Mini-Feature, VfB
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Der VfB und die große Lösung Bierhoff

Ottmar Hitzfeld in den Aufsichtsrat, Oliver Bierhoff als Präsident, der frei gewordene Matthias Sammer als Motzki & Mahner: Dieses Szenario ist genauso wie die Ideen, die einst Bernd Wahler hatte: unrealistisch, verträumt, weltfremd. #Größenwahn

Hat jemand wirklich ernsthaft geglaubt, einer von dieser Kategorie käme zum Zweitligisten VfB?

Jan Schindelmeiser heißt der neue Sportvorstand des VfB. Ein Mann, über den seit sechs Jahren nichts bekannt ist, außer dass er an alten Autos geschraubt habt. Das passt vielen nicht. Denn er ist deshalb auch ein Mann, der bereits vor seiner offiziellen Vorstellung beim VfB mit allerlei Halb- und Unwahrheiten gebasht wurde. Ok, Schindelmeiser ist nicht Stefan Reuter (Augsburg). Und nicht Jochen Sauer (RB Salzburg). Und schon gar nicht Oliver Bierhoff (Markenbotschafter für SAP und Hotelexperte). Aber es wird gerade so getan, als ob Schindelmeiser der Mister Bean der Bundesliga wäre, ein Notnagel, eine Witzfigur. Dabei wäre das einzige Lustige an ihm, wenn Béla Réthy ihn Schniedelmeister nennen würde, aber so schnell baut der ZDF-Kommentator wahrscheinlich keinen Steinschweiger mehr.

Gehts noch, was erlaube Aufsichtsrat?
Wie kann der denn bitteschön keine Granate aus dem internationalen Fußball verpflichten, um den VfB aus seinem graue Maus-Sein wieder in die nationale Spitze (sprich: erste Bundesliga) zu führen? Wenn nicht Bierhoff, dann wenigstens Sammer. Schindelmeiser ist nicht gut genug nach der Meinung vieler. Aber wenigstens überschätzt er seinen Intellekt nicht wie Fredi Bobic und ist nicht so selbstdarstellerisch wie Robin Dutt. Ein selbstbewusster Mann mit Weitblick und Sachverstand, wenn man Uli Hoeneß und Rudi Völler glauben darf, nicht gerade die blödesten im deutschen Fußball-Management. Auch die Antritts-Pressekonferenz von Schindelmeiser lässt hoffen. Aber seit der legendären Dutt’schen PK ist das natürlich kein Gradmesser mehr.

Die Augen sind nach wie vor groß beim VfB, sonst hätte keiner eine große Lösung angekündigt. Das haben alle nur zu gerne geglaubt. In der zweiten Liga ist der VfB aber auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Natürlich sollte der VfB ambitioniert bleiben, denn klein wirds von allein. Aber bitte schön, wir sollten alle realistisch bleiben. Jos Luhukay und Simon Terodde, zwei Zweitliga-Spezialisten, das ist unsere Kragenweite. Zweite Liga sein, aber an Champions League denken, das funktioniert nicht. Ich sehne mich nicht nach großen Lösungen, sondern nach Siegen. Ich will keine hochgestochenen Visionen, ich will zurück in die erste Liga.

Vorher müssen wir alle die zweite Liga annehmen. Und das bedeutet auch, dass in der kommenden Saison keine Spieler auf dem Platz stehen, die wir bei der Euro gesehen haben, sondern junge Typen aus der U23 und U19, deren Namen wir nicht kennen, und Neuzugänge vom Kaliber eines Gojko Kacars oder Tobi Werners. Hauptsache, man lässt sich nicht auf schlechte Tauschgeschäfte ein und lässt Filip Kostic für kleines Geld nach Hamburg ziehen, obwohl der VfB den George Best des Balkans für 20 und mehr Millionen nach Dortmund, Wolfsburg oder West Bromwich Albion (Arbeitsgenehmigung vorausgesetzt) verkaufen könnte.

Keiner sollte so arrogant sein und sich für zu gut für diese Spielerkategorie halten. Auch wenn es schwer fällt: Wer sich auf die zweite Liga freut, sollte sich mit Neuzugängen wie Änis Ben-Hatira, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und … Kevin Kuranyi auseinander setzen.

Wer nur an Traditionsduelle mit Pauli, Lautern, Aue, Union, KSC und 1860 denkt, ist genau so verträumt wie Bernd Wahler. Denn zweite Liga tut weh. Wer es noch nicht wusste, bekommt spätestens nach dem traurigen Blick auf das Mannschaftsfoto und der Terminierung der ersten Spieltage so langsam einen Eindruck davon.

Bild: katatonia82 / Shutterstock.com

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3 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Das ist gerade wirklich nicht leicht für den VfB, ein Großteil der Fan’s ist empathisch noch nicht in der 2. Liga angekommen, ein anderer Teil hat Dollarzeichen in den Augen und will Nationalspieler kaufen und ein weiterer Teil sieht in Schindelmeiser und dem Rest des Managements einfach nur Negatives.
    Dabei geht’s uns doch eigentlich gut, ja, wir haben uns von Spielern getrennt, von denen wir ernsthaft aber wirklich keinem nachweinen (ja, wir sind nicht alle losgeworden, die wir loswerden wollten, aber was nicht ist, wird noch werden) und haben dabei noch richtig gut verdient, z.B. Ablöse-Nachschlag für Rüdiger (wer hat uns den eingebrockt?), Werner-Millionen usw. (klar, davon kriegt JK völlig zu Recht noch einige Zeit Schmerzensgeld und auch Wahler und Dutt werden sich evl. noch bedienen). Dass wir von diesem Geld zuallerst einmal den neuen Sportvorstand und den neuen Präsidenten finanzieren, ist klar, aber es wird ja schon was übrig bleiben. Da werden schon noch weitere so Kracher wie zuletzt mit Simon Terrode (musste keiner beobachten), Anto Grgic (wurde über ein Jahr lang beobachtet, wer hat das denn veranlasst?) und Marcin Kaminski (hat den auch einer beobachtet?) dabei herauskommen. Jos wird auch dafür sorgen, dass der Fokus dabei nicht auf steigerungsfähige (im Sinne von Qualität und Marktwert), sondern auf sofort einsetzbare Profis gestellt wird. Wird zwar schwer, die guten dazu zu bringen, einen Zeitvertrag mit dem VfB für 1 Jahr zu machen, aber wir werden die schon überreden, Zungen hat der sportliche Bereich ja mittlerweile genug. Worte und Argumente auch?
    Ich bin mit mir selbst noch nicht einig, wie ich das alles beurteilen soll. Einerseits finde ich solche Tranfers wie Anto Grgic gut, andererseits passt der zu gut zu Marcin Kaminski und drängt uns damit in einer in der 2. Liga nicht sinnvolle „spielerische“ Richtung. Irgendwie finde ich auch Schindelmeiser gut, auch wenn lange her, ist in seiner Vita doch viel Erfolg zu sehen. Andererseits ist es ihm aber auch gelungen, Hopp beim Abschied so viel Knete abzunehmen, dass er davon 6 Jahre lang gut leben konnte. Wer das hinbekommt, lässt hoffen, dass er sich auch von unserem Aufsichtsrat (und Freundeskreis) nicht unterbuttern lässt. Hoffentlich in der Sache und nicht in der Abfindung.
    Irgendwie ist es seltsam, es kommt mir alles so langsam vor beim VfB, so über-durchdacht und dann doch nach dem alten (hinterlassenen) Schema, so großspurig-weltmännisch (wir gehen auf jeden Fall wieder hoch) und doch porentief ängstlich und irgendwie alles viel zu schnell …

    • @abiszet sagt

      Wenn es nur alles überdurchdacht wäre. Mir geht es insgesamt viel zu langsam. Sowohl was Sport-Vorstand als auch „alte“/neue Spieler betrifft. Insua muss sofort entscheiden werden, Kostic kann man wegen mir am allerletzten Tag verkaufen, so langsam kommt Schwung in den Markt (Schürrle, Sané), was auch gut sein kann für den Kostic-Transfer.

      Das Budget dürfte nicht die sooooo große Rolle spielen, bis zu 50 Millionen erhält der VfB an Transfereinnahmen. In drei Wochen ist das erste Spiel und die ersten reden schon davon, dass womöglich im Winter nachgelegt wird. Also eine Halbserie abschwenken? Die gesamte Offensive verloren, einen einzigen Innenverteidiger (!) aus Polen geholt – ist man der Meinung: Für die erste Bundesliga ist Sunjic nicht gut genug, aber dafür für die zweite? Nein, optimistisch kann ich nicht sein, so steigt der VfB nicht auf.

      • drausvomLande sagt

        Realistisch gesehen, ist der Aufstieg mit der aktuellen Konstellation Vereinsstruktur, sportliche Leitung und Mannschaft sowieso fast nicht zu schaffen. Wenn dieses Wunder dann doch geschieht, haben wir auch nur den Status eines Fahrstuhl-Vereins erreicht. Ischso!
        Über-durchdacht: Hier will keiner einen Fehler machen, alle haben Angst. Vor wem oder was eigentlich? Geld für Abfindungen ist da und die Fan’s werden so schnell auch keinen Platz-Sturm mehr machen. Die werden höchstens mit ihrer Dauerkarte zu Hause bleiben.
        Und weil keiner einen Fehler machen will, wird auf die vorhandenen Konzepte zurückgegriffen, d.h. die Dutt’schen konzeptionellen Hinterlassungen / potentiellen Spieler. Die waren ja eigentlich ausgesucht für höhere Gefilde in Liga 1 und werden nun gekauft für Liga 2. Juhu!!
        Das ist Aktionismus und viel zu schnell geschossen. Da hätte man sich zuerst Zeit für eine konzeptionelle Arbeit nehmen müssen, was aber bei der nicht vorhandenen Schnelligkeit der Einsetzung einer neuen sportlichen Führung schlicht nicht ging. Das ist es, was ich mit zu schnell und zu langsam meine und was in mir keine großen Hoffnungen auf den Wieder-Aufstieg erweckt. Heute in der Zeitung hat das Jos ja leider sogar bestätigt. Na Klasse.
        Und warum das alles so ist? Da gibt es ein seit Jahren dringend notwendiges Projekt der Vereins-Erneuerung, -änderung. Das ist dazu da, die Vereins-Strukturen professionell zu gestalten, strukturelle und organisatorische Antworten auf personelle Leistungen egal welcher Ebene zu bieten und und und. Wahler hat daraus die Ausgliederung gemacht, andere (wie ich z.B.) würden gerne einfach nur die Wahl-Paragraphen ändern und Herzblut suchen. Aber das ist im Moment ja zurückgestellt, der Aufstieg ist Priorität. Wer hat denn darüber nachgedacht und das so entschieden? Denkt mal drüber nach.

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