Spielbericht, VfB
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Safety first, Lederhosen second

Der VfB ist ein Club für alle. Der VfB ist ein Club, der für Toleranz, Verständnis, Diversität steht, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Glaube, sexueller Orientierung, Und jetzt wird sich um das Tragen von Lederhosen gestritten, es wird gar Gewalt angedroht, weil Fans bayrische oder schwäbische Tracht tragen? Really?

 

Natürlich ist es Ausdruck einer gewissen Gedanken- und Ahnungslosigkeit, mit Tracht in die Cannstatter Kurve zu gehen. Jeder darf Trachten nicht gut finden, jeder darf dies auch gerne laut und unmissverständlich zum Ausdruck bringen (siehe Spruchband), aber Fans des eigenen Clubs ausgrenzen? Bitte nicht! Wenn wir schon über Klamotten streiten wollen, dann bitte nochmals über das Fritzle-Jubiläumstrikot. Die Idee ist gut, aber bei der Gestaltung des Trikots gibt es so viel Luft nach oben wie beim Offensivspiel des VfB Stuttgart.

Gibts wirklich nichts Wichtigeres? Zum Beispiel die ultra-vorsichtige Spielweise des VfB? Zum Beispiel das Comeback von Daniel Ginczek? Zum Beispiel der souveräne Auftritt von Holger Badstuber, der – und das passt gut zur Trachtendiskussion – in einer Bierruhe die Abwehr dirigierte, wie Klaus Kächele seine Wasen-Band „Die Grafenberger“. Und nicht zuletzt die wieder einmal tolle Choreo, die mehr verdient hätte als ein lahmes 0:0?

Bild: http://vfb-bilder.de/

Hannes Wolf hat momentan mit dem traditionellen VfB-Problem zu kämpfen, das eigentlich alle seine Vorgänger schon hatten: Entweder Offensiv-Spektakel mit Torchancen en masse oder Cannstatter Catenaccio, damit der VfB am Ende nicht mehr eingeschenkt bekommt als die Lederhosenträger im Zelt nebenan. Hannes Wolf hatte sich gegen Augsburg Safety first in den Matchplan geschrieben. Er startete mit einem Cannstatter Riegel, der aus bis zu sieben defensiv denkenden Spielern bestand, um später mit Orel Mangala für Josip Brekalo den achten rückwärts orientierten Spieler einzuwechseln. Zuverlässig verteidigen ist eben einfacher als kreativ nach vorne spielen.

Wir sind anderer Meinung als Hannes Wolf, der meinte, genau so viele offensiv orientierte Akteure aufgestellt zu haben wie in der zweiten Liga. Denn mit Dennis Aogo und Andi Beck wurden auf Außen alles andere als Offensivmonster aufgeboten. Die beiden alten Neuen agierten wieder grundsolide, haben aber einfach kein Rezept gegen defensiv stehende Gegner. Benjamin Pavard und Santiago Ascacibar sind mehr Zerstörer als Spielgestalter und dann sind Adonis, Brekalo und Simon Terodde da vorne schon ganz schön einsam. Wie sehr ein 1:1-Spieler wie Carlos Mané fehlt, sieht man aktuell sehr gut. Auch ein Chadrac Akolo fehlte merklich.

Andererseits: Wer will es Wolf verdenken? Er ist der erste Trainer seit Bruno Labaddia, der länger als ein Jahr in Stuttgart ist. Und er ist der erste Trainer seit gefühlten Ewigkeiten, der gegen Augsburg weder verliert noch anschließend entlassen wird. Und an drei Heimspiele ohne Gegentor in Folge können sich die VfB-Fans auch nur dunkel erinnern: Es war in der Saison 2008/2009.

Obwohl das nicht schön anzusehen ist und selbst Freistöße in der gegnerischen Hälfte erst einmal nach hinten gepasst werden, ist es mir lieber, der VfB rumpelt sich zu einem Punkt, anstatt von vielen Seiten Lob für sein attraktives Spiel zu erhalten, aber die Punkte trotzdem abzugeben. Been there, done that.

Aber: jetzt wird es Zeit, auswärts was zu reißen. Fredi Bobics Frankfurt rumpelt genauso wie der VfB durch die Liga. Sieben Punkte auf dem Konto und Platz 12 im Gepäck sollten dem VfB das Selbstvertrauen verleihen, um in Frankfurt den ersten Auswärtssieg anzupeilen. Ich freue mich jedenfalls schon auf das Duell Kevin-Prince Boateng gegen Holger Badstuber. Und vorne es ist Zeit für etwas mehr Mut!

Apropos Badstuber: Hier könnt Ihr sein Emotionum ergänzen:

Holger Badstuber

7 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Jungs, ich habe ein massives Problem damit, wenn diese lindnerschen Wahlsprüche adaptiert und damit hoffähig gemacht werden, Politik ohne Bedenken, das ist Trump und Kim Jon Un.

  2. @abiszet sagt

    Hi dvL, ja, kann man so sehen, wobei Lindner wohl nicht in die Reihe von Trump und Kim Jong-un passt.

  3. drausvomLande sagt

    auspolitisiert, hier geht’s um den VfB …,
    und wenn einer unbedingt Lederhosen anziehen will, um den zu sehen, sollten sich die Münchner eher um einen verlorenen Sohn sorgen, als wir ihn aus dem Stadion jagen …, ich hab ja schon Karohosen im Stadion gesehen … und ob jetzt Karohose oder Lederhose … mir doch egal
    Eigentlich sollten wir uns alle Ute anschliessen und und mehr Gedanken über am Saisonende hoffentlich nicht fehlende Punkte machen …

  4. @abiszet sagt

    Wer legt denn fest und wer weiss, wann ein nicht gewonnener Punkt ein fehlender Punkt ist? Nach der Logik der fehlenden Punkte ist der VfB nur erfolgreich, wenn er 40 Punkte nach 14 Spieltagen hat. Und dann ist wieder jeder nicht gewonnene Punkt ein fehlender Punkt beim näxxten Ziel: einstelliger Tabellenplatz, EL, CL, Meisterschaft. Eine Argumentation, mit der ich nicht viel anfangen kann.

    Aber natürlich müssen sich Hannes Wolf und die Mannschaft fragen, wie sie durchaus mögliche Punkte auch wirklich holen. Denn dieses „wir haben es ganz gut gemacht“, „wir konnten mithalten“, „wir haben uns nicht belohnt“ ist ein bisschen einschläfernd. Wobei HW die Zügel anzieht, wie man an den offenen Worten zu Simon Terodde sehen kann.

  5. Fehlende Punkte stellt die Tabelle fest, manch einem fehlen die Punkte dann zur Meisterschaft, anderen zur CL, wieder anderen zur EL, ich persönlich messe einmalig und nur diese Saison (wegen des Anschubs durch die Daimler-Millionen, gell, herzallerliebster Vorstand) an Tabellenplatz 15, dafür müssen die Punkte reichen und dafür braucht mein VfB ein Polster, weil jedes Jahr die punktelosen Wochen kommen ..
    ergo ist die Unterscheidung nicht gewonnen zu fehlend zwar heute noch nicht machbar, wohl aber die Sorgen hierüber …

    • @abiszet sagt

      Right: Die Endtabelle stellt das fest. So gesehen kann heute noch niemand sagen, ob und welche der nicht gewonnen Punkte die fehlenden sind. Ausser man bezeichnet schon jetzt alle nicht gewonnen als die fehlenden Punkte, recht einfache (einfältige?) Rechnung.

      Natürlich gehts nur um Platz 15 in diesem Jahr und Sorgen kann ich mir wegen allem machen: Wegen Ginczeks Knie, wegen Goodstubers Gesundheit, wann Insuas Comeback kommt, wann Terodde wieder trifft, wann Mané der Offensive endlich wieder Kreativität verleiht, ob Ascacibar den guten Start bestätigen kann, … mimimimi, … ;-) „Sorgen machen ist nicht produktiv“, würde Hannes Wolf sagen. Kann man an Uwe Seeler sehen, der macht sich seit Jahren Sorgen um den HSV ;-)

  6. drausvomLande sagt

    dann könnte man Uns-Uwe ja zum Ehrenschwaben machen und ich wäre in guter Gesellschaft …

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