Spielbericht, VfB
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Die Bayern der 2. Liga!

Klein, Pavard, Maxim, Grgic, Mané, Ginczek: Ein Blick auf die Ersatzbank des VfB Stuttgart vor dem Spiel gegen Sankt Pauli ließ zwei Schlüsse zu: Entweder hat das Team einen Kader, der dem des Gegners weit überlegen ist – oder der Trainer hat überhaupt keine Ahnung. Zumindest, was den Startelf-Einsatz von Zimmer und Zimmermann angeht, würden wahrscheinlich nicht wenige Fans für letzteres plädieren. Angeblich wollte Wolf möglichst viele Optionen zu haben, um auf den Spielverlauf zu reagieren. Ich frage mich allerdings: Sollte man diese Optionen nicht von Beginn an auf den Platz bringen?

Die elf Männer, die auf dem Platz standen, schienen jedenfalls auch drauf zu vertrauen, dass die Weltauswahl auf der Bank es irgendwie schon richten würden, falls sie selber es nicht schafften. Aber man muss das relativieren. Auf dem braun-grünen Morast, den man in Hamburg offensichtlich Rasen nennt, kann vielleicht die Kloppertruppe des Tabellenletzten sein stark eingeschränktes technisches Repertoire zeigen. Das war kein Platz, sondern bestenfalls Millerntorf. Und wie soll denn bitte unser All-Star-Team aus Weltmeistern und Nationalspielern dort sein Können zeigen? Vielleicht war das auch der Grund, warum Hannes Wolf die B-Elf auf das sogenannte „Feld“ schickte. Umso trauriger, dass sich Zimmermann trotzdem verletzte. TV-Ferndiagnose: Außenband-Dehnung.

Julian Green, den man nur geholt hat, um das Team mit dem Bayern-Gen zu impfen, machte bei seinem überraschenden Debüt noch eine sehr passable Figur und sorgte hin und wieder für Gefahr. Mein heimlicher Held des Spiels ist aber natürlich Timo Baumgartl. Denn der scheint mittlerweile ganz genau verstanden zu haben, was in der VfB-Defensive gefragt ist: Konsequenz. Lieber einen Ball auf die Tribüne schlagen als einen Abspielfehler riskieren. Lieber eine eingesprungene (und gut getimte) Dreimeter-Grätsche am Strafraumeck als halbherziger Einsatz und der Versuch, solche Situationen spielerisch zu lösen. Been there, done that, lost that.

Den Spielverlauf kann man aus zwei Perspektiven schildern. Entweder: Der VfB nahm den Kampf an und scheute keinen Zweikampf. Oder: Der Tabellenletzte und der Aufstiegskandidat Numero Uno agierten auf dem gleichen, schlechten Niveau. Erst in den letzten zwanzig Minuten der Partie offenbarte sich, wie viel Sankt Pauli bisher investiert hatte. Der VfB bekam mehr Platz und nutzte ihn, um mit dem einzig richtig guten Angriff des Spiels das entscheidende Tor zu schießen.

Und spätestens, als auch die Rekordkulisse dem Heimteam nicht helfen konnte, den Ausgleich zu erzielen, war es mir klar: Christian Gentner lag falsch! Denn wer spielt schlecht gegen Teams, die er eigentlich beherrschen sollte und gewinnt trotzdem knapp? Wer entscheidet Spiele aufgrund einer einzigen Szene und überragender individueller Klasse? Ganz genau: Der VfB Stuttgart! Und falls die Bank auch weiterhin so prominent besetzt ist, bekommen wir ja vielleicht auch noch etwas FC Hollywood, oder besser gesagt: VfBollywood.

Also ein klassischer Fall von „Hauptsache drei Punkte“? Ja und nein. Natürlich: Ein erfolgreicher Start in die Rückrunde ist für ein euphoriegetriebenes Team wie den VfB Stuttgart essentiell. Aber dennoch war das taktisch und spielerisch einfach viel zu wenig. Ein wenig mehr als einen Spielaufbau über lange Bälle auf Terodde erwarte ich schon in meiner Funktion als anspruchsvolles Umfeld! Es war ein Spiel, das abgesehen von Manés Traumtor und dem anschließenden Jubel zu keiner Zeit Spaß machte. Im Heimspiel gegen Düsseldorf darf und muss man da mehr erwarten. Denn dann können Startschwierigkeiten und ein schwieriges Geläuf nicht mehr als Ausrede herhalten und das Team muss anders als in Hamburg als effizientes Kollektiv auftreten. Dann wohl auch mit neuem Personal. Denn Jan Schindelmeiser kündigte überraschend an, noch mehr als einen Spieler zu verpflichten. Er scheint sich seiner Sache also sehr sicher zu sein. Deadline Day, here we come!

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