Mehrwert generieren können.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Autobauern und Fußballclubs funktionieren kann, zeigen wiederum beispielsweise der FC Bayern und die Audi AG. Als Außenstehender würde ich sagen, dass die Konstellationen eine gewisse Ähnlichkeit haben.

Risiken: Mit 11,75% wäre die Daimler AG neben dem Verein die einzige Partei in der Hauptversammlung. Für alle kritischen Entscheidungen wird jedoch eine Mehrheit von 75% im Beschlussorgan der AG benötigt. Selbst wenn der Autobauer seine Anteile in Zukunft ausbauen sollte, ist der Verein immer alleine entscheidungsfähig.

Dennoch besteht die Gefahr, dass die Daimer AG gefühlt mehr Mitbestimmung hat als die 11,75% des Eigenkapitals. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der VfB Stuttgart sich in eine Form der Abhängigkeit begibt und auf mögliche Anschlussfinanzierungen angewiesen ist.

Viele HSV-Fans würden unterschreiben, dass es sich beim Engagement von Herrn Kühne zeitweise genauso anfühlt. Sofern alle Beteiligten und das Umfeld jedoch an einem Strang ziehen, sollte die Liquidität (Zahlungsfähigkeit) jedoch immer gewährleistet sein, so dass diese Abhängigkeit vermieden werden kann.

Fazit: Objektiv betrachtet würde ich sagen, dass der Daimler-Deal ein sehr guter ist.

Abschließendes Fazit
Wenig überraschend bietet die Ausgliederung beim VfB sowohl Chancen, als auch Risiken. Die Vorteile sind vor allem finanzieller und somit in der Konsequenz bei richtigem Umgang auch sportlicher Natur. Auf der anderen Seite ist die Reduktion der Mitgliedermitbestimmung der größte Nachteil.

Diesen Nachteil kann ich mit meinem Beitrag auch nicht einschränken. Was ich jedoch einschränken kann, ist die Angst vor dem Investor Daimler AG. Unabhängig davon, dass der Deal finanziell sehr attraktiv ist, wurden die kritischen Regelungen zur Sicherung der Identität und Entscheidungsfähigkeit des VfB berücksichtigt.

Einen weiteren Vorteil möchte ich abschließend noch kurz anreißen. Durch die Ausgliederung kann das finanzielle Risiko für den Amateursport reduziert werden. Wenn der Profisport des VfB in der aktuellen Organisation ins Straucheln gerät, würde der Amateursport mitgerissen werden. Durch die Ausgliederung würden beide Organisationen rechtlich und finanziell voneinander getrennt, sodass an dieser Stelle Abhängigkeiten reduziert würden.

Zum Schluss möchte ich Dir noch sagen, was ich allen HSV-Fans damals im Fazit meiner Abschlussarbeit empfohlen habe: Mit einer Ausgliederung wird die Chance auf mögliche sportliche Erfolge in der Zukunft erhöht. Genau deshalb würde ich mit Ja stimmen!

Sicher ist der sportliche Erfolg natürlich nie. Dafür ist der Fußball zu unberechenbar. Aber genau deshalb lieben wir ihn ja so, oder?

Wer Fragen an den Autor hat, erreicht ihn unter ralf.leister@fussballwirtschaft.de
Ansonsten wird er auch auf Kommentare zeitnah antworten.

5 Kommentare

  1. Spooky sagt

    Hallo Herr Leister,

    danke für den ausführlichen Beitrag. Die von Ihnen herausgearbeitete These, dass „die Einschränkung der Mitbestimmung“ der Preis ist, den die Mitglieder für die finanzielle Chance zahlen müssen, kann ich unterstreichen. Und sie hängt für mich maßgeblich von dem Vertrauen in die aktuell handelnden Personen ab. Alle sind noch nicht lange im Amt und haben noch keine groben Fehler oder negative Schlagzeilen gemacht, was bei längerer Amtszeit irgendwann kommen wird. Insofern ist der Zeitpunkt günstig.

    Was mich interessiert:
    – Wie schätzen Sie die Rechte ein, die die Mitglieder aktuelle haben? Viele Ausgliederungs-Befürworter sagen ja, dass man auch heute wenig Einfluss hat und sich hier praktisch nichts ändern würde. Ob man nun einen Vorstand/Aufsichtsrat entlastet oder nicht, hat ja keine direkten Konsequenzen. Und die Wahl des Präsidenten bleibt ja erhalten.
    – Welchen Amateursport meinen Sie genau? Die U16-U23, sowie die Traditionsmannschaft werden ja auch ausgegliedert.

  2. Peter Beck sagt

    Guten morgen,
    in Deinem Beitrag nimmt ja die Frage der Mitbestimmung der Mitglieder in der AG einen
    realtiv breiten Raum ein.
    Nur warum fehlt der Vergleich mit den Mitbestimmungsmöglichkeiten im e.V. dabei vollständig? Nur mit diesem Vergleich sind doch Deine Ausführungen über die Mitbestimmung überhaupt erst aussagekräftig.

    mfg

    Peter Beck

  3. Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich glaube, ich habe Teile der Abweichung zum „Status Quo“ beschrieben, indem ich sage, dass zukünftig Satzungsänderungen im Profifußball in der Hauptversammlung getroffen würden. Über die zusätzlichen Gremien und den Anteilsverkauf nimmt die Mitbestimmung auf die Führung des Profifußballs ab.

    Auf die aktuelle Mitbestimmung bin ich aber nicht explizit eingegangen. Da hast Du Recht. So wie ich das sehe, ist die größte Einschränkung die fehlende Wahl bzw. Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, die nach der Ausgliederung nicht mehr in den Händen der Mitglieder liegen würde.

    Insgesamt ist die direkte Mitbestimmung somit geringer als vorher. Über den Vereinsvertreter in der Hauptversammlung der AG wird der e.V. jedoch immer eine relevante Mehrheit der Stimmen (> 75%) behalten. Diese Stimme üben die Mitglieder jedoch nicht direkt aus, sondern delegieren sie an den gewählten Präsidenten. Dieser sollte mit Bedacht gewählt werden und da ist es nur sinnvoll, einen Vereinsbeirat zu installieren, wie es im vorliegenden Konzept geplant ist.

    Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen?

    Hast Du darüber hinaus noch konkrete Fragen bzw. Anregungen? Lass uns gerne diskutieren :-).

    Liebe Grüße
    Ralf

  4. Britta sagt

    Hallo zusammen,

    aus der Brille eines HSV-Fans, der die Ausgliederung erlebt hat, meine Meinung:

    Es ist ganz einfach:

    „Der Verein bekennt sich grundsätzlich zur Ausübung des Sports um seiner selbst willen und verfolgt keine wirtschaftlichen Ziele. [§2 Nr. 4 Satzung VfB Stuttgart 1893 e.V.]“

    Das entspricht nicht der Wahrheit und wird über kurz oder lang so auch nicht zu akzeptieren sein! Ich bin nicht weder beim Finanzamt oder Jurist, aber es ist heute rechtlich schon eher halbseiden als legal, was Fußballvereine da treiben.

    Darüber hinaus ist eine Ausgliederung alternativlos, wenn man professionellen Sport betreiben möchte. Bei einem Erstligaverein ist das gegeben. Die Ausgliederung steht und fällt mit den handelnden Personen. Wie man es nicht machen sollte, zeigen der HSV und 1860 München. Die Probleme dort, liegen in den handelnden Personen begründet! In beiden Fällen tut der Aufsichtsrat nicht das, was er tun muss und die sportliche Führung war (ist) desaströs.
    Wie man es machen sollte, zeigen Hertha, Dortmund und Bayern. Dortmund ist sogar ein perfektes Beispiel, denn sie hatten vor einigen Jahren große Probleme. Sie waren personeller Natur! Sind die Gremien richtig besetzt und wird professionell gearbeitet, dann ist eine Ausgliederung der einzige Weg, einen Verein in die Zukunft zu führen. Sportlicher Erfolg hilft dabei sehr, ist aber letztlich unwichtiger als das richtige Personal!

    So wenig wir alle wollen, dass die Romantik verschwindet, so sehr müssen wir akzeptieren, dass Fußball Wirtschaft ist und es um Geld geht, nachgelagert folgt das, was wir Fans sehen wollen: sportliche Erfolge!

    Liebe Grüße aus Hamburg,
    Britta

    • Chronoswiss sagt

      Dortmund ein perfektes Beispiel?!

      Der Lieblingssatz von allen Beführwortern und seltsamerweise auch von einigen Fußballkommentatoren.
      Gut recherchiert ist das leider nicht…

      Dortmund hat zunächst ausgegliedert und anschließend sogar ihre 75% Stadionanteile verkauft und waren wenige Jahre später dennoch mit 119 mio. in der Kreide!!!

      Das ist alles andere als ein positives Beispiel einer Ausgliederung

      Es zeigt allerdings, das man durch ein gutes Management selbst aus so einer Situation herauskommen kann!

      Meiner Meinung nach ist das ein ideales Beispiel gegen eine Ausgliederung!

      Ich verstehe sowieso nicht, warum man den e.V. als Last und nicht als Chance sehen will…

      Aber was weiß ich schon.
      Bin ja nur Fußballfan..

      LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*