Spielbericht, VfB
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Nicht die Nerven verlieren!

Elfer in der letzen Minute

Ich könnte nicht so cool sein wie Simon Terodde vor dem Elfmeter in der 95. Minute. Spielstand 2:3. 60.000 Zuschauer. Hinter dem Tor 15.000 Ultras. Völlig am Arsch nach 90 aufregenden Minuten. Puls auf 180, jeder sieht meine Halsschlagader pochen. Die Angst in meinen Augen, die Angst vorm Versagen. Ich hätte mir in die Hosen geschissen. Wahrscheinlich wäre ich beim Anlauf zum Elfmeter hingefallen vor lauter Aufregung.

Aber T-Rodd ist ’ne coole Sau. Ohne Maske ist der Junge wieder auf zack, wir alle sind seine Jungs und nach dem 3:3 gehts ab.

Nach dem Schlusspfiff bin ich so unentschieden wie das Spiel: Vieles war richtig schlecht, aber einiges auch verdammt gut. Nein, der Schiri ist nicht Schuld am zwischenzeitlichen 0:3. Auch das mangelnde Glück nach vier Alu-Treffern ist nicht verantwortlich. Dynamo Dresden, Aufsteiger aus der dritten Liga, ist keine Übermannschaft, immerhin spielt dort Philip Heise, aussortierter Linksverteidiger des VfB Stuttgart.

Ich bin nicht euphorisch nach dem 3:3 in allerletzter Minute. Ok, wieder Tabellenführer zu sein und nach 0:3 zurückzukommen, das ist dope, ebenso das Weltklasse-Tor von Emiliano Insua und die Coolness von Simon Terodde beim Elfmeter. Aber wie gegen Bochum und Fürth startet der VfB antiseptisch, führt keine Zweikämpfe, schaut zu, wie Dynamo Dresden sich durchkombiniert und ich stelle mir folgende Fragen:

Warum macht Christian Gentner den Harnik, als er aus fünf Metern glockenfrei übers Tor schießt?

Warum versucht Terodde vor dem 0:2 auf der rechten Seite die Lücke zuzulaufen weil kein anderer da ist?

Warum ist Mitch Langerak vor dem 0:3 plötzlich wie Pommes Tyton?

Warum spielt Marcin Kaminski wie Toni Sunjic in seinen besten (also schlechtesten) Zeiten?

Das sind Fragen an Trainer Wolf. Alle lieben ihn, auch ich, aber jetzt muss er liefern: Er hat den besten Kader der zweiten Liga und die besten Fans in Deutschland. Und deswegen gehen nach den schlechten Spielen gegen Bochum und Fürth die ersten 30 Minuten gegen Dynamo Dresden einfach gar nicht!
Warum schafft er es nicht, den Blick der Spieler zu schärfen? Warum glaubt das Team ihm nicht und braucht offensichtlich erstmal drei Tritte in die Eier von okayen, aber keinesfalls überragenden Dresdnern, um endlich mal am Spiel teilzunehmen? Klar, dann geht der VfB steil und alles fragen sich: Warum nicht von Anfang an so?

In der Hinrunde hätte ein 0:3 unweigerlich in einem Debakel geendet, remember Hinspiel Dresden und Würzburg. Positiv stimmt dazu das völlig überraschende Debüt von Ebbo Ofori. Er wirkt zwar manchmal gehemmt und schüchtern, aber sein Spielverständnis und seine Technik sind unübersehbar. Davon, dass ihm noch Tempo und Härte für die zweite deutsche Liga fehlen sollen, sieht man nichts. Ich hoffe dennoch nicht, dass die Aufholjagd die unübersehbaren Mängel in der Spielkultur, dem Abwehrverhalten und des Selbstverständnisses zu Spielbeginn übertünchen. Sechs Punkte gegen 1860 München und den Karlsruher SC sind Pflicht. Denn die Tabellensituation erfordert es. 50, 50, 50, 49, so das Punktekonto der ersten Vier. Da ist der erste Platz nicht mehr wert als der dritte.

Vielleicht sollte Hannes Wolf seinen Spieler einfach erzählen, die Partie gegen 1860 würde schon um 17:00 Uhr beginnen. Vielleicht sind sie dann pünktlich zum Anpfiff um 17:30 Uhr wach. Endlich mal.

Ach, und liebe Freunde vom Commando Cannstatt: Alles Gute nachträglich zum 20. Geburtstag. Weltklasse Choreo vor dem Spiel. Hätte vielleicht eine Minute kürzer sein können, aber trotzdem Gänsehaut. Gibt sicherlich ordentlich Muskelkater im Schwenkarm. :-)

10 Kommentare

  1. MPH sagt

    Ich habe eine eiserne Regel. Man geht nie, nie, niemals vor dem Ende eines Spiels aus dem Stadion oder der Halle. In der 26. Minute war mein Gedanke: „Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.“ Meinem 8-jährigen zu Liebe habe ich darüber aber nicht weiter nachgedacht und Terodde hat mit seinem blitzsauberen 1:3 das Ganze dann auch schnell verdrängt. Den Elfer habe ich nicht gesehen – nicht sehen wollen, nicht sehen können – zu diesem Zeitpunkt ein nervliches Wrack. Mein Sohn hat nur gefragt wer schießt und nach meiner Antwort „Ich glaube Terodde“ war sein Kommentar – also doch noch 3:3. Recht hat der Junge :)

    PS: Wenn wir aufsteigen sollten wir dem Simon alle seine Wünsche erfüllen. Egal ob er oben dann auch so trifft oder nicht – im Moment ist er unsere Lebensversicherung.

    • @buzze sagt

      Ich glaube, wenn der Konter von Dynamo kurz nach Wiederanpfiff drin gewesen wäre, dann hätte ich auch meine Sachen gepackt. Und stimmt. Terodde ist derzeit unverzichtbar für den VfB. Das sehe ich aber bei Baumgartl und Mané auch so.

  2. Mich schockiert ja, dass die Mannschaft aktuell aber auch durch gar nichts aus der Lethargie am Anfang rausgerissen werden kann. Man spricht über zwei Wochen davon, dass man von Anfang an Gas geben muss. Mann hat noch eine Klatsche aus dem Hinspiel gutzumachen. Das Stadion ist voll und die Stimmung geil. Was bitte braucht man denn noch, um hier von der ersten Minuten an top motiviert in das Spiel zu gehen? Ich sehe da tatsächlich weniger die Aufgabe bei Hannes Wolf (auch wenn er seinen Teil dazu beitragen muss) als vielmehr an jedem einzelnen Spieler. Aber wenn ich mir jetzt wieder auf Facebook, Instagram & Co. lese, wie toll man sich über die Aufholjagd (den sog. „Fight“) freut, dann bezweifle ich, dass davon WIRKLICH was bei der Mannschaft ankommt.

    Davon abgesehen: Wegen solchen Spielen wie heute geht man doch in Stadion! Da war emotional von den tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen (naja fast, ein Tor hätte noch gefehlt) alles dabei. Und das kann niemals am Fernsehen rüberkommen (da sieht man dann eher, welche Fehlentscheidungen Schiedsrichter zum Beispiel treffen).

    So: Am Mittwoch sollte wenn möglich mal was für das Torverhältnis getan werden.

    • @buzze sagt

      Das stimmt: Das war Gänsehaut-Stadion-Gefühl der feinsten Sorte. Und ich habe mich auch sehr gefreut, dass auch im Vorfeld alles so friedlich ablief. Anscheinend braucht die Mannschaft aktuell erst einen Nackenschlag um aufzuwachen. Dass muss ich ändern.

      • Immerhin gefällt mir, dass Hannes Wolf auch nach dem Spiel in den Interviews nichts beschönigt und einige Spieler direkt in die Pflicht nimmt (er nennt zwar keine Namen, aber das kann man sich ja leicht zusammenreimen).

        • MPH sagt

          Zustimmung. Er hat ja Terodde in der PK erwähnt, das er die halbe Mannschaft übersprintet und irgendwann hat auch Ginzek mal hinten gegen 2 geklärt, was meinen Sohn zu der Frage inspirierte ob der jetzt nicht mehr Stürmer sei ;) Von den absichernden Verteidigern war nix zu sehen …

          • @abiszet sagt

            Problem ist nur: Hannes Wolf hat schon mehrfach Dinge unmissverständlich angesprochen. Aber Fortschritte sind nicht so richtig erkennbar … aber gut ist, dass er sauer ist und das 3:3 nicht schön geredet wird (Tendenzen sind dabei von Baumgartl und Terodde zu erkennen). Denn das können wir nicht gebrauchen und führt nur zur Einstellung „Wir können es ja, sind besser als jeder Gegner, müssen nur unsere Stärken ausspielen“.

  3. drausvomLande sagt

    Jetzt habe ich das mit der Ausgliederung verstanden:
    40 Millionen verbraten wir dieses Jahr und steigen doch nicht auf.
    100 Millionen bekommen wir für die Ausgliederung in 3 Raten:
    40 Millionen nächstes Jahr und steigen doch nicht auf.
    40 Millionen übernächstes Jahr und steigen doch nicht auf.
    20 Millionen dann das Jahr darauf, die zahlen wir dem dann „beamteten“ Präsidenten Dietrich als Abfindung und steigen … ab.
    Heulen könnt ich

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