Alle Artikel mit dem Schlagwort: Sven Ulreich

Ulle, der Middleclass-Hero!

Viele hielten Sven Ulreichs Wechsel zum FC Bayern München vor gut zwei Jahren für einen cleveren Move: Schön ohne Verantwortung auf der Ersatzbank gemütlich machen, Manuel Neuer zugucken, ein fürstliches Gehalt einsacken und ein paar Titel auf die Autogrammkarte schreiben. Läuft! Andere warfen ihm vor, total unambitioniert zu sein und mit 27 in Rente zu gehen. Und was passiert? Ulle spielt Champions League! Und nicht gegen Sputnik Baku im letzten, unbedeutenden Gruppenspiel, sondern gegen Paris St. Germain. Neymar. Mbappé. Cavani. Verrati. Dani Alves. Ein cooles Ding. Eigentlich. Wenn Ulle nicht die Bälle um die Ohren geflogen wären. Wenn er nicht ein solider Mittelklassetorhüter wäre, sondern ein erfahrener Champions League-Goalie. Viele hielten Timo Werners Wechsel zu Red Bull Leipzig vorletzte Saison für einen cleveren Move: Neue Umgebung, weg von Mobbing und Häme des Heimatvereins, dazu ein Spielsystem, wie auf ihn zugeschnitten. In Leipzig wurde er Nationalspieler, viele bezeichnen ihn als derzeit besten deutschen Stürmer. Läuft! Und was passiert? Werner trifft auf Ulle. Im entscheidenden Elfer beim Pokal-Zweitrundenspiel. Wie früher beim VfB, wenn nach dem Training noch …

Der Anti-Ulle

Der VfB war schon immer mutig in der Besetzung seines Trainerpostens. Jürgen Sundermann, Helmut Benthaus, Otto Baric, Jogi Löw, Winnie Schäfer, Giovanni Trapattoni, Armin Veh, Thomas Schneider, Alexander Zorniger, Jürgen Kramny. Wobei man durchaus fragen muss, ob nicht mehr Verzweiflung als Mut zur einen oder anderen Trainerentscheidung führte. Dennoch wurden dabei einige Erfolge gefeiert (Sundermann, Benthaus, Löw, Veh 2007). Von daher sollten wir die Verpflichtung von Hannes Wolf nicht zu hart feiern, auch wenn er frisch, dynamisch und modern rüber kommt. Dennoch ist die Sensucht sehr groß, dass er für den VfB das wird, was Thomas Tuchel für Mainz wurde. Der VfB hat auch schon immer gute Torhüter gehabt. Karl Bögelein, Günter Sawitzki, Gerhard Heinze, Helmut Roleder, Eike Immel, Timo Hildebrand, Jens Lehmann. Nach vielen Jahren der Unsicherheit in der Kischte, kann man wieder sagen: „Keine Sorge, wir spielen mit Torhüter“, wenn mal wieder eine scharfe Flanke in den Strafraum fliegt. „No worries“ also, seit der Australier Mitch Langerak im Tor des VfB steht. Er ist kein cheaper Linientorwart, der mit spektakulären Flugeinlagen und beeindruckenden …

Unsere 11 Highlights der Hinrunde 2015

Was wäre das Jahr ohne die Flut entsprechender Rückblicke? Auch wir schauen zurück: mit elf ganz persönlichen, kaum mehrheitsfähigen Highlights, die viele wahrscheinlich nicht auf dem Zettel haben. Das neue Trikot des VfB Es blieb das einzige Highlight des VfB in der Hinrunde. Wenn man von einem gegen Ende der Hinserie überzeugenden Lukas Rupp absieht. Sven Ulreich Ja, ja, Rente mit 26. Aber betrachten wir es doch mal nüchtern. Er spielt zum ersten Mal seit Jahren nicht gegen den Abstieg. Es wird nicht über ihn diskutiert. Er trainiert mit dem besten Keeper der Welt. Er hatte einen überragenden Auftritt in der Champions League. Er wird sicher deutscher Meister, wahrscheinlich Pokalsieger und vielleicht Champions League Gewinner. Triple-Ulle: Haters gonna hate. Pep Guardiolas Abschied Ganz ehrlich: Wir sind froh, dass er bald wieder weg ist. Guardiola hat dafür gesorgt, dass die Bayern die Liga absolut beherrschen, aber international keinen Blumentopf gewinnen. Dazu diese variablen Systeme, die nervige Dauerrotation und ein Fußball, den außer ihm nur Philip Lahm und Oli Fritsch verstehen (siehe hier und hier). Wir Fußball-Neandertaler zählen schon die …

Der VfB gewinnt in München, weil …

Die letzten 12 Bundesligaspiele hat der VfB gegen Bayern München verloren, es ist nur noch die Frage, wie hoch der VfB am Samstag verlieren wird. Der Einzige, der sich gegen eine Niederlage stemmen will, ist Alexander Zorniger, der nach zwei Heimsiegen in Folge Oberwasser hat und den Mund voll nimmt: „Wir können auch Sachen, die den Bayern weh tun“. Das wäre erstaunlich, war doch in den letzten Spielen gegen München stets die Angst der beste Freund der Stuttgarter. Ich habe mir auch meine Gedanken gemacht, wie das Spiel so laufen wird und das geht so: Pep Guardiola ist in seiner Aufstellung immer für eine Überraschung gut und gönnt Sven Ulreich sein erstes Bundesliga-Spiel im Bayern-Trikot: „Er hat super-super trainiert, ich liebe seine Abschläge!“ Die VfB-Fans haben eine Choreo vorbereitet und begrüßen ihn mit blau-weissen Schildern mit der Aufschrift „Rente mit 27“ und werfen Falschgeld aufs Feld. Nach nur einem Tor in den letzten drei Bundesligaspielen wird Robert Lewandowski auf die Tribüne verbannt: Mit „Tore oder nix!“ begründet Guardiola die Nichtberücksichtigung. Thomas Müller hat im Angriff …

Unsere große Bundesliga-Vorschau

Ulreich steht überraschend im Bayern-Tor, Daniel & Daniel schaffen es in die Nationalmannschaft, Volksmusik im „Aktuellen Sportstudio“ und es fällt das erste Bart-Tor in der Bundesliga-Geschichte. Ein paar tollkühne Prognosen zur neuen Saison. 1. Spieltag Pep Guardiola überrascht vor dem ersten Spieltag mit der Aussage: „Abklatschen lassen is‘ super-super!“ und entdeckt in den Fangproblemen des neu verpflichteten Sven Ulreich eine besondere Qualität. In dem der Ex-Stuttgarter die Bälle nach vorne abprallen lässt, mache er das Spiel der Bayern schneller, so der spanische Meistertrainer. Deshalb steht überraschend Ulreich statt Manuel Neuer zum Saisonstart im Tor. Aber Ulreich und Abwehr sind noch nicht eingespielt und der HSV geht nach einem Abpraller Ulreichs durch Sven Schipplock in Führung. Bayern schießt in der Folge 54x aufs Tor, aber sowohl ein Elfmeter als auch zwei reguläre Tore werden nicht gegeben. Alle sprechen bereits vom HSV-Dusel bis Joshua Kimmich in der 92. und Douglas Costa in der 97. Minute das Spiel drehen. Das Spiel des VfB ist so wild wie von Trainer Zorniger angekündigt. Das chronisch abschlussschwache Köln trifft zweimal in …

Troy, so vereins-troy!

Let’s talk about Vereinstreue: In Stuttgart ist man troy, so troy: Die Fantastischen Vier findet man in deren Rentenalter noch ganz ok und man geht auch noch mit über 40 in den Perkins Park und die Boa. „Bisch oimol beim Doimler, haschs g’schafft“, hat mein Vater mir mal vor langer, langer Zeit gesagt und heute verstehe ich ihn: 13 und mehr Monatsgehälter, Urlaub hat man in Möhringen und Untertürkheim auch nicht wenig, überraschende Prämien, weil es dem Daimler gut geht, 35-Stunden-Woche, Konfirmationsgeld und immer den neusten Karren vor dem Haus. Warum soll man da weggehen? Komfortabel war es lange Jahre beim VfB, wenn man alles so glaubt, was man zum Thema Leistungskultur, Jahresgehälter und Wohlfühl-Atmosphäre beim Verein so liest. Die Vereinstreue finden die Stuttgarter Fans bei Spielern wie Koka Rausch, Vedad Ibisevic, Adam Hlousek nicht so prall, obwohl sich diese Spieler außer durchaus diskutablen Leistungen nichts zu Schulden kommen ließen. Nicht mal zu schnell gefahren sind sie. Bei einem Verein zu bleiben, hat aber nicht immer nur finanzielle Gründe. Wie beim Doimler auch. Einmal Daimler, immer …

„Das wird schon, meen Jong’!“

Nach vier Minuten, das erste Bier war eigentlich erst halb getrunken, schien alles vorbei. Paderborn trifft mit dem ersten Torschuss, der VfB ist abgestiegen. Wie es wohl meinem Vater geht, der mit meiner Mutter und meinem Freund Thomas in einer Kneipe das Spiel verfolgt? Mein Vater hat schon alles gesehen, er hat Robert Schlienz erlebt, er war 1976 mit anderen 1.999 Zuschauern beim 2:3 gegen Reutlingen im Neckarstadion dabei, er saß neben mir beim 2:1 gegen Manchester United. Ich sehe ihn jetzt vor mir, wie er im Ski-Club von Bad Cannstatt kopfschüttelnd in sein Glas Trollinger schaut. Ich bin äußerlich so ruhig wie der Neckar, der ahnungslos hinter der Kneipe vor sich hinschwappt. Ich würde gerne am Ufer sitzen, ein Bier in der Hand und nur auf das sanfte Hin und Her starren. Gluck-Gluck und dazwischen ein bisschen Vögelgezwitscher und die schweren Schritte eines Joggers. Mein Puls geht im Sitzen genau so hoch wie beim Joggen. Da hilft auch das 1:1 nicht. Die Aufregung ist nicht nur für meinen Vater nix. So richtig lachen konnte …

VfB vs. HSV: Thrilla im Kella

VfB gegen HSV. Das Jahrhundertspiel. Die Mutter aller Abstiegsduelle. Total epic game. Sieg oder Sarg. Thriumph oder Tränen. Held oder Hanswurst. Ex oder Arschloch. Klar, es kommt noch das allerletzte Spiel, aber gegen Hamburg werden die Weichen gestellt. Wir machen den großen Head-to-Head-Vergleich. Pro Duell gibt es einen Punkt. Wenn kein direktes Duell auf dem Platz ersichtlich ist, haben wir positionsgetreu verglichen. Die Ergebnisse werden direkt nach dem Spielervergleich addiert. Huub Stevens gegen Bruno Labbadia Huub Stevens ist der Noel Gallagher der Bundesliga: Obwohl seine beste Zeit vorbei ist, gilt er als unumstrittene Instanz in der Szene. Tendenziell schlecht gelaunt, scheut er sich nicht davor, unangenehme Wahrheiten unverblümt auszusprechen. Und wenn das nicht reicht, kann er gucken wie Jack Nicholson. Damit hat der Holländer sein Team auf der Zielgeraden wieder in Form gebracht, schweißte es zusammen und sortierte Leitner, Hlousek, Ibisevic aus. Motivieren, heiß machen, Optimismus predigen, das ist der Labbadia-Style. Der Ex-Trainer des VfB kann Teams innnerhalb kürzester Zeit stabilisieren und nach vorne pushen. Und Bruno hat das Glück zurück nach Hamburg gebracht. Ob …

Ist das die Wand, gegen die Huub Stevens sprach?

Halbzeitpause beim Spiel VfB gegen Freiburg. 2:0 durch Martin Harnik und Daniel Ginczek, dessen Trefferquote fast schon unheimlich wird. Nicht alles war perfekt in der ersten Halbzeit, aber Freiburg insgesamt chancenlos und spürbar gefrustet nach den beiden Toren. Gute Stimmung in der Mannschaftskabine des VfB, nur strahlende Gesichter, es wird sich abgeklatscht, die Fäuste geballt, „Läuft“ brüllt einer, ein anderer will sogar auf seinem iPhone „We are the Champions“ spielen lassen, kassiert aber einen bösen Blick von Trainer Huub Stevens. Ganz offensichtlich geht es nur noch um die Höhe des Sieges. Wie bei den Fans, die jetzt fordern, etwas für Torverhältnis zu tun. „Määnneeer-ch“, schnarrt Stevens und verschafft sich Ruhe in der Kabine. „Das war gut, aber das reicht noch nicht!“ Huub schaut in die Runde und prüft, ob einer denkt „Der Alte schon wieder“. Einige schauen ihm wach ins Gesicht, anderen trinken Ensinger, viele Gesichter sind dem Boden zugewandt, scheinbar konzentriert. „Wir-ch müssen sofort nachlegen! Sofort!“ Stevens haut mit der Faust auf die Physiobank, so dass Ersatzspieler Timo Werner einige Salben Mobilat um die …

Ist der VfB wieder die schnellste Schnecke?

Didi Hamann mag Huub Stevens. Christoph Metzelder respektiert Huub Stevens. Lothar Matthäus glaubt an Huub Stevens. Ich bewundere Huub Stevens. Wie er nach außen immer ruhig bleibt, stets lobt, nie verzweifelt ist, immer das Positive sieht, das ist außergewöhnlich. Ich könnte das nicht. Klar, I’m a natural born Bruddler, aber wie kann man bei dem Spiel des VfB ruhig bleiben? Da spielt das Team nicht zum ersten Mal richtig gut (mit), hat sich Punkte verdient, nur um sich dann die Tore selbst einzuschenken. Und Huub? Er lenkt den Blick auf die guten Seiten des Spiels, versucht seine Spieler aufzubauen, redet sie stark und pusht sie weiter nach vorne. Mir fällt es immer schwerer, die positiven Dinge zu sehen. Zu oft habe ich Spiele wie gegen den FC Augsburg gesehen, in denen gepunktet werden muss. Zu oft war ich frustriert nach 90 Minuten. Es gibt ja nicht wenige, die glauben, dass der Huub Stevens beim VfB gar nicht der echte Huub Stevens ist. Beim VfB steht die Null so gut wie nie und im Umgang mit …