Spielbericht, VfB
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Das ist nicht mehr lustig!

Fettester Etat, ambitioniertester Kader, größte Trainerhoffnung, höchster Zuschauerschnitt – alles ist angerichtet für einen Aufstieg in die erste Liga und was macht der VfB Stuttgart? Nimmt gegen Dresden erst ab der 30. Minute am Spiel teil und zeigt gegen 1860 eine absolut lächerliche Leistung, obwohl man mehr oder weniger ein Heimspiel hat. By the way wird mit der Ausgliederung ein völlig unnötiger Nebenkriegsschauplatz eröffnet. Wenn es nicht so traurig wäre, könnten wir drüber lachen.

So langsam macht sich der VfB zur Witzfigur der Liga, weil er so wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Nur gut, dass die Gegner im Aufstiegskampf ähnlich talentierte Gagschreiber sind: Union Berlin hat die letzten zwei Spiele verloren, Braunschweig rumpelt sich genauso durch die Spiele wie Hannover 96. Dass die Niedersachen trotz dortigem Chaos rund um Präsident Martin Kind und Neu-Managerle Horst Heldt plötzlich auf Platz 1 stehen ist genauso absurd wie die Tatsache, dass der VfB auch nach fünf sieglosen Spielen nur einen Punkt dahinter rangiert. Ist das die „stärkste zweite Liga aller Zeiten“, von der alle reden?

Das Spiel gegen München ist blind gegen vollblind, das ist zweite Liga pur: Kein Spielsystem, keine Torchancen. Die eine Mannschaft kloppt den Ball hoch und weit nach vorne auf ihren Stürmer, der älter ist als unser Trainer, die andere schiebt sich den Ball uninspiriert im Mittelfeld zu. Keiner der Stuttgarter will Verantwortung übernehmen, lieber wird der Ball quer und zurück gespielt. Tiki-taka in schlecht. Denn, wenn nur gelaufen wird, wenn man den Ball hat, dann entstehen keine Lücken. Um das zu sehen, muss ich keine große Trainerhoffnung oder Taktiknerd sein. Die Offensivkräfte stehen vorne auf ihren Positionen, zentral wissen Anto Grgic und Ebbo Ofori nicht wohin mit dem Ball. Schuld ist die riesige Lücke im zentralen Mittelfeld. Keiner kommt heraus, keiner bietet sich als Anspielstation zwischen den Münchener Ketten an. Dass Kaminski das Tor erzielt, weil er angeschossen wird, ist bezeichnend für die Stuttgarter Offensivbemühungen.

Es fehlt ein Spieler in der offensiven Mitte, wenn man sich über Außen festläuft. Jaja, das schreit nach Alexandru Maxim. Aber der bringt natürlich auch nichts, wenn niemand ohne Ball läuft. Denn das braucht Maxim, weil er selbst am liebsten wenig läuft. Wenn nix geht – und das ist gegen die Löwen der Fall – dann geht normalerweise was über Standards. Denkste! Anto Grgic übt in München 90 Minuten lang Ecken und Freistöße. Entweder in Kniehöhe oder drucklos auf den zweiten Pfosten auf Timo Baumgartl. Aber sehen wir es positiv: Immerhin fängt sich der VfB keinen Konter nach eigenen Ecken.

Die Stuttgarter sind ideenlos, mutlos und chancenlos aber erfreulicherweise noch nicht glücklos. Schon zwei Mal konnte das Team die Schlusspointe setzen: Gegen Dresden in der 95. Minute und gestern in der 92. Minute. Wolf-Dusel nenne ich das mal, denn ohne diese beiden Last-Minute-Treffer würde eine Trainer-Diskussion laut geführt werden (und nicht leise) und die Frage gestellt, warum der Trainer die letzten vier Spiele so wenig aus dem Potential des Kaders macht. Gegen eine biedere Truppe wie 1860 München 1,75 Chancen zu haben, ist absolut inakzeptabel. Und macht wenig Hoffnung für Spiele gegen Kellerkinder wie den KSC, Bielefeld und Aue. Der Optimismus in der Aufstiegsfrage steigt mit Auftritten wie gegen die Löwen nicht gerade.

7 Kommentare

  1. Chuck sagt

    „warum der Trainer die letzten vier Spiele so wenig aus dem Potential des Kaders macht“

    Die Frage ist doch eher, warum die Spieler ihr Potential nicht abrufen. Gegen Dresden hat das in der zweiten Halbzeit wunderbar geklappt, da wurden Chancen am laufenden Band kreiert. Eine Trainerdiskussion finde ich deshalb absurd, weil Wolf es meiner Meinung nach gut moderiert, aber manche Spieler sich in einer entscheidenden Phase der Saison ein Tief gönnen. Das ist natürlich bei vielen Jungen Spielern nicht auszuschließen, aber da muss jetzt auch die Breite des Kaders entsprechend greifen. Hoffe hier auf Werner, Zimmermann und vielleicht Maxim und auch Klein (soll ja ein gutes Spiel gemacht haben gegen Ingolstadt)…

    Auf jeden Fall muss am Sonntag der Derby-Sieg her!!!

    • @buzze sagt

      Keine Frage. Der Text soll auch nicht als Trainerdiskussion verstanden werden. Aber es gibt ja eigentlich nur zwei Gründe für so ein Spiel:

      1. Die Spieler können die Vorgaben des Trainers nicht umsetzen. Konsequenz: Andere Spieler einsetzen. Der Kader gibt das her.
      2. Die Vorgaben des Trainers sind entweder nicht umsetzbar oder die Umsetzung führt nicht zum Erfolg. In beiden Fällen muss Hannes Wolf reagieren.

  2. Pessimist sagt

    Hallo A-Z
    ich lese immer noch so eine kleine Hoffnung bei Dir raus, dass da noch was klappen könnte.
    Ein Rat von mir: lass die Hoffung los, rechne nicht mit Erfolgen oder einem Aufstieg.
    Es geht Dir dann besser
    Wir haben da oben nichts verloren, der Trainer ist erstligareif, diese Gentner-Rentner-Truppe nicht.
    In Ingolstadt fangen wir uns so fünf Kisten, Freiburg spielt uns schwindelig, nach Münschen und Dortmund sollten wir so lieber nicht fahren.
    Es ist in den letzten Jahren zu viel kaputtgegangen – sieh der Realität ins Auge. Wir spielen da wo wir hingehören. Punkt.Fertig.Aus.

  3. Marc sagt

    Es scheint sich halt in Stuttgart doch alles zu wiederholen (nur die Protagonisten heißen anders). Warum zum Henker bekommt man diesen Schlendrian nicht aus der Truppe raus? Warum verpennen die Jungs im Moment regelmäßig die Anfangsphase? Ich frag mich, ob wir erst Dauergast in Liga 2 werden müssen, bis endlich erkannt wird, wo der Fisch anfängt zu stinken. Nur dann dürfts zu spät sein. Wolf ist für mich gescheitert, obgleich jetzt wieder einige sagen – und ich kann das vollkommen verstehen – dass diese Meinung viel zu überhastet und voreilig gefällt wurde. Es dürfen gewisse Spieler unter ihm so gut wie immer spielen, andere werden aus dem Kader genommen, die mal vielleicht sowas wie ein kreatives Momentum, gerade im Offensivbereich, kreieren könnten. Versteht mich bitte nicht falsch, Wolf find ich als Trainer weiß Gott nicht schlecht, nur weiß ich nicht, ob er zum richtigen Zeitpunkt nach Stuttgart gekommen ist. Und dann brauch ich andererseits nichts von Vereinsseite von einem direkten Wiederaufstieg labern. Dann müssen die Ziele einfach anders aussehen. Mit dieser Truppe und vor allem mit deren Einstellung jedenfalls – und das hab ich nun schon öfters geschrieben – steigen wir (und auch hoffentlich! so leids mir tut das schreiben zu müssen) nicht auf. Denn was sollen wir denn bitteschön mit diesen „Leistungen“ in der 1. Liga, außer direkt wieder abzusteigen vielleicht?

    Mein Tipp – auch wenns vielleicht keiner lesen mag – bleibt bestehen: Platz 4 und damit ist klar, was nächste Saison läuft. Parallelen sieht man für mich auch hier: an Kramny wurde auch festgehalten, Ergebnis bekannt. An Wolf wird jetzt wohl auch festgehalten werden, Ergebnis diesmal? Ich möchts ehrlich gesagt nicht wissen. Aber selbst wenn wir es schaffen sollten aufzusteigen: werden dann endlich die richtigen Weichen gestellt werden? Denn dann hieße das, sich erstmal wieder in der 1. Liga zu behaupten. Und das wird schwer genug werden. Sieht man schon allein am Abstiegskampf dieses Jahr, echt heftig finde ich.

    Meinetwegen steinigt mich für meine Meinung, aber ich bleibe dabei. So wird das nix.

    • @abiszet sagt

      Lieber Pessimist,
      ja genau, ich habe Hoffnung und noch so ein bisschen was wie Zuversicht, dass es klappt! Mit positivem Denken fällt zumindest mir das Leben leichter. :-)
      Du sprichst genau das Spannungsfeld an: Packt die Truppe das vom Leistungsvermnögen (und der Einstellung?) nicht oder gibt der Trainer den Spielern nicht den richtigen Plan (und die Einstellung?) mit? Oder ist es eine Mischung aus beidem?

      Erschrocken war ich jedenfalls von der Leistung gegen 1860. Ohne arrogant sein zu wollen, muss gegen die Löwen einfach gewonnen werden. Die spielen im Sturm mit Olic, der als Rückennummer (40) sein Lebensalter hat, ansonsten ein zusammengewürfeltes Team, gegen das mehr als eindreiviertel Torchancen herausgespielt werden müssen. Wie das geht, sollte der Trainer erkennen und entsprechend reagieren. Dieses unfassbare Loch zwischen Grgic/Ofori und den vier Offensiven war unübersehbar.

      Ja und Marc, jede Meinung ist eine Meinung und hier ausdrücklich erwünscht. Auch wenn ich natürlich hoffe, dass es nicht so kommt: kein Platz 4, kein Dauergast in Liga 2, kein Trainerrauswurf. Denn die Konkurrenz ist nicht gerade konstant und unschlagbar.

      Was übrigens in Liga 1 kommt, so es der VfB schafft, darum kümmern wir uns wenn es soweit ist. ich will jetzt nicht dran denken, wie der VfB näxxte Saison gegen Dortmund, Bayern und Leipzig abschneidet. Jetzt zählt ersma Karlsruhe, dann Bielefeld, dann Union, dann Aue, dann Hannover und schließlich Würzburg. Habe gerade alles durchgetippt, vor dem letzten Spieltag sieht es wie folgt aus (siehe positives Denken oben):
      1. VfB 64 Punkte
      2. H96 64 Punkte
      3. Braunschweig 63 Punkte
      4. Union 63 Punkte
      Es würde also spannend werden, … wie 2007 … ;-)

  4. Hans Müller sagt

    Bezeichnend, dass nach dem Ausgleich gegen 60 keiner Richtung Ball sprintet. WOLF an der Außenlinie hat dies eingefordert, die Spieler nicht. Wir sind wieder mal, gefühlt zum 1000sten mal, an dem Punkt an welchem es sich das Team gemütlich einrichtet… standfussball, nimm du ihn ich hab ihn sicher und das vor 20 000 Anhängern. Dass es anders geht zeigte die zweite Halbzeit gegen Dynamo…. bin gespannt auf Sonntag

  5. Marc sagt

    Natürlich – und das möchte ich jetzt auch nochmal betonen – wünsche ich mir auch nichts sehnlicher, als unseren VfB wieder in der 1. Liga kicken zu sehen. Nur liefert mir die Mannschaft nicht gerade die Argumente, die mich glauben lassen, dass wir wieder aufsteigen werden. Wolf wirkte phasenweise doch etwas konstaniert und ratlos während dem Spiel, aber wer kann es ihm verdenken? Letztlich glaub ichs erst, wenn es soweit sein sollte.

    Naja, ich finde schon, dass man sich – wenn man sich unsere Ansprüche ansieht, nämlich wieder Erstligist zu werden – mit der Frage auseinandersetzen sollte, was dann der Preis dafür ist, wieder aufgestiegen zu sein. Was würde uns denn in der 1. Liga erwarten nächste Saison? Und deswegen auch der Verweis von mir auf den krassen Abstiegskampf in der 1. diese Spielzeit. Kann natürlich nächste Saison wieder ganz anders aussehen.

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