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VfB 2016 und VfB 2017: Same, same, but different?!

Euphorie zum Anfang der Rückrunde? Ja, das können wir. Köln, HSV, Frankfurt, Berlin – alles Siege Anfang 2016. Nicht immer souverän, aber was soll’s. Und jetzt: Siege gegen St. Pauli, Düsseldorf, Sandhausen und Heidenheim. Nicht immer souverän, aber was soll’s. Letzte Saison folgte ab der Heimniederlage gegen Hannover ein beispielloser Abwärtstrend – müssen wir damit wieder rechnen?

Beim VfB ist alles möglich und wir müssten misstrauisch sein. Ich leg’ mal mein Ohr auf die Schienen der Geschichte: Robin Dutt gefiel uns mit seiner legendären Fuckyou-Pressekonferenz und auch Thomas Schneider, weil wir mal einen jungen Trainer aus dem eigenen Stall haben wollten. Alex Zorniger gefiel, weil er so schön schwäbisch sprach und Jos Luhukay, weil er Mr. Aufstiegs-Spezialist ist. Alles bittere Enttäuschungen.

Wenn ich mir das Scheibenschießen am Ende der Spiele gegen Sandhausen und Heidenheim anschaue, dann müssen wir skeptisch sein. Klar, haben sich Spieler und Keeper in die Schüsse geworfen, aber wäre es nicht besser gewesen, die Spielkontrolle zu übernehmen gegen Gegner, denen der VfB überlegen ist? Sollten wir nicht weniger die Leidenschaft und Opferbereitschaft der Mannschaft loben als vielmehr die mangelnde Souveränität kritisieren in den Schlussphasen der Partien? War es nicht einfach großes Glück, dass aus den ersten vier Spielen 12 statt auch durchaus denkbaren sechs Punkten geholt wurden?

Ich schließe die Augen vor all diesen Fragen, weil es schwer ist, die Zweifel auf den Schultern zu tragen – und mal ehrlich, der Unterschied zur letzten Saison hat zwei Namen: Hannes Wolf und Slim Shindy. Während der Sport-Vorstand versucht, die Quadratur des Kreises aus kurzfristigem Erfolg und mittelfristiger Planung zu schaffen, coacht Wolf im Gegensatz zu Jürgen Kramny aktiv und weiß was er tut. Er macht das Team von hinten wie von vorn aufstiegstauglich, seine (An)Sprache besteht nicht nur aus Phrasen, seine Statements eignen sich für Tattoos: „Definiere Dich über Arbeit, nur dann bringt Dein Talent etwas.“ #BestUnterarmTattooEver

Für Wolf ist Fußball mehr als ein Spiel, ich mag seinen Stil: Er stellt niemals sich selbst in den Vordergrund, steht dort aber dann doch mit seiner bescheidenen Art. Er ist ein hibbeliger Typ, der den Spielern die Bequemlichkeit austreibt. Er kann ernsthaft sein und humorvoll, nachdenklich sein und wirkt wie ein Spielerversteher, trifft aber die harten Entscheidungen unaufgeregt, wenn er Spieler wie Maxim, Özcan, Hosogai oder Klein nicht einmal in den Kader beruft. Während letzte Saison auch die Schlechtleister von Kramny immer wieder mit einem Startelf-Einsatz belohnt wurden, gibts diese Saison enormen Konkurrenzdruck, wobei die Neuzugänge Ebbo Ofori und Jérôme Onguéné noch gar keine Rolle spielten. Und doch scheint sich so etwas wie ein Freundeskreis im Team zu bilden. Nicht nur Simon Terodde ist stolz, Teil dieses Teams zu sein und wer gesehen hat, wie die gesamte Mannschaft den Sieg in Heidenheim hart gefeiert hat, für den stand die Zeit still.

Was zählt ist, wenn der Vorhang fällt und die Stabilität von Mannschaft, Trainerteam und Sport-Vorstand zeigt sich erst, wenn es (wieder) Rückschläge gibt. Hannes Wolf hat nach Dresden und Würzburg bewiesen, dass er damit umgehen kann, so dass wir am Ende der Saison nicht down sind.

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6 Kommentare

  1. Wolfgang sagt

    Sandhausen hatte außer dem Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich noch genau eine weitere Chance durch Sukuta-Pasu. Der VfB hatte vier, fünf Chancen. Der Sieg war also verdient. Und Heidenheim hatte lediglich die fünf Minuten Drangphase, als es mehrere Ecken gab. Der VfB war 75 Minuten lang die dominierende Mannschaft. Auch dieser Sieg war also verdient, wenn auch etwas glücklich.

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