Allgemein, Mini-Feature, Rückpass
Schreibe einen Kommentar

Niceland

Die Haare wie Johan Cruyff, die Socken runter gerollt wie Socrates, ein Blick für den freien Raum wie Bernd Schuster. Es sah immer so leicht aus bei ihm. Am Ende flog der Ball punktgenau dort hin, wo er ihn gerne haben wollte. Außenrist, Innenrist, Vollspann – die Schönheit seiner Pässe und die Eleganz seiner Bewegungen sind bis heute unerreicht. Wenn Asgeir Sigurvinsson auf dem Platz stand, dann schien die Sonne heller, wirkte der Rasen saftiger und die Tore größer, das VfB-Spiel erreichte eine eigene Kunstform. Mit seinen feinen Füßen hätte es mich nicht gewundert, wenn er mit ihnen auch akustische Gitarre gespielt hätte.

Zu niemandem passte Dirigent besser als zu Sigurvinsson. Wenn es das schon in den 80ern gegeben hätte, man hätte den Isländer als Wi-Fi des VfB-Teams bezeichnet: Er verband alle Spieler und Mannschaftsteile magisch miteinander. Wegen ihm kann ich die Mannschaft von 1982 immer noch auswendig aufsagen. Roleder. Förster. Förster. Schäfer. Hadewicz. Niedermayer (Kurt!). Allgöwer. Ohlicher. Six. Kelsch. Reichert. Und eben Sigurvinsson. Er war der Beste.

Wegen ihm liebe ich Island. „Eismeer-Zico“ nannten sie ihn damals und er kam von der Ersatzbank des FC Bayern, nachdem Hansi Müller abgezischt war zu la dolce vita nach Mailand. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Paul Breitner damals Sigurvinsson weggemobbt hatte, weil er wegen des Isländers Angst um seinen eigenen Platz im Team hatte. Alle Isländer wurden beim VfB Meister. Sigurvinsson 1984, Jolly Sverrisson 1992. Vielleicht sollte der VfB mal wieder einen Isländer verpflichten. Kolbeinn Sigthorsson würde nicht nur vom Namen her perfekt in den Sturm passen und wenn er den VfB zusammen mit Simon Terrodde zum Zweitligameister schießt, würde mir das erst einmal reichen.

Island hat so viele Einwohner wie Bielefeld, Trolle und Elfen, an die die Isländer ernsthaft glauben, nicht mit eingerechnet. Das Team spielt so wie das Land ist: unbequem, hart, aber herzlich. Star der Mannschaft ist neben Ex-Barca-Spieler Eidur Gudjohnsen (mittlerweile 37 Jahre alt) und Ex-Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson der offensive Mittelfeldspieler Birkir Bjarnason vom FC Basel. Er ist der Mittelpunkt des isländischen Spiels und spielt in seiner Freizeit Gitarre in einer Grunge-Band. Aber nicht mit den Füßen.

Ich drücke Island die Daumen und schaue mal wie die Nationalhymne klingt, die von sterbenden kleinen Blumen handeln soll.

Hier noch ein paar (nicht ganz ernst gemeinte) isländische Worte, die sich gut vor dem Fernseher brüllen lassen:
Fata Engilfríð
(ein Eimer so schön wie ein Engel)

Baldintáta Fótfim
(Frechdachs mit gelenkigen Füßen)

Leika Bolla
(spielen wie eine Schneckennudel)

Grásíða Gína Röng
(Flanken wie eine schiefe Schaufensterpuppe)

Was Englands ehemaliger Nationaltorhüter David James in Island erlebte, lest Ihr hier in einem sehr schönen 11Freunde-Text.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*