Querpass
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Das Kartell

Bezahlbarer, bundesligatauglicher Innenverteidiger verzweifelt gesucht: Der VfB ist dabei im sechsten Jahr in Folge erfolglos. Georg Niedermeier, Maza, Karim Haggui, Daniel Schwaab, Felipe Lopes, Toni Sunjic, Federico Barba haben alle das riesige Loch nicht schließen können, bei Marcin Kaminski, Benjamin Pavard und Jerome Onguene darf man dies zumindest bezweifeln. Doch woran liegt das? Jan Schindelmeiser macht wie seine Vorgänger Fredi Bobic und Robin Dutt einen überhitzten Markt dafür verantwortlich, dass keine renommierten Innenverteidiger verpflichtet werden konnten.

Den viel tiefliegenderen Grund hat jetzt vertikalpass erfahren. Es konnte nichts anderes sein als die ganz große abgefuckte Verschwörung, die den VfB daran hindert, einen ordentlichen Innenverteidiger zu holen:

Jahrzehnte lang sollen fünf Vereine gemeinsame Sache gemacht und sich „in geheimen Arbeitskreisen über Ablösesummen, Handgelder, Gehälter und Vertragslaufzeiten für Innenverteidiger abgesprochen“ haben. Dies wäre ein illegales Kartell und der mutmaßlich größte Fußball-Skandal nach dem Phantom-Tor von Thomas Helmer und den Sex-, Glücksspiel- und Doping-Enthüllungen von Toni Schumacher.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Wolfgang Dietrich (VfB) drängen darauf, die Vorwürfe wegen des Verdachts jahrelanger illegaler Absprachen schnell aufzuklären. „Alle sind gut beraten, jetzt mit dem DFB zu kooperieren und für Transparenz zu sorgen. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang“, so der VfB-Präsident, der zugleich auch Schadensersatzforderungen wegen des VfB-Abstiegs in Höhe von 50 Millionen aufruft.

Es sind Vorgänge, die den Fußball bis ins Mark erschüttern und die die Glaubwürdigkeit auf Jahre hinaus zerstören würden. Seit Ende der Neunziger sollen sich Vertreter von Bayern München, Borussia Dortmund, VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und des Hamburger SV „in mehr als 60 Arbeitskreisen“ abgestimmt haben. Damit sollten die Preise für Innenverteidiger künstlich hoch gehalten und der Wettbewerb, gerade weniger solventer Vereine, gezielt mit Absprachen außer Kraft gesetzt werden.

Wer bei den Führungsverantwortlichen der Vereine nachfragt, stößt auf Stillschweigen. Bei Wolfsburg und dem HSV erklärt man dünnlippig: „Kein Kommentar.“ Das Kartellamt schweigt ebenfalls, nur beim BVB kommentiert man die Sache – wenn auch nur kurz: „Wir wissen nichts von Ermittlungen und haben keine Anfrage vom Kartellamt bekommen.“ Uli Hoeness von Bayern München wollte besonders clever sein und hat auf drohende Konsequenzen mit einer Selbstanzeige reagiert.

Die Tricksereien mit stinkenden Preisen für Innenverteidiger seien auf zahllosen Treffen gemeinsam ausgeknobelt worden, heißt es. In diesen „5er-Kreisen“ seien sogar Einzelheiten abgestimmt worden, welcher Innenverteidiger wohin wechselt. Diese wurden intern „Dirty Transfers“ genannt. So läßt sich der Wechsel von Mats Hummels von Bayern zu Dortmund und wieder zurück im nachhinein erklären. In den Runden sei es zudem „um den Ausschluss von Vereinen“ gegangen, um ihnen den Zugang zum Innenverteidiger-Transfermarkt so schwer wie möglich zu machen. Der VfB Stuttgart wird explizit in bei Razzien sicher gestellten Akten als Opfer genannt. Damit wird immer klarer, warum der VfB seit Jahren keine Chance hatte, bundesligataugliche Innenverteidiger zu verpflichten.

International soll dieses Syndikat nicht nur auf Innenverteidiger beschränkt sein. Neben Bayern München und Borussia Dortmund sollen Real Madrid, FC Chelsea, FC Barcelona, Paris St. Germain, AC Mailand und Manchester United beteiligt sein und werfen ein ganz anderes Licht auf zurückliegende Transfers von Owen Hargreaves, Toni Kroos, Nuri Sahin, Shinji Kagawa, James Rodriguez und Bastian Schweinsteiger.

Bei den aktuellen Verhandlungen mit dem Innenverteidiger Diego Reyes erlebt der VfB hautnah die Mauscheleien: Bayer Leverkusen ist mit Scheinverhandlungen in das Tauziehen um den Mexikaner eingestiegen und treibt den Preis künstlich in die Höhe. Nachdem das Kartell aufgedeckt wurde, erhofft sich der VfB, den Wechsel in den nächsten Tagen offiziell verkünden zu können.

3 Kommentare

  1. Allein unter Westfalen sagt

    Kretschmann ist politisch ein Grüner und theologisch ein Schwarzer. ;-)

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