Der FC Bayern Blog „Mia san rot“ schreibt beim Aufeinandertreffen von Bayern München und dem VfB in der Frauen-Bundesliga vom Süd-Gipfel. Scheint ein Reflex zu sein, die Bezeichnung der Männer auf die Frauen zu übertragen. Denn ein Gipfel, bei dem sich die Spitzen treffen, ist es bei weitem nicht. Auf der einen Seite die siebenmaligen Meisterinnen, auf der anderen eine zwar ambitionierte Aufsteigerin, aber eben eine Aufsteigerin, die in allen Saisonspielen bis dato stets zurück lag. Und was die finanzielle Ausstattung der beiden angeht: zwei Welten.
Zwei Welten auch das Spiel:
Bayern eine andere Liga, 90 Minuten überlegen, der VfB mit dem 5:0 noch gut bedient und mit nur einer einzigen Torchance, als es Dafina Redzepi aus der zweiten Reihe versuchte. Der Schuss verfehlte das Tor, somit blieb die Statistik ohne Torschuss, xG-Wert irgendwo nahe Null.
Die Bayern, seit 49 Ligaspielen unbesiegt, mussten auf die verletzten Lena Oberdorf und Giulia Gwinn verzichten. Den VfB traf es noch härter: Kapitänin Maxi Rall kehrte nicht an ihre alte Wirkungsstätte zurück, Mira Arouna, Julia Glaser, Julia Mickenhagen und Fabienne Dongus konnten ebenfalls nicht auflaufen. Vor allem die Attitüde und Führungsstärke von Rall fehlte dem VfB.
Die Partie entschied ein früher Doppelschlag (14. und 16.) von Linda Dallmann und Pernille Harder. Die Münchnerinnen kombinierten sich immer locker flockig durch die Stuttgarter Abwehr und im 1:1 gehört Klara Bühl zu den besten Spielerinnen der Welt. Auf der einen Seite also Weltklasse, auf der anderen zwar großes Engagement, letztlich blieb der VfB aber chancenlos.
In den letzten zwei Spielen gegen Union Berlin und Bayern München kassierten die Stuttgarterinnen neun Tore. Der Trend ist nach einem guten Start nicht der Friend des VfB und als nächste kommt Eintracht Frankfurt ins Gazi-Stadion, derzeit Tabellendritte. Es wird kaum einfacher für den VfB, derzeit Tabellenzehnte mit acht Punkten aus sieben Spielen.
Der VfB hat in München seine Grenzen aufgezeigt bekommen. Das ist gegen eine solche Gegnerin keine Schande. Das 5:0 gegen Bayern sollte schnell abhakt werden. Aus einem solchen Spiel lässt sich wenig mitnehmen, zu groß sind die individuellen Unterschiede beider Teams. Auf die Reaktion auf die Klatsche kommt es jetzt an. Nach einem ordentlichen Saisonstart erleben die VfB-Frauen gerade, dass in der Bundesliga nicht nur die Gegnerinnen eine Nummer größer sind, sondern auch die eigenen Fehler schneller bestraft werden.
In der Bundesliga angekommen ist der VfB, aber jetzt zeigt sich, wie hart diese Liga sein kann. Zum ersten Mal steckt das Team in einer schwierigen Phase. Bisher eilten die VfB-Frauen in ihrer noch jungen Geschichte von Sieg zu Sieg. Jetzt müssen sie beweisen, dass sie auch mit Rückschlägen umgehen können. Denn zur Bundesliga gehört nicht nur die Freude über unerwartete Erfolge, sondern auch wie resilient die VfB-Frauen auf so einen deprimierenden Abend wie gegen Bayern München reagieren.
Bild: VfB Stuttgart (Danke!)

Werbefuzzi, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra.

