Monate: Mai 2017

Das Duell der Trainer-Streber

Wisst Ihr noch? Damals am 7. Spieltag holte der VfB einen völlig unbekannten U19-Trainer als Chefcoach. Und schnell war Hannes Wolf der heißeste Trainer-Scheiß der zweiten Liga. Mit 35 Jahren im besten Zweiliga-Alter für einen Spieler, überraschte er mit kreativen Aufstellungen statt starrer Taktik. Von ihm hörte man keine Phrasen, sondern bekam Statements, die man sich ohne Korrekturschleife auf den Unterarm hätte tätowieren lassen können. Die Fans liebten ihn und Blogs ohne jeden Sachverstand meinten sogar, einen einen Hauch von Guardiola zu verspüren. Was für ein Blödsinn. 24 Spieltage später ist Hannes Wolf nicht mehr Stuttgarts Pep, sondern eher Cannstatts Carlo: Während sie in München unzufrieden sind, weil Ancelotti “nur” die Meisterschaft geholt hat, ist man in Stuttgart der Meinung, dass Platz 1 mit dem Kader ja wohl das Mindeste ist, was der Trainer erreichen muss. Die Epizentren des Trainer-Hipstertums befinden sich mittlerweile ganz woanders. Nicht unbedingt an den Orten, an denen man sie vermuten würde, sondern in der Provinz. In der ersten Liga ist es Sinsheim, wo Julian Nagelsmann die TSG Hoffenheim erst vor dem …

Eine Stilfrage

Es ist völlig legitim, dass der VfB Stuttgart alles unternimmt, um die 75-Prozent-Mehrheit für die Ausgliederung bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung zu erzielen. Dass Gegenargumente und alternative Lösungen nicht thematisiert werden, ist nicht schön, aber nachvollziehbar. Jetzt werden alle Mitglieder, die am 1. Juni „Verantwortung übernehmen“ – man beachte die Wortwahl (alle, die wegen eines zu langen Fahrwegs oder aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht kommen können, drücken sich also vor der Verantwortung?) – mit einem kostenlosen Trikot belohnt. Was kommt als Nächstes? Freibier für alle? Freikarten fürs erste Saisonspiel? Gerüchte um ein Testspiel gegen einen attraktiven Gegner im Vorfeld der aoMV machen ja bereits die Runde. Der Stil, in dem die Ausgliederung kommuniziert wird, ist bemerkenswert: Geschenke statt Argumente scheint das Motto zu sein. Die Ausgliederung wird in Consulter-Sprech kommuniziert: Geschliffen formuliert zwar, aber inhaltlich so oberflächlich wie ein Tweet von Philipp Lahm. Es fehlt mir an Konzept, Hintergründen und vor allem Transparenz. Denn zu einem verantwortungsvollen Umgang mit seinen Mitgliedern gehört für mich eine vollumfängliche Information, die grobe Skizzierung von Alternativen (z.B. Rechtsform) und nicht der …

Der Strafraum-Cop

Wir saßen in Nürnberg auf den Plätzen von Thomas Ziemer und Dieter Eckstein (wer sie nicht mehr kennt, siehe hier und hier) – mein Freund Kai, mehr Ice Tigers-Fan als Clubberer, hatte uns die Tickets besorgt. Gegentribüne, mit direktem Kontakt zur VfB-Kurve. Neben uns, vor uns, über uns (und beim 2:3 zwischen uns) nur VfB-Fans. Ab Minute eins schrie einer bei jeder Ballberührung Timo Baumgartls „Tiiiiiimoooo“. Dies ergänzte er wahlweise mit „Beschder Mann“ oder „Mei Sohn will Dei Triko’“ oder „… für Deutschland“. Am Anfang war das lustig, dann brüllend komisch, als der ganze Block bei jeder Baumgartl-Ballaktion „Tiiiiiimoooo“ schrie. Der Spaß war vorbei nach dem 2:0: „Halt’ Dei bleedes Maul!“ Erfolgsfans halt, oder?? ;-) Dabei kann Timo Baumgartl nicht oft genug gefeiert werden. Er trägt seine Hose so baggy wie Anthony Modeste, er hat ein Engelsgesicht wie Karlheinz Förster beim Aufstieg 1977 und er spielt so unaufgeregt in der Innenverteidigung wie seit Marcelo Bordon keiner mehr beim VfB. Timo Baumgartl ist unser Strafraum-Cop: Er macht keine Gefangenen, drischt auch mal den Ball aufs Tribünendach …