Monate: Februar 2018

Stuggi*. Ginni. Love.

Er ist ein mächtiger Mann. Über 1,90 Meter groß, Litfasssäule für flächendeckende Tattoos, und doch umweht ihn immer ein Hauch von Melancholie. Denn Daniel Ginczek ist der Don Quijote des VfB. Sein Kampf gegen die Windmühlen seiner Verletzungen ist Symbol dafür, nie aufzugeben, und trotz vieler Rückschläge immer positiv zu bleiben. Nach zwei Kreuzbandrissen, einem Bandscheibenvorfall und unzähligen Muskelverletzungen hat der Schmerzensmann des VfB nun drei Spiele am Stück absolviert (insgesamt 269 Minuten), er hat sieben von 13 Torschüssen beim Spiel gegen Frankfurt abgegeben, ein Tor vorbereitet (Frankfurt), eines selbst geschossen (Gladbach). Er ist zu einem absoluten ErfolgsfakTOR unter Tayfun Korkut geworden. Ginczek: „Das klappt gerade sehr gut. Mario legt für mich auf. Dann Erik für Mario. Und jetzt ich für Erik. Nun müssen wir schauen, dass wir mal noch ein paar Tore nachlegen“ #VfBSGE #VfB — Markus Merz (@merzerrama) February 24, 2018 Daniel Ginczek ist jemand, der Menschen mitnimmt und für sich einnimmt. Die VfB-Fans leiden stets mit dem bulligen Stürmer mit, sie haben ihn ins Herz geschlossen wegen seines entscheidenden Tores gegen Paderborn …

Bei Geburt getrennt.

Tayfun Korkut erinnert an Jürgen Kramny. Beide sehr spröde im Auftritt, beide keine großen Kommunikatoren, beide keine Innovatoren, sondern sehr pragmatisch bei Spieltaktik und Mannschaftsaufstellung. Sie machen das, was sie können und was die Mannschaft kann. Kramny hatte lange noch dieses verschmitzte Lächeln, als ob er es gar nicht fassen konnte, Bundesligatrainer zu sein. Korkut dagegen freut sich mehr nach innen, selbst bei Toren. Die Ergebnisse ähneln sich ebenfalls. Kramny begann mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen, Korkut mit zehn. Es ist kein komplizierter Fußball, den Korkut spielen lässt, aber einer, den der Gegner furchtbar anstrengend und nervig finden kann. Genervt war auch Niko Kovac und stocksauer, dass der VfB die Eintracht auf sein Niveau hinunter gezogen hat. Korkut hat das „kompakt stehen“ erfunden, er ist Mister Kompakt. Und wenn dann doch mal einer durchkommt, dann wirft sich jemand aufopfernd in die Schussbahn wie die deutschen Eishockeyspieler in Pyeongyang. Benschamäh Pavard kann nicht nur elegant, sondern auch spektakulär, wie übrigens auch Timo Baumgartl. Beide haben unter Korkut einen Qualitätssprung gemacht. Click on the …

Das neue TK Maxx-Prinzip beim VfB Stuttgart

Einst hieß es, der VfB sei keine normaler Absteiger. Dann hieß es, er sei kein normaler Aufsteiger. Und vielleicht stimmte das sogar. Doch unter Tayfun Korkut ist das anders: Endlich spielt der VfB so wie ein Aufsteiger nun mal spielt. Spielverzögerungen, taktische Fouls, Spielunterbrechnungen ohne Ende, Diskussionen mit dem Schiri, Standardsituationen ziehen. Der Korkut-VfB ist unangenehm zu spielen, er ist ein ekliger Gegner, manchmal wirkt es fast so, als ob da 11 Santi Ascacibars auf dem Feld stehen. Beim Gegner und seinen Fans löst diese Spielweise jedenfalls Brechreiz aus. Spätestens, wenn der Schiedsrichter zum 27. Mal auf Foul an Gomez entscheidet. Und das ist gut so. Denn aus nur drei Toren hat der VfB so sieben Punkte geholt. Dank der Qualität von Gomez und Daniel Ginczek, vorne aus wenig viel zu machen. Und wenn man sich wünscht, dass nach 65 Minuten Donis oder Akolo zur Entlastung kommen, parkt Korkut den VfB-Bus im Strafraum und macht die Vierer- zur Achterkette. Das ist das neue TK Maxx Prinzip beim VfB. Selten schön, aber aktuell ziemlich erfolgreich. Santiago …

VfBeziehungskrise

Seit wir hier 2014 angefangen haben, mussten durften wir schon so einiges mit dem VfB Stuttgart erleben: Einen Fastabstieg, die wilde Zorniger-Zeit, die Kramny-Katastrophe, das Dutt-Desaster und den unnötigsten Abstieg aller Zeiten. Die kurze Luhukay-Ära, die überraschenden Engagements von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf. Die  Großkreutz-Affäre, den Aufstieg, die Ausgliederung, den Rauswurf von Schindelmeiser und vieles mehr. Wahnsinn eigentlich. Aber alles andere wäre ja auch langweilig. Jedenfalls ist es nicht das erste Mal, dass sich die VfB-Fans in zwei Lager teilen. Und verglichen mit den Anfeindungen rund um die Ausgliederung ist der Ton unter ihnen diesmal sogar sehr gemäßigt. Aber vielleicht ist genau das das Problem. Ist aus einer leidenschaftlichen Affäre ein pragmatische Zweckehe geworden? Dieses Gefühl konnte man jedenfalls am vergangenen Sonntag im Stadion bekommen. Dass der VfB Stuttgart selbst entweder völlig unsensibel gegenüber den Befindlichkeiten seiner Fans ist, oder dass es den Verantwortlichen schlichtweg egal ist, ist auch nichts neues.  Und wurde auch in der vergangenen Woche wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Während die Fans am “Deadline Day” flehentlich auf dringend benötigte Neuzugänge …

Korkuts Super-G

Ein kölsches Sprichwort sagt: „Mer muss och jünne künne!“. Der VfB hat einen 1:0 Arbeitssieg gegen Gladbach geholt und dieser Sieg in seinem Heimdebüt ist Tayfun Korkut zu gönnen. Er wurde seit seiner Verpflichtung mit reichlich Shit beworfen, wofür er absolut nichts konnte. Er muss sich nicht rechtfertigen, warum er den Job beim VfB angenommen hat. Das muss die Abteilung direkt über ihm machen. Er muss ihn nur bestmöglich erledigen. Und danach sieht es nach vier Punkten aus zwei Spielen aus. Korkut lässt von Beginn mit Doppel-G spielen: Mario Gomez und Daniel Ginczek. Die beiden machen dann auch den Unterschied aus, nachdem im besten Spielzug der Saison fast sowas wie One-touch-Fußball gespielt wird: Ballgewinn Emiliano Insua, Direktspiel von Christian Gentner auf Gomez, der durchsteckt auf Ginczek. Ein goldverdächtiger Spielzug. Gentner. Gomez. Ginczek. 1:0. Das ist für Korkut Poesie, für Gegner Dieter Hecking wohl eher ein Schüttelreim. Bei aller Freude über das Tor und den Sieg ist unübersehbar: Der Fußball, den der VfB spielt, ist derselbe wie unter Hannes Wolf. Nur dass statt den As und …

Dumm kickt besser?!

Was hat der moderne Fußballer im Kopf? Den nächsten Friseurbesuch, das nächste Tattoo-Motiv und den nächsten Auto-Kauf? Oder doch das nächste Spiel und den nächsten Gegenspieler? „Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann.“, sagte Nils Petersen vor einigen Wochen in einem Interview und meint, die Freiburger Zuschauer seien klüger als er. Vielleicht sind in Stuttgart die Zuschauer klüger als Dennis Aogo. Der gab nach dem Spiel zu Protokoll, dass „der Trainer uns nicht mit Informationen überfrachtet hat“. Da haben wir also den Grund für die Entlassung Hannes Wolfs: Er hat die VfB-Spieler ganz offensichtlich intellektuell überfordert. Mussten die VfB-Spieler bei Wolf die Packingrates ihrer Gegenspieler auswendig lernen? Wurden vor dem Anpfiff in der Kabine die Schuhgrößen der gegnerischen Mannschaft abgefragt? Wir wissen es nicht. Aber nachdem bereits Tayfun Korkut in der PK vor dem Spiel in Wolfsburg ankündigte, seine Spieler mit weniger Informationen aufs Feld zu schicken, scheint dies ein Knackpunkt zu sein. Dennis #Aogo: „Wir haben uns trotz des Rückstandes nicht hängen lassen …

Schrotty und Captain Kork

„Schrotty und Captain Kork“ ist eine deutsche Komödie – manche sprechen von einer Tragikkomödie – die unter der Regie von Wolfgang Dietrich entstand. Die Premiere fand am 29. Januar 2018 in der Stuttgarter Mercedes Straße statt – deutschlandweit startet die Klamotte am 3. Februar 2018. Die Handlung in kurzen Worten: Wie kann man den Traditions-Club VfB Stuttgart komplett in Schutt und Asche legen? Wie kann man die Euphorie eines Aufstiegs in Rekordzeit ersticken? Wie kann man den schier grenzenlosen Rückhalt von Mitgliedern, Fans und Zuschauern komplett eliminieren? Wobei: Auf die Handlung kommt es in „Schrotty und Captain Kork“ gar nicht an, denn sie bildet nur den Rahmen für eine pausenlose Folge von albernen Episoden, unterirdischen Gags und flachen Kalauern. „Unser absoluter Wunschtrainer“ „Wir haben eine intakte Mannschaft“ „Eine längerfristige Planung ist im heutigen Fußballgeschäft nicht notwendig“ „Wir haben Vertrauen in die Qualität der Mannschaft“ „Der Coach wurde von der Mannschaft herzlich willkommen geheißen“ „Wir stehen für Kontinuität und Glaubwürdigkeit“ „Jeder Weiß-Rote steht in der Pflicht, alles zu geben!“ „Schrotty“ heisst in Wirklichkeit Michael Reschke und …