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Warum ich VfB-Heimspiele anschaue? Es muss Liebe sein.

VfB mit Herz

Es ist kalt und ungemütlich im Stadion, man sieht sowieso schlechter als bei Sky, dazu gibts keine Wiederholungen und ich vermisse Jässica Kastrop. Was man zudem geboten bekommt, ist dürftig und wenn man sich über Tore freuen will, dann nur über die des Gegners: Seit dem 18. Oktober (8. Spieltag) hat der VfB zu Hause nicht mehr getroffen. Martin Harnik war es beim 3:3 gegen Leverkusen, seit dem gelingt den Stuttgartern in 464 Minuten offensiv nichts mehr. Man muss leiden können, wenn man zu einem VfB-Heimspiel geht. Oder es muss Liebe sein.

Ich persönlich finde ein VfB-Heimspiel aus verschiedenen Gesichtspunkten interessant. Die Anfahrt ist meist ein Abenteuer, mit dem Auto sowieso, aber auch mit den Öffentlichen, pünktlich zu Heimspielen fahren die S-Bahnen alles andere als zuverlässig und dazu wird gerne an Weichen, Stellwerken oder Tunneln herumgebastelt, so dass der Halt an wichtigen Stationen ausfällt. Die Planer scheinen keine VfB-Fans zu sein. Urban Adventures also, um nach Cannstatt zu kommen. Ich bin dort aufgewachsen, frische Jugenderinnerungen auf, denke an Flirts im Eiscafe Gamba, an feuchtfröhliche Abende beim Zaiß und in der Sattlerei, an meine erste Bundfaltenhose beim Herrenausstatter Nikolaus. Im Städtle wandere ich ganz gerne rum: Ausgangspunkt der Neckar und das schöne Wilhelmatheater, über den Sport Haizmann mit seinem x-ten Sale die Marktstraße entlang, dann durch die Küblergasse über den Wilhelmsplatz in die Daimlerstraße, wo ich mir das erste Bier hole und auch mal spontan in Fachsimpeleien einsteige.

„Hanoi, dr Leitner wird heut‘ net spiele, dr Huub bringt garantiert den Maxim!“
„Hauptsache, der Ibisevic trifft mal wieder“
„Wie lang hot der nemme troffa? Glaub‘ des Ding net!“
„Stimmt, eigentlich. Aber wer soll bei uns die Tore sonst schießen?“
„Fri-er wars halt andersch-t, als dr Kuranyi und dr Gomez noch hier waret“

Ja, die magische Nacht gegen Manchester United, das letzte Spiel gegen Cottbus, dazu ein paar Tiefs, nach denen man sich über die guten Zeiten noch mehr freuen kann. Ich weiss schon, warum man den VfB lieben kann und das muss man, wenn man zu einem Heimspiel geht. Absolutes Highlight ist für mich dabei die Stadionwurst. Ne Rote mit Senf im Brötchen, sie riecht leicht verbrannt, ja verrucht, ich bin mir sicher: „Ohne Rote kann man die Roten nicht anschauen.“ Der Kollege von Fussballwurst.de hat die Rote anno 2010 sogar zur besten Stadionwurst gekürt.

Vor dem Spiel
Die VfB-Fans werden gerne mal als Wut-Fans und überkritisch dargestellt, eine völlig haltlose Beurteilung. Sie sind leidensfähig, sie sind begeisterungsfähig und sie sind kreativ, wie an der Choreo vor dem Spiel zu sehen war.

Was fiel auf?
Der Gewinner der Vorbereitung, Mart Ristl, schafft es nicht in den Kader, Alexandru Maxim nicht in die Startelf. Persönlich mag Moritz Leitner Defizite haben, sportlich setzt der Huubster auf ihn und traut sich wohl zu, ihm die Flausen auszutreiben. In der Tat: Leitner lamentiert nicht, ihm gelingen einige schöne Steals im Mittelfeld, er bleibt immer konzentriert und vermeidet Flüchtigkeitsfehler, aber einen strukturierten Spielaufbau gibt es auch mit ihm nicht. Gladbach die ersten 30 Minuten dominant, ohne jedoch besonders furchteinflößend zu sein. Gut, ein paar Halbchancen und ne Parade von Sven Ullreich, aber defensiv passt es beim VfB. Nur offensiv ist nichts drin, keine Idee, kein Zusammenspiel erkennbar, Martin Harnik gelingen die einfachste Dinge nicht, Pässe über fünf, sechs Meter landen beim Gegner. Huub Stevens setzt offensiv offenbar auf den Zufall, wenn Christian Gentners abgefälschte Flanke statt an der Latte im Tor landet, wäre der Plan aufgegangen.

Was muss besser werden?
Wenn spielerisch nichts geht, dann müssen die wenigen Chancen (nach Standards) genutzt werden. Georg Niedermeier verschießt zweimal aus weniger als fünf Metern. Kein gutes Zeichen, dass ein Innenverteidiger die meisten Torchancen hat. Der Schorsch ist eben ein Niederstrecker und kein Vollstrecker.

Die Aufstellung wirkt unausgewogen. Links halten Adam Hlousek und Timo Werner ihre Positionen, rechts rückt Florian Klein gerne in die Mitte, in der sich schon Gentner, Leitner und Oriol Romeu auf die Füße treten. Der Spanier ist gegen Gladbach absolut verzichtbar, Sky-Kommentator Kai Dittmann ist eine Nervensäge, aber er hat Recht, als er sagt, „Romeu will immer den Ball los werden“. Ich habe stets den Eindruck, Romeu will nicht mitspielen, er will nur Räume zustellen, denn Sprints sind auch nicht so seine Sache.

Sport-Vorstand Robin Dutt muss unbedingt an seiner Körpersprache arbeiten, wie kann er nur so auf der Bank rumhängen? ;-)

Was macht Mut?
Ok, die Stimmung ist jetzt sofort wieder am Boden. Nach der Wintervorbereitung sind die meisten optimistisch in die Rückrunde gegangen. Ich selbst habe den VfB auf Platz 11 getippt.


Und ich höre meinen Vater, wie er bruddelt. Wir bruddeln dann gemeinsam, reden uns in Rage, wollen viele Spieler rausschmeissen und glorifizieren Ehemalige (Okazaki, Leno, Schieber, Rudy, Beck). Aber der VfB war nicht wirklich schlechter und Gladbach ist nicht gerade eine Karnevalstruppe, wie Per Mertesacker sagen würde. Es hat doch nur das Glück gefehlt, oder? Armin Veh wäre jedenfalls nach dem Gladbach-Spiel zurück getreten. Aber es bleibt nicht viel Zeit, sich im Selbstmitleid zu aalen. Sofort gehts nach Köln und die sind genauso heimstark wie der VfB. Da sind drei Punkte drin und wir nehmen die Gladbach-Niederlage mit Humor.

Warum ich an einen Sieg in Köln glaube?
Es muss wohl Liebe sein.

Und was sagt Genetikk dazu?
Lieb’s oder lass es, alles da zwischendrin gibts nicht.

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