Mini-Feature, VfB
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Bussi Baby, Bussi Baby!

Es gibt nach dem 2:2 gegen Hoffenheim einiges aufzuarbeiten. Die unterirdische Torhüterleistung, die Unsichtbarkeit von Alexandru Maxim, die Berufung des abwanderungswilligen Martin Harnik zum Kapitän, die Unsicherheit von Neuzugang Toni Sunjic, die schlechte Performance von Lukas Rupp. Überhaupt, das erstaunlich blutleere Spiel des VfB. Und was macht Alexander Zorniger? Er lenkt alle Aufmerksamkeit auf sich, in dem er unnötig auf Ausgleichstorschütze Timo Werner schimpft, weil der die große Chance zum 2:3-Siegtreffer auslässt. Mit einer Kritik, die auf die Unreife des Spielers abzielt. Man kann darüber diskutieren, ob das guter Stil ist und ob das bei Werner und der Mannschaft gut ankommt, aber clever ist es. Es bedient den Boulevard, eröffnet Scheindiskussionen und die wirklich wichtigen Themen bleiben unter dem Radar.

Über die öffentlichen Auftritte von Zorniger, der gerade mal ein Bundesligaspiel gewonnen hat und derzeit Tabellenletzter ist, kann man sicher diskutieren, viel substanzieller sind aber diese Probleme:

Torhüter Tyton
Ob er an den Scouts des VfB vorbeitransferiert wurde, weil sein Berater Huub Stevens‘ Sohn ist, soll hier nicht das Thema sein. Nach dem Leno-Verkauf hätte ich den Scouts nicht unbedingt vertraut. Weil er uns optisch an Fritten erinnert, haben wir ihn Pommes Tyton genannt (siehe hier), in unserem Asterix-Text kommt er als „Hältnix“ auch nicht gut weg (look here) – und macht diesem Namen in Hoffenheim leider Ehre.

Der polnische Keeper muss einem fast schon leid tun, aber zu seinem Schutz muss Zorniger ihn gegen Ingolstadt draußen lassen. Strafraumbeherrschung kannten wir von Sven Ullreich schon nicht, aber Tytons Unsicherheit steckt auch die Abwehr an, nach seinen Böcken wirkt er immer flatterhafter. In dieser Verfassung kann er derzeit sicher nicht besser sein als VfB-Talent Odi Vlachodimos.

„Kapitän“ Harnik
Der Österreicher hat sich in der Liga nicht gerade mit Ruhm bekleckert, er soll mit dem Kopf schon woanders sein – und soll gleichzeitig als Kapitän die Mannschaft führen? Das funktioniert nicht. Mit Serey Dié ist ein Mentalitätsmonster ebenfalls im Mannschaftsrat und einer, der keine Hundertprozentigen vergibt, sondern der sich hundertprozentig mit dem VfB identifiziert.

Abräumer Rupp
Es gibt nicht wenige, die sich fragen, warum Christian Gentner immer spielt. Die Antwort gab Neuzugang Rupp in Hoffenheim. Fahrig und fehlerhaft, regelrecht orientierungslos scheint er in vielen Spielsituationen zu sein. Seine Torgefährlichkeit aus Paderborner Zeiten? Nicht zu sehen.

Spielgestalter Maxim
Es gibt nicht wenige, die sich fragen, ob ein Mittelfeld mit Maxim und Daniel Didavi funktionieren könnte. Die Antwort gaben die beiden in Hoffenheim. Maxim taucht komplett unter, fühlt sich offensichtlich in der Position nicht wohl. Auch Didavi scheint seiner Stärken beraubt. Erst gegen Ende des Spiels wird Didavi ohne Maxim präsenter und mit Vertikalpässen spielbestimmender.

Innenverteidiger Sunjic
Solide und stabil war der bosnische Neuzugang in seinen ersten Spielen. Hat der Verein ihn jetzt schon auf „VfB-Niveau“ gezogen? Sicherheit strahlt er in Hoffenheim nicht aus, einige Stock- und Abspielfehler, dazu der unglückliche Strafstoß. Zorniger tauscht ihn vorzeitig gegen Daniel Schwaab, der für Phlegma und Sorglosigkeit steht. Aber offensichtlich will der Trainer ein Zeichen setzen.

Nichts funktioniert – nur Zornis Einwechslungen
Bis zur 60. Minute tritt der VfB teilnahmslos auf. Balljagd? Inspiration? Wille? Die Mannschaft engagiert sich gerade so viel, dass man ihr keinen Vorwurf machen kann. Nach den gleichzeitigen Einwechslungen von Jan Kliment, Arianit Ferati und Schwaab wird es ein bisschen besser. Ferati hat einige Ballverluste, steht manchmal falsch im Raum und muss von Dié korrigiert werden, man merkt ihm seine Jugend deutlich an, sieht aber ebenso sein riesiges Potential. Kliment ist fast nur präsent bei seinem Ausgleichstor – was durchaus ausreichend ist – und Schwaab bleibt unauffällig, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist.

Zornis Einwechslungen bringen die Wende! Kliment trifft zum 1:1, Ferati gibt die Flanke zum 2:2 und wenn Werner nach Vorlage von Kliment das 2:3 macht, dann würde niemand über Küsschen diskutieren. Von daher – alles richtig gemacht. Und wenn jetzt Timo Werner in den nächsten Spielen trifft wie Vedad Ibisevic im Hertha-Trikot, dann wirken nach den „Affen“ auch die „Küsschen“ motivierend – auch wenn es sicher besser ist, dies intern anzusprechen. Aber Zorni und sein Team müssen nach der Länderspielpause liefern gegen Ingolstadt. Gegen einen Aufsteiger, der bisher auswärts noch nicht verloren hat und der dem VfB von der Spielweise wohl eher nicht liegen wird.

In diesem Sinne: Bussi Baby!

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