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Lajos, Włodzimierz, Artur und ich

Foto: muzsy / Shutterstock.com

Wir schreiben hier ja gerne über unsere ganz persönlichen Fußballerinnerungen. Während abiszet das VfB-Gen vererbt wurde, wuchs ich in der ostwestfälischen Provinz nahe Bielefeld auf. Ohne fußballbegeisterte Eltern, ohne fußballbegeisterte Geschwister. Eigentlich sogar ganz ohne Geschwister. Aber Eltern. Die liebten mich, aber nicht den Fußball. Wie das Leben eben so spielt.

Ohne jegliche Vorprägung durch mein Umfeld konnte ich meine eigenen fußballerischen Erfahrungen machen und Vorlieben entwickeln. Und so kam es wie es kommen musste: Ich wurde Bayern-Fan. Aber das ist ein anderes Thema. Ich war jung und brauchte einen Club. Mit steigendem Alter und Lokalpatriotismus sowie zunehmender Leidensbereitschaft wandte ich mich später natürlich Arminia Bielefeld zu.

Eine der frühesten fußballerischen Momente, die sich in meinem Langzeitgedächtnis verankert haben, ist das WM-Finale 1986. Allerdings weiß ich nur noch, dass ich es gesehen habe und dass die Niederlage der deutschen Mannschaft die allgemein gute Stimmung nicht nachhaltig stören konnte. Ich nehme daher an, dass auch die Freunde meiner Eltern keine ausgewiesenen Fußball-Fans waren.

Etwas konkreter erinnere mich da schon an die Saison 1987/1988, nicht zuletzt bedingt durch meinen allerersten Besuch eines Fußballstadions.

Und während im Niedersachsen-Stadion Gregor Grillemeier die Bayern abschoss, kickte in Frankfurt das legendäre Duo Detari/Smolarek. Und an die beiden kann ich mich noch sehr gut erinnern. Lajos Detari, der geniale Spielmacher aus Ungarn mit den blonden Haaren, der nach einer genialen Saison für wahnwitzige 17,4 Millionen Mark nach Piräus verkauft wurde, wo er in 55 Spielen 33 Tore schoss. Und Włodzimierz Smolarek, der hünenhafte Sturmtank aus Polen, der in fast jeden Spiel traf. Leider ergab ein kurzer Faktencheck, dass meine Erinnerungen an den polnischen Angreifer völlig falsch sind! Smolarek war so groß bzw. klein wie Philipp Lahm und erzielte in zwei Jahren gerade mal 13 Treffer für die Eintracht. Richtig war immerhin meine Erinnerung an seine Nationalität: Er kam er aus Polen. Kam? Leider zeigte sein Wikipediaeintrag nicht nur den Geburts-, sondern auch den Sterbeort des Vaters des späteren Dortmund-Spielers Euzebiusz „Ebi“ Smolarek. Der filigranste Sturmtank aller Zeiten starb 2012 und wurde nur 54 Jahre alt.

 

Nach dieser emotionalen Berg- und Talfahrt bin ich dort angelangt, wo ich ursprünglich hinwollte: In Polen. Unsere Nachbarn sind der nächster Qualifikations-Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Samstag. Und neben Smolarek gibt es noch einen weiteren polnischen Stürmer, der sich einen Stammplatz in meinen persönlichen Fußballmemoiren erspielt hat: Artur Wichniarek, in dessen fußballerischer Vita 206 Spiele und 82 Tore für Arminia Bielefeld in Liga eins und zwei verzeichnet sind und der sich Bundesliga-Rekordtorschütze der Arminia nennen darf.

Wie so viele andere Arminen war er für Bielefeld eigentlich zu gut, aber für jeden anderen Club nicht gut genug, wie seine zwei missglückten Berlin-Gastspiele zeigten. Auch in der polnischen Nationalmannschaft lief es nicht wirklich rund für König Artur: In neun Jahren kam er auf 18 Einsätze und 4 Tore. Aber Polen ist eben nicht Bielefeld.

 

In der ostwestfälischen Metropole sorgte er mit 20 Toren in der Saison 2001/2002 für den Aufstieg in die Bundesliga, was für uns Bielefeld-Fans so ziemlich das größte ist, was wir jemals werden feiern können – von Siegen über die Bayern mal abgesehen, von denen es immerhin schon vier gab, seit ich auf der Welt bin, darunter das legendäre 5:2 auf vereistem Platz. Am letzten Spieltag der Aufstiegssaison wohnte ich zwar schon in Stuttgart, war aber zufälligerweise in der Bielefelder Innenstadt als die Arminia mit einem 3:1 Heimsieg gegen Ahlen den zweiten Tabellenplatz von Mainz übernahm, das damals den Aufstiegsplatz an Bochum verschenkte. Auch in der Folgesaison in der ersten Liga traf Wichniarek zwölf Mal, doch das Team mit so illustren Namen wie Bastian Reinhardt, Ansgar Brinkmann, Detlev Dammeier und Fatmir Vata stieg trotzdem ab, nachdem es die Hinrunde noch auf einem hervorragenden 11. Platz und mit 22 Punkten beendet hatte.

Der Wichniarek von heute heißt Fabian Klos. Er kommt zwar nicht aus Polen, sondern aus Gifhorn. Aber er trifft genauso regelmäßig wie sein Vorgänger und außerdem ist er mit seinen 1,94 genau die Kante, für die ich Włodi Smolarek immer hielt.

 

 

Neben Wichniarek im Bild: Kein Hooligan im Arminia-Trikot, sondern Sturmpartner Dirk van der Ven.

 

Titelbild: muzsy / Shutterstock.com

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