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Sieht so Reschkes Spürnase aus?

Der VfB ist ein Traditionsclub und Last-Minute-Transfers haben in Stuttgart eine große Tradition. Slim Shindy war ein echter (Schindel)Meister darin: Pavard und Mané, Brekalo und Onguené und Ofori hießen seine Verpflichtungen kurz vor knapp. Vor ihm holte Robin Dutt am letzten Tag Toni Sunjic und Federico Barba. Und Fredi Bobic war quasi der Erfinder der Last-Second-Transfers, er ging vorher extra in den Urlaub, um gestärkt die heiße Spätphase des Transferfensters durchzustehen.

Aber was sagt es über einen Club aus, wenn der Kader immer erst am 31. August bzw. 31. Januar komplett ist? Dass die Transferpolitik nicht wirklich strukturiert ist? Dass es keinen klaren Plan gibt? Dass die Verantwortlichen Gambler sind, die auf fallende Preise hoffen? Was sagt es aus über einen Club, der am Deadline Day einen Andi Beck verpflichtet: Sieht so das Netzwerk und die Spürnase von Michael Reschke aus? Nix gegen das Beck’le, oiner von uns, ein absolut sympathischer Kerle, aber was darf man von ihm erwarten? Wie bei Dennis Aogo: ein solides und biederes Spiel ohne Überraschungen, in etwa Florian-Klein-Niveau. Aber womöglich ist er für das Ziel „Klassenerhalt“ genau der Richtige. Und doch fragt man sich, was der VfB eigentlich wollte: Eine Top-Lösung für die rechte Abwehrseite, einen Rekordtransfer, der alles bisher dagewesene in den Schatten gestellt hätte? Oder eben ein Beck-up für, ja für wen eigentlich?

Der Stabwechsel von Jan Schindelmeiser zu Michael Reschke und dessen Zeitpunkt war nicht gerade der cleverste Move von Präsident Wolfgang Dietrich. Reschke – erst seit drei Wochen im Game – hatte gerade einmal Zeit, sich zu sortieren, denn seine alten Connections aus der Bayern-Zeit helfen ihm beim VfB nicht weiter. Mag sein, dass ein guter Angler in jedem Gewässer fischen kann, wie es Wolfgang Dietrich bei Reschkes Vorstellung formulierte. Aber vermutlich muss der sich erstmal eine kleinere Angel zulegen um Spieler für den VfB zu ködern. Denn aktuell hat man den Eindruck, dass statt der Supernase eher Retro-Reschke am Werk ist.

Nach einem Notkauf (Aogo) und einem Spieler aus der bestehenden Watchlist des VfB (Ascacibar) reichte es gerade mal für Andi Beck, nachdem der Königstransfer mit Jonny Castro an den finanziellen Vorstellungen von Celta Vigo scheiterte. Nach Diego Reyes der zweite große Transfer, dem der VfB nicht gelang. Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr erwartet von Reschkes Supernase. Es sind ja immer diese Hoffnungen, die man mit einer Transferperiode verbindet: Dass man positiv überrascht wird, dass hochkarätige Spieler unerwartet zum VfB wechseln, dass Baustellen konsequent und nachhaltig behoben werden, dass so etwas wie ein Transferkonzept erkennbar ist. #Träumweiter

Ergebnis der Transferphase ist jetzt ein nicht wirklich ausbalancierter Kader mit drei Links-, einem Rechtsverteidiger sowie 100 Sechsern. Das Ganze verbunden mit einigen Risiken: Schlüsselspieler wie Holger Badstuber, Simon Terodde und Ron-Robert Zieler dürfen sich nicht wie Zimbo verletzten (Gute Besserung!), junge Spieler wie Josip Brekalo, Chadrac Akolo und Santiago Ascacibar müssen von Anfang in der Bundesliga funktionieren, Routiniers wie Aogo und Beck müssen Halt geben und in Form sein. Kann funktionieren. Muss aber nicht.

Wolfgang Dietrich wird schnell ungeduldig und bei ihm hat man den Eindruck, ihm könne es nie schnell genug gehen. Damit hat der Präsident bei Transfers unter sportlichen Gesichtspunkten absolut recht. Je früher die Transfers fest stehen, desto eher kann sich die Mannschaft einspielen und einen Team Spirit entwickeln.

Aber jetzt ist Geduld gefragt! Trainer Hannes Wolf hat am 6. September seinen Kader für die Hinrunde erstmals(!) komplett zusammen, also kurz vor dem dritten Spieltag auf Schalke. Da braucht es noch Zeit, bis Spielsysteme, Abläufe, Automatismen und Zusammenhalt entwickelt sind.

Es kann also dauern bis Ergebnisse geliefert werden.
Haben Sie diese Geduld, Herr Dietrich?

Ein sehr lesenswerter Rückblick auf die zurückliegende Transferperiode findet sich hier.
Lesen lohnt sich!

4 Kommentare

  1. Florian Götze sagt

    Ich muss es so sagen: Ihr seid ein einzigartiger Blog! Ihr verbindet typische Fan-Themen (Aufstieg, Maxim, Mitch), immer ungewöhnlich aufgemacht, mit kritischen Texten, auch wenn man nicht immer Eurer Meinung sein muss. Im aktuellen Artikel sprecht Ihr es allerdings richtig an: Reschke wurde dick angekündigt und herausgekommen sind Aogo und Beck. Das müssen keine schlechten Transfers sein, aber eine Linie oder Philosophie ist nicht erkennbar. Diego Reyes wollen und Holger Badstuber holen, Jonny Castro wollen und Andi Beck holen, das scheint ein bisschen wahllos zu sein. Wie fragil der Kader ist, sieht man an den derzeitigen Verletzungen: Wenn Badstuber ausfällt, muss man sich schon wieder fragen, ob die Abwehr bundesligatauglich ist. Man muss aber auch fair sein – Reschke hatte wenig Zeit und hätte es Schindelmeiser besser gemacht? Wir werden es nie erfahren …

    • @buzze sagt

      Und dass die seit Monaten vakante Position des Rechtsverteidigers erst auf den letzten Drücker besetzt wurde, hat natürlich auch (oder vor allem) Jan Schindelmeiser zu verantworten.

  2. @abiszet sagt

    Hallo Fabian, vielen Dank für die netten Worte. Diese Diversität führt dann manchmal auch zu Schwierigkeiten, weil wir die eine oder andere Erwartung nicht erfüllen.

    Wie geschrieben: Kader kann funktionieren, muss aber nicht. Drücken wir die Daumen. Vor allem, dass Holger Goodstuber gesund ist. Auf ihn zu setzen, ist das größte Risiko, gerade im Wissen, dass unsere Innenverteidigung seit Jahren das größte Problem ist.

  3. drausvomLande sagt

    Was mir imponiert, ist die gezielte strategische Weiterentwicklung im Sportmanagement:
    Wie die Kritiker von Shindy vollkommen zu recht immer betonten, der Mann kam quasi aus der Rente, direkt unter seinem Porsche hervorgekrochen, gezwungenermaßen, weil ihn ja die letzten Jahre keiner wollte. Reschke kommt vom Branchenprimus, steht voll im Saft und alle lecken sich die Finger nach ihm. Diese Unterschiede sieht man auch in den Verpflichtungen: auf der einen Seite Pavard, Mané, Terrode gehalten, Akolo, Brekalo, Badstuber (grrrr) als hochriskante Wette —- und auf der anderen Seite Aogo, Beck
    Da freut man sich doch auf die kommenden Taten. Welche Taten? Naja, unterjährig kann man ja immer Trainer-Wechsel-Dich spielen

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