Autor: @abiszet

Spielbetrieb aussetzen!

Paris, Valencia, Gladbach: Bei den Spielen der Champions League und dem Bundesliga-Nachholspiel wurde deutlich, da fehlte etwas. Die Emotion. Fußball ist mehr als das Ausspielen eines Ergebnisses, ist mehr als Sieg und Niederlage, mehr als Aufstieg und Abstieg. Es ist Kultur. Und das Publikum in den Stadien macht das Spiel dazu. Zu einem Ereignis, zu einem Gemeinschaftserlebnis. Denn das Publikum interagiert mit den Spielern, in nicht wenigen Spielen beeinflusst es die Partie. Es fehlen das Singen, das Stöhnen, das Schreien, das Jubeln, das Ärgern. „Without fans, football is nothing.“, sagte der berühmte schottische Trainer Jock Stein. Die Zuschauer sind die Seele des Spiels, ohne sie wird Fußball auf seinen Kern reduziert: auf ein Millionenbusiness. Gianni Infantino gefällt das, aber womöglich gibt es etwas, was größer ist als die FIFA. Das Corona-Virus bringt alles in Gefahr, natürlich auch dieses Millionenbusiness. Deshalb gibt es bis auf weiteres Spiele ohne Publikum, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, denn für DFL-Geschäftsführer Christian Seifert steht es „außer Frage, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden …

Eine Niederlage im Walter-Style

Das Positive vorweg: Der VfB hat nach der Niederlage gegen Fürth nicht den Aufstieg verpasst. Er hat sogar ein Tor auf den HSV gut gemacht. Der VfB hat aber die Chance verpasst, Druck auf Bielefeld auszuüben und den HSV auf sechs Punkte zu distanzieren. Da Heidenheim gleichzeitig ebenfalls verliert, ist tabellarisch nicht viel passiert. Nicht viel passiert ist auf dem Spielfeld. Ein paar Chancen vergeben, hinten zwei blöde Dinger bekommen und ansonsten gerade so viel gemacht und gelaufen, dass keiner sagen kann, es läge an der mangelnden Einstellung und fehlenden Motivation, auch wenn Daniel Didavi nach dem Spiel sagt: „Vielleicht haben wir es in den letzten Wochen mehr gewollt!“ Wie kommt es zu dieser Niederlage, die fatal an die Spiele unter Tim Walter erinnert? Ich möchte nicht aus den unseligen Klinsmann-Papers zitieren, aber dem VfB fehlt es an Leidensfähigkeit. Bei ein bisschen Widerstand lässt der VfB nach. Heißt gegen Fürth: Nachdem die ersten Chancen nicht zu einem Tor führen und sich die Kleeblätter zunehmend auf den VfB eingestellt haben, gibt es einen merklichen Spannungsabfall. Die …

Der Stehblues-Spieler

Orel Mangala war einer der Spieler, auf die ich mich vor der Saison sehr freute und auf dessen Rückkehr ich sehnsüchtig wartete. Ein typischer Jan Schindelmeiser-Transfer, ein typischer Hannes Wolf-Spieler, aber nicht deshalb. Er verkörperte das Junge und Ungestüme im Zweitliga-Kader 2019/2020, auch wenn er kein Draufgänger ist, so verband ich mit ihm die Hoffnung auf mehr Dynamik im zentralen Mittelfeld. In seiner ersten Saison 2017/2018 absolvierte er immerhin 20 Bundesligaspiele und stand auch beim legendären 4:1 am 34. Spieltag gegen Bayern München in der Startelf (Video mit den Highlights, siehe unten). Nach einer guten Saison beim Hamburger SV kehrte er zum VfB zurück und sollte hier einer der Entscheidungsspieler und Hoffnungsträger werden. Trainer Tim Walter sah das anders und setzte zunächst eher auf Ata Karazor, so dass sich Mangalas Bilanz eher mittelmäßig liest: 15 Spiele, davon 6x eingewechselt und 4x ausgewechselt. Das änderte sich als Pellegrino Matarazzo übernahm. Der 21-jährige ist nun wichtiger Bestandteil einer zentralen Achse mit Wataru Endo und Daniel Didavi. Endo ist der Terrier und Zweikämpfer und Didavi der Feinfüßige, der …

So wollen wir das!

Danke, Sankt Pauli! Danke, Daniel Didavi! Endlich mal die Schwäche eines Konkurrenten ausgenutzt, der sechste Heimsieg (die letzten drei ohne Gegentor) in Folge. Die Folge: ein Tabellenplatz, der zum direkten Aufstieg berechtigt. In der ersten Halbzeit jedoch hat man den Eindruck, dass der Ball schwerer, leichter, kleiner oder größer ist als sonst. Oder als ob die VfB-Spieler zum ersten Mal zusammen spielen. Kaum ein Pass kommt an: zu kurz, zu weit, falsche Richtung, die Ballan- und -mitnahme misslingt regelmäßig. In den Hauptrollen: Daniel Didavi und Silas. Trotz vieler unpräziser Zuspiele hat der VfB einige Chancen, aber so richtig konsequent ist das alles nicht. Gejubelt wird trotzdem, in Tor-Lautstärke. 1:0 für Sankt Pauli, 2:0 für Sankt Pauli, darauf zwei Astra! Silas‘ erster Kontakt ist ein eingebauter Zufallsgenerator. Die große Streuung führt nach der Annahme zu einer unvorhergesehenen Situation, die er dann kreativ auflösen kann. #VfBSSV — Jonas (@vfbtaktisch) February 22, 2020 Das Traum-Tor von Orel Mangala – der beste Mann auf dem Platz, meine Meinung – wäre der Door-Opener gewesen. Aber Door-Man Harm Osmers hat etwas …

Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann

Wir kennen das: Wenn ein hoher Funktionsträger über Facebook völlig überraschend und unter nebulösen Andeutungen seinen Rücktritt bekannt gibt und der Club noch nichts davon weiß. Ist dem VfB so gegangen mit dem Ex-Präsidenten Wolfgang Dietrich. Und wiederholte sich nun offensichtlich bei Jürgen Klinsmanns Abtritt als Trainer bei Hertha BSC. Der kommt wie bei Dietrich so überraschend, dass sich die meisten nicht sicher waren, ob nicht doch jemand Klinsmanns Account gehackt habe oder ob es sich um eine clevere Marketing-Kampagne für die Zwei-Faktor-Authentifizierung handele. Aber was wird jetzt aus Santi?! https://t.co/6g2wgHCnDk — Sebastian (@buzze) February 11, 2020 Kein guter Stil, meint 11Freunde. In Berlin ist man sauer: Gemäß, das bisherige Bild stimmt: #Klinsmann kommt, umschwurbelt alle mit seinen Zukunftsfantasien, darf im Winter 75 (!!!) Millionen Euro ausgeben und schmeißt dann nach 5 Spielen in 2020 hin – das dann per Facebook, ohne irgendwem im Verein Bescheid zu geben. Leck mich. #hahohe — Marc Schwitzky (@jungerherr1892) February 11, 2020 Mir tut das Ganze weh. Jürgen Klinsmann war ein phantastischer Fußballspieler beim VfB Stuttgart. Remember Fallrückzieher Bayern, …

Seriös. Sauber. Souverän.

So muss man das machen. Ein ungefährdeter Sieg, locker runter gespielt, kaum Gefahr fürs eigene Tor, außer eine paar Anlaufschwierigkeiten eine sehr souveräne Leistung. Das Fußallvokabular hat dafür einen Begriff: Pflichtsieg. Schön auch deshalb, weil der VfB nach guten Leistungen im darauf folgenden Spiel gerne mal seine „Pflichten“ vergisst. Aue heisst für mich Christian Tiffert heisst für mich Aua. „Tiffi“ absolvierte für Erzgebirge Aue nach dem VfB Stuttgart seine zweitmeisten Pflichtspiele, er war einer der Spielertypen, die man nicht unbedingt mag, wenn sie beim Gegner spielen, aber dafür umso mehr, wenn man sie im eigenen Team hat. So sagt man es auch den Veilchen nach: eklig, fies zu bespielen, aber auch diszipliniert und geradlinig, was nicht unbedingt die erste Attribute wären, die einem zu Tiffert einfallen. Er genoss stets das Leben und das machte ihn so sympathisch. Er war trendy, er war funk und Stammkunde im „abseits“ am Schloßplatz. Hier ein Zigarettchen (Spitzname: Tifferette), dort ein Bierchen zu viel und auch mal nur wenige Stunden Schlaf vor einem Spiel. Er hatte eine außerordentliche Begabung, erstaunlich …

Alles richtig gemacht!

Gut, dass zumindest einer von 1992 dabei war. Günther Schäfer, Grätschen-Gott. Er hat sicher erzählt, wie das vor 28 Jahren war. Klar, von seiner Rettungstat, auf Du und Du mit der Torlinie. Aber auch von der Wut und dem Willen, das Spiel trotz Unterzahl (Redhead Matthias Sammer sah rot) unbedingt gewinnen zu wollen. Wiggerl auf links machte den Kögl, auf rechts lief Andi Buck-Buck-Buck die 100 Meter in 10,8 Sekunden und Maurizio Gaudino sah nicht nur wie ein Mitglied der Band Bon Jovi aus, er rockte auch das Mittelfeld. Und heute? Die Aufstellung mit einer Verteidigung, bestehend aus Pascal Stenzel, Nathaniel Philips, Roberto Massimo und Wataru Endo gleicht der Idee, ein Pokalviertelfinale spielen zu wollen mit Fell-Adiletten statt Kickstiefeln. Warum hat Matarazzo nicht gleich den einzigen Innenverteidiger – Phillips – auch auf der Bank gelassen? Das wäre konsequent gewesen. Das muss einfach schief gehen, nicht wenige befürchten, dass es so aussehen würde: Leverkusener Angriff und Stuttgarter Abwehr. Ein Symbol-GIF. pic.twitter.com/NznqCxxOSJ — Moritz (@mohoritz) February 5, 2020 Die Partie allerdings erinnert lange an die Spiele des …

Der Brustring verbindet

Ich kenne das vom letzten Jahr, als ich meinen Vater bei der Jubilarfeier vertreten habe: Es ist diese ganz besondere Stimmung, wenn Menschen in einem Raum sind, die seit mindestens 25 Jahren ihr Herz an den VfB verloren haben. Es gibt keine großen Anlaufzeiten, es wird nicht lange abgetastet, man versteht sich sofort blind als ob man sich schon ewig kennt. Da gibt es diesen Kuttenträger aus Hessen, der 1981 zum VfB-Fan wurde, als der VfB in Bochum spielte und Hansi Müller nach einem fiesen Foul auf dem Boden lag und sich direkt vor seinen Augen mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzte: „Naheliegend“ sei die Wahl gewesen, meint er heute schmunzelnd. Hansi Müller musste in der 18. Minute ausgewechselt werden, das Spiel endete 3:3 (Beck, Dieter Müller, Six), und das Line-up liest sich so: Roleder – Habiger, Szatmari, KH. Förster, B. Förster – Allgöwer, Ohlicher, Hansi Müller (Harald Beck) – Six, Kelsch, Dieter Müller Als kleiner Junge war ihm nicht klar, dass Kassel rund 380 Kilometer von Stuttgart entfernt ist, aber ein echter Hinderungsgrund stellte das nicht …

Nur eine Frage des Systems?

Ja klar, wir fliegen nicht durch die Saison. Die Liga ist mit Demut zu spielen, niemand darf erwarten, dass der VfB alle Spiele gewinnt und jeden Gegner an die Wand spielt. Aber gegen einen biedere, mediokre Truppe wie Sankt Pauli darf man das wirklich erwarten. Auch wenn die Kultkiezkicker™ gegen den HSV und Bielefeld zu Hause gewonnen haben und der VfB nach sieben Minuten seinen Kapitän verliert und ohne Daniel Didavi spielen muss. Klar, der Platz ist schlecht, der Schiedsrichter auch, aber muss sich die Mannschaft unbedingt diesem Niveau anpassen? Sankt Pauli kann eigentlich nichts außer rennen und Lücken zulaufen und ein paar Konter fahren. Und der VfB? Es scheint so, als ob es an der richtigen Einstellung fehlt. Etwas, was schon unter Tim Walter auffiel. Hat der VfB also mehr als ein Problem mit dem Spielsystem? „Hinfahren, Arsch versohlen, Heim fahren, Bier trinken“, würde mein Freund Thomas sagen. Weit gefehlt. Anstatt dessen verlieren Orel Mangala, Philip Klement und Philipp Förster Bälle ohne Ende, es gibt schlampige Zuspiele, jede Menge Stellungsfehler, es fehlt komplett das …

Wie habe ich es vermisst!

Endlich wieder ein VfB-Spiel. Mit Freunden in der Kälte im Stadion. Der Geruch von verbrannter roter Wurscht. Das charakteristische Grummeln im Stadion. Ein überzeugender, ungefährdeter Sieg. Ein Spiel, das richtig Spaß macht. Gegen die bis dahin beste Defensive der zweiten Liga dreimal genetzt. Wie habe ich es vermisst, den Überall-Spieler Wataru Endo zu sehen, den japanischen Ascacibar (sorry Sebastian, vermisst ausser Dir jemand Santi?) und hinter ihm der extrem raumsensible, fehlerlose und tacklingfreudige Ata Karazor, für mich der beste Mann auf dem Platz. Wie habe ich es vermisst, einen selbstbewussten, befreiten, pressing-, risiko- und lauffreudigen VfB zu sehen. Auch wenn in der ersten Halbzeit nicht alles klappt, so hat man gesehen, dass deutlich schneller gespielt wird, dass versucht wird, vertikal zu spielen und dass der Ball mit möglichst wenig Ballkontakten nach vorne getragen werden soll. Kein Larifari-Fußball mehr, mit Ballbesitz als Selbstzweck. Gut, die 20 Minuten nach der Pause haben sicher Pellegrino Matarazzo auch nicht gefallen, aber echte Torchancen hat Heidenheim nicht, denn die Defensive ist deutlich stabiler als unter Tim Walter – was ehrlicherweise …