Mini-Feature, VfB
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Mir gehts wie dem VfB-Team: Ich habe keinen Bock mehr!

La Ola geht durchs Stadion, „Oh wie ist das schön“ wird gesungen, das Stuttgarter Publikum hat nach der 0:4-Niederlage gegen Augsburg Sinn für Humor. Gefällt mir. Es ist so furchtbar, da hilft nur noch Zynismus. Spontan fällt mir zum Spiel nur #MannschaftRaus ein. Fast schon wehmütig erinnert man sich an die ersten Heimspiele der Saison. Die gingen zwar auch verloren, aber der VfB spielte attraktiv und die Mannschaft machte Hoffnung auf bessere Zeiten. Und jetzt? Null Punkte, null Bock, null Perspektive. Denn das war mit Abstand der schlechteste Auftritt in der Zorniger-Ära. Obwohl ganz klar festgehalten werden muss, dass die Mannschaft ein Produkt von Zorni und Robin Dutt ist, möchte ich die Leistung aller Beteiligten Head for Head durch gehen:

Odiseass Vlachodimos:
Das war gar nix. Besonders vor dem 0:3. So um die 75. Minute hält der hochgehandelte Keeper seinen ersten Ball. Sein unsicherer Blick, das scheinbar coole Kauen des Kaugummis, wie er sich bewegt: Ausstrahlung und Selbstvertrauen sehen anders aus. Es wundert mich nicht, dass die sportliche Leitung Odi die Bundesliga nicht zutraut.

Emiliano Insua:
Das war gar nix. Wollte vor dem 0:1 unbeholfen eine Abseitsfalle stellen. Läßt sich nach 13 Spieltagen auf das Niveau des Vereins ziehen.

Timo Baumgartl:
Das war gar nix. Bräuchte einen starken Partner neben sich und muss anstatt dessen die Verantwortung alleine tragen. Unverantwortlich, wie dieses 19-jährige Talent alleine gelassen wird.

Toni Sunjic:
Das war gar nix. Wer auf die Idee gekommen ist, dass der Bosnier Toni Rüdiger ersetzen kann – mit dem die Abwehr auch schon wacklig war. Und nicht wenige fragen sich, wie Zorniger sich so sicher sein kann, dass Georg Niedermeier oder Stephen Sama keine Alternativen sind.

Daniel Schwaab:
Das war gar nix. Egal, wo er spielt, er ist körperlich behäbig und gedanklich langsam und denkt dabei, er würde gut spielen. Die Kritik an den Fans, die sich seine Leistung anschauen mussten, hätte er sich sparen können.

Florian Klein:
Das war gar nix. Am Anfang rechts offensiv, beim 0:4 nicht eingerückt. Zeigt eine eindrucksvolle Konstanz in seinen Leistungen – es geht zuverlässig nach unten.

Serey Dié:
Das war gar nix. Vertändelt den Ball beim 0:1, ist nun beim VfB angekommen: Fehlerhaft, fahrig, unkonzentriert, unsicher. Das Zweikampfmonster kam noch nicht mal in Zweikämpfe und lief wie ein aufgeregtes Huhn durchs Mittelfeld. Traurig, das ansehen zu müssen, wenn man den Dié vom Ende der Saison vor Augen hat.

Christian Gentner:
Das war gar nix. Ein unsichtbarer Kapitän. Und das nicht zum ersten Mal. Seine besten Szenen hatte er im Interview nach der Partie.

Daniel Didavi:
Das war gar nix. Will scheinbar mit Leverkusen hoch hinaus, schießt für den VfB aber nur jeden Freistoß hoch drüber.

Filip Kostic:
Das war gar nix. Er flankt immer noch fleißig, nur dass niemand in der Mitte steht. Dachte sich wohl Mitte der zweiten Halbzeit: „Ok, dann gehe ich eben nach Schalke!“

Timo Werner:
Das war gar nix. Als Zielspieler ungeeignet, in der Ballführung einmal mehr zu hektisch, taktisch überfordert. Was kaum wundert, wenn auf dem 19-jährigen alle Hoffnungen ruhen.

Jan Kliment:
Das war gar nix. Bekam die undankbare Aufgabe, die Wende einzuleiten. Alles war zu schnell für ihn: Das Spiel, der Ball, die Gegner.

Lukas Rupp und Philip Heise:
Das war gar nix. Beide hatten gehofft, nicht Teil des Debakels zu werden. Sie dachten: „Hoffentlich gibt mir keiner der Ball!“

Das Publikum:
Den jahrelangen sportlichen Niedergang nahmen sie anfangs noch mit Humor und Stil. Nach Spielende wurde gnadenlos gepfiffen. War sowieso erstaunlich, mit welchem Langmut die Zuschauer das Gekicke seit Wochen ertragen. Ein sehr interessanter und ausgewogener Text zum Verhältnis Mannschaft/Publikum findet sich hier.

Alexander Zorniger:
Ein Trainer, der nur ein System kann und vorgibt und der sich selbst für den einzig richtigen Trainer hält, wird bei diesen Ergebnissen angreifbar. Die Augsburger überspielten das Mittelfeld mit simplen Verlagerungen und schlugen hohe Bälle in die Mitte, was die Innenverteidung aufriß und die Außenverteidiger überforderte. Ein System, das mit so einfachen Mitteln – seit Wochen – ausgehebelt wird, ist kein gutes System. Ein System, das individuelle Fehler sofort bestraft, ist kein gutes System. Selbst der Trainer von Sonnenhof-Großaspach hat mehrere Systeme im Griff. Rüdi Rehm sagt dazu – Zorni bitte mitlesen: „Als Trainer sollte man sich nicht einer einzigen Spielidee verschreiben und sagen, das ziehen wir jetzt gegen jeden Gegner durch. Ich habe immer mehrere Optionen, wie ich agieren und reagieren kann“.


Robin Dutt:

Die versuchte Einzelkritik bestätigt meine spontane Forderung #MannschaftRaus. Aber auch wenn der Sportvorstand vor der Saison nicht vollmundig verkündete, dass er sich an diesem Kader messen läßt: Die Mannschaft ist sein Produkt. Und das von Zorni. Ok, Dutt musste jede Menge Altlasten übernehmen, die er alle mit harter Hand löste, so ließ er dennoch einige Baustellen unbearbeitet:

Die ohnehin schon schwache Innenverteidigung wurde nach dem Abgang von Toni Rüdiger nicht gestärkt. Im Gegenteil: Die Kandidaten heissen Baumgartl, Sunjic, Schwaab, Lord Hlousek. Mit Verlaub: ein Witz!

Dem Team fehlen Führung und Hierarchie, seit Jahren wird auf Gentner, Schwaab und Martin Harnik gesetzt, seit Jahren geht das schief.

Mit nur einer klassischen Neun (Daniel Ginczek) in die Saison zu gehen, ist – vorsichtig ausgedrückt – mutig.

Das heisst: Alle zusammen tragen Verantwortung, es gibt nicht den einen Schuldigen. Nur zusammen kommen Vorstand, Trainer und Team aus der Misere heraus. Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Der VfB muss aufpassen, nicht bereits am 14. Spieltag von der Intensivstation auf die Pathologie verlegt zu werden. Der nächste Gegner heißt Borussia Dortmund.

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