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Kein fliegender Holländer: Fünf Gründe, warum Huub bleibt

Im Fußball ist es oft ein Momentum, das ein Spiel entscheidet. Das sind dann einzelne, ganz spezielle Spielsituationen, manchmal Fehler – auch von Schiris – überragende Einzelaktionen, Millimeter, die fehlen, schlicht Glück oder Pech, alles in allem Dinge, die sich von Trainer oder Management eines Fussballvereins schwer beeinflussen lassen. Das sind dann diese Hätte-Situationen, über die man sich nach dem Spiel gerne bei ein paar Bier zuviel unterhält und es natürlich auch besser weiss. Im Spiel Leverkusen gegen den VfB gab es zwei dieser Situationen:

Nach einer Flanke von Timo Werner steht Daniel Ginczek frei am Fünfmeterraum und hält den Fuß hin. Der Ball geht scharf in die rechte Ecke, die Arme von Bernd Leno zucken heraus und jeder fragt sich, wie Leno diesen Ball gehalten hat. Ausgerechnet Leno, würde Ernst Huberty sagen (warum, siehe hier), der Leno, den Fredi Bobic nie hätte verkaufen dürfen. Der Leno, der sich vor dem Spiel scheinheilig um den VfB Sorgen macht. Hätte er ihn halt reingelassen. Letztlich entscheiden wenige Zentimeter: Hätte Ginczek mehr Druck hinter den Ball bekommen, hätte Leno nicht reagieren können. Hätte Ginczek seinen Fuss ein paar Zentimeter verkantet, dann wäre der Ball platzierter nach rechts geflogen und Leno hätte keine Chance gehabt. Hätte, hätte, Fahrradkette. Hat sich nicht auch Ginczek eine Fahrradkette auf den Arm tätowieren lassen?

Die zweite Situation passiert nach 30 wirklich guten Spielminuten des VfB: „Ausgerechnet Roberto Hilbert“ (Ernst Huberty) setzt sich rechts gegen Go Sakai durch (der einen bemitleidenwerten Auftritt hinlegt) und flankt in die Mitte. Dort schießt Florian Klein den Ball gegen die Brust von Daniel Schwaab, im Fallen klärt Klein den Ball und schießt ihn aus dem Strafraum. Hier führen Christian Gentner, Filip Kostic und Serey Dié eine ganz spezielle Choreo auf. Jeder kann an den Ball kommen, jeder verläßt sich auf den anderen, so dass Wendell sich die Pille schnappt und unhaltbar versenkt. Hätte Klein, den Ball aufs Tribünendach statt auf Schwaabs Brust geschossen – nix wäre passiert. Hätte Klein im Fallen den Ball ins Seitenaus befördert – nix wäre passiert. Hätte einer der drei Formationstänzer Gentner, Kostic oder Dié den Arsch in der Hose gehabt, sich den Ball zu schnappen – nix wäre passiert. Ja, ja, hätte, hätte, Jogurette.

Ob der VfB mit einem Tor gepunktet hätte – Spekulation. Dass Leverkusen auch ohne das Slapstick-Tor gewonnen hätte – wahrscheinlich. Das Spiel hätte jedenfalls nach dem 1:0 abgepfiffen werden können. Dass der VfB noch zurück kommt, absolut illusorisch. Ich wollte den Fernseher ausmachen, ich hatte einfach keinen Bock mehr, mir das Gestümpere anzuschauen. Aber: Wenn der VfB in den Abgrund geht, dann gehe ich eben mit. So musste ich das ganze Elend anschauen, einige Auswärtsfahrer in Leverkusen haben sich das gespart, ich kann es ihnen nicht verdenken.

Wie gehts weiter?
Es ist nicht wirklich etwas passiert. HSV, Paderborn und Freiburg holten sich ebenfalls eine Klatsche, Freiburg und Hamburg haben ein Gegentor weniger bekommen, ok.

Hätte, hätte, Stadiongaststätte. Aber die Relegation ist aus eigener Kraft noch drin. Dafürs brauchts halt Siege, wie die sich anfühlen, weiss das noch jemand? Aber dran glauben sollten alle: Vorstand, Trainer, Spieler, Fans.

Manager Robin Dutt enschloss sich, den Weg in die zweite Liga weiter mit Huub Stevens zu gehen. Also kein fliegender Holländer. Was sind die Gründe dafür?

1. Weil Dutt als ehemaliger Trainer weiss, wie sich ein Übungsleiter ohne Rückendeckung fühlt
Robin Dutt befand sich in Leverkusen und Bremen in ähnlichen Situationen – als Trainer vor dem Aus, Woche für Woche die gleichen unangenehmen Fragen ausgesetzt, enormer Druck. Sicher hätte er sich mehr Rückendeckung gewünscht. Die gibt er nun Huub Stevens, sein letztes Statement ist eindeutig: Wenn der Huubster die Mannschaft weiterhin gut einstellt, bleibt er bis Saisonende. Dutt weiss ausserdem aus seinen Sationen bei Freiburg und Bremen, wie Abstiegskampf geht. Wollen wir ihm vertrauen?

> Aber: Dutts Verständnis und Empathie gegenüber Stevens sind absolut nachvollziehbar, aber ist es nicht falsches Verständnis? Müsste er im Gegenteil nicht ohne Rücksicht auf Personen und Gefühle seine Entscheidungen treffen, so wie weltweit jede Führungskraft?

2. Weil Bernd Wahler nicht schon wieder einen Trainer entlassen will
Zaudern, abwarten, aussitzen scheint zu Bernd Wahler zu gehören wie weltmännische Ankündigungen.

Wahler hat sich komplett aus der Öffentlichkeit rausgenommen. Verständlich, ich wäre auch nicht gerne der Prügelknabe. Bei einer Stevens-Demission müsste er raus aus seiner Deckung und wäre der Präsident, der innerhalb von 12 Monaten fünf Trainer beschäftigte. Negativrekord. Peinlich, was sagen da die Nachbarn?

> Aber: Der Lust- und Spaß-Faktor eines VfB-Präsidenten liegt auf einer Skala von 0 bis 10 seit Jahren eher bei minus 5, Wahler sah sich von Anfang an als Moderator, weniger als Macher und hoffte dabei auf schönes Wetter. Mein Freund Kai hat immer zu mir gesagt, wenn ich unangenehmen Situationen aus dem Weg ging: „Schmerz, ja sofort. Tu was, es wird nicht besser!“ In diesem Sinne, darf sich Wahler bei schweren Entscheidungen nicht abducken (oder besser: abdutten?).

3. Weil es auch mit einem Nachfolger keine Garantie auf einen Klassenerhalt gibt
Huub macht den fliegenden Holländer, ein Nachfolger übernimmt und trotzdem steigt der VfB ab. Denn es ist der Kader, der den VfB in Abstiegsgefahr gebracht hat. Unter anderem eine absolut lächerliche Innenverteidigung, hinten links seit Jahren eine absolute Baustelle und ein Kapitän, der zu nett ist. Symptomatisch die Situation vor dem 1:0: Ob Effenberg, Schweini, Höwedes oder Stranzl – jeder von ihnen hätte sich den Ball genommen. Das ist einerseits Egozentrik, andererseits absoluter Führungswillen.

Es ist unerträglich, dass Bobic neunmalklug in den Medien Stellung bezieht. Es sind seine Personalentscheidungen, die den VfB so tief sinken ließen. By the way: Dutt und Stevens sind derzeit die Verwalter dieser Fehlleistungen Bobics.

> Gibt es Garantien im Fussball? Ja, wenn ich Bayern München trainiere, dann würde der FCB mit mir auch gegen Hannover und Paderborn gewinnen, womöglich würde ich auch Meister werden. Aber sonst? Alles kann, nichts muß. Ein Trainerwechsel wäre zumindest der Versuch, aus der Mannschaft das Allerletzte rauszuholen. Schafft das Huub noch?

4. Weil Huub Stevens offensichtlich die Spieler noch erreicht
In Leverkusen werden einhellig die wirklich guten 30 Minuten gelobt. Gute Spielanlage, die offensiven Kräfte der Leverkusener im Griff, über links (Timo Werner) immer wieder gefährliche Angriffe. Ansehnlich war das.

> Trainer und Spieler kommen gut miteinander aus, aber wählt Huub die richtigen Maßnahmen? Mit seiner Defensivstrategie zum Start der Rückrunde wurden Punkte verschenkt. Wie kann man Schwaab als von allen klar identifizierten Schlechtleister immer wieder aufbieten? Warum passieren immer wieder dieselben Fehler in der Innenverteidigung? Warum nimmt Kostic überhaupt nicht am Spiel teil? Wieso wirkt Alexandru Maxim so gehemmt?

5. Weil der Nachfolger im Falle des Abstiegs nicht verbrannt werden soll
Sollte trotz Trainerwechsel der Klassenerhalt nicht geschafft werden, wäre der neue Trainer als „Absteiger“ gebrandmarkt, er wäre bereits zum Beginn der neuen Saison angeschlagen.

> Das ist ein Angsthasen-Argument. Das Horror-Szenario ist noch gar nicht eingetreten, da verläßt die VfB-Entscheider schon der Mut. Hoffenheim und Gladbach haben in der Vergangenheit genau diese Trainer (Gisdol und Favre) installiert und klar gesagt, dass sie mit ihnen auch in die zweite Liga gingen. Beide schafften den Klassenerhalt über die Relegation. Warum also nicht die positiven Beispiele heranziehen, als gleich ans Schlechte zu denken. Pessimismus hat noch niemanden geholfen und der VfB braucht jetzt Mut und Zuversicht und keine Durchhalteparolen, wie die StZ meint.

Was sagen die Fantastischen Vier zur brenzligen Situation des VfB?
Locker bleiben, sag‘ ich, immer locker bleiben.

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