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Tausend Tränen tief

Enttäuscht, resigniert, verbittert, wütend, müde, traurig, entsetzt, hoffnungsvoll, melancholisch, erleichtert, fassungslos – kann man das alles gleichzeitig fühlen? Es fühlt sich jedenfalls scheiße an. Ich hatte eine Woche Zeit, mich auf den Abstieg vorzubereiten. Aber er trifft mich doch mit einer unerwarteten Wucht. Der Abstieg kam in der Nacht und hielt mich umschlungen, ich bin erwacht und er war immer noch da. So wird das jetzt lange gehen.

Ich bin wütend!
Der Abstieg ist so unnötig. Die erste Liga wurde hergeschenkt nach dem Hoffenheim-Sieg: Ein frappierender Spannungsabfall im gesamten Verein, der über neun Spiele von keinem der Verantwortlichen gebremst werden konnte. Nicht gehandelt zu haben, sich nicht mit allem gegen den Abstieg gewehrt zu haben wie Bremen und Frankfurt, ist das wahre Versagen von Bernd Wahler, Robin Dutt, Jürgen Kramny und der Mannschaft. Wer ernsthaft überlegt, mit Dutt und Wahler weiter zu arbeiten, schadet dem Verein.

Ich fasse es nicht!
Hätte Dutt in den Wochen zuvor so gekämpft wie in der letzten Woche um seinen Job, dann wäre der VfB nicht abgestiegen. Wenn Dutt so engagiert nach einem tauglichen Innenverteidiger gesucht hätte, wie er PR in eigener Sache gemacht hat, dann hätte der VfB nicht die absurde Anzahl von 75 Gegentoren bekommen. Und ist es wirklich eine gute Nachricht, dass der Kapitän, sympathisch zwar, der mit seinem farblosen Führungsstil maßgeblich am Abstieg beteiligt ist, mit in die zweite Liga geht?

Ich bin verzweifelt!
Die Aussichten sind verheerend: Ein Gremium ohne Sportkompetenz entscheidet über die sportliche Führung, die über kaum mehr Kompetenz verfügt. Bleibt Dutt, bleibt der VfB auf Jahre in Liga zwei. Muss Dutt gehen, bleibt der VfB ebenfalls langfristig zweitklassig. Denn wie und wie schnell kann ein sportlich nicht kompetenter Aufsichtsrat eine neue Sportführung finden?

Ich habe resigniert!
Was nützt es uns, uns die zweite Liga mit interessanten Derby und schönen Traditionsduellen gegen 1860, Bochum, St. Pauli, Duisburg und Bielefeld schön zu reden? Der VfB verliert über Jahre an fußballerischer Relevanz. Und warum? Weil im Verein am falschen Ende gespart wurde. Vor allem an der Sportkompetenz. Stets verantwortete immer nur eine Person den sportlichen Bereich: Horst Heldt, Fredi Bobic und Robin Dutt. Um sie herum ahnungslose Honorationen aus der Wirtschaft. Wenn der VfB diese unsägliche Monokultur im Sportmanagement nicht beendet und statt Dutt wieder nur einen starken Mann fürs Sportmanagement installiert, wird sich nichts ändern.

Ich bin hoffnungsvoll!
Jetzt entscheidet sich die Zukunft des Vereins. Die wichtigsten Personalentscheidungen der letzten Jahrzehnte müssen getroffen werden. Vorstand, Sport-Management, Trainer, Kaderzusammenstellung. Schlechter kann es kaum noch werden. Ein Abstieg öffnet die Augen. Was schief lief, was nicht nochmal vorkommen darf. Zum Beispiel, eine komplette Saison ohne bundesligatauglichen Innenverteidiger zu verbringen. Keinen Ersatz für einen Sechser wie Serey Dié verpflichtet zu haben, keinen echten Back-up für Daniel Ginczek im Kader zu haben. Die Fehler Dutts sind so offensichtlich, dass gerade erfolgreiche Führungskräfte bei Mercedes, Würth und Kärcher dies erkennen. Es kann nicht im Interesse dieser erstklassigen Unternehmen sein, dass der VfB zweitklassig ist.

Der VfB ist ein Teil von mir und ich bin ein Teil des VfB. Ich hätte nie gedacht, dass der VfB absteigen wird. Und im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass der Abstieg eine Chance für einen Neuanfang bildet. Aber nur im Fußball kann das Unwirkliche zur Wirklichkeit werden und gleichzeitig die Wirklichkeit bisweilen unwirklich werden.

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12 Kommentare

  1. Chris sagt

    Danke für den Blog. Tut gut, das Leid mit anderen zu teilen. Naja, „Leid“. Es ist Unterhaltung und Nebensache. Aber auch der Spaß kann einem ja verleidet sein.

    Ich spüre nun, wie ganz allmählich der gestrige Tag historisch wird. Der 14..5.2016 wird zur Mauer in meinem Leben. Eine Mauer, die meine Erinnerung an die vielen Erlebnisse in der 1. BL abschneidet. Abschneidet von der Gegenwart. Das, was bisher mein Alltag, mein Eigentum war (= VfB in 1. BL), ist es nun nicht mehr. Als ob ich ein Schiffbrüchiger wäre, von dem sich der Tanker langsam, aber unaufhaltsam entfernt. All die vielen Erlebnisse verschwinden hinter einem Schleier.

    Besser wird es beim Blick voraus. Im Mai zählt der Blick auf die Abschlusstabelle. Im restlichen Jahr geht es um einzelne Spiele. Egal in welcher Liga: ein VfB-Sieg erfreut immer. Ich habe einfach Hoffnung, dass es mehr Siege und damit mehr Freude gibt.

    Aber bitte nicht von sofortigem Wiederaufstieg sprechen. Nur auf das nächste Spiel schauen. Denn die völlig überzogenen Erwartungen sind eine Ursache für den Absturz. Ein Beweis: das Stadion war bei EL-Spielen leer. Das war nicht gut genug. Man wollte CL. Mit dem Spektakel 1. BL an sich wollte man sich auch nicht zufrieden geben. Man war von Fanseite auch undankbar.

    Liebe kennt keine Liga. Ich hoffe darauf, dass wir alle zusammen stehen. Klar hauen alle auf die Chefs ein. Natürlich. Aber wir sollten es sportlich-fair machen. Stil zeigen. VfB für immer, gerade jetzt.

  2. Meines Erachtens ist häufig Zufriedenheit und zu geringe Erwartungen der Grund für Misserfolg. Der VfB muss sich schnellstmöglich von Dutt trennen, den neuen Mann einen neuen Trainer holen lassen und den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen. Eine Saison lassen sich Sponsoren hinhalten. Richtet man sich in Liga 2 erstmal ein, dreht sich die Abwärtsspirale noch schneller.

    Btw: Ich hielt es immer für eine Art Gag, aber es gibt tatsächlich VfB-Fans, die Horst Heldt mit diesem Abstieg in Zusammenhang bringen?! Dazu muss man schon arg verbohrt sein.

  3. max sagt

    „… erfolgreiche Führungskräfte bei Mercedes, Würth und Kärcher dies erkennen.“

    Wieso hofft man in Stuttgart eigentlich immer darauf, dass die Leute aus der Wirtschaft irgendwas zum positiven bewegen könnten?
    Wer waren denn die Präsidenten der letzten Jahre? Wer sitzt denn seit Jahren im Aufsichtsrat?

    So wie es zuletzt lief muss man nicht nur feststellen, dass den Personen aus der regionalen Wirtschaft die Fußballkompetenz fehlt. Man muss sich auch fragen, wie diese Unternehmen so erfolgreich sein können, bei der Menge an Fehlentscheidungen.

    • @abiszet sagt

      @Chris
      Vielen Dank, dass Du uns ebenfalls teilhaben läßt an Deiner Gefühlswelt. Dirk Schümer schrieb in seinem Buch „Gott ist rund“: “ Fußball funktioniert nicht nur beim Sieg. Er führt vor, dass man in Gemeinschaft nach einer Niederlage besser trauern kann, dass man seiner Gefühle in dieser Gemeinschaft Herr wird und so besser mit ihnen leben kann“

      Liebe kennt in der Tat keine Liga, ich wäre dann aber schon lieber in der ersten Liga. Das darf man vom VfB ruhig erwarten. Sportlich-fair und mit Stil, ja, das versuchen wir. Nicht immer gelingt es, denn bei vielen Dingen rund um den Verein kann einem schon der Gaul durchgehen.

      @Herr Wieland
      Herzlichen Dank für Deine Worte. Sehe ich genau so wie Du!

      Zu Hotte Heldt: Er wird in erster Linie mit Fehlern nach der Meisterschaft 2007 in Verbindung gebracht, teure Vertragsverlängerungen und Transfers wie Bastürk, Ewerthon, Gledson, Farnerud, Marica, Pogrebnyak, Schäfer, Simak, Elson, Lanig. Zusammen mit vielen anderen falschen Personalentscheidungen kann man das als Anfang vom Ende sehen.

      Ich hielte jetzt André Breitenreiter nicht für die schlechteste Trainer-Wahl für den VfB, habe ihn eben nur aus der Entfernung wahrgenommen, Du warst da näher dran …

      @Max
      Ich hoffe nicht, dass Wirtschaftsleute richtige sportliche Entscheidungen treffen. Ich hoffe, dass diese Manager aus den besten Unternehmen der Region sich nicht über ein „Sponsoring-Schnäppchen“ beim VfB freuen, sondern dass sie ihre Premium-Marken in der ersten Liga sehen wollen und alles dafür tun, dass dies schnellstens gelingt.

  4. Ron sagt

    Hier ein paar Gedanken, die ich gestern niedergeschrieben habe (und die teilweise durch aktuelle Ereignisse vielleicht auch schon überholt sind).

    Nun ist es also passiert: mein Verein, der VfB Stuttgart 1893 e.V., bei dem ich Mitglied und von dem noch viel länger Fan bin, ist in die zweite Bundesliga abgestiegen. Nicht dass das jetzt überraschend und in letzter Sekunde passiert ist. Abgezeichnet hat sich das schon die letzten Jahre. Auf der einen Seite bin ich traurig, auf der anderen Seite – und diese überwiegt tatsächlich – sehe ich nun die Chance, ein paar Dinge wieder gerade zu rücken.

    Wie üblich in solchen Situationen werden nun wieder Rufe laut, nach denen wahlweise der gesamte Aufsichtsrat, Vorstand und/oder einzelne Personen dieser Organe zurücktreten sollen. Der Präsident soll natürlich auch weg. Und sportlich gesehen müssen natürlich der Trainer und Teile der Mannschaft entlassen werden. Wirklich? So einfach ist das?

    Unbestritten: Es sind Fehler gemacht worden!
    – Die Zusammenstellung des Kaders hat nicht so funktioniert, wie es hätte sein müssen. Einigen wirklich guten Transfers steheh leider auch Totalausfälle gegenüber.
    – Die Jugendarbeit hat in den letzten Jahren an Anziehungskraft und Effektivität verloren. Oder wo sind die vielen jungen Spieler, die früher ein wesentlicher Bestandteil der Mannschaft waren?
    – Die Außenwirkung der Vereinsführung war über die Jahre immer wieder vor allem negativ geprägt. Da wurden Luftschlösser gebaut, Spieler beschimpft oder man tauchte auch einfach mal ganz unter und ließ gar nichts von sich hören. Vielleicht hat man sich im Prozess der Ausgliederung (den ich persönlich als vorbildlich empfinde!) doch zu sehr aufgerieben und etwas die unmittelbar wesentlichen Dinge aus den Augen verloren …
    – Die Mannschaft und das Trainerteam haben insbesondere in den letzten Wochen auf dem Platz einen desolaten Eindruck hinterlassen. Es hat der Wille zum Aufbäumen gefehlt, eine Linie in der Mannschaftsführung und -aufstellung war zunehmend weniger zu erkennen.

    Wie gesagt: Es sind Fehler gemacht worden … Und ganz sicher ist es in der aktuellen Situation schwer zu sehen, wie die bis dato handelnden Personen hier eine Änderung zum Besseren herbeiführen sollen oder ob sie dies können.

    Und doch sind mir die Rufen nach personellen Konsequenzen zu einfach.

    Was der VfB jetzt neben einen nachhaltigen Konzept braucht ist auch ein Stück Kontinuität. Und das kann auch Personen einschließen, die bis jetzt Verantwortung getragen haben. Ich als Mitglied möchte nun ein Konzept sehen, wie die Zeit in der 2. Bundesliga nun möglichst kurz gehalten werden kann. Wie bitte soll es denn funktionieren, wenn erst mal komplett neue Strukturen und Zuständigkeiten geschaffen werden müssen? Wenn jetzt nur neue Gesichter an den Start gehen, die erst mal Zeit zur Einarbeitung brauchen. Zeit die wir nicht haben!

    Wenn Konzepte nachhaltig sein sollen, dann wird sich in aller Regel die Wirkung nicht umfänglich innerhalb weniger Monate einstellen. Das heißt aber nicht, dass erste Ergebnisse nicht auch kurzfristiger sichtbar sein sollten!

    Und ja: Für mich muss die Ausgliederung jetzt erst recht her! Wenn der schnelle Wiederaufstiegt gelingen soll, dann braucht der VfB keine Strukturen für die zweite Liga. Keinen Trainer, der sich mit dieser Spielklasse auskennt – sondern einen, der den Geist der ersten BL lebt und atmet. Das Marketing muss weiter (noch mehr) Gas geben. Die Struktur und Infrastruktur im Verein und um ihn herum muss erstklassig bleiben bzw. wo nötig wieder werden. Und dafür braucht der VfB nun mal Geld. Geld, dass aufgrund des Abstieges nun nicht mehr wie bisher fließen wird (siehe z.B. die TV-Gelder).

    Wass mir übrigens auch gewaltig auf den Nerv geht und ich als kontraproduktiv empfinde, ist die überwiegend negative Presse in Stuttgart (z.B. die Stuttgarter Zeitung). Auch hier wird immer wieder unnötig Unruhe erzeugt!

    Auch wenn der VfB jetzt in der 2. Bundligas spielen wird, so wird dies nichts an meiner Treue zum Verein ändern. Ich werde den Verein immer unterstützen!

    PS Und man sollte auch nie vergessen: Fußball ist nur – wenn vielleicht auch eine der schönsten – Nebensache der Welt. Also immer alles in Relation halten …!

    ‪#‎nurderVfB‬ ‪#‎VfBeinLebenlang‬

  5. Nein, der VfB hat sich nach 2007 eine Profitruppe aufgebaut, die er mit durchschnittlichen Erstligaspielernn oder guten Zweitligaspielern besetzt hat. Und so ist es nun nur folgerichtig, dass der VfB I in der nächsten Saison in der zweiten Liga spielt. Hannover 96 könnte schon einige Spieltage vorher dem Tempo der DFL nicht mehr folgen.
    I’m ersten Gedanken können wir die ganze Schuld den Präsidenten geben. Zumal auch die junge zweite Mannschaft nicht den Abstieg aus der 3. Liga verhungern konnte. Die Nachwuchsarbeit war eines der Aushängeschilder des deutschen Fußball. Hat das wirklich etwas mit dem bösen Retortenverein, den Ditmar Hopp unterstützt zu tun. Nun gut, B- und C-Jugend des VfB sind noch Top. Es ist also davon auszugehen, dass der VfB in der nächsten Saison gute Möglichkeiten hat, um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft mit zu spielen. Fredi Bobic und Robin Dutt haben die VfB DFL-Mannschaft nach besten Wissen und Gewissen aufgebaut. Der Nichtabstieg konnte einige male verhungert werden. Dieses Jahr es jedoch nicht zu verhindern, Die Mannschaft ist eben eine durchschnittliche Bundesligamannschaft. Ich sage: „Jede Bundesligamannschaft hat im Laufe einer Saison mindesten einmal eine Krise. Schlimm ist es, wenn die Krise in den letzten Spieltagen kommt.“
    Und nun ist es gut, wenn ein Neuanfang gestartet wird. Die zweite Liga kann dabei eine große Chance sein. Einige Spieler der DFL Absteiger-Mannschaft werden das Team verlassen und so können die talentiertesten Spieler aus der zweiten- und der A Jugend Mannschaft eingebaut werden.
    Denn wie und wie schnell kann ein sportlich nicht kompetenter Aufsichtsrat eine neue Sportführung finden? Die Sportführung steht nicht auf dem Platz und spielt Fußball. Es stehen die Profisportler und deren Einstellung auf dem Platz. Die horrenden Gehälter, die in diesem Geschäft fließen, können für einige Spieler ein Hemmnis sein. Die ahnungslose Honorationen aus der Wirtschaft ermöglichen es,dass der VfB in der zweiten- bzw. In der DFL spielen kann.
    Die Liga selber? Eine Mannschaft wird erster und eine Mannschaft wird letzter. 41 Jahre konnte sich der VfB dazwischen halten.

  6. Tom sagt

    Ihr habt mich den Abstieg schon Anfang Dezember erkennen lassen. Gestern über Facebookpost gestolpert… Das war kurz bevor Kramny offiziell Trainer wurde. Da stand hier sinngemäß, dass der VfB nur unerfahrene Pfeifen beschäftigt mit Wahler, Dutt, ggf. Kramny bzw. davor Zorniger und dem Scouting. Alles Personen, die in ihrer Funktion noch nie gearbeitet haben oder zumindest noch nie in der ersten Liga.
    Und in diesem Post auf Facebook wurde ich ganz blöd angemacht weil ich dem VfB ein 0:5 gewünscht habe, damit Kramny nicht Trainer wird. Weil Kramny über Jahre hinweg den VfB II schon in den Keller trainierte und ich für die erste Mannschaft dann schwarz sehe. Leider hatte ich da recht.
    Aber insofern kann ich euch gute Arbeit unterstellen. Dieser Post von irgendwann damals hat mich erst soweit denken lassen.
    Was solls. Wahler weg, Kramny ggf. ganz weg oder eben bei der 2. Mannschaft. Dutt hoffentlich auch bald weg.
    Spieler, die sich für die 2. Liga meldeten, sollte man keinem irgendwas garantieren. Außer Großkreutz und Die (falls der überhaupt bleibt).

  7. Schwobapfeil sagt

    Der Auftritt von Dutt in Sport im Dritten, zeigte vor Allem Eines: Der Mann ist unheimlich geschickt. Geschickt darin, mit großer Geste auf Andere zu zeigen, wenn es darum geht Verantwortung zu übernehmen für den Abstieg einer Bundesliga-Institution wie dem VfB. Zugegeben, in dem Punkt hat er zumindest teilweise recht, er war durchaus nicht alleine verantwortlich.
    „Er sei im operativen Geschäft der Einzige, der über Bundesligaerfahrung verfügt“ wies Dutt auf eine weitere Schwachstelle hin, „wir müssen uns überlegen, ob das nicht zu wenig ist“. In der Tat, wenn Dutts Bundesligaerfahrung (als Trainer wohlgemerkt) alles war was wir an Sportkompetenz zur Verfügung hatten, war das verschwindend wenig.
    Geschickt hat er auch darauf hingewiesen, dass jetzt zur neuen Saison dann endlich all die Massnahmen greifen werden, die er initiiert habe um den VfB wieder zu stabilisieren.
    Durch den zuvor erfolgten Rücktritt Wahlers, bleibt dem VfB nämlich nun ja fast zwangsläufig nichts anderes übrig als weiterhin mit Dutt in Amt und Würden zu operieren, um nicht völlig kopflos in die Transferphase und die Vorbereitung zur 2.Liga starten zu müssen.
    Mit ihm, der 1 1/2 Jahre brauchte um nun im März 3 Kaderplaner zu verpflichten, weil er da spontan feststellen musste, dass er das alles nicht alleine schaffen kann? Mit ihm, der das Problem IV beständig herunterspielte und beschönigte? Mit ihm, der in seiner Antrittsrede schon sehr großzügig austeilte und sich hehre Ziele wie einen gesicherten Mittelfeldplatz in der Liga auserkor, aber jetzt offenbar im Angesicht des Scheiterns diesbezüglich an einer partiellen Amnesie leidet?
    Mit ihm, der sowohl Zorniger als auch Kramny zu verantworten hat, die beide auf Ihre Weise krachend gegen die Wand fuhren. Zorniger weil er stur und uneinsichtig seinen Kurs fuhr, Kramny, weil er in der sich immer mehr zuspitzenden Tabellensituation wohl einfach ein zu netter Kerl war, der versucht hat mit Zuckerbrot der Mannschaft neue Reize zu setzen und darüber offenbar vergessen hatte, wo er die Peitsche denn hingeräumt hatte.

    Mein lieber Scholli, nun muss man also zwangsläufig darauf hoffen, dass Dutt doch noch die Kurve bekommt und es wirklich bergauf geht.
    Irgendwie ganz schön viel verlangt von jedem Fan, der gerade noch versucht die Abstiegsschmerzen zu verarbeiten,erst recht wenn man bedenkt wie wenig Herr Dutt hier bisher zum Besseren gewandt hat.

  8. Mucu sagt

    Mir blutet das Herz, …. nur es war doch vorher zusehen. Das Problem sehe ich nicht so sehr bei Dutt. Die Probleme fingen unter Staudt und Heldt an. Und verschlimmerten sich immer mehr. Keiner war in der Lage das Ruder wieder herum zu reißen. Dutt ist gerade mal 1,5 Jahre da. Für mich trägt er Mitschuld, dass keine vernünftige Abwehr zusammen gestellt wurde. Aber sonst?…? Für mich hat er mit Fischkreutz sogar den besten Transfer seit Ewigkeiten beim VfB getätigt. Die Hauptschuld tragen die Amateure auf dem Feld (obwohl das unfair gegenüber denselben ist) und zum Teil der Kramny. Nach Hoffenheim kehrte wieder die Überheblichkeit ein. Hier muss einfach ein Trainer auch mal dazwischen gehen. Bei einem Stevens, Magath oder Daum hätte es das nicht gegeben. Jetzt sollte wirklich ein erfahrener Trainer ans Werk, der auch mal langfristig was verändern kann. Ausser Fischkreutz, Dié, Langerak, Rupp und Ginzek kann man den Rest entsorgen. Schlechter spielen junge Spieler auch nicht und haben mehr Ehrgeiz als ein Harnik, Schwaab usw. Was für mich noch interessant wäre, wo das ganze Geld hingekommen ist. Wenn man sich die Transfers der letzten 5-6 Jahre ansieht dann kommt man locker auf 80 Millionen, eher noch mehr und dazu noch die eingesparten Gehälter. Aber es ist und war nie Geld da.
    Achso gestern kam noch die Meldung, dass Herr Heldt wieder übernehmen könnte. Dann gute Nacht mein VfB. ……

    • @abiszet sagt

      @Ron
      Danke für Deinen Einblick in Deine Gedanken!
      Es ist in der Tat schwierig, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und ja, es ist zunächst einfach, personelle Konsequenzen zu fordern. Aber wie sich Robin Dutt in der Öffentlichkeit darstellt, der Einzige zu sein, der Ahnung hat und gleichzeitig die Verantwortung weitgehend von sich schiebt – das ist mE kaum zu ertragen. Schuld haben alle, nur nicht er. Zu StZ: Hier bin ich anderer Meinung – der VfB wurde Siebzehnter, da darf sich keiner wundern, wenn es Kritik gibt. Und bis heute steht kaum ein kritisches Wort zu Jürgen Kramny in der Zeitung.

      @Ingomar
      „Jede Mannschaft hat im Verlauf der Saison eine Krise“ – na ja, bis auf die kurze Phase zum Ende der Hin-/Anfang der Rückrunde hatte der VfB doch nur Krisen, oder? Ob die zweite Liga eine Chance ist, müssen wir abwarten. Ich bin skeptisch.

      @Tom
      Danke :-) Wir waren sehr sehr kritisch in Bezug auf Kramny, aber natürlich froh, als es Ende der Hin-/Anfang der Rückrunde gute Ergebnisse gab. Dem VfB eine (hohe) Niederlage wünschen, so weit würde ich nicht gehen und der Abstieg kann nun schon als Denkzettel für alle Verantwortlichen bezeichnet werden. Sportlich sind einfach zu viele Fehlentscheidungen getroffen worden.

      @Schwobapfeil
      Sehe ich genau so, der Auftritt Dutts bei „Sport im Dritten“ war unterirdisch. Denn es kommt mir schon so vor, als ob Dutt den Aufsichtsrat erpresst: Wenn Ihr nicht mit mir weiter arbeitet und meine Forderungen (= mein „Konzept“) erfüllt, habt ihr noch ein größeres Problem. In der Tat: Der VfB ist in der Zwickmühle – trennt er sich von Dutt, entsteht ein sportliches Vakuum. Bleibt Dutt im Amt, ist die Gefahr groß, dass er den Verein weiter an die Wand fährt. Nebenbei wird er immer mächtiger, denn wenn er dieses Desaster überlebt, wann soll sich der VfB dann von ihm trennen? In der dritten Liga?

      @Mucu
      Dutt hat es in zwei Transferperioden nicht fertig gebracht, einen einzigen tauglichen Innenverteidiger zu verpflichten. Warum sollten wir ihm jetzt vertrauen, wo es um viel mehr geht? Keine Back-ups für Dié und Ginczek! Massive Fehleinschätzungen auf der Trainerposition. Kann man viel mehr falsch machen in 1,5 Jahren? Ok, er hat uns auch seiner cleveren Kommunikation vor dem Abstieg 2015 gerettet, aber 2016 den Abwärtstrend in neun (!) Spielen nicht gestoppt!

      • Ron sagt

        @abiszet
        Wie Eingangs meines Beitrages geschrieben: Aktuelle Ereignisse werden diese Gedanken sicherlich überholen. ;-) Und dazu gehört zum Beispiel der Auftritt von Robin Dutt am Sonntag Abend, den ich auch ziemlich daneben fand.
        Die Aussage in Bezug auf die StZ beziehe ich nicht nur auf die letzten Tage oder Wochen. Grundsätzlich ist gegen Kritik – insbesondere in der jetzigen Situation – natürlich nichts zu sagen.

  9. Frank sagt

    So ganz will die Sprachlosigkeit angesichts des Abstiegs nicht weichen, aber die ersten Gedanken zu diesem Schlamassel möchte ich hier mit Euch teilen.

    Meiner Einschätzung nach hat Dutt keinesfalls eine weitere Chance verdient. An keiner seiner letzten Stationen hat dieser Mann irgendetwas positives bewirkt. Die Auftritte der letzten Tage sind ein Schlag ins Gesicht der VfB Anhänger. Selbst engste Mitarbeiter rücken angewidert ab angesichts der schamlosen Selbstrettungsversuche. Bei aller Angst, jedes Vakuum enthält mehr Perspektive als dieser Mann.

    Zu Kramny wurde viel gesagt. Den Untergang der Amateure laste ich ihm viel schwerer an als sein Engagement für den Klassenerhalt der Profis. Bei den Amateuren hat er nichts bewegt oder in Gang gesetzt. Auch dort ist keinerlei Spielkultur zu erkennen. ich war in den letzten Jahren häufiger bei den Amateuren als bei den Profis, ich beziehe mich also nicht nur auf Statistiken zur 3. Liga.

    Wahler enttäuscht sogar bei seinem Rücktritt. Verantwortung übernehmen hätte für mich bedeutet, dass er sich klar für einen kompletten Neuanfang stark macht und Dutt nicht freie Hand lässt. Unfassbar.

    Was mich sicherlich noch die nächsten Tage und Wochen nachts schweißgebadet erwachen lassen wird: Wer stellt nun eine schlagkräftige sportliche Leitung zusammen? Wer gibt dem Verein ein neues Konzept im Amateurbereich? Welche Spielphilosophie wird den Mannschaften gegeben? Was macht den VfB in Zukunft aus?

    Es gibt Momente, da habe ich Angst davor, dass wir in der sportlichen Versenkung verschwinden werden… 1860 lässt grüßen.

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