VfB
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Der VfB steht sich selbst im Weg

Jeder Verein besitzt seine DNA: Der FC Bayern München hat dieses großkotzige „Uns kann keiner was“, ausgedrückt im Mia-san-mia. Den 1. FC Köln überfällt eine grenzenlose Euphorie, wenn zweimal nacheinander gewonnen wird. Der HSV pflegt seit einiger Zeit seinen Hang zur Selbstzerstörung und die Kollegen aus St. Pauli sind das gute Gewissen im deutschen Profi-Fußball. Und der VfB? Stünde er sich nicht selbst im Weg, wäre er nicht der VfB.

Kleine Erfolge feiern, Eier schaukeln, zurücklehnen und genießen, mal den anderen für sich laufen lassen, Selbstzufriedenheit bis hin zur Überheblichkeit, das kommt beim VfB immer wieder auf, wenn ein kleines bisschen Erfolg zu erahnen ist. Trainer Hannes Wolf arbeitet dagegen an, in dem er nicht müde wird, die seltsame Passivität anzusprechen. Und in dem er es vorlebt durch aktives Coaching an der Seitenlinie inklusive energischer Zweikämpfe mit dem vierten Offiziellen wie beim Spiel gegen Union Berlin.

Dass es dann ein individueller Fehler von Mitch Langerak ist, der das Spiel in der Alten Försterei dreht – geschenkt. Das gibt’s immer, eine abgefälschte Gurke, eine Fehlentscheidung des Schiris, ein Glücksschuss oder eben ein persönlicher Fehler.

Die Kunst ist, sich von den Zufälligkeiten des Fußballs unabhängig zu machen. Was der VfB locker könnte, wenn er denn in der zweiten Liga seine Fähigkeiten ausspielen würde. Individuell und spieltaktisch ist der VfB allen bisherigen Gegnern überlegen, es fehlt aber der unbedingte Wille, dies auf den Platz zu bringen und zwar nicht 20 oder 30 Minuten oder 45 Minuten, sondern 90 plus Nachspielzeit. Anstatt dessen werden Spielzüge und Überzahlsituationen nicht konsequent zu Ende gespielt und einige Mannequin Challenges in der Abwehr gezeigt – besonders rechts, wo viel zu viel Platz ist. Das Ergebnis sind groteske Szenen am eigenen Strafraum, ein unnötiges Unentschieden und der verpasste Sprung an die Tabellenspitze.

Den letzten Schritt machen, das konnte der VfB nie in den letzten Jahren. Womöglich ist es das schwäbische Understatement, lieber in der zweiten Reihe zu stehen und zu wissen, dass man besser ist, als sich mutig und selbstbewusst nach vorne zu drängen, eben die typische „no net übrtreiba-Mentalität“.

„Unser Fokus liegt auf unserer Weiterentwicklung“, sagt Wolf nach dem Spiel und sieht in dem Remis keinen Beinbruch. Ok, es ist ein deutlicher Unterschied zu sehen zum armseligen Gekicke der Luhukay-Zeit. Aber der dynamische Trainer muss seinem Team die Gemütlichkeit austreiben. Lange Zeit hat man diese Bequemlichkeit in Stuttgart verbunden mit Namen wie Ulreich, Harnik, Niedermeier, Schwaab und Gentner. Die „alte“ Achse hat sich fast komplett aus Stuttgart verabschiedet, neue unverbrauchte Spieler sind dabei. Jetzt kommt es darauf an, das Team unter Spannung zu halten, den Spielern einen Siegeswillen zu vermitteln und einen Killerinstinkt zu entwickeln, damit der VfB die zweite Liga in den Griff bekommt.

Ja, man muss auch mal mit einem Punkt zufrieden sein. Aber genau diese Zufriedenheit zu bekämpfen, darin liegt der Schlüssel zum Erfolg bzw. Aufstieg.

6 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Zufriedenheit darf gerne sein … nach dem Spiel. Sollen sie sich doch freuen und eierschaukelnd zurücklehnen, wenn sie gewonnen oder nach hartem Kampf wenigstens nicht verloren haben.
    Wir tun’s doch auch.
    Zufriedenheit darf nicht mehr sein … vor und beim Training. Das ist Teil ihres Jobs. Da ist Leistung angesagt.
    Wir müssen doch auch.
    Zufriedenheit ist verboten … im Spiel.
    In den letzten 3 Spielen hatten wir nur Glück, weil die Gegner zu schwach waren. Das Spiel ist der Leistungsnachweis, der muss passen, für jeden.
    Wir werden doch auch gemessen.

  2. Vielleicht sollte man einfach die Fussballabteilung beim VfB dicht machen und sich anderen Sportarten widmen. In welcher Sportart könntet ihr euch zum Beispiel Gente vorstellen? Tanzen? Und sein Tanzpartner wäre dann Daniel Schwaab. Ach, das wäre ja zu schön. Oder doch nicht?

    Wie auch immer. Dem VfB droht ein Schicksal wie dem eines FC Freiburgs, also Fahrstuhlmannschaft. Oder wenns ganz blöd läuft erleben wir ein Kaiserslautern, 1860 München reloaded in der Mercedesstraße. Je mehr ich mir das überlege, je mehr Spiele ich vom VfB sehe, desto wahrscheinlicher wird für mich das eben genannte Szenario. Das macht mich einfach nur unglaublich traurig, wütend und machtlos. Es ist nicht der Tabellenplatz, der mir aktuell Sorgen macht, sondern wie dieser (also spielerisch) zustande kam und gegen welche Teams da gespielt worden ist. Selbst wenn wir es schaffen sollten aufzusteigen (mit der Art und Weise unseres Spiels). Was wird dieser Aufstieg dann wert sein? Werden dann keine richtigen (Personal-)Entscheidungen getroffen, könnte es auch im Folgejahr schon wieder 2. Liga heißen und so weiter.
    Andernfalls droht ein längerer Aufenthalt in Liga 2, bis Gente sich entschließt, doch Tanzprofi zu werden. Ansonsten könnte man bei ihm auch über Taschenbilliard nachdenken, wie im übrigen auch bei seinen Kollegen, dann braucht man nicht erst neue Leute dafür zu holen.
    Allein mir fehlt so ein wenig die Perspektive, etwas woran ich erkennen kann, damit kann man auch in Liga 1 bestehen. Es sind schon so viele Sportdirektoren und Trainer gegangen. Wo soll das noch enden? Wo endet das? Ausgang offen …

    • @abiszet sagt

      Mensch Marc, so pessimistisch bin ich nicht. Interessant aber, dass ich gerade an einem Gentner-Text schreibe ;-) Lautern oder 1860 sind im Moment zumindest eine andere Hausnummer.

      Aber ich gebe Dir Recht: Sollte der Aufstieg gelingen, wird es nicht einfacher. Die richtigen Personalentscheidungen zu treffen, ist immer entscheidend, siehe die Transferpolitik der letzten Jahre. Stand heute halte ich den VfB für gut aufgestellt und traue Shindy zu, das Richtige zu tun. Wo das endet? Wir werden es sehen ;-)

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