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Ich habe Angst!

Im Tabellenkeller bricht Feuer aus, doch das macht den VfB nicht heiss. Der findet, Panik sieht bescheuert aus. Auf nen Alarm geben die in Cannstatt nen Scheiss. Wieso? Wir sind doch so gut wie in Sicherheit, stottern Robin Dutt und Jürgen Kramny. Wir brauchen nur noch fünf, vier, drei Punkte, ach, der Abstand zu Frankfurt ist doch sowieso komfortabel. Irgendwer holt uns hier schon raus. Das denken alle hart in der Kabine und schauen auf Christian Gentner, der auf Schorsch Niedermeier blickt, der auf Daniel Schwaab zeigt, der dann Daniel Didavi umarmt. Der wehrt ab und wedelt mit seinem Wolfsburg-Vertrag rum. „Verantwortung? Ich? Kann das nicht jemand anders machen?“ Das steht in allen Gesichtern. Ich kann es sehen.

Immer nur den Shit zu sehen, geht schnell. Aber das Schlechte beim VfB ist unübersehbar. Jeder muss es im Verein erkennen, denn es befindet sich auf allen Ebenen. Seit Jahren. Und alle schauen zu. It’s a scary movie.

Ich habe Angst. Dass die in der Mercedes Straße nicht sehen wie die Sonne untergeht. Die sitzen da, ohne einen leisen Hauch zu wissen, was passiert und was zu tun ist. Es fehlt an allem im Verein. An Erkenntnis, dass überhebliche Aussagen wie „Die anderen haben Druck!“ oder „Der Abstand zu den Abstiegsrängen ist noch groß“ komplette Bullenkacke für eine Mannschaft ist, die nur darauf wartet, es sich gemütlich zu machen. Es fehlt an der Einstellung, dass es um mehr geht als um persönliche Interessen, lukrative Verträge und darum, sich Pöstchen zu sichern.

Ich habe Angst. Dass die Mannschaft in dieser Konstellation die Kurve nicht bekommt. Es ist eine Mischung aus überforderten (Niedermeier), selbstüberschätzten (Schwaab), hilflosen (Gentner) Spielern und solchen, die gedanklich schon weg sind (Didavi, Kostic, Klein). Da ist nichts im Team. No Spirit, no Drive, keine Identifikation mit dem Verein, keine Kommunikation – wenn man von dem Kreis nach dem Spiel absieht, in dem Kapitän Gentner für alle sichtbar das Wort „aufwachen“ ruft. Vier Spieltage vor Schluss, mahnt der Mannschaftsführer seine Kollegen an, endlich aufzuwachen. Das sagt alles. Die Spieler dürften nicht besonders helle sein. Oder sind sie arglos to death? Oder können sie es nicht besser?

Ist das Kunst oder kann das weg? Neuanfang, yeah. Das braucht der VfB. Gentner. Harnik. Schwaab. Niedermeier. Dutt. Kramny. Wahler. Lieber VfB, bitte bleib' nicht wie Du bist.

Ist das Kunst oder kann das weg? Neuanfang, yeah. Das braucht der VfB. Gentner. Harnik. Schwaab. Niedermeier. Dutt. Kramny. Wahler. Lieber VfB, bitte bleib‘ nicht wie Du bist.

Ich habe Angst. Dass Trainer Kramny der Situation nicht gewachsen ist. Er kommt mir manchmal so vor wie Peter Knäbel vor einem Jahr beim HSV. Überrascht und überrollt von der Wucht des Absturzes, kann er die Entwicklung weder stoppen noch umdrehen. Mit was auch? Mit biederen taktischen Entscheidungen? Mit belanglosen Phrasen, die motivieren sollen? Er scheint kein Instrumentarium für diese Extemsituation zu haben.

Ich habe Angst. Dass der VfB der neue HSV wird. Ein Verein, den Deutschland nicht mehr in der Bundesliga sehen will. Ein Verein, der sich lächerlich macht – auf dem Spielfeld mit geradezu achselzuckender Einstellung. Und im Management, wo beim Umbau des Vereins in erster Linie darauf geachtet wird, Personen zu integrieren, die man von früher irgendwoher kennt oder mit denen man befreundet ist. Professionalität ist was für andere. VfB – der Verein für Vetterleswirtschaft.

Ich habe Angst. Dass ich gleichgültig werde. Alles schon zu oft gesehen, ständig wiederholt sich die Horror-Show des VfB, es wird immer knapper. Ist der VfB dieses Jahr dran? Hat er es verdient, abzusteigen? Ich merke, dass ich wie die Mannschaft werde: Beim grotesken Fehler von Niedermeier – will mit ihm ernsthaft irgendeiner in die neue Saison gehen? – winke ich resigniert ab, es ist einerlei, wer mal wieder patzt: Niedermeier, Schwaab, Sunjic, Tyton, Gentner, ganz ehrlich: Es interessiert mich nicht mehr.

Und das wäre das Schlimmste. Dass mir der Verein egal wird. Danke, leblose Mannschaft. Danke, überfordertes Management, soweit ist es gekommen.

4 Kommentare

  1. Thorsten sagt

    Es ist doch wie jedes Jahr – was wunderst Du dich denn?
    Was ich nicht verstehe: Der VfB ist in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands daheim. Im Umland erfolgreiche KMUs, so weit das Auge reicht, inklusive fleißigsten Beschäftigten und entsprechendem Management.
    Nur beim VfB ist von dieser Grundeinstellung nichts zu spüren. Biedere, auf den eigenen Vorteil bedachte Angestellte auf dem Feld und ein unterdurchschnittliches Management, welches bei den genannten KMUs nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch geladen würde.
    Es ist so traurig – jedes Jahr aufs Neue.

  2. Ich gebe es zu – es hat mich erwischt. Nach über 30 Jahren Treue, ca. 25 davon mit Dauerkarte. Die Lust wurde Jahr für Jahr weniger.
    Kann auch einfach an mir liegen, klar. Aber habe mich in den Worten oben sehr genau gefunden…

    Spätesten seit meiner Abstinenz kann ich mir nur noch schwer vorstellen dort hin zu gehen. Abgedroschen, aber wahr: Nüchtern noch schwerer zu ertragen als früher mit 5-8 Jacky im Kopf. Da konnte man sich manches noch schönreden oder wusste es später am Abend wenigsten nicht mehr so genau.

    Wenn ich mich ärgern will, dann bleib ich bei meiner Familie.

    Es ist genau dieses erwähnte lieblose, engagementfreie Ganze was mir den Magen rum dreht bei dem Gedanken, aktiv dafür Geld und vor allem (FREI-)ZEIT zu verblasen.
    Noch reicht es knapp, um Wochenende für Wochenende das Ganze auf Sky nebenher in HD im Trockenen zu sehen. Neben emails, Verpackung, Werkstatt aufräumen.
    Die ANGST ist einer gewissen Letargie gewichen, weil sie zu regelmäßig kam.
    Selbst der Gedanke ob es nicht vielleicht tatsächlich „gut“ sei, doch mal …

    Nein. Nicht zulassen. Niemals.

    Aber Spaß? Freizeit?
    Weiss nicht wo ich es in Zukunft finden werde, aber Cannstatt wird da immer unwahrscheinlicher. LEIDER.

  3. @abiszet sagt

    @Thorsten
    Ja, warum wundere ich mich noch? Weil ich von Jahr zu Jahr die Hoffnung habe, dass es besser wird. Denn was wir von außen an Mißständen meinen zu sehen, müsste die Verantwortlichen ja regelrecht anspringen in der täglichen Arbeit.

    Das mit der Wirtschaftskraft ist so ne Sache. Wir haben hier viele Unternehmen, die Zulieferer sind und nicht unbedingt eine werbliche Breitenwirkung benötigen (agieren also überwiegend Business-to-Business). Die Key-Player wie Mercedes, Kärcher, Breuninger, Würth, Fanuc, EnBW sind mit an Bord. Die Frage ist nur: Werden mit diesen Partnern genug Erlöse erzielt oder läßt sich der VfB an der Nase herum führen? Siehe Beispiel Porsche vor ein paar Jahren. Das befürchte ich auch beim Thema Ausgliederung, dass sich der VfB zu billig verkauft.

    @Asango
    Nein, runtergehen in die zweite Liga, das darf nicht sein. Ganz unabhängig davon, welche „Scheiss-egal“-Stimmung wir (derzeit) haben. Dann ist es aus. Davon erholt sich der Verein nicht mehr!

    In der Tat ist es eine knifflige Entscheidung, was man mit seiner Zeit macht: Den Brustring anschauen und sich über Spieler und Management masslos ärgern – und das seit Jahren, ohne dass erkennbar wäre, dass es besser ist. Oder lieber abschalten. Ich habe das die letzten beiden Spieltage versucht. In der Spielzeit an sich bin ich dann ganz ruhig, wenn ich das Ergebnis und die Zusammenfassungen sehe, dann packt mich wieder die Wut.

    Ja, den VfB kann man nur angetrunken sehen ;-) Großkreutz würde sagen #ischso

    Vielleicht packen sie es irgendwie (womöglich in der Relegation gegen Angstgegner Nürnberg), dann können wir kurz durchschnaufen. Aber dann? Dann geht es doch womöglich wieder genauso weiter.

  4. drausvomLande sagt

    Gott sei Dank kommt Dormund
    die brauchen keine Punkte mehr, die Meisterschaft ist passé und mit Europapokal und DFB-Pokal hat Stuttgart nichts zu tun ==> d.h. nach den bisherigen Leistungen der VfB-„Mannschaft“ kann man gegen die glänzen, die kann man schlagen, denen tut man nicht weh, dann tun die „uns auf dem Feld“ auch nicht weh und aufbauen muss man die eigentlich auch nicht, die sind ja wieder gut drauf.
    Gott sei Dank, da kommen noch 3 Punkte, weil die anderen brauchen ja die Punkte, Bremen gegen den Abstieg, Mainz für den Europapokal und Wolfsburg für das Ego. Mann, watt für’n Schwein wir da doch haben …
    Und dann noch ein Vorschlag:
    Wir machen einen Manager-Tausch mit den Wild Wings in Schwenningen, die haben auch so eine kompetente GmbH-Führung, die holen doch glatt einen Stürmer mit fast 400 Erstliga-Einsätzen und geschlagenen unerreichten 16 Toren in der Zeit, zudem haben die jetzt 2x in Folge nachgewiesen, dass man auch Letzter werden kann, ohne dass man sich wegen irgendetwas Sorgen machen muss, da weiss man als Fan wenigstens von Anfang an, was man im Stadion NICHT erwarten darf
    Und dann noch ein Rat:
    Nicht mehr gegen die Montagsspiele demonstrieren, nächstes Jahr sind wir froh, wenn wir dabei sind, das sind dann wenigstens Top-Spiele in der 2. Liga
    Und noch etwas für mein eigenes Ego:
    Didavi wird hoffentlich auf lange Zeit der einzige VfB-Spieler sein, dessen „Arä“ mit einem Abstieg endet, sonst rutschen wir ja noch in Liga 3 runter.
    Und jetzt gehe ich in mich und versuche rauszufinden, ob ich nicht doch auf eine Entlassung von Kramny noch in dieser Saison wetten soll, damit ich wenigstens neue Schlafanzüge für meinen Aufenthalt in der Psychiatrie bezahlen kann
    Aua, das tut weh …

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