Alle Artikel mit dem Schlagwort: Klassenerhalt

Meine Traumreise mit Jürgen Klinsmann

Der VfB ist in der zweiten Liga, was bleibt einem da als VfB-Fan noch? Nostalgie, klar, der Blick auf Meisterjahre und sonstige emotionale Momente der Vergangenheit. Und es die Zeit zum Träumen. In letzter Zeit, schätze seit rund zwei Monaten, wiederholt sich bei mir immer wieder ein Traum. Also kein Tagtraum, sondern ein Traum, Ihr wisst schon, so richtig beim Schlafen. Und der Traum geht so: Es muss ein schöner Sommertag sein, jedenfalls trage ich mein kurzärmeliges VfB-Traditionstrikot, meine tief ins Gesicht gezogene Schildmütze mit der Aufschrift „Faith“ und eine Sonnenbrille. Ich bin auf dem Weg ins Stadion und ich bin guter Laune. Offensichtlich befindet sich der VfB in meinem Traum nicht im Abstiegskampf. Es sind sogar alle gut drauf. In der S-Bahn wird viel gelacht, mir fällt auf, dass mich einige verstohlen mustern, ein paar nicken mir zu. Ich nicke zurück, bin ja ein freundlicher Mensch. Meistens. Wie immer bin ich so zeitig dran, um beim PSV eine Rote zu essen und mir ein Bier schmecken zu lassen. Beim Anstehen auf die erste Halbe …

This Club is on fire!

Es wird über guten und bösen Fußball diskutiert in diesen Tagen. Auslöser ist Pep Guardiola, der für das schöne Spiel steht, aber mit Bayern München „nur“ dreimal hintereinander Meister geworden ist. Es gibt wirklich Leute, die so überheblich sind und Guardiolas Fußball über den von Klopp, Rangnick, Schmidt, Schuster oder Simeone stellen. Weil Pep Fußball „spielen“ läßt und die anderen eher auf die Fehler des Gegners warten oder sie erzwingen wollen. Ich bin da ganz einfach gestrickt: Für mich spielt der VfB bösen Fußball – und warum? Weil er nicht erfolgreich ist. So gesehen gibt es nicht gut und böse, sondern erfolgreich und den VfB. Und wie man zum Erfolg kommt, dafür gibt es verschiedene Wege. Nicht nur den Pep-Way und den Halunken-Style von Diego Simeone. Der VfB hat den Weg in den Mißerfolg genommen. Von diesem Weg läßt er sich seit rund fünf Jahren nicht abbringen, ganz so wie die Weinwanderer am Vatertag. Jetzt brennt es lichterloh in der Mercedes Straße. Und zwar überall. Trainerstab Jürgen Kramny saß wie das reine Elend in Bremen …

Verein für Bequemlichkeit

Auf meinen Freund Sammy konnte ich mich immer verlassen: Wenn ich am VfB zweifelte, wenn ich vor Spielen Angst hatte und wenn es um alles ging, gab er mir mit seinem Optimismus Hoffnung. Ich sah mit ihm das Bochum-Spiel 2007, er sagte das 2:1 gegen Cottbus voraus und war sich letzte Saison absolut sicher, dass gegen Mainz und den HSV gewonnen wird. Vor dem Bremen-Spiel schüttelte er allerdings den Kopf: „Des wird heut‘ nix!“ Damit war der Abend eigentlich gelaufen. Warum habe ich mir das Spiel noch angetan? „Zwei Tore auswärts, das ist eine gute Leistung, vor allem ohne unsere Fans. Und das auswärts in diesem Hexenkessel in Bremen. Ja gut, wir müssen die individuellen Fehler abstellen, insbesondere in der Abwehr, aber die anderen haben jetzt den Druck: Die können etwas verlieren, während wir aus einer komfortablen Situation kommen. In der fühlen wir uns am wohlsten. Von uns erwartet niemand etwas, es gibt noch sechs Punkte und die können wir uns holen“. Ein absolut lächerliches Statement? Ja – und ein frei erfundenes. Aber es wäre …

Judgement Day

Trauer oder Triumph. Sieg oder Sarg. Vollhorst oder voll geil. Das Abstiegs-Endspiel wird kein Fight Light, es wird ein Drama, Baby. Bremen gegen VfB, Werdinator vs. VfBallermann, Tag der Abrechnung, das Spiel um die Big Points, eine Art vorgezogenes Relegationsspiel. Hier kann sich jeder unsterblich machen, es können Legenden entstehen, über die noch in 25 Jahren gesprochen wird. Auch wenn es kein Kampf Mann gegen Mann wird, machen wir den großen Head-to-Head-Vergleich. Trainer Viktor Skripnik und Jürgen Kramny stehen sich beide an Farblosigkeit in nichts nach. Beide standen und stehen in der Kritik wegen Ihrer Art der Mannschaftsführung. Am Anfang wurde dieses Ruhige, Zurückhaltende und Bodenständige beiden noch als Vorteil ausgelegt. Remis der tristen Sorte. Torhüter Pommes Tyton und Felix Wiedwald, beides Hauptdarsteller der Serie Pleiten, Pech und Pannen und in der Torhüter-Rangliste des Kicker auf den Plätzen 16 und 17. Remis. Aber kein gutes. Außenverteidigung Emiliano Insua läuft Furchen in seine Außenbahn. Sein Laufstil sieht immer nach harter Arbeit aus. Solide kann man ihn nennen, wobei er zuletzt weniger konsequent in den Zweikämpfen war und …

VfB am Boden: Jetzt erst recht!

Alles ist im Arsch, alles ist am Ende. Alles ist kaputt, alles liegt in Schutt und Asche, das Spiel gegen Dortmund schmeckt nach Kotze. Alles ist weg. Das Punktepolster, die Zuversicht es wieder zu packen, das letzte bisschen Respekt vor der Mannschaft und den Verantwortlichen im Verein. Der ganze Traum nach der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde geht in Rauch auf. Ende. Aus. Für immer? Ja, so steigt der VfB ab. Mit einem Torhüter, der den einen oder anderen schwierigen Ball hält, dafür Tore mitverschuldet wie einst Sven Ulreich. Mit einem rechten Verteidiger, der sich vor dem 0:1 ärmlich ausspielen läßt und der beim 0:3 nach eigenem Ballverlust zurück in den Strafraum joggt. Mit einer Innenverteidigung, deren mangelnde Qualität jeder sieht, außer denen, die die Verantwortung tragen beim VfB. Ja, so steigt der VfB ab. Mit einem Kapitän, der unter Führung versteht, vor dem Mikro Statements abzugeben, die regelmäßig Fehleinschätzungen sind und einen Blick in die Denke der Mannschaft erlauben: Sie haben es einfach nicht begriffen, was zu tun ist. Mit einem Mittelfeld-Regisseur, der mit …

Abstiegs-Ghostbusters

abiszet hat Angst. Ute hat Angst. Franky hat Angst. Benjamin hat Angst. Georg Preiß hat Angst. Und wer das Spiel gegen Augsburg gesehen hat, kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass auch die Spieler Angst haben. Ganz Stuttgart hat Angst. Wovor? Natürlich vor dem Abstiegsgespenst. Ich finde, diese kollektive Angst ist völlig unbegründet. Denn, wenn es um Gespenster geht: „Who you gonna call?“ Na klar: Die Abstiegs-Ghostbusters! (An dieser Stelle bitte an die Titelmelodie denken. Nänänänänänä!) Was wir jetzt brauchen, ist eine geniale Idee von Robin Dutt. So wie in der vergangenen Saison, als er die drei Finalspiele ausrief. Okay, seine neue Schöpfung „Achter-Liga“ ist jetzt nicht ganz so geil, aber besser als nichts. Ich dachte übrigens erst, dass die Achter-Liga nur eine neue Bezeichnung für das Team Marktwert ist, aber das stimmt natürlich nicht. Bestimmt ist es purer Zufall, dass außer Hertha BSC alle Mitglieder des Team Marktwert im Abstiegs-Schlamassel stecken und die zweifelhafte Ehre haben, in der Duttschen Achter-Liga mitspielen zu dürfen. Das Abstiegsgespenst ist genauso wie der riesige Marshmallow-Mann. Es zieht seine Kraft …

Ich habe Angst!

Im Tabellenkeller bricht Feuer aus, doch das macht den VfB nicht heiss. Der findet, Panik sieht bescheuert aus. Auf nen Alarm geben die in Cannstatt nen Scheiss. Wieso? Wir sind doch so gut wie in Sicherheit, stottern Robin Dutt und Jürgen Kramny. Wir brauchen nur noch fünf, vier, drei Punkte, ach, der Abstand zu Frankfurt ist doch sowieso komfortabel. Irgendwer holt uns hier schon raus. Das denken alle hart in der Kabine und schauen auf Christian Gentner, der auf Schorsch Niedermeier blickt, der auf Daniel Schwaab zeigt, der dann Daniel Didavi umarmt. Der wehrt ab und wedelt mit seinem Wolfsburg-Vertrag rum. „Verantwortung? Ich? Kann das nicht jemand anders machen?“ Das steht in allen Gesichtern. Ich kann es sehen. Immer nur den Shit zu sehen, geht schnell. Aber das Schlechte beim VfB ist unübersehbar. Jeder muss es im Verein erkennen, denn es befindet sich auf allen Ebenen. Seit Jahren. Und alle schauen zu. It’s a scary movie. Ich habe Angst. Dass die in der Mercedes Straße nicht sehen wie die Sonne untergeht. Die sitzen da, ohne …

Eine schrecklich nette Familie

1:3 gegen antiseptische Bayern, ein gutes Ergebnis, da sind sich alle einig. Nicht abgeschossen worden zu sein, ist die beste Nachricht in einer Woche, in der der VfB einen Negativrekord nach dem anderen aufstellt. Eigentore, Abseitsstellungen, Passquoten, Niederlagen gegen Bayern, naive Vertragsgestaltungen, Selbstzufriedenheit, lachhafte Gedankenspiele über mögliche Neuzugänge für die nächste Saison. „Wir haben gut gespielt, mit unserer Leistung können wir zufrieden sein“, ja Herr Schwaab, da haben Sie sich mal wieder selbst entlarvt. Bequem ist der VfB. Nicht nur, dass Tore im Sitzen geschossen werden, schon mit einem 2:2 gegen Darmstadt und einem 1:3 gegen München ist der Verein zufrieden. Schließlich brauche man nur noch fünf Punkte in den letzten fünf Spielen, wie Trainer Jürgen Kramny ausrechnete als wolle er damit sagen: „Ruhig Leute, ersma‘ chillen, alles cool.“ Bayern Münchens Spiel wirkt sedierend auf alle. Im Mittelfeld passt der biedere Architekt Xabi Alonso seine Bälle weit und hoch und akkurat mit Geodreieck und Zirkel an seine Nebenleute. Pass folgt auf Pass folgt auf Pass, quer, vor, zurück, zwischen und hinter die beiden Abwehrketten des …

Die große Rückrunden-Vorschau

Pep Guardiola muss vor Saisonende gehen, Daniel Ginczek feiert ein wichtiges Comeback, Lord Hlousek wird Maskottchen, Jürgen Kramny sitzt auch am 34. Spieltag auf der VfB-Bank und Kevin Großkreutz fährt zur EM. Wir wissen, wie die Rückrunde läuft.  18. Spieltag Zum Rückrundenstart hat der VfB keinen neuen Innenverteidiger, nachdem Kandidaten wie Gouweleeuw, Romagnoli, Djilobodji und Wimmer zu Mondpreisen (siehe hier) von den direkten Konkurrenten Augsburg, Bremen, Hannover und Hoffenheim verpflichtet werden. Anstatt dessen spielt Kevin Großkreutz rechter Verteidiger. Das macht die Abwehr leider nicht stabiler, der VfB verliert gegen Köln mit 1:0. Wenn es so etwas wie gute Stimmung in Stuttgart gab, dann ist sie jetzt wie weggeblasen. Der HSV geht zum Rückrundenauftakt mit 2:9 gegen Bayern unter. Manche HSV-Fans fragen sich, ob es stimmt, dass Bruno Labbadia als Trainer nur ein halbes Jahr funktioniert. Der FC Bayern München steuert einen knüppelharten Erfolgskurs, alles wird dem „Triple oder nix“ untergeordnet. Manuel Neuer beklagt sich über die kalte Atmosphäre an der Säbener Straße, „Pep Guardiola hat mich noch nie in den Arm genommen!“. In Wolfsburg sitzt …

Everybody’s Darling

Alle haben sich in Jürgen Kramny verliebt: Zunächst einmal sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss, der ihn während des Wolfsburg-Spiels sicher 50 Mal zum neuen VfB-Cheftrainer macht und sich vor Begeisterung regelrecht überschlug. Die Stuttgarter Medien haben sich auch in Kramny verguckt; stärken sie ihm den Rücken, weil er so ein angenehmer und zurückhaltender Gesprächspartner und damit also das genaue Gegenteil von Alexander Zorniger ist? Robin Dutt ist natürlich auch schwer verliebt, nimmt ihm Kramny doch die Entscheidung ab, wer neuer Trainer werden soll. Das Zaudern und die Angst vor einer Entscheidung haben sich also für Sportvorstand gelohnt. Der Ablauf der Trainersuche wirft kein besonders gutes Licht auf Dutt, auch wenn er verbal stets überzeugend auftritt, eine gewisse Hilflosigkeit ist ihm nicht abzusprechen. Schließlich muss ich zugeben, auch ein wenig verschossen in den neuen VfB-Trainer zu sein. Mir hats sein Grinsen angetan nach dem 3:1, es war so voller Stolz. So schauen Väter, wenn ihre Kinder zum ersten Mal aufs Klo gegangen sind statt in die Windel zu machen. Und seine Augen: Sie sind groß und strahlen wie bei …