Allgemein, Mini-Feature
Kommentare 9

Wie im Kindergarten

Es gibt wohl niemanden, dem nicht spätestens am Freitag nach dem Heidenheim-Spiel klar wurde: Mit einer Innenverteidigung bestehend aus Sunjic und Sama steigt der VfB nicht auf. Nur einer scheint das anders zu sehen: Jos Luhukay. Er sieht keine Alternative zu Tölpel-Toni und Calamity-Stephen. Es gibt wohl keinen, der am Freitag beim Schwaben-Schlager (hier entlang) nur den Hauch eines Spielkonzepts beim VfB entdeckt hat. Nur einer spricht davon: Jos Luhukay. Und dieses nicht vorhandene System ist es dann auch, warum die drei Neuen Pavard, Mané und Asano so bald nicht beim VfB auf dem Platz stehen werden.

Die abenteuerlichen Aussagen von Luhukay sind Bestandteil eines kindischen Streits mit Sport-Vorstand Jan Schindelmeiser. Es geht um Kompetenzen, es geht um Macht, es geht um Eitelkeiten. Aber um eines geht es nicht: Um den VfB.

So wie sich die Situation darstellt, hat Luhukay mit kleinen, feinen Unverschämtheiten den Macht-Kampf begonnen, ihn mit immer größeren Provokationen fortgeführt und Schindelmeiser blieb nichts anderes übrig als darauf mit ebenso spitzen Bemerkungen zu reagieren.

Dabei wären sie die ideale Kombination: Der eine macht Dinge, die er schon immer so gemacht hat. Der andere probiert Dinge aus. Der eine denkt an das Jetzt. Der andere schaut auf die Zukunft. Der eine will alte Weggefährten wie Callsen-Bracker, Bellinghausen oder Baumjohann. Der andere entwicklungsfähige, junge Spieler mit einem Potential, das sich erst noch entfalten muss. Zusammen wären Luhukay und Schindelmeiser stärker. Aber ein „zusammen“ scheint nach dem öffentlichen Streit unmöglich geworden zu sein. Es sei denn, beide haben die Souveränität und die Professionalität, sich im Sinne des Vereins zusammen zu raufen.

Wenn schon kein Präsident da ist, der ein Machtwort spricht, so sind es vielleicht Beispiele, die stilbildend für beide sind: Jörg Schmadtke und Mirko Slomka waren sich bei Hannover 96 alles andere als grün, stritten sich ebenfalls öffentlich und die Niedersachen erlebten mit den beiden ihre sportlich stärkste Phase seit 60 Jahren. Louis van Gaal und Uli Hoeness konnten sich absolut nicht leiden, trotzdem holte der bockige Niederländer das Double und stand im Champions League-Finale. Es geht. Es ging ja auch bei Noel & Liam Gallagher von Oasis. Dieter Bohlen & Thomas Anders. Michael Stich & Boris Becker. Nichts für die Ewigkeit, aber eine Zweckgemeinschaft auf Zeit – für den Erfolg.

Das erwarte ich von Luhukay & Schindelmeiser. Obwohl ich für Boulevard-Themen durchaus empfänglich bin (siehe hier und hier), möchte ich, dass der VfB nicht zum Verein für Bitches wird. Nicht anders verhalten sich die beiden. Die Wirkung nach außen ist lächerlich, nach innen auf Mitarbeiter und Mannschaft ist sie verheerend. Wie soll Zusammenhalt und Zielorientierung entstehten, wenn die beiden sportlichen Führungskräfte gegeneinander arbeiten? Geht es nicht gemeinsam, muß man sich trennen. Entweder einer macht es freiwillig oder die Entscheidung kommt von ganz oben. So oder so gäbe es dann zwei Verlierer: Aufsichtsrat und Verein.

Ein sehr lesenswerter Kommentar findet sich hier.

9 Kommentare

  1. Tatsächlich war für mich das Spiel am vergangenen Freitag auch (endlich) ein Augenöffner. Zuletzt stirbt ja bekanntlich immer die Hoffnung und so war es nach dem Abstieg doch so, dass ich mir für die zweite Liga mehr erhofft hatte: Schöne Spiele, Siege, das Gefühl wieder Erfolg zu haben. Nichts ist davon bisher eingetroffen – und das bringt einen natürlich schon dazu, sich ein paar Gedanken zu machen.

    Wie ich in einem Post auf der FB-Seite des VfB geschrieben habe, ist für mich das passendste Adjektiv für die nun seit geraumer Zeit anhaltende Situation das Wort „orientierungslos“. Auf mich wirkt es so, dass zu viele Entscheider im Verein keinen Plan haben, wie sie die Misere lösen wollen (von einer Nachhaltigkeit dieser Lösung mag ich gar nicht sprechen …). Und dann kommt auch noch dieses kindische Gezänk dazu.

    Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich im Zweifel in dieser Lage tatsächlich auf die Seite von Herrn Schindelmeiser schlagen, denn ihm nehme ich so etwas wie eine Idee für die Mannschaft und den Verein noch am ehesten ab.
    Der Trainer hat mich persönlich mit seiner zunehmend verbohrten Art, unsäglichen Äußerungen auf PKs etc., dem Auftreten (oder besser gesagt Sitzen) während des Spiels und nicht zuletzt den viel diskutierten Fehlentscheidungen bei der Mannschaftsaufstellung, schon jetzt nach dieser kurzen Zeit vergräzt. Insbesondere mit dem Festhalten an Entscheidungen (Maxim spielt nicht, Sama muss sich durch das komplette Spiel quälten) schadet er in meinen Augen der Mannschaft und den einzelnen Spielern nachhaltig. Wie soll z.B. so ein junger Kerl wie Sama so ein Spiel (und die vielen, nicht unberechtigten Pfiffe) wieder aus dem Kopf kriegen? Da ist doch für die nächste Zeit die Angst eine ständige Begleiterin.

    Gerne würde ich in ein paar Wochen eine Antwort unter einen Beitrag mit dem Tenor „Am Anfang war es schlecht, aber jetzt läuft es richtig!“ schreiben. Alleine, mir fehlt derzeit der Glaube daran.

    PS Tolle Illustration im Titelbild ;-)

    • @abiszet sagt

      Danke ;-)

      Und ja, die meisten scheinen im „Team Janni“ zu sein, denn sie verbinden mit Mané, Pavard und Asano große Hoffnungen.

      Ob wir in ein paar Wochen schreiben werden „Alles ist gut“, ich habe meine Zweifel, wie Du auch.

  2. Wo sind Spieler wie Hansi Müller, Guido Buchwald und andere, die ziehen alle ihren Arsch weg, aber vorher gross labern über Trainer und Vorstand. Meiner Meinung nach passt dieser Trainer nicht zum VfB, der ist viel zu ruhig und macht viele Fehler. Holt Magath, dann steigt ihr auf. So sehe ich keine Hoffnung.

      • @abiszet sagt

        @Anastasios
        Sehe ich wie @Ron – ich denke nicht, dass uns Ehemalige groß weiterhelfen. Müller, Förster, Buchwald, Allgöwer, Ohlicher, alles Helden der Vergangenheit, aber ob sie den VfB wirklich voran bringen, bezweifle ich. Im Moment entwickelt sich unser Verein immer mehr zu einem Chaosclub.

  3. Clemens S. sagt

    Luhukay hat sich selbst keinen Gefallen getan, zunächst Maxim zu demontieren und anschließend die drei Neuen aufgrund ihrer angeblichen Unerfahrenheit zu diskreditieren. Wie komme ich mir als neuer Spieler bei einem Verein vor, dessen Trainer mich ganz offensichtlich nicht wollte?

    Auf der anderen Seite hatte es Luhukay seit Saisonbeginn aufgrund der zahlreichen Verletzten im Kader (Baumgartl, Hosogai, Grgic, Großkreutz, Ginczek) auch recht schwer. Ich denke, der AR macht es richtig und nordet den Trainer gerade öffentlich ein. Vielleicht wird aus dem Duo Schindemeiser und Luhukay ja doch noch eine gute Zweckgemeinschaft. Wenn nicht, tschüss Jos.

  4. Aus meiner Sicht sollte man das Missverständnis Luhukay möglichst schnell beenden… Wir brauchen einen Trainer der mutig nach vorne spielt und den Spielern Mut zum Risiko erlaubt. So Spiele wie gegen Heidenheim will ich nicht mehr sehen, das erinnert ja an BL

  5. @abiszet sagt

    @Clemens
    Absolut! Mit der Maxim-Diskussion hat Luhukay sich ebenso angreifbar gemacht wie mit der Meckerei über die drei jungen Neuen. Hätte er alle vier Spiele gewonnen, hätte er auf dicke Hose machen können. Aber so.

    @Chuck
    Mutig nach vorne oder nicht, das muss aus meiner Sicht nicht unbedingt sein, dass sie mit fliegenden Fahnen durchs Stadion stürmen wie einst unter Sundermann. Die meisten haben sich ein bisschen mehr Spielkultur und Siege erhofft nach den letzten bitteren Jahren in der Buli (siehe auch Kommentar von @Ron).

    Was wirklich nachdenklich macht, sind die nun geleakten Spielerwünsche von Luhukay (wenn es denn stimmt): Ronny und Marco Marin. Sebastian und ich hatten aus Spaß vor ein paar Wochen gesagt „Pass auf, der J-Lu holt den Ronny!“. Diese Idee war und ist so absurd, dass man wirklich an der Kompetenz von Luhukay zweifeln muss. Ebenso Marin, der die letzten Jahre bei zig Vereinen entweder verletzt war oder auf der Bank saß. Luhukays Argument der fehlenden Spielpraxis bei Mané, Pavard und Asano wird hier entlarvt als Ausrede, denn Ronny & Marin haben so viel Spielpraxis wie ich ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*