Spielbericht, VfB
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No sleep till Klassenerhalt!

Greenhorns, Lehrgeld, Unerfahrenheit: Ich kann es nicht mehr hören. Zieler, Gentner, Aogo, Beck, selbst Terodde – man kann nicht sagen, dass der VfB nicht genug Erfahrung auf dem Feld hatte. Trotzdem geht das Spiel gegen Schalke klar verloren. Vor allem, weil direkt nach der Halbzeit wie schon in Berlin die Spannung fehlt. Das ist keine Frage der Erfahrung, sondern der Einstellung. Was machen die da in der Halbzeit? Mit Baldrian anstoßen?

Es sind individuelle Fehler, die zu den Gegentoren führen. Ein Muster, das uns recht bekannt vorkommt, oder? Gerade beim 1:3 präsentierte sich Marcin Kaminski als Schlafes Bruder von Timo Baumgartl.

Als ob beim VfB in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung das Problem gewesen wäre. Ob Sunjic, Schwaab, Niedermeier, Klein oder Tyton, das Problem war nie die fehlende Erfahrung, sondern die fehlende Qualität. Und ja: Holger Badstuber hätte der Mannschaft auf Schalke gut getan. Aber nicht wegen seiner Erfahrung, sondern wegen seiner Klasse. Aber so ist das, wenn man bei der Kaderplanung auf einen Mann setzt, der unbestritten zu den besten Innenverteidigern Deutschlands zählt, dessen Körper aber immer wieder mit Verletzungen auf die Anforderungen des Hochleistungssports reagiert.

Warum das Spiel auf Schalke trotzdem ein kleines bisschen positiv stimmt? Weil der VfB nicht schlechter war, nur blöder. Weil der VfB über 80 Minuten gut mitspielte und auch nach dem 1:3-Rückstand den Willen entwickelte, offensiv etwas zu reissen. Außer bei den drei Gegentoren stand die Defensive stabil. Jetzt kann man das unter der Überschrift „Sie haben sich stets bemüht, aber …“ ablegen und viele dieser Spiele darf es nicht mehr geben. In Berlin wie auch in Gelsenkirchen wären jeweils ein Punkt drin gewesen.

Zwei Spieler feierten gegen Schalke ihr Saisondebüt: Andreas Beck blieb auf der rechten Seite unauffällig, gerade nach vorne wirkte das hölzern und unentschlossen. Santiago Ascacibar hingegen benötigt nach seiner Einwechslung nur 30 Sekunden bis er sein ersten Einzelgespräch mit dem Schiedsrichter hat. Er zeigte in der halben Stunde, dass er als Mischung aus Serey Dié, Marc van Bommel und Marc Wilmots dem VfB wirklich helfen kann. Stichwort: Aggressive Leader. Ascacibar bringt eventuell eine Note ins Spiel, die dem VfB fehlt: das Team ist sehr brav, wie ordentliche Schwiegersöhne spielten sie artig nach vorne, der letzte Biss jedoch fehlte.

Und was man vor allem sehen konnte: Es fehlte die Überzeugung. Der feste Glaube an sich selbst hat den VfB in der Zweiliga-Saison stark gemacht, siehe Dresden, Bielefeld, Nürnberg. Symbol dafür war Simon Terodde, der diesen Willen stets ausstrahlte. In dieser Saison wirkt Simon Terodde bei allem Einsatz spielerisch isoliert, sein Einfluss auf die Mitspieler ist derzeit zu gering. Den letztjährigen Torschützenkönig besser ins Spiel zu bringen, das wird neben der Vermittlung von mehr Konzentration in der Defensive die Hauptaufgabe von Hannes Wolf sein.

Hier könnt Ihr Santiago Ascacibar bewerten:
Santiago Ascacíbar

1 Kommentare

  1. Allein unter Westfalen sagt

    VfB: angeblich 60% Ballbesitz, davon gefühlt 80% in der eigenen Hälfte. Mit Tikki-Takka vor der Mittellinie den Abstieg verhindern?

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