Alle Artikel mit dem Schlagwort: Bielefeld

Menschen, Tore, Sensationen!

Kinder, freut euch: Der weiß-rote Zirkus ist in der Stadt! Magische Momente in der Offensive mit Solonummern zum Zungeschnalzen und Toren wie aus einem Youtube-Highlight-Clip. Aber leider auch immer wieder mit spaßbefreiten Horroclown-Momenten in der Defensive. Das will doch keiner sehen! Ja, so ein VfB-Spiel macht eine Menge Spaß – wenn man nicht gerade mit dem Team bangt und zittert. Es gibt viel zu viele Spiele der Kategorie “Wer so eine Partie gewinnt, steigt auf” und zu wenige mit dem Prädikat “Wie langweilig, aber so spielt ein Spitzenreiter”. Na klar, so eine Partie wie gegen Bielefeld ist leider geil, aber ein Spiel wie z.B. gegen Düsseldorf oder K’lautern würde vor allem meinen Nerven gut tun. Denn, wenn die restlichen Partien alle so spannend sind, werde ich den Aufstieg vermutlich nicht erleben. Verein für Bluthochdruck. #DSCVFB — Felix Christmann (@ChristZudemMann) 17. April 2017 Aber warum ist es immer so spannend? Ist es vielleicht eine Self Fulfilling Prophecy, weil Hannes Wolf in bester Pep-Manier jeden Gegner stark redet? Laut Guardiola war ja auch Darmstadt überragend – und …

You’re my heart, you’re my soul

Ich höre Schwäbisch für mein Leben gern, das wird mir immer wieder klar, wenn ich zu VfB-Spielen gehe. Ich meine nicht das peinliche Schwäbisch, das im Stuttgart-Tatort gesprochen wird oder in der Eselsmühle oder in den unsäglichen Prenzlschwäbin-Videos. Ich liebe das ungekünstelte Schwäbisch, das auf der Straße gesprochen wird, Street-Schwäbisch halt. Das harte ostälblerische Schwäbisch mit Roaah- und Orrrww-Lauten, das leise Böblinger Schwäbisch oder das eher runde Cannstatter Schwäbisch, bei dem ich immer an meinen verstorbenen Onkel denken muss. Gerade bei VfB-Spielen höre ich vermehrt Schwänglisch, bei dem englische Vokabeln scheinbar willenlos in den Satz eingebaut werden. Das Schwänglisch wird überwiegend von Jüngeren gesprochen, meist sind es Kessel.TV-Leser oder Leute, die irgendwas mit Medien machen. Beim PSV, in der Daimlerstraße, in Straßen- oder S-Bahn oder nach dem Spiel am Palast der Republik, hier mischt sich die Mundart zu einem speziellen Sound, im Moment mit freundlichem Grundton, die Ergebnisse stimmen, der Tabellenplatz auch, die Spielweise na ja, nur wenige verfallen in ein völlig überzogenes Bruddel-Tourette. Ob Böblinger, Cannstatter oder sonst ein Schwäbisch, ob kroatisch, italienisch oder …

Niceland

Die Haare wie Johan Cruyff, die Socken runter gerollt wie Socrates, ein Blick für den freien Raum wie Bernd Schuster. Es sah immer so leicht aus bei ihm. Am Ende flog der Ball punktgenau dort hin, wo er ihn gerne haben wollte. Außenrist, Innenrist, Vollspann – die Schönheit seiner Pässe und die Eleganz seiner Bewegungen sind bis heute unerreicht. Wenn Asgeir Sigurvinsson auf dem Platz stand, dann schien die Sonne heller, wirkte der Rasen saftiger und die Tore größer, das VfB-Spiel erreichte eine eigene Kunstform. Mit seinen feinen Füßen hätte es mich nicht gewundert, wenn er mit ihnen auch akustische Gitarre gespielt hätte. Zu niemandem passte Dirigent besser als zu Sigurvinsson. Wenn es das schon in den 80ern gegeben hätte, man hätte den Isländer als Wi-Fi des VfB-Teams bezeichnet: Er verband alle Spieler und Mannschaftsteile magisch miteinander. Wegen ihm kann ich die Mannschaft von 1982 immer noch auswendig aufsagen. Roleder. Förster. Förster. Schäfer. Hadewicz. Niedermayer (Kurt!). Allgöwer. Ohlicher. Six. Kelsch. Reichert. Und eben Sigurvinsson. Er war der Beste. Wegen ihm liebe ich Island. „Eismeer-Zico“ nannten …

Die hippste Mannschaft Deutschlands

Graue Maus, Fahrstuhlmannschaft, Stadt, die es nicht gibt. Das war Arminia Bielefelds Definition bis vor einem Jahr. Dann kam das Spiel des Jahres: Der Zweitliga-Abstiegskampfkrimi in Dresden. Die Bielefelder gewannen unter dramatischen Umständen, erreichten die Relegation gegen Darmstadt, gewannen das Hinspiel am Böllenfalltor souverän, um im nächsten Spiel des Jahres in letzter Sekunde doch noch abzusteigen. Und heute? Sind sie souveräner Tabellenführer in der dritten Liga, haben mit Fabian Klos den besten Stürmer der Liga im Team, schießen Tore des Monats und werden nach ihrem Halbfinal-Aus gegen Wolfsburg von ganz Fußballdeutschland gefeiert. Ist die Alm auf einmal die Anfield Road Deutschlands? Laufen die Großstadt-Hipster in Zukunft nicht mehr mit St. Pauli Hoodie durch die City, sondern im RUN DSC Shirt und mit tätowiertem Lohmann auf dem Oberarm? Ist das geil. Wolfsburg macht das 0:4 und SOFORT steht die ganze Alm und feiert ihre Arminia! Das könnt ihr niemals kaufen, Wölfe! #DSCWOB — Sebastian Zobel (@zwitscheridooo) 29. April 2015 In Zeiten, in denen vielen Fans der Fußball zu kommerziell, zu stromlinienförmig geworden ist, und in denen sich die zweiten Mannschaften vieler Bundesligisten …

Gazi Stadion auf der Waldau

Sehnsucht: Liga zwei

Es gibt bekanntlich nicht viel, was die Fans der „Roten“ und der „Blauen“ eint. Doch aktuell könnte man meinen, dass beide Fanlager hoffen, ihre Farben in der kommenden Saison in Liga Zwo spielen zu sehen. Höchste Zeit also, dahin zu gehen, wo es weh tut und wo Fußball noch Wadenkrampf und Bluterguss ist und kein Selfie-Scheiß im Mannschaftsbus. Die Rede ist von der Drittliga-Partie der Stuttgarter Kickers gegen Arminia Bielefeld. Als Kind der A2, aufgewachsen zwischen den Abfahrten Ostwestfalen/Lippe, Bad Salzuflen und Herford Ost, bin ich natürlich Arminia-Fan. Das Schöne daran: Es wird nie langweilig. Vier Ligen und Gegner vom DSC Wanne-Eickel bis Bayern München bieten ein breites Spektrum der Unterhaltung. Als ich zu Zweitligazeiten studierte, konnte ich mir gleich nach der Vorlesung noch schnell das Montagsspiel auf der Alm angucken und musste nicht mal das Auto umparken. Ich erinnere mich gut an das damalige Zweitliga-Spitzenspiel gegen TB Berlin mit Hermann Gerland als Trainer. Ging damals übrigens 3:1 aus. Berlin traf bereits früh, aber Tore von Rydlewicz und Labbadia (Doppelpack!) drehten die Partie. Das Team von Thomas von Heesen war …

(Wie) ist der VfB zu retten?

VfB-Spiele sind wie SM-Spiele. Das ist schlimmer als Kehrwoche am Samstag morgen, Bananenweizen auf Ex oder Shopping-Queen anschauen. Wann hört das Leiden endlich auf? Mit dem Gang in die zweite Liga? Glaubt doch das Ding nicht. Da fängt die Quälerei erst richtig an: Aue, Darmstadt, Bielefeld, Sandhausen, Bochum, Fürth, da graut’s einem jetzt schon. Wer glaubt – mit welcher Mannschaft auch immer – der sofortige Wiederaufstieg wäre realistisch, der unterschätzt die zweite Liga und überschätzt die (möglicherweise neuen) Entscheidungsträger des VfB. Der Abstieg muss also unter allen Umständen verhindert werden. Traumtänzer, die sich eine „Reinigung“ in Liga 2 erhoffen, sollten kurz in sich gehen: Ein Abstieg bedeutet für den VfB, nicht nur finanziell, auf Jahre abgehängt zu sein. Lasst uns also konstruktiv sein! Wie ist der VfB noch zu retten? Man muss es ehrlich sagen: Die Bundesliga braucht den VfB Stuttgart sportlich nicht. Übelstes Gekicke, gesichtslose Mannschaft, tote Augen und derbe Phrasen nach dem Spiel, keiner wird die Stuttgarter vermissen. Außer vielleicht den VfB-Fans. Aber dies ist der Blick auf das heute. Der VfB kann auch Spaß …