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Brauch’sch was?

What goes, Stuttgart? Ich will die Hände sehen! Und der Oberbürgermeister Fritz Kuhn (by the way: Alles Gute zum 60sten, Fritzi!) ist dabei und streckt sich. Die Stadt luchst Investoren die denkmalgeschützte Villa Berg wieder ab, sie schaut zu wie die Hip-Hop-Open sterben und Bayern-Fan Kuhn fühlt sich dazu berufen, via Pressemitteliung zu betonen, dass die „Tatort“-Farce zu S21 nicht der Wahrheit entspräche – und warum? Weil sie so realistisch wirkte und es genauso sein könnte. Und genauso stelle ich mir auch das Transferbusiness vor. Geschäftlemacher, Kick-back-Jäger, ambitionierte Verwandte als Karriereplaner, Spielerberater mit Knastvergangenheit, Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Gegengeschäfte wie bei der Villa Berg: Gib‘ Du mir die Villa zurück und ich gebe Dir dafür ein Grundstück im Stuttgarter Osten, mit dem Du Millionen machen kannst. „Nimm Du mir den Rupp ab, dann besorg ich Dir nen Innenverteidiger“, oder so ähnlich. So läufts Business, raunt man sich zu und es ist immer gut, wenn man jemand kennt, der jemand kennt.

Mittendrin ist Robin Dutt. Er kennt von seinen früheren Stationen viele und noch viel mehr kennen ihn. Oder behaupten es zumindest. Von diesen Leuten erhält er täglich Demo-DVDs von unbekannten südamerikanischen Spielern. Die sichtet ein Prakti, das letzte Mal hat das 2001 halbwegs funktioniert bei Adhemar. Ein bisschen mehr Professionalität würde ich mir wünschen. Zum Beispiel so:

Die Numbercruncher
Alle Ligen, alle Spieler, eine Riesenfleißarbeit, alles eingepflegt in eine Monster-Excel-Tabelle, die ständig abstürzt, unhandlich ist und die Formeln und Pivot-Verweise versteht keine Sau. Macht das eigentlich jemand ausser der Spielverlagerung (siehe zB hier)? Die Auswertung von Opta-Daten und sonstigen Datenbanken mit Zweikampfwerten, Laufdistanzen, Sprints, Torschüsse, Flanken, Torschüsse, Torvorlagen, Alter, Marktwert, Schulbildung, Erziehung, Beruf des Vaters? So strukturiert stelle ich mir das jedenfalls vor. Je nach dem, an welchen Parametern geschraubt wird (aus einer der 5 großen Ligen, unter 25, Marktwert unter 3 Mio, Zweikampfwert positiv), kommen am Ende positionsbezogen ganz automatisch die richtigen Spieler heraus. Die werden dann näher betrachtet, die Persönlichkeit ausgecheckt und ausgewählt nach einem Assesement Center.

Macht wenig Spaß, oder? Deshalb macht es niemand. Auch persönlich bringt es einen kaum weiter, man kommt nicht raus, bekommt eine ungesunde Gesichtsfarbe. Passt nicht zu Robin. Was kann er sonst noch unternehmen?

The Big Shit
Das sind die ganz großen Nummern ab 15 Millionen, Sergio Ramos, Douglas Costa, Raheem Sterling, Heiko Westermann. In der Kategorie wird der VfB in etwa so wahrgenommen, wie wenn Die Orsons im Vorprogramm von U2 in Dublin auftreten würden: Kopfschütteln everywhere. Das hat sich schon 2007 und 2009 gezeigt, dass der VfB nicht ernst genommen wird, obwohl er zu diesem Zeitpunkt flüssig und in der Champions League war. Gehen wir einen Schritt zurück:

Cleverle
Aus dem Großraum Stuttgart, oft sind es Quereinsteiger, die sich zunächst mit kulturellen Objekten einen Namen gemacht haben. Cheers! Manchmal ist es aber lediglich ein Gastronom und Ehegatte einer weitgehend talentfreien, aber extrem erfolgreichen Volkssängerin. Manchmal hat man den Eindruck, dieser Spielerberater nimmt die Texte seiner Frau Andrea Berg allzu ernst „Du hast mich tausenmal belogen“. Oder ist das gar ein Geschäftsprinzip?

Fliegende Händler
Ein Unterhändler, der aussieht wie ein Medizinball, gesendet von jemand wie Felix Magath, der sich mit einem schwunghaften Handel überalterter und überforderter iranischer und griechischer Spieler selbständig gemacht hat. Er warnt aber davor, zu lange zu warten, einige Akteure werden auch dem 1860 München angeboten.

Die Karriere-Planer
Sara Fiduca, sie sieht aus wie die Sis‘ von Sophie Hunger, wartet auf Robin Dutt und trinkt einen Schluck Kaffee aus einem Pappbecher. Sie beobachtet die sommerlich gestylten Menschen am Schlossplatz. Es kommt ihr so vor, als ob sie das zum ersten Mal sieht, sie hat kaum bemerkt, dass schon wieder Sommer ist. Ihre Haare, die einmal wieder eine Lotion verdient gehabt hätten, sind zu einem strengen Zopf zusammen gebunden, sie ist ungeschminkt und trotzdem gibt es nicht wenige, die sie für eine der schönsten Frauen halten, die sie je gesehen haben. In ihren Augen kann man schwimmen, so klar und blau sind sie. Das ist auch ein Grund für ihren Erfolg. Ihr vertrauen Spieler wie Vereine, sie spielt stets mit offenen Karten. Vorstellungen werden gerade heraus adressiert, Gespräche auf Augenhöhe, … hey, gibt es das wirklich? Sorry, die Phantasie ist mit mir durchgegangen. Irgendwie scheint heut‘ die Sonne, irgendwie ist immer ein schöner Tag, zuletzt am 34. Spieltag. Dann doch eher realistisch:

Zwielichte Gestalten
Um ein bisschen den Kopf frei zu bekommen, könnte Robin Dutt Donnerstags zum Lunch Cannstatt den Rücken kehren und in die Bottega Marcassolis in den Stuttgarter Osten gehen. Giovannis kleines Restaurant direkt an einer Ecke, wo es steil rauf geht. Ein Bild, das Dutt gefällt. Hier isst er Spinatknödel aus Meran und dazu ein Fläschle Birra Moretti. „Hey, …, ks, …“, hört Dutt hinter sich. Es raschelt, ein verschwitzter Kopf mit speckigem Hut und gelber Sonnenbrille taucht hinter einem Zigarettenautomaten auf. „Brauch’sch was?“, fragt die heisere Stimme von Ferry von Rohr. Ein Spielerberater, dessen großes Vorbild Ridley Ferundula ist. Aber dabei ist er nur ein fliegender Händler, der immer neue Spieler feil bietet. Teilweise auch Spieler, die er gar nicht vertritt. Dutt versucht, von Rohr zu ignorieren, oberwohl er einen Außenverteidiger und bald auch einen Innenverteidiger braucht. Ferry setzt sich einfach an den Tisch, nimmt sich einen Schluck Moretti und öffnet sein Sakko. Im Futter präsentiert er seine Schützlinge aus der zweiten italienischen Liga, aus Belgien, aus den Niederungen der Premier League. Dutt winkt ab, er hat einen Plan.

Dutt will frei nach Tocotronic „Im Blick zurück entstehen die Dinge. Im Blick nach vorne entsteht das Glück“ einen Umbruch bewerkstelligen und ich hoffe nicht, dass er damit meint, für die sowieso aussortierten Abdellaoue, Ibisevic, Rausch und Hlousek Abnehmer finden zu wollen. Es geht doch vielmehr darum, die Struktur der Mannschaft zu verändern. Es ist nicht damit getan, Sven Ulreich nach München zu verkaufen.

Es gibt viele, die die beiden neuen Keeper Mitch Langerak und Pep Tyton für weniger gut halten als Ulreich, aber keiner weiß es. Sicher ist aber, dass Personalien wie Niedermeier und Schwaab angegangen werden müssen, dass das Didavi-Maxim-Paradoxon geklärt werden muss und dass bei der Außenverteidigung steil gegangen werden sollte. Robin Dutt würde mir gegenüber sicher dementieren, dass er im Transfermarkt mit einem der oben beschriebenen Player zusammen arbeitet. Wirklich Licht bringt Ronald Reng in die Szene mit seinem Buch „Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts“. Ich freue mich drauf. Auch auf die nächsten Aktivitäten von Dutt. What goes, Robin?

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