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Kiiiiiischteee! So bleibt der VfB erstklassig!

Die ZEIT schreibt, dass „der HSV, derzeit nicht lebendiger ist als seine Dino-Artgenossen“. Beim VfB hingegen ist in erster Linie die Hoffnung lebendig. Die Hoffnung, dass die Heimspiele gegen Bremen, Mainz, Freiburg und den HSV gewonnen werden. Doch woher kommt der Optimismus? Weil es der Anspruch in der Vergangenheit war, dass diese Mannschaften geschlagen werden? Sind die VfB-Verantwortlichen Traumtänzer oder Realisten? Wir haben uns die nächsten sieben Spiele ganz genau angeschaut und wagen folgende Prognose: Der VfB wird die Klasse auf Platz 15 halten. Ihr glaubt das nicht? Schaut es Euch an, so verrückt ist es nicht. Ehrlich.

28. Spieltag: VfB – Bremen 3:3
Es gab in der Vergangenheit einige Spektakel-Spiele gegen Bremen: Ein 4:4 mit drei Toren von Marcelo Bordon, irgendwann mal ein 6:3 mit drei Toren von Mario Gomez und sogar ein 6:0 mit dem Highlight, dass Artur Boka mit rechts (!) ein Treffer gelang.

Und schließlich in der Meistersaison 2006/2007 ein 4:1, es war irgendwie der Anfang von allem. Damals spielten beim VfB zwei Linksverteidiger, die identisch aussahen. Da war zum einen Ludovic. Er fing gerne mal mit einem reflexartigen Spagat einen Steilpass ab, schlug das Leder dann hoch und weit weg, galoppierte los und kam vorne pünktlich an, um den herunterfallenden Ball wieder butterweich anzunehmen. Er blies die Backen auf und schob die Brust weit heraus. Mit praller Gestik ruderte er mit den Armen, schlenkerte mit den Beinen, ließ Gegenspieler ins Leere laufen. Anschließend hechelte er mit heraushängender Zunge und dem Kopf unter dem Arm Richtung Strafraum. Und dann gab es da Magnin (der meist den Vorzug vor Ludovic bekam), der als Linksfüßer Spiele mit zwei rechten Beinen bestritt. Er schlug jede Flanke hinters Tor, stand defensiv immer falsch, war mit seiner Frisur und Mimik der Schrecken der Mitspieler. Seine Schultern waren traurig innen gekehrt, der Kopf hing haltlos dazwischen, die fehlende Körperspannung führte zwangsläufig zu Ballverlusten und slapstickhaften Stürzen. Der britische Guardian nannte Magnin einmal „VfB’s own doppelganger of Dieter Hoeness“ (hier geht’s zum Text)

Adam Hlousek wirkt oft wie ein Doppelgänger von Magnin. Doch im Spiel gegen Bremen wächst er über sich hinaus, wird zu Ludovic, bereitet zwei Tore von Daniel Ginczek vor und lenkt einen Freistoß von Zlatko Juzunovic mit seinem bisschen Haupthaar an die Latte. Hilft aber alles nichts, auch das Premierentor von Timo Baumgartl nicht, denn Davie Selke ist nicht in den Griff zu bekommen und schießt drei Tore. Bei seinem Torjubel breitet er die Arme aus, es sieht aus, als hätte er Flügel.

Währenddessen spielen die direkten Konkurrenten so:
HSV – Wolfsburg 1:1
Schalke – Freiburg 2:0
Paderborn – Augsburg 1:1
Hannover – Hertha 0:0

Die Tabelle nach dem 28. Spieltag:
14. Hannover 29 Punkte
15. Freiburg 28 Punkte
16. HSV 25 Punkte
17. Paderborn 25 Punkte
18. VfB 24 Punkte

29. Spieltag: Augsburg – VfB 1:0
Mit Augsburg verbinde ich nur nichts Gutes, zum Beispiel die 2:1-Niederlage am dritten Spieltag 2013, die zu Bruno Labbadias Freistellung führte. Ansonsten ist alles verschwommen in meiner Erinnerung. Wer war nochmal Augsburg? So ähnlich geht es den VfB-Spielern.

Der VfB hält jedenfalls 60 Minuten gut mit, scheint einen Punkt mitzunehmen, um dann doch ein Gegentor von Tobias Werner zu kassieren. Der kurz zuvor eingewechselte Sakai hatte die Anweisung von Huub Stevens falsch verstanden, er solle den Ball immer schnell auf Timo Werner weiter spielen. Dass es auch einen Werner bei Augsburg gibt, hatte man in der Eile für Sakai nicht übersetzt. Aber der Auftritt stimmt optimistisch, schließlich könne man nicht erwarten, dass man bei einem Euro-League-Kandidaten punktet. „Wir holen die Punkte gegen unsere direkten Konkurrenten“, lässt sich Robin Dutt zitieren.

Die anderen Partien:
Dortmund – Paderborn 3:0
Leverkusen – Hannover 3:0
Freiburg – Mainz 1:0
Bremen – HSV 2:2

Die Tabelle nach dem 29. Spieltag:
14. Freiburg 31 Punkte
15. Hannover 29 Punkte
16. HSV 26 Punkte
17. Paderborn 25 Punkte
18. VfB 24 Punkte

30. Spieltag: VfB – Freiburg 2:1
Der SC Freiburg liegt dem VfB, schon letzte Saison wurde mit einem 2:0 das Fundament für den Klassenerhalt gelegt. Oft gelangen die besten Spiele gegen die Breisgauer, die auch so gut wie gerettet scheinen nach einem überzeugenden Zwischenspurt mit Siegen gegen Augsburg, Köln und Mainz.

Neue Aktion des VfB: Wer mit einem Trikot mit der Nummer 12 (für der 12. Mann) ins Stadion kommt, erhält ein Herrengedeck und einen von Bernd Wahler signierten Plastikbecher mit der Aufschrift „#Mirkriegetdeshin“ geschenkt. Anfangs will keiner den Becher, aber alle das Herrengedeck. Nach dem souveränen Sieg nach Toren von Martin Harnik und Schorsch Niedermeier (beide nach Eckbällen) versammeln sich jedoch Fans vor dem VIP-Eingang der Hauptribüne und singen „Wir wolln’ den Wahler sehn, wir wolln’ den Wahler sehen!“ Der Präsident lässt sich feiern und ist hochmotiviert, weitere Werbemaßnahmen zu entwickeln. Die übliche Vorstandsrunde nach einem Spieltag schwänzt er, um sich zu einem Kreativ-Workshop mit seiner Werbeagentur auf der Karlshöhe zu treffen.

Die Konkurrenten spielen folgendermaßen:
Hannover – Hoffenheim 1:2 und HSV – Augsburg 1:1 und Paderborn – Bremen 0:0

Die Tabelle nach dem 30. Spieltag:
14. Freiburg 31 Punkte
15. Hannover 29 Punkte
16. VfB 27 Punkte
17. HSV 27 Punkte
18. Paderborn 26 Punkte

31. Spieltag: Schalke 04 – VfB 1:0
Großes Familientreffen in Gelsenkirchen. Alle sind sie da: Kevin Kuranyi, Marcelo Bordon, Timo Hildebrand, Ciprian Marica und natürlich auch Jens Keller und Felix Magath. Nach dem Spiel ist ein großer Grillabend bei Horst Heldt geplant, den Sami Khedira mit Freundin Lena im letzten Moment absagt. Deshalb ist eigentlich klar, dass die  Partie nur Unentschieden enden kann. 75 Minuten kann der VfB gut mithalten, aber dann drückt Klaas-Jan Huntelaar eine verunglückte Flanke von Christian Fuchs mit dem Hintern ins Tor.

Und sonst?
Wolfsburg – Hannover 3:1 und Freiburg – Paderborn 1:0 sowie Mainz – HSV 2:1

Die Tabelle nach dem 31. Spieltag:
14. Freiburg 34 Punkte
15. Hannover 29 Punkte
16. VfB 27 Punkte
17. HSV 27 Punkte
18. Paderborn 26 Punkte

32. Spieltag: VfB – Mainz 1:0
Die letzten sechs Spiele konnte der VfB nicht gegen Mainz gewinnen, der letzte Sieg datiert vom April 2012, immerhin ein 4:1. Der VfB versucht erneut mit einer neuen Aktion die Zuschauer ins Stadion zu locken: Pro Heimtor ein frisch gezapftes Pils, dazu gibt’s ein Paar VfB-Hausschuhe gratis oben drauf und wer auf die Einlösung verzichtet, kann ein Treffen mit Bernd Wahler gewinnen, in dem er erzählt, warum der VfB unbedingt solche Marketing-Kampagnen braucht.

Das VfB-Spiel ist nicht so gut wie die Wahler-Aktion: Nervös, fahrig, fehlerhaft, keine gelungenen Spielzüge. Bis Serey Dié aus Verzweiflung aus 25 Metern abzieht. Der Ivorer kann schießen wie ein Pferd, der Ball schlägt unter der Latte ein und zerstört das Netz. Keiner hat den Ball so recht gesehen, durch das kaputte Netz kommt der Ball schließlich neben dem Tor zum Liegen. Schiri Gräfe will trotz wütender Proteste Abstoß geben, bis der Mainzer Keeper Loris Karius – bis 2009 beim VfB – den Unparteiischen auf das korrekte Tor aufmerksam macht. Das Stadion feiert Karius, Gräfe und sich selbst und wirft tausende von VfB-Hausschuhen aufs Feld. Das Bild geht um die Welt.

Die anderen Partien enden so:
HSV – Freiburg 2:1 und Hannover – Bremen 1:1 sowie Paderborn – Wolfsburg 1:4

Die Tabelle nach dem 32. Spieltag:
14. Freiburg 34 Punkte
15. Hannover 30 Punkte
16. VfB 30 Punkte
17. HSV 30 Punkte
18. Paderborn 26 Punkte

33. Spieltag: VfB – HSV 1:0
Der Präsident goes steil als MC Wahlr mit einer überragenden Aktion: Als neuen Tor-Song wird die Vereinsführung „Kiiiiiiiiischteee“ von den Orsons einspielen. Die Mannschaft bekennt sich aber geschlossen zu US-Hip-Hoper Kendrick Lamar. Vor allem Antonio Rüdiger, der mehr auf so intellektuellen Hip-Hop steht, macht mit einigen Eigentor-Versuchen auf sich aufmerksam. Aber entweder wird Sven Ulreich angeschossen oder es ist noch ein Hamburger Bein dazwischen, das den Ball neben das Tor spitzelt. Kurz vor Schluss bringt Timo Werner nochmal Schwung in die Kiste und schließt einen atemberaubenden Alleingang zum 1:0 ab. Und das ganze Stadion so „Kiiiiiiiiischteee“: Kollektives Aufatmen in Stuttgart. Da ist die Kiste, da ist der Klassenerhalt! Bei den Hanseaten entlässt Direktor Profifußball Peter Knäbel den Trainer Peter Knäbel unmittelbar nach der Niederlage. Es übernimmt Klaus-Michael Kühne. Natürlich nur solange, bis Thomas Tuchel kommt.

Das Cover von "Kiiiiiiiiischteee" featuring MC Wahlr, inspiriert von den Orsons (Chimperator), erhältlich nur als Vinyl.

Das Cover von „Kiiiiiiiiischteee“ featuring MC Wahlr, inspiriert von den Orsons (Chimperator), erhältlich nur als Vinyl.

Wie spielen die Konkurrenten? So:
Schalke – Paderborn 3:0 und Augsburg – Hannover 1:1 sowie Freiburg – Bayern 1:3

Die Tabelle nach dem 33. Spieltag:
14.Freiburg 34 Punkte
15. VfB 33 Punkte
16. Hannover 31 Punkte
17. HSV 30 Punkte
18. Paderborn 26 Punkte

34. Spieltag: Paderborn – VfB 0:0
In der letzten Partie reicht dem VfB ein Unentschieden, da sich Freiburg und Hannover gegenseitig die Punkte nehmen. Das Abschiedsspiel für Ibisevic, der zu Fenerbahce Istanbul wechselt, erinnert die VfB-Chronisten an das letzte Spiel der Zweiliga-Saison 1977 gegen Eintracht Trier. Angst vor Fehlern prägt den Stuttgarter Auftritt, obwohl der VfB 90 Minuten mithalten kann. Aber in erster Linie, weil bereits nach einer Viertelstunde auf Zeit gespielt wird und Bälle übers Tribünendach Richtung A33 geschlagen werden. Zahlreiche Verletzungspausen lassen kaum ein richtiges Fussballspiel aufkommen, selbst Huub Stevens lässt sich mehrere Minuten wegen eines Wadenkrampfs behandeln. Doch was zählt, ist das Ergebnis. Was zählt, ist der Klassenerhalt!

Und so sieht es auf den anderen Plätzen aus:
Hannover – Freiburg 0:1 und HSV – Schalke 1:1

Die Abschluss-Tabelle:
14. Freiburg 37 Punkte
15. VfB 34 Punkte
16. Hannover 31 Punkte
17. HSV 31 Punkte
18. Paderborn 26 Punkte

„Kiiiiiiiiischteee“:
Das Video zum neuen Tor-Song gibt es hier.

6 Kommentare

      • Loo sagt

        Hab es nur zufällig bemerkt, nicht alles nachgerechnet. Ich denke aber auch, dass 11 Punkte aus den letzten 7 Spielen reichen müssten. 12 reichen bestimmt. Aber die muss man erstmal machen…

  1. Zugegeben: ich tue mich sehr schwer mit Zukunftserzählungen. Aber diese Mischform hat mir großen Spaß bereitet. Nicht zuletzt die Ergebnisdarstellung der anderen ab dem 30. Spieltag.

    • abiszet sagt

      Vielen Dank, lieber „Alt-Premiumblogger“ (Copyright: Fokus Fussball), ja, jetzt kommts drauf an, dass die getippten Ergebnisse der anderen ab dem Wochenende stimmen. Wenn der VfB uns überraschen würde, wäre uns das auch nicht unrecht, oder?

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