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Der VfB braucht mehr Spieler wie Serey Dié!

Stuttgart steht auf Platz 21 bei der Lebensqualität (siehe hier) und in der Bundesligatabelle belegen sie seit fünf Spieltagen den letzten Rang, also irgendwie auch den 21. Platz. Denn auch Ingolstadt, Heidenheim und Kaiserslautern aus der Zweiten spielen einen besseren Fussball als der VfB, von den Kickers mal ganz abgesehen. Ich weiss auch nicht, welches Spiel die Kollegen gesehen haben: Sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch die Stuttgarter Medien haben den besten Heimauftritt des VfB in dieser Saison gesehen, Robin Dutt rückt ihn sogar in die Nähe der Perfektion, wenn er der Mannschaft 9,9 von 10 Punkten gibt. Wie bitte?

Das Spiel
Wenn es in knapp 100 Minuten nur eine echte Chance gibt durch Daniel Ginczek, dem durch Zufall ein Abpraller vor die Füße fällt und das in einem Heimspiel, dann sollte das nicht nur mir zu wenig sein. Dass der Mittelstürmer in knapp 70 Minuten nur 12 Ballkontakte hat, kann man ihm oberflächlich zum Vorwurf machen. Im zweiten Nachdenken kommt aber der bei Spielverlagerung geschulte Beobachter darauf, dass Ginczek wie auch der eingewechselte Vedad Ibisevic eine arme Sau ist. Denn er bekommt keine Zuspiele, keine Flanken, wird kaum ins Spiel eingebunden, die Spielanlage heisst ganz offensichtlich: Über Einzelaktionen auf den Flanken für Gefahr sorgen. Hey, so eine Taktik spielen sie in der Bezirksliga auch, ganiert mit hohen Bällen nach vorne.

Und leider geht die „Taktik“ nicht auf, denn auf den Außen ist das Meiste Essig. Übereifrig: Timo Werner. Sobald er zu einem Sprint ansetzt, springt zwar das ganze Stadion auf. Aber weder eine Flanke noch ein Schuß gelingen dem Nachwuchstalent, das am Freitag 19 wurde. Eigensinnig: Filip Kostic, der offensichtlich beweisen will, dass er zu Unrecht seit Monaten auf der Bank sitzt. Überheblich: Alexandru Maxim, der Bälle mit der Sohle stoppt und außer bei zwei Solos einen lockeren Dauerlauf anbietet. So überläßt man den Spielaufbau Christian Gentner und Serey Dié. Gentner ist wie immer überall und nirgends auf dem Platz zu finden, er rennt, er macht, er tut, aber es wirkt ziel- und orientierungslos. So ist die gesamte Mannschaft, sie spielt so, wie Mitarbeiter, die aus Leistungsgründen in Unternehmen unter Beobachtung stehen: Sie kommen pünktlich zur Arbeit, loben ihre Vorgesetzten, lassen sich nichts zu Schulden kommen, sind eifrig und machen sogar auch mal Überstunden, mit den Kollegen kommen sie bestens aus, nach der Arbeit gehen sie halbsteil und machen in der Schräglage einen drauf. Nur keinen Fehler machen, nicht auffällig werden, zwischendrin mal in einem Meeting die Mehrheitsmeinung wortreich bestätigen oder mal eine Mail schreiben zu einem Thema, dass in der Prioritätenliste nicht ganz oben steht. Dienst nach Vorschrift heißt das wohl, eben genau so, dass man nicht abgemahnt wird. So sieht das Spiel des VfB aus und Huub Stevens hat es wie seine Vorgänger nicht geschafft, der Mannschaft das Biedere auszutreiben. Keiner macht etwas Außergewöhnliches, keiner übernimmt mehr als seine Aufgabe, im Zweifel wird der Ball lieber zurück gespielt (wie von Adam Hlousek etwa hundert Mal praktiziert), im Zeugnis würde stehen „hat sich stets bemüht“.

Do or Dié
Bemüht hat sich auch Serey Dié. Aber auch weit mehr als das, er riskiert etwas, er versucht, das Spiel schnell zu machen mit scharfen Pässen, die dann seinen Kollegen vom Fuß springen. Er erobert Bälle, in dem er rigoros Zweikämpfe bestreitet und er läuft seinen eigenen Fehlpässen und denen seiner Kollegen hinterher. „Seht her, wie ich es mache, auf gehts, lasst Euch nicht hängen, wir werden doch wohl gegen diese komischen Berliner gewinnen“ kommuniziert er mit Händen und Füßen. Oder kurz: „Tut was oder machts wie ich!“. Dié ist ein Vorbild, an dem sich seine Mitspieler – nicht nur frisurenmäßig – orientieren sollten. Aber selbst zum Iro fehlt der Mut.

Der Trainer
Die Aktion, in den sieben Nachspiel-Minuten Moritz Leitner einzuwechseln, zeigt das ganze Dilemma: irgendwas muss man machen, das schon, aber nur kein Risiko eingehen. Was sollte das? Sollte Leitner mit ein paar feinen Pässchen das Tor erzwingen? Oder wäre nicht eher die Brechstange notwendig gewesen? Timo Baumgartl bringen und Georg Niedermeier in den Sturm schicken. Das wäre ein Signal an die Mannschaft gewesen, an die Zuschauer: „Hier geht noch was, wir wollen die 3 Punkte unbedingt!“

Mit dem unteren Tweet war ich voreilig, aber das Bild ist einfach zu schön. Jedenfalls bleibt der Huubster erstmal VfB-Trainer. Erstmal.

Robin Dutt und insbesondere der unsichtbare Bernd Wahler akzeptieren offensichtlich den Abstieg, indem sie Huub Stevens von Woche zu Woche eine Gnadenfrist einräumen. Schwupps ist der 34. Spieltag, der VfB abgestiegen und keiner hat es gemerkt. Dutt und Wahler unternehmen nichts, kommunizieren unter Druck nicht klar und eindeutig und nutzen nicht die letzte Chance, mit einem Trainerwechsel einen Reiz zu setzen, in dem Glauben, dass bei einem Abstieg der neue Trainer „beschädigt“ wäre. Wenn dieser Neue Alexander Zorniger wäre, dann stünde dieser bereits am Ende dieser Saison in der Kritik. Er könnte schon verbrannt sein, bevor er den großen Umbruch moderiert und umgesetzt hat, so die Sorge.

Aber ist jetzt Zorniger der richtige Mann oder nicht? Zorniger wäre nach dem dritten VfB-Trainerwechsel in der Saison früh eingebunden und könnte bereits live und in Farbe sehen, mit wem er in der nächsten Saison weiterarbeiten möchte. Zorniger jetzt bereits zu installieren, wäre also nicht mutig – wenn man von ihm überzeugt ist, wäre es nur logisch.

Aber Stevens wäre nur das Opfer der Fehlplanungen der letzten Jahre und trägt nicht wirklich die Schuld an der Misere. Und das merkt man ihm auch an, so stinkig wie er seit Wochen rumläuft und Medienvertreter anpflaumt. Nicht vergessen werden darf aber auch, dass Stevens mindestens vier Spiele durch seine ultra-defensive Aufstellung verschenkt hat. Die Position von Stevens jedenfalls wird immer schwieriger, Woche für Woche wird er medial wund geschossen. Das bringt Unruhe und Diskussionen, ist hinderlich bei der Konzentration auf die nächsten Spiele und gibt den Spielern die Gelegenheit, Ausreden zu finden. Der Fokus muss auf die wichtigen Dinge gelegt werden: Spiele gewinnen, die Klasse halten.

Und wie wäre es, jetzt die Zukunftspläne mit Zorniger zu veröffentlichen? Dann wäre zumindest in dem Punkt Ruhe und alle wissen, voran sie sind.

In der Nachbetrachtung mit Sport1.fm wurde vom Kommentator der Name Peter Neuruer genannt – ernsthaft! Wenn Wahler ohne sportlichen Vorstandskollegen wäre, wäre dieses Horror-Szenario wirklich denkbar. Das würde ich Wahler echt zutrauen, wie auch eine Verpflichtung von Lothar Matthäus. Damit hat es wirklich ein Gutes, das Robin Dutt Sport-Vorstand ist. Mit ihm geht das nicht.

Der Ausblick
Der VfB hat auf den Relegationsplatz (FC Paderborn) einen Punkt aufgeholt, es sind jetzt drei Punkte Rückstand. Die sind nächste Woche aufgeholt, wenn gegen Leverkusen gewonnen wird. Ja, ich weiss, das ist illusorisch, der letzte Sieg stammt wohl aus dem Jahre 1992. Ich war zwar am Wochenende so halbsteil unterwegs, aber ein Hangover vernebelt mir nicht die Sinne.

Diese Prognose ist nicht unrealistisch, es deutet sich wieder ein Schneckenrennen an. Der VfB steht zwar auf Platz 21, ist aber noch nicht abgestiegen. Es müssen allerdings Siege her, vier müssen es mindestens werden. Der VfB braucht ein Momentum, einen unerwarteten Sieg, das kann die Wende bringen. Auch mit Huub. In Leverkusen?

Und was sagen Jan Delay und Marteria zu Robin Dutt, wie er sich in der Trainerfrage entscheiden soll?

Jan Delay: Mach wie du meinst, und fühl Dich frei.
Marteria: In der guten alten Zeit war’n alle Donnerstags schon breit.

Jan Delay: Du denkst „Oh Mann so n Scheiß verdammt“.
Marteria: Du bist gehetzt weil die Uhr dir Beine macht.

Jan Delay: Irgendwann tappst Du in die Minenfelder. Und dann macht es Bam und es macht Bam.
Marteria: Aber alles wird perfekt! Alles, alles, alles wird perfekt.

Jan Delay: Wieso muss denn immer alles soo anstrengend sein.
Marteria: Denn die Welt, sie dreht sich weiter, nur nicht mehr ganz so laut.

3 Kommentare

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  2. Daniel sagt

    Robin Dutt hat die 9,9 Punkte nur für das Engagement der Mannschaft vergeben, nicht für das Spiel an sich.

  3. So schwach sah ich das Spiel garnicht, man spielte gefällig bis zum Strafraum, aber da fehlte der letzte Pass, eine Harmlosigkeit vor dem Herrn. Aber Werner war frech, Maxim kann was und Kostic brachte auch mal ein Flackern an Gefahr. Die Mischung stimmt, allen voran Die, jetzt schon ein deutlicher Zugewinn.
    Wenn sie Stevens rausgeworfen hätten nach diesem Spiel, wäre das echt bitter gewesen, alle wollen ja und kämpfen. Bleiben aufrecht (Gentner) und wollen gewinnen, nur es klappt nicht. Was soll da Huub machen?
    Leitner brachte er, da er in der Not zuvor bereits Kiesewetter eingewechselt hatte, da er ja gar keinen Stürmer mehr hatte..
    Zwei Varianten für Freitag:
    Bayer denkt bereits an Madrid, unterschätzt den VfB, erzielen kein Tor, der VfB duselt irgendwie eins rein (Techniker Schorsch wie damals gegen Wolfsburg vor Jahren?) und wir gewinnen einfach:)
    Oder, Variante 2: Kießling machtew wie immer wieder zwei Tore und der VfB verliert ohne Chance 0:2. Deutlichstes Beispiel: Bellarabi gegen Hlousek, ohoh..

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