Ausgliederung, Querpass, VfB
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Wir sagen „Ja.“ Zum Aufstieg!

„Hey Vertikalpass, wie steht Ihr denn zum Thema Ausgliederung?“

Fragt natürlich niemand jemals. Wir sind ja nur die Boulevardblogger mit den lustigen Elefantenbaby-Gifs, Lifestylethemen und Falschpark-Content. Aber (Verkäufer-Stimme): Wir sprechen hier immerhin von einer halben Million Menschen, die wir ab und zu erreichen. Hashtag Influencer.

Die Ausgliederung ist ein großes Thema und jedes Mitglied muss so gut wie möglich über Vor- und Nachteile informiert sein, um eine Entscheidung treffen zu können. Die offiziellen Kommunikationskanäle des Vereins und eine dünne Kampagnen-Micropage, die suggeriert, dass Erfolg nur mit der Ausgliederung möglich ist, reichen da bei weitem nicht als Informationsquellen. Ja, das ist ärgerlich, liegt aber in der Natur der Sache. Alleine schon deswegen werden auch wir unseren Standpunkt mit unseren Lesern teilen und diskutieren.

Aber nicht jetzt!

Mit dem Ausrollen der Pro-Kampagne zur Ausgliederung beweist der Verein ein Feingefühl für Timing, das man sonst nur von Toni Sunjic im Zweikampf kennt. Warum jetzt? Ich bin der Meinung, dass sich der gesamte Verein vom Pförtner über die Spieler und Trainer bis zum Vorstand und dem Präsident sechs Spieltage vor Schluss auf ein einziges Ziel konzentrieren muss: Den verdammten Aufstieg.

In den nächsten fünf Wochen müssen uns Taktik und Torverhältnisse interessieren und nicht Unternehmensbewertungssysteme und Anteilsberechnungen. Fünf Euro ins Phrasenschwein, aber: wichtig ist gerade nur auf dem Platz. Wir können uns gerne mit Daimler beschäftigen, aber bitte erstmal mit Bielefeld, Union, Nürnberg, Aue, Hannover und Würzburg. Ich mache mir aktuell mehr Sorgen über die drohende Gelbsperre von Simon Terodde als über die Frage, ob Daimler den VfB genauso wertvoll einschätzt wie das der Verein tut.

Machen wir uns nichts vor: Der entscheidende Faktor bei allen Abstimmungen ist der kurzfristige sportliche Erfolg. Hätte Ex-Präsident Staudt auf der Meisterfeier 2007 auf dem Schlossplatz spontan die Ausgliederung und den Bau der Armin-Veh-Arena am Flughafen verkündet, wäre er von der (sieges)trunkenen Menge gefeiert worden.

Für den 1. Juni gibt es deshalb zwei Szenarien:

Szenario A:
Der VfB holte aus den letzten sechs Spielen 16 Punkte und steigt souverän auf. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung gibt es Freibier und die Redebeiträge bestehen überwiegend aus „Nie mehr zweite Liga“ und „Acht-zehn-hundert-dreiundneunzig“ Gesängen. Als alle heiser sind, stimmen 93% der Anwesenden für die Ausgliederung. Wolfgang Dietrich stagedivet von der Rednerbühne und wird unter Jubelstürmen aus der Arena getragen.

Szenario B:
Nach einem enttäuschenden 0:0 im letzten Spiel gegen die Würzburger Kickers beendet der VfB Stuttgart die Saison auf Platz 3. Nach einem starken Auftritt und einem 2:0 Sieg im Relegations-Hinspiel in Mainz geht das Team leider im Neckarstadion völlig unter, liegt nach 26 Minuten bereits 0:3 hinten und verliert am Ende mit 1:5. Nach Schlusspfiff werden Carlos Mané, Josip Brekalo und Emiliano Insua verabschiedet. Auch Timo Baumgartl muss für 12 Millionen nach M’gladbach verkauft werden, um ein weiteres Zweitligajahr zu finanzieren.Bei der Mitgliederversammlung zwei Tage später ist die Stimmung noch hitziger als im Derby. 93% der Mitglieder sprechen sich gegen eine Ausgliederung aus. Als Präsident Dietrich anmerkt, dass eine weitere Saison in der zweiten Liga kein Problem sei und man später ja noch mal über die Ausgliederung sprechen könne, fliegen die ersten Bierbecher mit Krombacher alkoholfrei und die Wasserwerfer fahren vor.

Nochmal, damit wir uns nicht falsch verstehen: Das Thema ist superwichtig und keine Grundlage für ein paar witzige Blogbeiträge. Jeder sollte sich damit eingehend beschäftigen und am 1. Juni abstimmen. Wir haben unseren Standpunkt zur Ausgliederung und werden uns auch hier intensiv mit dem Thema beschäftigen. Sobald klar ist, in welcher Liga der VfB Stuttgart in der kommenden Saison spielt!

Aufstieg first. Ausgliederung second. Oder auch nicht.

8 Kommentare

  1. distefano sagt

    Sehe ich nicht so. Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt? Würde der Verein erst nach dem letzten Spieltag (und AUfstieg) mit dem Thema anfangen würde es doch sofort heißen er überfährt die Mitglieder und will den Siegestaumel ausnutzen etc.
    Um die Mitglieder vernünftig zu informieren muss man so früh anfangen, geht halt nicht anders. Die Entscheidung muss vor der Transferphase fallen, damit JS im Erfolgsfall das Geld auch ausgeben kann.

    • @buzze sagt

      Das stimmt. Und so wird auch der Verein argumentieren: Im Aufstiegsfall benötigt man schnell Geld, um konkurrenzfähig zu sein und im Abstiegsfall braucht man Geld, um im zweiten Anlauf den Aufstieg zu schaffen. Aber würde die Kohle überhaupt in Neuverpflichtungen fließen? Zum Zeitpunkt: Seit Fredi Bobic wissen wir doch, dass die besten Transfers erst ganz zum Schluss gemacht werden. :-) Ich halte deshalb einen Termin im Juli für passender. Ja, ich weiß: Sommerferien.

    • @abiszet sagt

      Hi Stefano,

      der Termin ist deshalb so gewählt, weil das Saison-Ergebnis einen gewissen Handlungsdruck auf die Mitglieder ausübt:
      – Bei gelungenem Aufstieg würde argumentiert werden, dass eventuell generiertes Geld sofort in neue Spielerinvestitionen fließen könnte (2x Konjunktiv)
      – Bei verpasstem Aufstieg wird argumentiert, dass nur mit der Ausgliederung und dem Verkauf von Anteilen der Aufstieg funktioniert.
      Es handelt sich also um einen taktischen Termin, einen Termin, von dem man sich beim VfB die meisten Erfolgsaussichten verspricht.

      Dass das Geld sofort in die Saisonplanung 17/18 fließt, erscheint mir unrealistisch. In sofern ist jeder Termin nach der Saison besser, weil der Fokus jetzt auf dem Sportlichen liegen sollte.

  2. Blocker sagt

    Absolut richtig! Alles muss dem Ziel Wiederaufstieg untergeordnet werden. Das Thema zum jetzigen Zeitpunkt auf die Tagesordnung zu bringen ist grob fahrlässig. Wahler hatte auch nur noch die Ausgliederung im Kopf, zu was das geführt hat ist hinlänglich bekannt. Deshalb ALLE und ALLES für den AUFSTIEG.

  3. 1893-im-Weckla sagt

    Hallo geschätzter Vertikalpass,

    ich verstehe gar nicht, warum seitens vieler Ultars und Fans immer der Eindruck erweckt wird, als wolle jemand mit einer Ausliederung dem Verein schaden. Ist es denn so absurd, davon auszugehen, dass die Mitarbeiter und Funktionsträger des Vereins das einfach für das Beste halten?

    Und ist es nicht ein durchaus passender Termin, so kurz nach der Saison und noch vor dem Sommer darüber zu entscheiden und dann rasch Planungssicherheit in jeder Hinsicht zu haben? (Ligazugehörigkeit, Finanzen)?

    Ich bin weder Ultra noch Funktionsträger, aber mit Leidenschaft seit fast 40 Jahren VfB-Fan, inzwischen in Nürnberg. Und ich finde, dass Mercedes und der VfB zwei total passende Partner sind. Man wohnt im selben Kiez und teilt seit langem die Leidenschaft Fußball. Rund 40 Millionen für 11,irgendwas Prozent sind auch ein guter Deal – und endlich liegen mal konkrete Zahlen und Anteile dafür auf dem Tisch.

    Warum soll man dem denn nicht zustimmen? Das kapier ich schwerlich. Ist es nicht eine gewisse Naivromantik, sich einzureden, man habe als Mitglied eines e.V. deutlich mehr Mitsprachemöglichkeiten als in einer AG? Ich finde, der gemeine Fan hat einfach nie die Möglichkeit, viel einzuwirken. Ergo hängt es am Vertrauen in die handelnden Personen – und da gab es fürwahr schon schlimmere als gerade.

    Ich liebe den VfB. So, wie ich es sehe, ist er von seiner DNA her aber ein Club, der hin und wieder Erfolge braucht. Auf Dauer wird das wohl nicht hinhauen ohne strategischen Geldgeber. Wir sind kein Verein, dessen Fanschaft mit Mittelmaß oder 2. Liga zufrieden ist. So ist der Schwabe nicht, so ist der VfB-Fan nicht. Darum halte ich es für sinnvoll, über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaften durchaus zu vertiefen. Mercedes hat als Partner oder Sponsor noch selten geschadet. Und bei uns schaut der Stern übern Gartenzaun. Warum denn nicht rein lassen? Und dadurch länger und fester binden. Von mir aus mit einem Farmteam in Shanghai.

    Eine, zugebenermaßen überzeichnete, Alternative ist: noch ein paar Jahre sich weiden an der geilen Fankultur und dann langsam miterleben, wie sie bröckelt und immer weniger wird. Ich freu mich aufs Wochenende mit 15.000 weiß-roten in Nürnberg. Und ich möchte auch mal wieder mit 30.000 zusammen nach Berlin fahren oder zu nem CL-Auswärtsspiel. Ein Jahr lang habe ich die 2. Liga gerne mitgemacht. Aber wenn die Möglichkeit bietet, wieder oben mitzuspielen, dann würde ich dazu ja sagen.

    • @buzze sagt

      Danke für Deinen Kommentar. Was uns vor allem stört, ist die Kommunikation rund um die Ausgliederung. Aus unserer Sicht stellt der Verein seine Meinung als unumstößliche Fakten dar und schürt bewusst die Ängste der Mitglieder. Und dann frage ich mich einfach, warum der VfB das nötig hat. Ich hatte mir eine neutrale und transparente Kommunikation rund um das Thema erhofft. Stattdessen betreibt der VfB nichts anderes als Wahlkampf.

      Natürlich möchten auch wir wieder Erstligaspiele in Stuttgart sehen und vielleicht ist die Ausgliederung eine vernünftige Maßnahme, aber wie valide die Gleichung „Geld = Erfolg“ ist, sieht man ja gerade mal wieder eindrucksvoll in Hamburg und Wolfsburg.

      • 1893-im-weckla sagt

        Das stimmt natürlich alles. In der Tat agiert der Verein im Wahlkampfstil. Nur sehe ich es ihm auch nach, denn er hat ja das Ziel, eine Wahl/Abstimmung zu gewinnen.

        Aus meinem Bekanntenkreis kam kein Meckern mehr, seit die Zahlen genannt wurden. Ich dachte bei Dietrichs 100 Mio zunächst an einen Mondpreis, aber wenn Mercedes das sukzessive zahlt…

        Geld sichert keinen Erfolg aber es erhöht wohl schon seine Wahrscheinlichkeit. Nicht nur, um neue Spieler zu kaufen, sondern auch um welche zu halten. Baumgartl, Ofori…

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