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Schöne, neue Welt?

Rot weiß Pinsel

Ich weiss nicht, ob Ihr Bob Ross kennt. Ich habe ihn vor zwei oder drei Jahren kennen gelernt. Da sah ich ihn nachts auf Bayern 3 (und danach noch viele alte Folgen „Disco“ mit Ilja Richter). Ich war bei Freunden in Nürnberg zu Besuch, wir wollten nach einem turbulenten Abend noch einen Absacker nehmen und der Fernseher lief. Und ein älterer Typ, mit wilder Frisur und sanfter Stimme malte im TV. Ich kenne mich mit Malerei nicht so aus und möchte Bob nicht zu nahe treten, aber ich würde seine Malerei naiv nennen. Die Sendung hieß „The Joy of Painting“ und er erklärte, was er malte. Großflächig trug er Farbe auf, dann fing er an zu tupfen und nach und nach entstand ein Bild. Er tupfte hier und tupfte da und es wuchs ein Berg mit einem See davor. Dann fing er an, aus diesem Bild ein neues Motiv zu entwickeln. Wolken kamen hinzu („Let’s make some happy little clouds“), Vögel, Bäume („Everyone needs a friend“) und plötzlich wurde es eine neue Welt.

So wie Bob Ross neue Welten erschuf, so denke ich auch manchmal darüber nach, wie ein schöner, neuer VfB aussehen könnte. Ein sympathischer Verein, mit kompetenten und zupackenden Führungskräften (zu denen ganz sicher nicht Berti Vogts gehört), eine junge Mannschaft mit vielen eigenen Talenten, der nicht immer alles gelingt, die aber stets fürs Publikum spielt, es mitreißt mit einem Spielstil, der furchtlos (!) und kühn ist, in manchen Fällen vielleicht sogar übermütig. Dazu gehört auch mal, dass in allerletzter Minute ein Ausgleichs- oder Siegtreffer erzielt wird, dass das Team in den letzten zehn Minuten kein Spiel herschenkt.
Und nun? Ist die schöne, neue Welt gegen Leverkusen Wirklichkeit geworden bevor ich mit dem Denken überhaupt fertig war?

Die Fakten: 
Der VfB dreht ein verloren geglaubtes Spiel, 3:3 nach 0:3, eine zweite Hälfte wie gemalt. Kann mir jemand helfen, wann gab’s das zum letzten Mal? Vor dem Mauerfall? Das Ergebnis fühlt sich an, als ob der VfB die Champions League erreicht hätte. Leverkusens Sportchef Rudi Völler sah nach Spielende mitgenommen aus. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, sich aufzuregen. Und Völler regt sich gerne einmal auf. Kraftlos sagt er „Wenn Du einen Gang zurück schaltest, dann gewinnst Du nicht einmal gegen so eine Stuttgarter Mannschaft“.

Was fiel auf?
„Coaching by emotion“, das scheint nach wie vor das Motto von Armin Veh zu sein. In der Halbzeit trifft dieses Mal Antonio Rüdiger die Wut Vehs, der zuletzt schon Gruezo und Ulreich nach Fehlern radikal abstrafte. Ist jetzt Kirschbaum nach seinem Bock dran? Und was passiert mit Spielern, die zwar keine Fehler machen, aber dafür auch wenig richtig machen, wie zum Beispiel Ibisevic oder Gentner?

Die wievielte Aufstellung war das jetzt? Dieses Mal ein 4-3-3 mit Harnik, Ibisevic und Werner im Angriff. Dazu den (ehemaligen) Führungsspieler Georg Niedermeier in der Abwehr. Oder verfährt Veh mehr nach dem Motto „Try and error“?

Was bedeutet das 3:3?
„… nicht einmal gegen so eine Stuttgarter Mannschaft“. Will heißen: Das reicht dann nicht einmal gegen einen dermaßen schlechten VfB. „Nicht bundesligatauglich“ nennt Armin Veh die erste Halbzeit und kann nur mit Mühe einen Völlerschen Tobsuchtsanfall unterdrücken. Ich nenne es die Folge aus der jahrelangen konzeptlosen Zusammenstellung der Mannschaft. Da passt spielerisch nichts zusammen und offensichtlich auch menschlich wenig. Die beeindruckende Aufholjagd darf jetzt nicht überhöht werden. Das war in der zweiten Halbzeit mehr Verzweiflung denn Überzeugung, zwei Tore nach Standards, dazu fällt Leverkusen vor Überheblichkeit regelrecht auseinander. Aber ich will nicht rumbruddeln, das war jetzt schon das dritte Spektakel in dieser Saison nach Dortmund und Berlin.

Denn so ein Spiel kann der Turning Point sein, das Signal für Spieler und Trainer, dass doch einiges geht, wenn man sich zusammenreisst. Dass man die Zuschauer scho au mitnehmen kann, dass der Funke mal vom Feld in die Kurve übergehen kann und nicht immer nur umgekehrt.

Diese Hoffnung gab es in der Vergangenheit immer wieder mal, aber der VfB enttäuschte stets. Man weiss bei den Spielern mit dem Brustring einfach nicht, woran man ist. Das kann man spannend finden, das geht an die Nerven und langweilig ist das auch nicht. Aber ich brauche das nicht jede Woche. So ein paar unspektakuläre Siege fände ich mal erholsam. Gegen Frankfurt nächste Woche würde ich damit beginnen, da sah der VfB immer ganz gut aus. Aber was weiss das schon beim VfB?

Was sagt Aldous Huxley zum VfB?
„Das Vergnügen des Unwissens ist auf seine Weise genauso groß wie das Vergnügen des Wissens.“

Das letzte Wort hätte dann Peter Fox, wenn es denn wirklich gelingen würde, das die Welt beim VfB schön und neu wird: „Hey, alles glänzt, so schön neu!“

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