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Die wichtigste Entscheidung in der VfB-Geschichte

„Ich freue mich, dass trotz unterschiedlicher Ansichten die bisherigen Diskussionen von gegenseitigem Respekt geprägt waren“, meinte Wolfgang Dietrich während einer seiner unzähligen Werbe-Veranstaltungen rund um die Ausgliederung. Mit Verlaub, Herr Präsident, das ist Blödsinn. Überall gibt es ein verbales Hauen und Stechen, ob persönlich oder in den Kommentarspalten, vielfach wird deutlich unter der Gürtellinie diskutiert – von Respekt, Niveau und gegenseitiger Achtung kann wirklich nicht gesprochen werden. Und das gilt sowohl für die Gegner wie auch für die Befürworter der Ausgliederung.

Ob das so ist, weil der VfB sich mit seiner Ausgliederungsreklame in den Augen vieler in Stil & Ton vergriffen hat, oder weil alle durch ihre tiefe Verbundenheit mit dem VfB in dieser Frage emotional reagieren oder weil es die wichtigste Entscheidung in der VfB-Geschichte ist, darüber mag sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Eine Meinung bilden, um das geht es hier. Wir haben versucht, möglichst viele Sichtweisen und Informationen zur Ausgliederung zu versammeln. Damit kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Wer noch weitere Links kennt oder etwas beitragen möchte, gibt uns bitte ein kurzes Signal oder schreibt einen Kommentar.

Mit dem VfB wollen wir anfangen. Er bombardiert uns nicht nur mit Testimonials wie Sami Khedira, Thomas Hitzlsperger und Guido Buchwald, sondern hat auch ein Web-Special gemacht zum Thema Ausgliederung. Am besten, das Erklär-Video ignorieren, das macht nur aggressiv.

Zur Ausgliederung sagte Hannes Wolf bisher nichts. Jetzt meldet er sich zu Wort: „Die Ausgliederung ist uns überhaupt nicht egal. Die Ansprüche in Stuttgart sind riesig. Wenn wir diesen gewachsen sein wollen, müssen wir die Weichen für die Zukunft stellen.“

Der längste Text in der vp-Geschichte ist ein Gastbeitrag. Er ist von Ralf Leister, der 2014 seine Bachelorarbeit über die Ausgliederung des HSV schrieb. Er schildert Chancen und Risiken der Ausgliederung. Seine Einschätzung der Ausgliederung von außen ist interessant und lesenswert. Zum Beitrag hier entlang.

Auch wir haben einen aktuellen Text geschrieben. Sebastian fragt, ob der VfB eine Familie bleiben oder ein Wirtschaftsunternehmen werden soll. Bitte hier klicken.

Bei Lennart und Tom von Rund um den Brustring haben wechseln sich Hoffnung und Zweifel, Vertrauen und Unsicherheit ab, wie in diesem gemeinsamen Statement nachzulesen ist. Unbedingt lesen, siehe hier.

Die Ausgliederungs-Kampagne ruft in @two-four-two mehr Trotz als Überzeugung hervor. Die eine Hälfte von @BrustringTalk ärgert sich über den VfB, weil der Verein seine Mitglieder in unverantwortlicher Weise mit hochgestochenen Zielen und Versprechen lockt. In seinem sehr lesenswerten Text (bitte hier klicken) schreibt er unter anderem, der Verein steht wo er steht (gerade aufgestiegen) weil in den letzten Jahren reihenweise Fehlentscheidungen getroffen wurden und nicht weil der Verein ein Verein war.

Frank Raith hält seit 1974 dem VfB die Treue und schreibt in seinem Blog, dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat. Er vergleicht die 41,5 Millionen Euro von Daimler mit dem Verkauf eines hochklassigen Spielers, ohne die Seele des Vereins zu verkaufen. “Nein zur AG” bedeutet bei ihm nicht #neinzumerfolg, siehe hier.

Der Wirtschaftsjurist Magnus Missel setzt sich in seinem Blog bereits sehr lange mit der Vereinsentwicklung auseinander. In einem überaus aufschlussreichen Statement (siehe hier) beleuchtet er wichtige Eckpunkte der Ausgliederung, deckt Widersprüche auf und stellt ernste Fragen.

„Nix gegen Ausgliederung …“, meint Christian Prechtl in seinem Blog „by the way“ (hier klicken). Darüber hinaus hat er sich durch die VfB-Unterlagen und -Bilanzen geackert und stellt sehr berechtigte Fragen.

Aktualisierung:
Hier gehts zur Rede von Prechtl, die er aufgrund von Terminkollisionen bei der aoMV leider nicht haben kann. Wie immer sehr pointiert legt er den Finger in die Wunden.

Eine Sonderfolge des BrustringTalk beschäftigt sich mit der Ausgliederung. Nachzuhören hier.

Das Commando Cannstatt (CC97) hat sich mit einem ausführlichen und sehr sachlichen Statement zu Wort gemeldet.
Der VfB-Vorstand inkl. Präsident hat darauf so reagiert.(Video)

Natürlich hat sich auch der Schwabensturm 02 mit der Ausgliederung beschäftigt und ein Statement dazu veröffentlicht. Zu lesen hier.

Exklusiv 1: Wir haben ein Interview mit der VfB-Ausgliederung ergattert. Und sie ist nicht gut drauf, die Ausgliederung, wie Ihr hier lesen könnt.

@Golwar fragt: „Geld, durch Ausgliederung. Wie funktioniert das?“ und beantwortet das hier schlüssig und nachvollziehbar.

Exklusiv 2: Präsident Wolfgang Dietrich verrät dem kicker im Interview, dass der VfB in den nächsten vier Jahren 250 Millionen benötigt, um wieder in die ersten Sechs vorzustoßen. Hier geht’s zum Interview.

„Chance oder Risiko?“, fragt Gunter Barner von den Stuttgarter Nachrichten.
Insgesamt schade, dass neben einem älteren Kommentar von Peter Stolterfoht bis jetzt (Stand 28.5.) von den Stuttgarter Zeitungen keine Einordnung und kein Statement zur Ausgliederung zu finden ist. Ein zu heißes Thema?

Aktualisierung:
„Ausgliederung – was dafür und was dagegen spricht“ heißt ein neuer Text von Stolterfoht und läßt dabei Dietrich und das CC97 zu Wort kommen.

Im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten nimmt Wilfried Porth Stellung zu Interessenkonflikten, Mitgliederrechten und Mauscheleien. Für den VfB-Aufsichtsrat und Daimler-Vorstand ist der VfB kein Schnäppchen.

Ein Interview mit Präsident Dietrich, in dem er bestätigt, keinen weiteren konkreten Investor zu haben als Daimler (bekanntlich erklärt er dies mit dem wenig nachvollziehbaren Hinweis „Er habe dafür kein Mandat“). Der Zeitplan sieht vor, dass weitere Anteile in 2018 und 2019 verkauft werden sollen. Interessant auch die Auflistung der teuersten Spielertransfers des VfB.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung meint Hansi Müller, „es gehe nicht um Eitelkeiten und um Personen“ – und das aus seinem Mund.

Zum Schluss noch ein Blick zur Seite:
Der FSV Mainz 05 geht offensichtlich andere Wege. Er hat ein Gutachten in Auftrag gegeben zum Thema Ausgliederung. Ausführlich gibt es das hier nachzulesen (als PDF), eine Zusammenfassung findet sich hier.

9 Kommentare

  1. Pessimist sagt

    Geehrter AbisZ
    ich hab mir mal ein paar Inhalte dieser Links reingezogen. Die paar VfB Link-Inhalte hast Du ja schon mit Deinen Eingangssätzen in Mißkredit gebracht. Der Rest ist meiner Ansicht nach recht einseitig „Contra“.
    Ich stelle mal abseits von allen formalen Feststellungen zur Ausgliederung fest, dass in fast allen dieser Contra Kommentaren auf breiter Front kein Vertrauen in die Führungsriege Dietrich, Schindelmeiser Heim, Röttgermann da zu sein scheint.
    In dieser Sichtweise ist es dann egal ob Ausgliederung oder nicht – das Problem liegt dann für diese Contra-Leute wohl im Zutrauen zu den handelnden Personen. Und auch an dem, was in den letzten Jahren alles verbockt wurde. Auch daran was strukturell versäumt wurde.
    Dietrich und Schindelmeiser sind zugegeben erst ein Jahr da, daher fällt es schwer da ein Fazit zu ziehen. Die bisher aber getroffenen Entscheidungen waren passend, trotz des verhagelten Starts in die Saison wurde am Ende der Aufstieg erreicht. Als Meister. Die Mannschaft inkl. Trainerteam hat bereits jetzt ein Gesicht, hat eine Perspektive. So wie schon ganz lange nicht mehr!
    Heim und Röttgermann – da fällt es schwer, von außen ein Urteil zu fällen. Es sind sicherlich nicht die großen Kommunikatoren. Ich würde mir da auch ein paar mehr Inhalte als viel Lächeln wünschen. Es ist am Präsident und am Aufsichtsrat, sich das notwendige Urteil zu bilden.
    Aber: Auch die beiden waren Teil eines nun erfolgreichen Führungs-Teams.

    Und natürlich zum Schluß auch was zum Thema Ausgliederung von mir: Die Tatsache, dass da Mercedes Benz einsteigt (und nicht Gazprom, kein Kühne Einzel-Investor oder so) – das sollte doch mal beachtet werden. Mercedes Benz … wer es noch nicht kennt : das ist die Firma unter dem sich drehenden Stern in Untertürkheim, das ist die Region, das ist ein großes Stück unserer aller Identität. Was kann uns besseres passieren, als das dieser direkt benachbarte Global Player mit seiner ganzen Infrastruktur in diesen Verein einbringt?

    • @abiszet sagt

      Lieber Pessimist,
      ich habe die VfB-Inhalte in Misskredit gezogen? Interessant. Durchgezählt habe ich nicht, ob die Pros und Contras sich die Waage halten, ich kann es sowieso niemandem Recht machen (by the way: Gibts woanders einen solchen Überblick? Was fehlt noch?). Insgesamt erscheint es mir so, dass die Pro-Argumente weitgehend vom VfB kommen. Die VfB-Webseite steht an erster Stelle und und ist der Ausgangspunkt. Diverse Interviews bringen die dort gestreuten Infos dann in anderer Form noch einmal zum Ausdruck. Jede/r kann selbst entscheiden, welche Sichtweise angeklickt wird und welche hilft. Dir reicht die Kommunikation des VfB zur Meinungsbildung – völlig ok. Soll ich deshalb die anderen Perspektiven weglassen?

      • Maximilian sagt

        Ich habe bisher in dieser Übersicht nur den ersten Beitrag gelesen, den von Ralf Leister.
        Dieser Artikel bzw. Beitrag ist in einem sehr neutralen Ton geschrieben und es wird am Ende abgewogen, ob man Mitgliederrechte für eine Stärkung des finanziellen Budgets abgeben möchte. (der Autor würde wohl dafür stimmen und ich am Ende des Beitrags wohl auch)
        Ich persönlich finde, dass das eine tolle Übersicht ist, die mit viel Aufwand, Liebe und Sorgfalt erstellt wurde und jedem weiterhelfen kann.

        • @buzze sagt

          Vielen Dank. In der Liste gibt es natürlich auch weniger neutrale Beiträge, aber wir haben versucht, Pro- und Contrastimmen gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen.

  2. Pessimist sagt

    Lieber abisz
    Doch mir hast Du es schon recht gemacht, ich konnte mir in der Sonntags-Hitze ein umfassendes Bild der Contra-Argumente verschaffen, zu denen ich mich bisher noch nicht durchgeühlt hatte.
    Daher hier nochmal Lob und Dank für die Auflistung.
    Ich meine immer noch, zwischen den Zeilen der ersten Passagen hast Du da einiges Negatives der VfB Vorstandschaft gesetzt, diess fand ich schade.
    Mein Fazit bleibt: Bei den Contra-Stimmen fehlt das Vertrauen in die handelnden Personen; da wird die Abstimmung diese Woche nichts ändern.
    Warten wir ab was kommt, ich würde es sehr schade finden, wenn da fähige Leute sich vom VfB abwenden nur ob dieser Entscheidung, egal wie rum die ausfällt.

    • @abiszet sagt

      Danke ;-)
      In der Tat habe ich den Stil der VfB-Kampagne und damit den Umgang mit den Mitgliedern am Anfang gemeint. Und genau das finde ich schade.

  3. @Das_Mietmaul sagt

    Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Also sage ich auch noch was. Beziehungsweise schreibe etwas. Da ich keinen eigenen Blog oder dergleichen habe, schreibe ich meine Gedanken hier nieder.

    Es gibt ein Argument, das für die Ausgliederung spricht: Mehr Geld zu haben, ist besser, als weniger Geld zu haben. Das ist ein sehr einfaches und trotzdem sehr gewichtiges Argument. 41,5 Mio. Euro von Daimler für 11,75 % der Aktien der VfB AG sowie bis zu 100 Mio. Euro frisches Kapital hören sich verlockend an. Abgesehen davon sieht es ziemlich dünn aus und die Argumente, die gegen eine Ausgliederung in der geplanten Form und zum jetzigen Zeitpunkt sprechen, überwiegen für mich klar.

    Ich finde es allerdings bemerkenswert, wie sich – zumindest in meiner Wahrnehmung beziehungsweise in meiner Filterblase – die Art der Diskussion in den letzten Monaten gedreht zu haben scheint. Inzwischen muss man sich fast schon dafür rechtfertigen, die Ausgliederung kritisch zu sehen. An diesem Punkt kann ich nur sagen: Chapeau, Herr Dietrich. Sie haben den Job, für den Sie geholt und vom Aufsichtsrat installiert wurden, bisher sehr engagiert und vehement durchgezogen.

    Da wir schon dabei sind, kommen wir zum ersten Argument, das gegen die Ausgliederung spricht. Das Misstrauen gegen den Aufsichtsrat und Herrn Dietrich. Der VfB wurde über Jahre hinweg – und zwar mit Ansage – von den Herren Mäuser, Hundt, Bobic, Wahler & Co. an die Wand gefahren. Bis Vertrauen in Herrn Dietrich und den aktuellen Aufsichtsrat wachsen könnte, bräuchte es mehr Zeit. Mehrere Jahre erfolgreiche Arbeit. Nicht einfach eine Scharte ausgewetzt zu haben. Allerdings führt die Art und Weise, wie der Präsident in der Diskussion um die Ausgliederung agiert, nicht dazu, Vertrauen in seine Person entstehen zu lassen. Die Behauptung beispielsweise, die Ausgliederung würde die Rechte des VfB e.V. und damit der Vereinsmitglieder, völlig unverändert fortbestehen lassen, ist hanebüchen. Das von Mainz 05 veröffentlichte Rechtsgutachten bringt es dagegen so ehrlich wie schonungslos auf den Punkt:

    „Jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.“

    Statt Augenwischerei zu betreiben, wäre es mein Wunsch gewesen, die Vereinsführung hätte die Diskussion transparent, fair und mit Niveau geführt. Stattdessen werden auf der Kampagnenwebseite unter der Überschrift „Dichtung und Wahrheit“ von der Vereinsführung „Fake vs. Fakten“ präsentiert, womit in Wahrheit nur im Stile Donald Trumps andere Meinungen diskreditiert werden sollen. Meine E-Mail an den Verein, die ich schrieb, nachdem dieser zum ersten Mal diese – in aller Deutlichkeit – Propaganda veröffentlichte, wurde zwar freundlich beantwortet. Von dieser Form der Kampagnenführung Abstand genommen hat die Vereinsführung jedoch nicht.

    Schlechter Stil in der Diskussion ist freilich kein Grund an sich, gegen die Ausgliederung zu sein. Wie gesagt: Herr Dietrich tut nur, wofür er geholt wurde. Das Vorgehen beschädigt allerdings das Vertrauen in seine Person massiv.

    Das Gleiche gilt, wenn Herr Dietrich sagt, er habe – wörtlich – kein Mandat der Vereinsmitglieder und keine Zeit gehabt, um mit anderen Ankerinvestoren als mit Daimler zu verhandeln. Da stellt sich mir zunächst die Frage, woher er das Mandat hatte, diese Verhandlungen mit Daimler zu führen. Von den Mitgliedern jedenfalls nicht. Viel wichtiger: Wenn man keine Zeit hat, mit anderen Investoren zu verhandeln, kommt der Zeitpunkt der Abstimmung zu früh. Natürlich, Zeit ist im schnelllebigen Fußballgeschäft Mangelware. Aber so wird die außerordentliche Mitgliederversammlung erzwungen und die Entscheidung übers Knie gebrochen. Warum wurde tatsächlich nicht mit anderen Investoren verhandelt? Wurden zumindest Versuche unternommen, beispielsweise Finanzinvestoren – wie KKR bei Hertha BSC – zu gewinnen? Oder haben Teile des Aufsichtsrats und allen voran die beiden Daimler-Vertreter jede Möglichkeit, andere Investoren zu finden, von vorn herein unterbunden? Auch wenn Herr Porth dies in einem Interview in den Stuttgarter Nachrichten vom 26. Mai 2017 bestritten hat, kann doch niemand verleugnen, dass von Anfang an nur Daimler als Ankerinvestor vorgesehen war und Herr Dietrich auch mit keinem anderen Unternehmen reden wollte. Herr Porth sagte in diesem Interview: „Und wer dies kritisiert, soll uns doch bitteschön sagen, wer denn als Ankerinvestor noch hätte mitbieten wollen.“ Der Präsident redet nur mit einem einzigen Käufer und wer dies auch nur kritisiert, der solle bitte einen anderen Investor bringen. So kann man es natürlich auch drehen. Meine Güte…

    An einem anderen Punkt gebe ich Herrn Porth allerdings Recht: Der Zeitpunkt für eine Ausgliederung wurde verschlafen. Nach der Meisterschaft 2007 wäre die Möglichkeit da gewesen, den VfB so aufzustellen, um dauerhaft die Perspektive Champions League zu haben. Egal. Ich will nicht über verschüttete Milch reden.

    Jetzt ist jedoch der falsche Zeitpunkt für die Ausgliederung. Die Aktien an der VfB AG kann man nur ein einziges Mal verkaufen. Deswegen sollten sie nur aus einer Position der Stärke heraus abgegeben werden. Jetzt wäre es erforderlich, durch gute Arbeit in den nächsten zwei bis drei Jahren zu überzeugen, um dann die Beteiligung von (weiteren) Investoren zu prüfen.

    Das ist nicht einfach. Gerade die TV-Gelder werden nicht reichlich sprudeln. Jetzt schlagen die ganzen letzten fünf Jahre mit Abstiegskampf und dem Abstieg voll durch: Platz 12, Platz 15, Platz 14, Platz 17 und 2. Liga. In die Schlange am Topf der TV-Gelder stellen wir uns erst einmal auf die vorletzte Stelle. Aber hat nicht beispielsweise Borussia Mönchengladbach es in den letzten zehn Jahren auch ohne Investoren eindrucksvoll bewiesen, wie man aus der zweiten Liga kommend es wieder nach Europa schafft? Mit einer klaren Strategie und überzeugenden Personen in der sportlichen Führung (die wir definitiv haben). Das sollte unser Vorbild sein. Und ja: Schaffe isch a Gschäft.

    Insgesamt möchte der VfB 24,9 % an der VfB AG verkaufen. Wer neben Daimler die weiteren bis zu 13,15 % der Aktien erwerben soll, ist völlig unklar. Ich bin nicht glücklich darüber, dass wir als Mitglieder nicht über diese weiteren Investoren mitentscheiden können. Darüber werden nur der Aufsichtsrat der VfB AG und das Präsidium des Vereins abstimmen. Es wäre juristisch leicht möglich gewesen, vor der Veräußerung weiterer Anteile das Votum der Mitgliederversammlung einzuholen.

    Nicht einverstanden bin ich damit, dass so schnell Aktien an verschiedene weitere Investoren verkauft werden sollen. Bis 2019 will der VfB insgesamt 24,9 % an der VfB AG veräußert haben. Man muss auch mal gut finden, was der FC Bayern macht: 2002 stieg Adidas dort ein, 2010/11 Audi und 2014 die Allianz. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Heute halten die drei Investoren jeweils 8,33 % der Aktien an der FC Bayern München AG, der Verein FC Bayern München e.V. die restlichen 75 %. Adidas bezahlte pro 1 % der Anteile rund 9,2 Mio. Euro, Audi bereits ca. 10,8 Mio. Euro und die Allianz rund 13,2 Mio. Euro pro 1%-Anteil. Immer dann, wenn die Bayern einen neuen Investor hinzugeholt haben, dann aus einer starken Verhandlungssituation heraus. Das sehe ich beim VfB bis 2019 – bei allem Optimismus – nicht. Eine vergleichbare Wertsteigerung der Anteile (und damit einer deutlicher höherer Verkaufspreis) wäre beim VfB allenfalls möglich, wenn man zumindest nicht so schnell neue Investoren suchen, sondern es zunächst bei dem Einstieg von Daimler belassen würde. Weitere Investoren sollten jedenfalls erst dann hinzugenommen werden, wenn man vorher erfolgreich mit den 41,5 Mio. Euro von Daimler gewirtschaftet hat. Über Jahre.

    Auch die Rechtsform der Aktiengesellschaft halte ich aus der Perspektive der Mitglieder für verfehlt. Die GmbH oder die GmbH & Co. KGaA würden den Bedürfnissen des Vereins und der Vereinsmitglieder viel besser Rechnung tragen. Man muss die Dinge klar beim Namen nennen: Die Aktiengesellschaft ist die Rechtsform, in der der Verein die wenigsten Einflussmöglichkeiten hat, was an zwingenden Regelungen des deutschen Aktiengesetzes liegt. Nach § 76 Abs. 1 Aktiengesetz leitet der Vorstand eine Aktiengesellschaft in eigener Verantwortung. Auch wenn der Verein 75,1 % der AG hält und im Aufsichtsrat die Stimmmehrheit haben wird: Weisungen oder andere Einflussmöglichkeiten auf den Vorstand haben weder der Aufsichtsrat noch die Hauptversammlung der AG. Bei anderen Rechtsformen wäre es möglich, die Rechtsbeziehungen zwischen dem Verein und der Gesellschaft, so auszugestalten, dass der Verein möglichst wenig an Einflussmöglichkeiten verliert.

    Bestimmte Projekte, die mit dem Geld aus der Ausgliederung gezahlt werden sollen, könnten anders und meines Erachtens zum heutigen Zeitpunkt besser finanziert werden. Die mittelfristig von den Profis unabhängige Finanzierung der VfB-Jugend und des Nachwuchsleistungszentrums etwa. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine zweckgebundene Fananleihe mit einer langen Laufzeit von zehn oder mehr Jahren genügend Planungssicherheit da wäre. Und angesichts des momentan immer noch sehr niedrigen Zinsniveaus, wäre es für den VfB sicher möglich, eine langlaufende Anleihe zu sehr niedrigen Zinsen zu begeben. Ob man quasi keine Zinsen auf dem Tagesgeldkonto von der Bank bekommt oder wenig Zinsen vom VfB und dafür noch etwas Sinnvolles unterstützt: Ich denke, viele VfB-Anhänger würden das unterstützen. Natürlich müsste eine Fananleihe irgendwann zurückgezahlt werden. Das ist so. Aber eine Aktie kann man immer nur einmal verkaufen. Und deswegen würde es auch deswegen Sinn machen, mit der Ausgliederung, jedenfalls aber mit der Veräußerung von den 11,75 % an Daimler hinaus, abzuwarten.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Diese Ausgliederung ist nicht alternativlos. Der Zeitpunkt der Ausgliederung, das mangelnde Vertrauen in den Präsidenten und den Aufsichtsrat, die verfehlte Rechtsform, der zu schnell geplante Verkauf weiterer Anteile an andere Investoren sprechen für mich dagegen, bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung mit „Ja“ zu stimmen.

    Übrigens: Wer „Nein“ stimmt, sagt trotzdem „Ja zum Erfolg!“ des VfB. Lasst Euch da am Donnerstag keinen Bären aufbinden.

    • zeugwart sagt

      liebes mietmaul,
      du weißt, dass ich dich sehr schätze und auch diesen beitrag empfinde ich als extrem gelungen im dschungel vielfältigen mumpitzes rund um das thema. dennoch komme ich nicht umhin, dir in einigen punkten zu widersprechen. oder dir zumindest eine andere sichtweise nahezubringen. deine geschliffene eloquenz erreiche ich dabei leider nicht. da ich aber den ganzen tag beruflich nix anderes mache, als einigermaßen eloquent daher zu schreiben (sogar unter beachtung orthografischer grundregeln), erlaube ich es mir, hier etwas volkstümlicher vorzugehen ;-) für den geneigten leser ist mein geschreibsel recht einfach an der kleinschreibung zu erkennen… das macht’s sogar übersichtlicher…

      „Ich finde es allerdings bemerkenswert, wie sich – zumindest in meiner Wahrnehmung beziehungsweise in meiner Filterblase – die Art der Diskussion in den letzten Monaten gedreht zu haben scheint. Inzwischen muss man sich fast schon dafür rechtfertigen, die Ausgliederung kritisch zu sehen. An diesem Punkt kann ich nur sagen: Chapeau, Herr Dietrich. Sie haben den Job, für den Sie geholt und vom Aufsichtsrat installiert wurden, bisher sehr engagiert und vehement durchgezogen.“

      jepp, hat er. und er hat vom ersten tag bzw. noch in den veranstaltungen vor seiner wahl deutlich gemacht, die AG ganz nach oben auf die agenda zu setzen. nebenbei hat er dann noch die ersten schritte unternommen, die jugend finanziell unabhängig vom erfolg der profis zu machen und offensichtlich muss sich im verein auch etwas verändert haben, wenn die dauerkarten innerhalb eines tages da sind ;-)

      „Da wir schon dabei sind, kommen wir zum ersten Argument, das gegen die Ausgliederung spricht. Das Misstrauen gegen den Aufsichtsrat und Herrn Dietrich. Der VfB wurde über Jahre hinweg – und zwar mit Ansage – von den Herren Mäuser, Hundt, Bobic, Wahler & Co. an die Wand gefahren.“

      nachvollziehbar, dein misstrauen, auch wenn die genannten gott sei dank keine rolle mehr spielen. eines allerdings muss ich anmerken: überprüfe dich selbst, ob dein misstrauen gegen dietrich etwas mit seiner bisherigen arbeit zu tun hat, oder doch mehr mit antipathie.

      „Bis Vertrauen in Herrn Dietrich und den aktuellen Aufsichtsrat wachsen könnte, bräuchte es mehr Zeit. Mehrere Jahre erfolgreiche Arbeit. Nicht einfach eine Scharte ausgewetzt zu haben.“

      wenn der vfb diese zeit hätte, wäre ich damit einverstanden. hat er aber nicht. nicht mal in ansätzen, wenn wir uns anschauen, was alleine in den letzten 3-4 jahren passiert ist.

      „Allerdings führt die Art und Weise, wie der Präsident in der Diskussion um die Ausgliederung agiert, nicht dazu, Vertrauen in seine Person entstehen zu lassen. Die Behauptung beispielsweise, die Ausgliederung würde die Rechte des VfB e.V. und damit der Vereinsmitglieder, völlig unverändert fortbestehen lassen, ist hanebüchen. Das von Mainz 05 veröffentlichte Rechtsgutachten bringt es dagegen so ehrlich wie schonungslos auf den Punkt:

      „Jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.““

      der einfluss der mitglieder auf den profisport ist stand heute praktisch null. und ich frage mich, weshalb das morgen, weshalb das überhaupt anders sein sollte?sollen wir zukünftig darüber abstimmen, ob wir den trainer feuern? entschuldige die polemik, aber das ist für mich das schwächste aller argumente.

      „Statt Augenwischerei zu betreiben, wäre es mein Wunsch gewesen, die Vereinsführung hätte die Diskussion transparent, fair und mit Niveau geführt. Stattdessen werden auf der Kampagnenwebseite unter der Überschrift „Dichtung und Wahrheit“ von der Vereinsführung „Fake vs. Fakten“ präsentiert, womit in Wahrheit nur im Stile Donald Trumps andere Meinungen diskreditiert werden sollen. Meine E-Mail an den Verein, die ich schrieb, nachdem dieser zum ersten Mal diese – in aller Deutlichkeit – Propaganda veröffentlichte, wurde zwar freundlich beantwortet. Von dieser Form der Kampagnenführung Abstand genommen hat die Vereinsführung jedoch nicht.“

      da gebe ich dir recht. kommunikativ hätte einiges besser laufen müssen. jedoch darf man schon auch die bemühungen anerkennen, die bspw. mit „vfb im dialog“ und unzähligen weiteren veranstaltungen sichtbar werden

      „Schlechter Stil in der Diskussion ist freilich kein Grund an sich, gegen die Ausgliederung zu sein. Wie gesagt: Herr Dietrich tut nur, wofür er geholt wurde. Das Vorgehen beschädigt allerdings das Vertrauen in seine Person massiv. “

      jein. mein eindruck ist eher, dieses vorgehen zementiert deine meinung über ihn.

      „Das Gleiche gilt, wenn Herr Dietrich sagt, er habe – wörtlich – kein Mandat der Vereinsmitglieder und keine Zeit gehabt, um mit anderen Ankerinvestoren als mit Daimler zu verhandeln. Da stellt sich mir zunächst die Frage, woher er das Mandat hatte, diese Verhandlungen mit Daimler zu führen. Von den Mitgliedern jedenfalls nicht. Viel wichtiger: Wenn man keine Zeit hat, mit anderen Investoren zu verhandeln, kommt der Zeitpunkt der Abstimmung zu früh.“

      das ist in der tat ein scheißargument gewesen. er bzw. der vorstand hat qua amt das mandat solche gespräche zu führen. ob mit daimler oder sonstwem.

      „Natürlich, Zeit ist im schnelllebigen Fußballgeschäft Mangelware. Aber so wird die außerordentliche Mitgliederversammlung erzwungen und die Entscheidung übers Knie gebrochen. Warum wurde tatsächlich nicht mit anderen Investoren verhandelt? “

      also ich glaube tatsächlich nicht, dass andere investoren eben mal so auf den bäumen wachsen und darauf warten 40 mio in einen fußballverein zu investieren – OHNE erträge, OHNE entscheidungsgewalt.

      „Wurden zumindest Versuche unternommen, beispielsweise Finanzinvestoren – wie KKR bei Hertha BSC – zu gewinnen?“
      in so einem fall würde ich sofort mit „NEIN“ stimmen!

      „Oder haben Teile des Aufsichtsrats und allen voran die beiden Daimler-Vertreter jede Möglichkeit, andere Investoren zu finden, von vorn herein unterbunden? Auch wenn Herr Porth dies in einem Interview in den Stuttgarter Nachrichten vom 26. Mai 2017 bestritten hat, kann doch niemand verleugnen, dass von Anfang an nur Daimler als Ankerinvestor vorgesehen war und Herr Dietrich auch mit keinem anderen Unternehmen reden wollte. Herr Porth sagte in diesem Interview: „Und wer dies kritisiert, soll uns doch bitteschön sagen, wer denn als Ankerinvestor noch hätte mitbieten wollen.“ Der Präsident redet nur mit einem einzigen Käufer und wer dies auch nur kritisiert, der solle bitte einen anderen Investor bringen. So kann man es natürlich auch drehen. Meine Güte…“

      ob es einem nun gefällt oder nicht. daimler und der vfb sind miteinander verbunden. ich selbst habe jahrelang darüber sinniert, dass ich als vfb-chef den herrn toyota oder den herrn hyundai anrufen würde, wenn daimler nicht endlich ernsthaft was tut. sie tun es jetzt. und sie tun es ernsthaft.

      „An einem anderen Punkt gebe ich Herrn Porth allerdings Recht: Der Zeitpunkt für eine Ausgliederung wurde verschlafen. Nach der Meisterschaft 2007 wäre die Möglichkeit da gewesen, den VfB so aufzustellen, um dauerhaft die Perspektive Champions League zu haben. Egal. Ich will nicht über verschüttete Milch reden. “

      wäre es. aber mit welchen entscheidungsträgern? so gesehen, können wir extrem froh sein, dass es 2017 ist und endlich leute das sagen haben, die was von diesem geschäft verstehen. und damit meine ich auch dietrich, denn das wird man ihm kaum absprechen können.

      „Jetzt ist jedoch der falsche Zeitpunkt für die Ausgliederung. Die Aktien an der VfB AG kann man nur ein einziges Mal verkaufen. Deswegen sollten sie nur aus einer Position der Stärke heraus abgegeben werden. Jetzt wäre es erforderlich, durch gute Arbeit in den nächsten zwei bis drei Jahren zu überzeugen, um dann die Beteiligung von (weiteren) Investoren zu prüfen.“

      wenn du eine so gut funktionierende glaskugel hat, die dir sagt, was in den nächsten 3 jahren so passiert, dann bitte her damit. ich hätte da unabhängig vom vfb ein paar fragen… aber ernsthaft: vielleicht hat der vfb einen riesen dusel, alles kommt zusammen, wir machen es wie leipzig und spielen übernächste saison CL. und das ohne ausgliederung. und übernächste auch wieder. DANN greift dein szenario! investoren und jugendspieler reißen sich um den vfb, alles wird gut. und wenn nicht? zwei jahre dümpeln in der liga, abstiegskampf ist durchaus auch möglich (auch mit ausgliederung!), weniger fans, die kommen, geringere einnahmen, talente gehen dort hin, wo trainingsbedingungen und strahlkraft des vereins deckungsgleich sind… und gleichzeitig enteilen große teile der liga immer mehr und mehr. ich glaube nicht, dass alles besser wir mit der AG. ich glaube auch nicht, dass sollten wir erfolg haben nächstes jahr, dies ausschließlich mit 40 mios zu tun hat, aber ich bin sehr überzeugt, dass du in diesem irrenhaus von fußballzirkus der konkurrenz was entgegen setzen musst. mit besseren strukturen. mit ideen. und mit geld diese umzusetzen!

      „Das ist nicht einfach. Gerade die TV-Gelder werden nicht reichlich sprudeln. Jetzt schlagen die ganzen letzten fünf Jahre mit Abstiegskampf und dem Abstieg voll durch: Platz 12, Platz 15, Platz 14, Platz 17 und 2. Liga. In die Schlange am Topf der TV-Gelder stellen wir uns erst einmal auf die vorletzte Stelle. Aber hat nicht beispielsweise Borussia Mönchengladbach es in den letzten zehn Jahren auch ohne Investoren eindrucksvoll bewiesen, wie man aus der zweiten Liga kommend es wieder nach Europa schafft? Mit einer klaren Strategie und überzeugenden Personen in der sportlichen Führung (die wir definitiv haben). Das sollte unser Vorbild sein. Und ja: Schaffe isch a Gschäft.“

      gladbach hat vieles richtig gemacht. und damit sind sie sehr alleine auf ganz weiter flur. ganz alleine, um es genau zu sagen. vorbild? ja, trotzdem. aber gladbach hat auch einen haufen glück gehabt, das es braucht und immer brauchen wird. (dito köln, bin gespannt wie das nächstes jahr aussieht.)

      „Insgesamt möchte der VfB 24,9 % an der VfB AG verkaufen. Wer neben Daimler die weiteren bis zu 13,15 % der Aktien erwerben soll, ist völlig unklar. Ich bin nicht glücklich darüber, dass wir als Mitglieder nicht über diese weiteren Investoren mitentscheiden können. Darüber werden nur der Aufsichtsrat der VfB AG und das Präsidium des Vereins abstimmen. Es wäre juristisch leicht möglich gewesen, vor der Veräußerung weiterer Anteile das Votum der Mitgliederversammlung einzuholen.“

      wozu? wer soll denn schlimmes einsteigen, den wir fans so vehement ablehnen würden? mir ist das zuviel teufel-an-die-wand-gemale

      „Nicht einverstanden bin ich damit, dass so schnell Aktien an verschiedene weitere Investoren verkauft werden sollen. Bis 2019 will der VfB insgesamt 24,9 % an der VfB AG veräußert haben. “

      das sind rund 14 prozent in den kommenden beiden jahren und weitere 60 mios an einnahmen. ein anderes vorgehen wäre für mich gänzlich unplausibel. natürlich, es ein risiko dabei, wer würde das negieren? aber mit klug eingesetzen 100 mio in 2 jahren läßt sich schon bissle was bewegen!

      „Man muss auch mal gut finden, was der FC Bayern macht: 2002 stieg Adidas dort ein, 2010/11 Audi und 2014 die Allianz. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Heute halten die drei Investoren jeweils 8,33 % der Aktien an der FC Bayern München AG, der Verein FC Bayern München e.V. die restlichen 75 %. Adidas bezahlte pro 1 % der Anteile rund 9,2 Mio. Euro, Audi bereits ca. 10,8 Mio. Euro und die Allianz rund 13,2 Mio. Euro pro 1%-Anteil. Immer dann, wenn die Bayern einen neuen Investor hinzugeholt haben, dann aus einer starken Verhandlungssituation heraus. Das sehe ich beim VfB bis 2019 – bei allem Optimismus – nicht. Eine vergleichbare Wertsteigerung der Anteile (und damit einer deutlicher höherer Verkaufspreis) wäre beim VfB allenfalls möglich, wenn man zumindest nicht so schnell neue Investoren suchen, sondern es zunächst bei dem Einstieg von Daimler belassen würde. Weitere Investoren sollten jedenfalls erst dann hinzugenommen werden, wenn man vorher erfolgreich mit den 41,5 Mio. Euro von Daimler gewirtschaftet hat. Über Jahre.“

      naja, bayern ist vorsichtig geschätze 100 lichtjahre vom vfb entfernt in wirtschaftlicher hinsicht. und in sachen tiel national wie international schweigen wir besser… ausgerechnet die als beispiel zu nehmen, na, ich weiß nicht. wenn alles toll liefe und man gut gewirtschaftet hat, dürfen von mir aus gerne weitere 5,1 prozent für dann 50 mios verkauft werden.

      „Auch die Rechtsform der Aktiengesellschaft halte ich aus der Perspektive der Mitglieder für verfehlt. Die GmbH oder die GmbH & Co. KGaA würden den Bedürfnissen des Vereins und der Vereinsmitglieder viel besser Rechnung tragen. Man muss die Dinge klar beim Namen nennen: Die Aktiengesellschaft ist die Rechtsform, in der der Verein die wenigsten Einflussmöglichkeiten hat, was an zwingenden Regelungen des deutschen Aktiengesetzes liegt. Nach § 76 Abs. 1 Aktiengesetz leitet der Vorstand eine Aktiengesellschaft in eigener Verantwortung. Auch wenn der Verein 75,1 % der AG hält und im Aufsichtsrat die Stimmmehrheit haben wird: Weisungen oder andere Einflussmöglichkeiten auf den Vorstand haben weder der Aufsichtsrat noch die Hauptversammlung der AG. Bei anderen Rechtsformen wäre es möglich, die Rechtsbeziehungen zwischen dem Verein und der Gesellschaft, so auszugestalten, dass der Verein möglichst wenig an Einflussmöglichkeiten verliert. “

      in diesem punkt vertraue ich darauf, dass du dich besser auskennst. was ich nur nicht ganz verstehe: weshab sollte der präsident des eV, der heute der chef ist, unbedingt nix mehr zu sagen haben wollen in einer AG?

      „Bestimmte Projekte, die mit dem Geld aus der Ausgliederung gezahlt werden sollen, könnten anders und meines Erachtens zum heutigen Zeitpunkt besser finanziert werden. Die mittelfristig von den Profis unabhängige Finanzierung der VfB-Jugend und des Nachwuchsleistungszentrums etwa. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine zweckgebundene Fananleihe mit einer langen Laufzeit von zehn oder mehr Jahren genügend Planungssicherheit da wäre. Und angesichts des momentan immer noch sehr niedrigen Zinsniveaus, wäre es für den VfB sicher möglich, eine langlaufende Anleihe zu sehr niedrigen Zinsen zu begeben. Ob man quasi keine Zinsen auf dem Tagesgeldkonto von der Bank bekommt oder wenig Zinsen vom VfB und dafür noch etwas Sinnvolles unterstützt: Ich denke, viele VfB-Anhänger würden das unterstützen. Natürlich müsste eine Fananleihe irgendwann zurückgezahlt werden. Das ist so. Aber eine Aktie kann man immer nur einmal verkaufen. Und deswegen würde es auch deswegen Sinn machen, mit der Ausgliederung, jedenfalls aber mit der Veräußerung von den 11,75 % an Daimler hinaus, abzuwarten.“

      eine anleihe sind schulden. egal wie man das nennt und egal bei wem. man muss sie zurückzahlen, und steht in bonitätsfragen um längen schlechter da – im gegensatz zur AG. der vfb wird auch mit AG banken etc brauchen, um planungen (welcher art auch immer) umzusetzen. da wäre eine anleihe ein gewaltiger nachteil.

      „Lange Rede, kurzer Sinn: Diese Ausgliederung ist nicht alternativlos. Der Zeitpunkt der Ausgliederung, das mangelnde Vertrauen in den Präsidenten und den Aufsichtsrat, die verfehlte Rechtsform, der zu schnell geplante Verkauf weiterer Anteile an andere Investoren sprechen für mich dagegen, bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung mit „Ja“ zu stimmen.

      Übrigens: Wer „Nein“ stimmt, sagt trotzdem „Ja zum Erfolg!“ des VfB. Wer hin geht: Lasst Euch da am Donnerstag keinen Bären aufbinden.“

      stimmt. jedoch sollte man beim emotionalen kernthema „mitbestimmung“ bitte nicht so tun, als wenn wir mitglieder heute etwas zu sagen hätten. das ist unsinn :-)

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