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Blind Date im Glaspalast

Ich könnte mich dran gewöhnen. Nein, stimmt nicht. Ich habe mich bereits dran gewöhnt. An den fußballerischen Jahresauftakt im Sindelfinger Glaspalast, wenn rund um den 6. Januar die U19-Teams namhafter Vereine gegeneinander antreten.

Nach 2016 hatten wir auch dieses Jahr das Privileg, auf Einladung des Hauptsponsors das Turnier verfolgen und uns durch die Speisekarte essen zu dürfen. „Wurstsalat is a must“ sag‘ ich da nur.

Der Mercedes-Benz JuniorCup ist eine Art Talent-Inkubator und Sindelfingen damit das Silicon Valley des Fußballs. Nur, dass hier statt technischer Innovationen Fußballstars gemacht werden. Sami Khedira, Mesut Özil, Joshua Kimich, Marcus Rashford und viele, viele andere: Die Liste der Weltstars, deren Karrieren im Glaspalast starteten, ist lang. Das Problem: Wer es schafft und wer nicht, offenbart sich immer erst später. Hätte ich Berkay Özcan, den ich 2016 im Glaspalast sah, zugetraut, wenige Monate später Stammspieler bei den Profis zu sein? Eher nicht. Auch darauf, dass der unscheinbare Trainer der Hoffenheimer U19 im vergangenen Jahr jetzt das Team coacht, das als einziges in der Bundesliga noch ungeschlagen ist, hätte ich wohl kein Geld gesetzt.

Der Mercedes-Benz JuniorCup ist ein Blind Date. Man weiß, wo es stattfindet, aber nicht, was einen erwartet. Okay, die Spieler des U19-Nachwuchses aus Stuttgart könnte man vielleicht noch kennen, aber wie soll man die Stärke der Nachwuchs-Teams aus Leicester, Trondheim, Wien oder Südkorea einschätzen können? Und das ist das Schöne: Man geht völlig neutral in das Turnier, sammelt Eindrücke und bildet sich seine Meinung.


Erschwerend kommt hinzu, dass der Turnierverlauf der Mannschaften völlig unterschiedlich war. Während der VfB-Nachwuchs sich kontinuierlich bis ins Finale steigerte (eine reine Turniermannschaft!), begann die Schalker U19 stark und baute dann sukzessive ab. Und der Graph von Südkoreas Performance glich einer gauß’schen Normalverteilung: Schwach begonnen, am Ende des ersten Tages überragend und dann wieder stark abgebaut.

Die Konstanten beim Turnier im Glaspalast sind das tolle Catering (erwähnte ich bereits den Wurstsalat?), die schlechte, friteusengeschwängerte Luft und die Hallensprecher, die die Spiele live kommentieren und dabei gewissenhaft ihre Notizen abarbeiten. Immer wieder. Und es funktioniert. So weiß ich beispielsweise zwar nicht mehr, wie der Trainer der U19 von Rapid Wien heißt, aber ich weiß, dass er 150 Erstligaspiele für Rapid gemacht hat und dabei 50 Tore erzielte. Ich weiß auch, dass die U19 Südkoreas nur drei Mal auf dem Kunstrasen trainiert hat und der Keeper der VfB U19 vom KSC nach Stuttgart gewechselt ist.

Der Mercedes-Benz JuniorCup ist eine wunderbare Kombination aus dem, was den heutigen Fußball ausmacht: Auf der einen Seite ist es im Glaspalast erfrischend bodenständig und ehrlich. Die Jugendspieler schleppen noch ihre eigene Schmutzwäsche und die zehnjährigen Autogrammjäger wissen selbst nicht, ob sie die Signatur des zweiten Keepers aus Trondheim jetzt schon im Programmheft haben oder doch nicht. Auf der anderen Seite sitzen Guido Buchwald und Karl-Heinz Förster im VIP-Bereich, während Roland Eitel, der Berater von Jürgen Klinsmann, ihn auf der Suche nach dem nächsten Gesprächspartner durchquert und Jens Nowotny und Andreas Müller darüber diskutieren, welcher der Spieler der  nächste Mesut Özil sein könnte. Ich habe zumindest The Next Peter Crouch gecastet: Cal Templeton von Leicester City. Der sieht nicht nur aus wie der Schlaks von Stoke City (und ein bisschen wie Pavel Pogrebnyak), sondern weiß auch, wo das Tor steht und hat sogar einen Torjubel, der „The Crouch“ ähnelt. Die Jungs von FUPA haben noch genauer hingeguckt: Hier geht’s zu ihren „5 Players to watch„.

Abschließend lässt sich sagen:
Wer den Mercedes-Benz JuniorCup nicht mag, hat den Fußball nie geliebt. Und Wurstsalat auch nicht!

P.S. Und noch mehr Spaß macht das Ganze natürlich mit Blogger-Kollegen. Deswegen an dieser Stelle auch nochmals herzliche Grüße an Max vom Rasenfunk, Karsten von der Halbfeldflanke, Torsten vom Königsblog, Tobias von der Spielverlagerung, Daniel von abseits.at, Markus von der Falschen Neun, Alex von Collinas Erben und Marvin.

 

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