Querpass
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Die Lederhose steht ihm gut

Der FC Bayern München hat jetzt also seinen Drecksack. Oder wie Die ZEIT Arturo Vidal nennt, ein „fußballerisches Arschloch“, dagegen wirken Stefan Effenberg und Mark van Bommel wie artige Backgroundsänger einer gecasteten Girl-Band. Dass sich der Proll-Fashion-Store „Pool“ in der Maximilianstraße freut, ist klar, ebenso die Coiffeure und Tattookünstler, aber passt Vidal wirklich zum Stern des Südens? Systemisch sollen die Möglichkeiten erhöht worden sein, meint der spielverlagerung.de-Autor Tobias Escher bei 11Freunde und Vidal fügt dem Bayern-Spiel, das manchmal sehr pflichtbewusst und beamtenmäßig daher kommt, wohl tatsächlich zwei neue Aspekte hinzu: Wildheit und Geschwindigkeit, Vidal ist ein Pressing-Krieger, terrorisiert die Gegner im Mittelfeld und generiert so Ballgewinne und Überraschungsmomente.

Das erinnert mich ein bisschen an den Wechsel von Serey Dié zum VfB. Nicht nur, dass beide absolute Siegertypen sind – Diè als Afrikameister, Vidal als Südamerikameister – auch bei Dié gab es kritische Stimmen, ob einer, der Balljungen ohrfeigt, sich mit dem Trainer anlegt und immer am Rande einer roten Karte wandelt, der Richtige sei. Nach wenigen Spielen war klar: Diè gibt dem gutmütigen Christian Gentner Sicherheit, als Zweikampf-Hulk gewinnt er viele Bälle und wirkt als Mentalitäts-Monster geradezu mitreissend auf seine Mitspieler.

Aber wie passt Neuzugang Vidal menschlich und von der Mentalität her zu seinen bayerischen Mitspielern? Zu Philipp Lahm, Tischtennis-Legende, immer brav, immer political correct, während Vidal fett korrekt in die Zweikämpfe geht, als gäbs kein Morgen mehr. Lahm, der zu Hause Bratkartoffeln schwenkt, während Vidal im Übermut seinen Ferrari im Klo des P1 parkt. Lahm und Vidal nebeneinander in der Tracht auf der Wies’n? Ein Brüller. Vidal mit einem Seppl-Hut und einer Maß in der Hand? Das ist wie Karneval. Dagegen ist es durchaus denkbar, dass Serey Dié die Kehrwoche macht, er mag die Ordnung sehr und kehrt ja auch mit einem eisernen Besen im Stuttgarter Mittelfeld.

Best Buddy von Vidal wird Boa werden, Jerome Boateng, sollte man jedenfalls meinen: Gleicher Musikgeschmack, gleiches Styling, gleiche Interessen bei Cars, Kappen und Tattoos. Oder wird der beste Freund von Torturo Vidal nicht eher Thomas Müller? Der Urbayer ist weltoffen und seine Frau hat dieselben Leidenschaften wie Vidal – sie stehen beide auf Pferde. Angeblich besitzt Vidal 111 Pferde, sein bestes im Stall heisst „Il Campione“, was sich Vidal auch auf den Bauch tätowieren ließ. Welches Tattoo Müller und seine Frau Lisa wo haben, das wird BUNTE bald aufdecken. Bis dahin passt Vidal vertikal auf Müller, der die Dinger wie ein Drecksack reinmachen wird. Und im Bus unterhalten sie sich über Vollblüter, Pferde-Sperma und Deckhengste. Denn Müller will auch mal das werden, was Vidal schon ist: Pferde-Züchter.

Es ist kleingeistig, sich darüber lustig zu machen, ob Vidal in eine Tracht passt oder nicht. Ehrlicherweise sieht jeder gut in einer Tracht aus, wenn es nicht gerade die billigste vom Münchener Hauptbahnhof ist. Das Schöne ist, dass Vidal mit Emotion und Mentalität spielt. Das wird man nicht nur sehen, sondern förmlich spüren können. Und deshalb ist es gut, dass Vidal in die Bundesliga kommt. Im Sinne der Spannung hätte es nicht unbedingt München sein müssen, schwarz-gelb hätte ihm sicher auch gut gestanden.

Unschön wäre eine Pepisierung von Arturo Vidal. Man stelle sich nur vor, er findet auf einmal Gefallen an ermüdenden Ballstafetten, vermeidet Grätschen oder legt sich – was noch viel schlimmer wäre – eine normale Frisur zu.

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