Monate: Juli 2021

Zocker mit Vision

Wataru Endo kann alles: Zweikämpfe, Kopfbälle, Vertikalpässe, Tore.  Vielleicht ist er sogar dafür verantwortlich, dass der VfB aktuell dort steht, wo er ist. Rückblende in den Mai 2020: Für den VfB Stuttgart lief es im Aufstiegsrennen eher schlecht als recht. Trotzdem wurde der Vertrag mit Pellegrino Matarazzo vorzeitig verlängert. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger damals: „Mit der seit mehreren Wochen geplanten Vertragsverlängerung möchten wir deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir Kontinuität leben wollen. Nach der bisherigen Zusammenarbeit mit Pellegrino Matarazzo sind wir der festen Überzeugung, dass er alle fachlichen und persönlichen Fähigkeiten in sich trägt, die eine lange Zusammenarbeit möglich machen.“ Nicht wenige von frühzeitigen Vertragsverlängerungen traumatisierte VfB-Fans hielten diesen Move für unnötige Symbolpolitik und sahen sich nur einen Tag später bestätigt, als der VfB im vorentscheidenden Spiel gegen den HSV zur Halbzeit mit 0:2 zurücklag. Das Projekt „Mislintatarazzo-VfB“ schien gescheitert. Aber wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Endo her. So auch in diesem Spiel, als der Japaner gleich nach der Pause den Anschluss-Treffer erzielte – sein einziges Tor in dieser Saison. …

Niemals war mehr Anfang als jetzt

An Ende einer fast zehnstündigen Mitgliederversammlung wurde Claus Vogt mit 92,25 % Ja-Stimmen im Amt bestätigt. Klingt überragend, war aber das schwächste Ergebnis im Präsidium. Rainer Adrion erhielt 95 % Ja-Stimmen, Christian Riethmüller 96 %. Das ist nicht das von ZEIT online mühsam herbeigeschriebene „Vogt-Land“. Das ist Vogtopia. Und dort gab es nicht nur bestes Sommerwetter, sondern auch 100 %ig gute Stimmung. Von 11 bis 20:45 Uhr wurde ein einziges Mal gebuht und gepfiffen. Ansonsten herrschte eine für VfB-Mitglieder ungewohnte Harmonie. Bester Beweis: Die Aussprache mit 17 Rednerinnen und Rednern wurde nicht vorzeitig beendet – nicht mal vom Verein selbst wie früher regelmäßig geschehen. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben? Vielleicht freuten sich die knapp 2.000 Menschen einfach darüber, endlich mal wieder im Stadion zu sein und waren deswegen so tiefenentspannt und freundlich. Vielleicht lag es auch daran, dass es keine Mitmacherplätze und Zweiklassen-Gesellschaft gab. Es hätte sich auch niemand gewundert, wenn die Anwesenden den Wahlhelferinnen und Wahlhelfern eine Pause gegönnt hätten und stattdessen selbst mit den Tablets durch die Reihen gegangen wären …

House of Ehrenmänners

ZEIT Online hat heute in einer effektheischenden Artikelserie für Aufsehen gesorgt. In vier Texten lässt sie alle schlecht aussehen: Claus Vogt, Thomas Hitzlsperger, Wilfried Porth, André Bühler, „rund 100 Leute, die auf Twitter das Meinungsbild in Stuttgart bestimmen“ und die aktuelle Mannschaft auch gleich mit. Nur die Ehrenmänner Rainer Mutschler und Bernd Gaiser kommen gut weg. Komisch eigentlich. Dabei hat ZEIT Online den eigentlichen Skandal gar nicht aufgedeckt: Die internen Dokumente, die uns von der kleinen digitalen Elite zugespielt wurden, und die vielen Gespräche, die wir über Monate mit der subversiven Gegenöffentlichkeit geführt haben, werfen Fragen auf, gar einen ungeheuren Verdacht. Wir haben Erkenntnisse, die vieles bisher Erzählte in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Wir wollten eigentlich eine mehrteilige Artikelserie machen, aber es hat dann doch nur zu diesem Text gereicht (sorry, aber es ist Freitag Abend!). Es geht dabei um nichts weniger als grundsätzliche Fragen, die sich in vielen Clubs stellen oder stellen werden: Was muss man mitbringen, um heutzutage einen Profiklub erfolgreich zu trainieren? Und wer entscheidet eigentlich darüber, was man als Trainer …

Die Kandidaten für den Vereinsbeirat im Überblick

Alle reden über die Wahl des VfB-Präsidenten am kommenden Sonntag. Die Neubesetzung des Vereinsbeirats kommt da leider etwas zu kurz. Dabei haben uns vor allem die letzten Monate gezeigt, welche wichtige Funktion dieses Gremium einnimmt. Deswegen haben wir uns die sechs Kandidaten für den Bereich „Sport und Verein“ noch einmal angeguckt und ihnen drei Fragen (aus Fairnessgründen stets die gleichen) geschickt. Die Antworten von Kai Engler, Werner Gass, Gerhard Grieger, Dr. Marc Nicolai Schlecht, Roland Schmid und Kai Simon lest ihr hier. Die Kandidaten für den Bereich „Wirtschaft/Gesellschaft findet ihr bei der Nachspielzeit, „Fans und Mitglieder“ gibt’s bei Rund um den Brustring! Bitte stellen Sie sich kurz vor: Warum kandidieren Sie für den Vereinsbeirat und welche Expertise bringen sie in Bezug auf die Gruppe, in der sie kandidieren, in den Vereinsbeirat ein? Mein Name ist Kai Engler, ich bin 45 Jahre alt und wurde in Stuttgart, Bad Cannstatt geboren. Ich arbeite in einem mittelständischen Familienunternehmen mit rund 200 Mitarbeitern und bin dort als Einkäufer und Produktionsplaner tätig. Ich kandidiere in der Säule „Sport & Verein“. …

VertikalGIF #VfBFCSG: Ali G. regelt

Irgendwie wäre es schön, wenn man St. Gallen als Bielefeld der Schweiz bezeichnen könnte, um den Bogen zum letzten „echten“ Heimspiel zu spannen. Aber die Stadt unweit des südlichen Bodenseeufers hat gerade mal 75.000 Einwohner. Andererseits hat die Schweiz auch nur halb so viele Einwohner wie Nordrhein-Westfalen. Ach, worum es eigentlich geht: Erstmals seit Ende März spielte der VfB Stuttgart mal wieder vor vollem Haus! Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Sind wir ehrlich: Das Spiel war den meisten erstmal egal. Viel wichtiger war es, zum ersten Mal seit ewigen Zeiten wieder gemeinsam den VfB kicken zu sehen. Bei bestem Sommerwetter im Robert-Schlienz-Stadion, mit einem Hofbräu in der Hand – und mit Menschen, die man schon ewig schon nicht mehr gesehen hatte. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Aber kommen wir zum Sportlichen: Die Abwehrreihe des VfB bestand aus Mavropanos, Anton, Ito und Mola. Im Mittelfeld tummelten sich u.a. Förster, Ahamada und Beyaz, ganz vorne wirbelte Mo Sankoh. Das …

Was noch fehlt im „Wahlkampf“

Der Countdown läuft: Noch 9 Tage bis zur Mitgliederversammlung. Einer richtungsweisenden Veranstaltung, auf der (hoffentlich) nicht nur ein Präsident gewählt wird, sondern auch zwei Präsidiumsmitglieder und der komplette neunköpfige Beirat. Doch der Fokus liegt ganz klar auf dem Duell um das Präsidentschaftsamt. Die Wahlkampftour führte die beiden Kandidaten Pierre-Enric Steiger und Claus Vogt an die „Dunkelroten Tische“, zum VfB-Fanprojekt in die „Schwemme“ und in verschiedene Podcasts von der Bruddelei über die „Viererkette“ bis zum ZVW. Aus der Wahlphase wurde zwar ein Wahlkampf, die beiden Kandidaten beharkten sich zunehmend, jedoch ohne fiese Tricks. Da fragen wir uns doch: War das wirklich schon alles? Spätestens seit Dezember 2020 wissen wir doch, dass es einen überschaubaren, aber einflussreichen Kreis von Menschen gibt, denen selbst eine Klatsche im Derby lieber wäre als weitere vier Jahre mit dem von den Mitgliedern gewählten Präsidenten. Was kommt also? Wir haben in die Zukunft (und in die Vergangenheit) geschaut und sagen euch, was bis zur Mitgliederversammlung am 18. Juli noch passieren könnte: Der Versprecher Das große Doppel-Interview in der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Während …

Steiger vs. Vogt in der Schwemme

Es war das Wort des Abends. „Nochmal“. Pierre-Enric Steiger verwendete es in jedem zweiten Wortbeitrag, sichtlich genervt davon, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern seine Konzepte erneut zu erläutern. Und sicher auch von sich selbst genervt, weil ihm das mit zunehmender Veranstaltungsdauer nicht gelang. Das VfB-Fanprojekt hatte in den Gourmet-Tempel „Schwemme“ in Bad Cannstatt geladen, dort gab es ein sogenanntes „Duell“ zwischen Amtsinhaber Claus Vogt und Herausforderer Steiger. Überdies stellten sich die Präsidiumskandidaten Rainer Adrion, Hubert Deutsch, Christian Riethmüller und Markus Scheurer vor. Die Moderatoren des Abends, Autor Bernd Sautter und Vertikalpass-Blogger und STR-Podcaster Sebastian, hatten den Abend thematisch eingeteilt in die vier Blöcke „Stimmung“, Datenskandal“, „Gesellschaft“ und „Wahlprogramm“. Nach Steigers angriffslustigen Interview in der Stuttgarter Zeitung hatten nicht wenige einen harten Schlagabtausch zwischen Vogt und seinem Herausforderer erwartet. Ein bisschen in den Infight gingen die Kontrahenten jedoch erst in der zweiten Hälfte des Abends. „Ich weiß nicht, was Sie in Mathe hatten, bei mir war es gut bis sehr gut“, kommentierte Vogt die Ideen seines Widersachers zur Neubesetzung des Aufsichtsrats. „Sich flapsig als „Mindestlohn-Präsident“ zu bezeichnen, …