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Le Atze* und Le Meira

Es ist mehr als eine Mode, sich dem Fußball und seinen Protagonisten mit Oberflächlichkeiten zu nähern. Fangen wir also diesen Text über Benjamin Pavard damit an: Er verwendet auf seiner Facebook-Seite namens Benjamin Pavardinho eines unserer Stadionbilder nach dem Platzsturm beim Aufstieg. Aber gernö, lieber Benjamin und Chapeau für Deinen guten Geschmack. Seit Schillbär Gress und Didier Six lieben die VfB-Fans französische Spieler. Wie sie Benschamää aussprechen, erinnert dabei stark an Franz Beckenbauers legendäre Aussprache von Jean-Pierre Papin: „Schopärpapa“. Und dann muss man natürlich seine Friese thematisieren. Ein Lockenhelm à la Atze Schröder mit dem Potential zum Kult, fehlt nur noch die Pavard-Perücke im VfB-Shop. Aber im Zuge der Professionalisierung des VfB müssen wir wohl nicht mehr lange drauf warten.

Aber gehen wir weg von Boulevard-Themen, kommen wir zum Sportlichen. Also weg von Le Atze*, hin zu Le Meira. Denn das luftige Champagner-Spiel des 21-jährigen Franzosen erinnert mich an den 2007er-Kapitän Fernando Meira. Ja, ein großer Vergleich, aber besser als ihn mit Toni Sunjic oder Schorsch Niederstrecker zu vergleichen, oder? Da sind zunächst seine eleganten Bewegungen, dieses Federfüßige, bei ihm sieht alles so leicht aus und manchmal hat man das Gefühl, Pavard nähme das Spiel auch zu leicht. Dann sind da Schnörkel drin, Unkonzentriertheiten, deren Ergebnis Fehlpässe und Nonchalance in der Zweikampfführung ist. Aber das sind immer nur kurze Momente, die nach und nach aus seinem Spiel verschwinden.

Ballaktionen, Passquote, Zweikämpfe, alles gut und schön, aber ​um festzustellen, dass der französische U21-Nationalspieler in der Saison 17/18 starke Leistungen abliefert, braucht man keine Statistiken. Jeder sieht auch so, dass Pavard wenig Zweikämpfe führt, denn er versucht zu antizipieren, er versucht zu verteidigen, bevor die Gefahr entsteht. Sein Stellungsspiel macht ihn so schwer überwindbar wie die Stäffele, die in Montmatre zum Sacre Coeur führen. Sein Spiel ist dabei lässig und wirkt mühelos, er kann aber auch umschalten: Dann packt er ein Tackling aus, ohne Rücksicht auf Verluste oder haut den Ball auch einfach weit und hoch in Richtung Untertürkheim. Das musste er allerdings erst lernen, denn Pavard wollte am Anfang seiner VfB-Zeit noch alles spielerisch lösen.

Da liegen auch seine Stärken. Gleich bei seinem Debüt gegen Fürth spielte er die Mutter aller Vertikalpässe, woraufhin Freunde der Packing-Rate in Ohnmacht gefallen sind. Sein Aufbauspiel ist präzise, er kann schnell spielen, denn er kann schnell Räume erfassen. Verschenkt ist Benjamin Pavard als rechter Verteidiger. Ja, er kann das spielen, wahrscheinlich kann er auch als Torhüter spielen, aber man sieht, dass ihn die Außenlinie einschränkt. Er braucht das Feld vor sich und ist damit auch wertvoll auf der Sechserposition. Eine Parallele zu Fernando Meira, den der eine Trainer in der Innenverteidigung, der andere als Sechser sah. Zum Fixpunkt und Führungsspieler wurde der Portugiese aber in der Innenverteidigung.

Davon ist der Le Meira von 2017 noch entfernt. Aber wenn er weiter Passwege und Lücken schließt, sein Timing beim Defensiv- und Offensivkopfball stabilisiert und verletzungsfrei bleibt, dann gehört er zu den Top-Innenverteidigern der Bundesliga. Und wenn er dann noch seine Haarpracht einsetzt, um vorne Kopfballtreffer zu erzielen wie gegen Freiburg, ja dann werden in Stuttgart vermutlich bald die ersten Chansons für Benschamää geschrieben.

* Für alle Frankophilen: Ja, ich weiss, es müsste korrekt L’Atze heißen, aber das sieht irgendwie niveaulos aus.

3 Kommentare

  1. Die Franzosen, besonder’s die Elsaesser ( und ich bin Elsaesserin mit Dauerkarte beim VFB von 1988 bis 2000, dann zog ich nach Berlin ) lieben den VFB Stuttgart . Ich bin nach wie vor ein “ verückter“ Fan vom VFB, war am 21 Mai im Stadion den Aufstieg feiern ! War ein super Tag !!! Fuer heute 04.11…A. Sieg in Hamburg. Mein Tip : 1-3 ( Aogo, Insua, Terodde / Ginscek )…VVVFB !

  2. Ach F. Meira.
    Der, der offiziell Kapitän war und der, der in der Meistersaison mehrfach auf der Bank Platz nehmen musste, da eine Jüngling namens Tasci in seiner Debüt-Saison besser war als F. M., genauso der bis dahin wenig bekannte Delpiere. Und auf der 6 war für unseren Meisterkapitän, Dank Pardo und dem ebenfalls debütierenden Khedira kein Platz in der Startelf.

    Meira hat vor allem das Glück, Kapitän in dieser Saison gewesen zu sein, ich werde ihn nie vergessen…

    … wie er die Schale falsch in Himmel streckte… und ich werde nicht vergessen, dass andere mehr Spielanteile hatten als F. Meira.

    • @abiszet sagt

      Hallo Forf,

      das ist nicht ganz richtig. Meira war in der Saison immer wieder mal verletzt (wie auch Delpierre), deshalb kam Tasci aus dem Stand auf so viel Spielzeit. Wenn Meira fit war, dann spielte er auch. Aber schon richtig, Armin Veh sagte damals „Tasci spielt immer“ und ließ ihn auch bisweilen als rechten Verteidiger anstelle von Osorio spielen (der u.a. auch mal rot gesperrt war).

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