Autor: @abiszet

Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann

Wir kennen das: Wenn ein hoher Funktionsträger über Facebook völlig überraschend und unter nebulösen Andeutungen seinen Rücktritt bekannt gibt und der Club noch nichts davon weiß. Ist dem VfB so gegangen mit dem Ex-Präsidenten Wolfgang Dietrich. Und wiederholte sich nun offensichtlich bei Jürgen Klinsmanns Abtritt als Trainer bei Hertha BSC. Der kommt wie bei Dietrich so überraschend, dass sich die meisten nicht sicher waren, ob nicht doch jemand Klinsmanns Account gehackt habe oder ob es sich um eine clevere Marketing-Kampagne für die Zwei-Faktor-Authentifizierung handele. Aber was wird jetzt aus Santi?! https://t.co/6g2wgHCnDk — Sebastian (@buzze) February 11, 2020 Kein guter Stil, meint 11Freunde. In Berlin ist man sauer: Gemäß, das bisherige Bild stimmt: #Klinsmann kommt, umschwurbelt alle mit seinen Zukunftsfantasien, darf im Winter 75 (!!!) Millionen Euro ausgeben und schmeißt dann nach 5 Spielen in 2020 hin – das dann per Facebook, ohne irgendwem im Verein Bescheid zu geben. Leck mich. #hahohe — Marc Schwitzky (@jungerherr1892) February 11, 2020 Mir tut das Ganze weh. Jürgen Klinsmann war ein phantastischer Fußballspieler beim VfB Stuttgart. Remember Fallrückzieher Bayern, …

Seriös. Sauber. Souverän.

So muss man das machen. Ein ungefährdeter Sieg, locker runter gespielt, kaum Gefahr fürs eigene Tor, außer eine paar Anlaufschwierigkeiten eine sehr souveräne Leistung. Das Fußallvokabular hat dafür einen Begriff: Pflichtsieg. Schön auch deshalb, weil der VfB nach guten Leistungen im darauf folgenden Spiel gerne mal seine „Pflichten“ vergisst. Aue heisst für mich Christian Tiffert heisst für mich Aua. „Tiffi“ absolvierte für Erzgebirge Aue nach dem VfB Stuttgart seine zweitmeisten Pflichtspiele, er war einer der Spielertypen, die man nicht unbedingt mag, wenn sie beim Gegner spielen, aber dafür umso mehr, wenn man sie im eigenen Team hat. So sagt man es auch den Veilchen nach: eklig, fies zu bespielen, aber auch diszipliniert und geradlinig, was nicht unbedingt die erste Attribute wären, die einem zu Tiffert einfallen. Er genoss stets das Leben und das machte ihn so sympathisch. Er war trendy, er war funk und Stammkunde im „abseits“ am Schloßplatz. Hier ein Zigarettchen (Spitzname: Tifferette), dort ein Bierchen zu viel und auch mal nur wenige Stunden Schlaf vor einem Spiel. Er hatte eine außerordentliche Begabung, erstaunlich …

Alles richtig gemacht!

Gut, dass zumindest einer von 1992 dabei war. Günther Schäfer, Grätschen-Gott. Er hat sicher erzählt, wie das vor 28 Jahren war. Klar, von seiner Rettungstat, auf Du und Du mit der Torlinie. Aber auch von der Wut und dem Willen, das Spiel trotz Unterzahl (Redhead Matthias Sammer sah rot) unbedingt gewinnen zu wollen. Wiggerl auf links machte den Kögl, auf rechts lief Andi Buck-Buck-Buck die 100 Meter in 10,8 Sekunden und Maurizio Gaudino sah nicht nur wie ein Mitglied der Band Bon Jovi aus, er rockte auch das Mittelfeld. Und heute? Die Aufstellung mit einer Verteidigung, bestehend aus Pascal Stenzel, Nathaniel Philips, Roberto Massimo und Wataru Endo gleicht der Idee, ein Pokalviertelfinale spielen zu wollen mit Fell-Adiletten statt Kickstiefeln. Warum hat Matarazzo nicht gleich den einzigen Innenverteidiger – Phillips – auch auf der Bank gelassen? Das wäre konsequent gewesen. Das muss einfach schief gehen, nicht wenige befürchten, dass es so aussehen würde: Leverkusener Angriff und Stuttgarter Abwehr. Ein Symbol-GIF. pic.twitter.com/NznqCxxOSJ — Moritz (@mohoritz) February 5, 2020 Die Partie allerdings erinnert lange an die Spiele des …

Der Brustring verbindet

Ich kenne das vom letzten Jahr, als ich meinen Vater bei der Jubilarfeier vertreten habe: Es ist diese ganz besondere Stimmung, wenn Menschen in einem Raum sind, die seit mindestens 25 Jahren ihr Herz an den VfB verloren haben. Es gibt keine großen Anlaufzeiten, es wird nicht lange abgetastet, man versteht sich sofort blind als ob man sich schon ewig kennt. Da gibt es diesen Kuttenträger aus Hessen, der 1981 zum VfB-Fan wurde, als der VfB in Bochum spielte und Hansi Müller nach einem fiesen Foul auf dem Boden lag und sich direkt vor seinen Augen mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzte: „Naheliegend“ sei die Wahl gewesen, meint er heute schmunzelnd. Hansi Müller musste in der 18. Minute ausgewechselt werden, das Spiel endete 3:3 (Beck, Dieter Müller, Six), und das Line-up liest sich so: Roleder – Habiger, Szatmari, KH. Förster, B. Förster – Allgöwer, Ohlicher, Hansi Müller (Harald Beck) – Six, Kelsch, Dieter Müller Als kleiner Junge war ihm nicht klar, dass Kassel rund 380 Kilometer von Stuttgart entfernt ist, aber ein echter Hinderungsgrund stellte das nicht …

Nur eine Frage des Systems?

Ja klar, wir fliegen nicht durch die Saison. Die Liga ist mit Demut zu spielen, niemand darf erwarten, dass der VfB alle Spiele gewinnt und jeden Gegner an die Wand spielt. Aber gegen einen biedere, mediokre Truppe wie Sankt Pauli darf man das wirklich erwarten. Auch wenn die Kultkiezkicker™ gegen den HSV und Bielefeld zu Hause gewonnen haben und der VfB nach sieben Minuten seinen Kapitän verliert und ohne Daniel Didavi spielen muss. Klar, der Platz ist schlecht, der Schiedsrichter auch, aber muss sich die Mannschaft unbedingt diesem Niveau anpassen? Sankt Pauli kann eigentlich nichts außer rennen und Lücken zulaufen und ein paar Konter fahren. Und der VfB? Es scheint so, als ob es an der richtigen Einstellung fehlt. Etwas, was schon unter Tim Walter auffiel. Hat der VfB also mehr als ein Problem mit dem Spielsystem? „Hinfahren, Arsch versohlen, Heim fahren, Bier trinken“, würde mein Freund Thomas sagen. Weit gefehlt. Anstatt dessen verlieren Orel Mangala, Philip Klement und Philipp Förster Bälle ohne Ende, es gibt schlampige Zuspiele, jede Menge Stellungsfehler, es fehlt komplett das …

Wie habe ich es vermisst!

Endlich wieder ein VfB-Spiel. Mit Freunden in der Kälte im Stadion. Der Geruch von verbrannter roter Wurscht. Das charakteristische Grummeln im Stadion. Ein überzeugender, ungefährdeter Sieg. Ein Spiel, das richtig Spaß macht. Gegen die bis dahin beste Defensive der zweiten Liga dreimal genetzt. Wie habe ich es vermisst, den Überall-Spieler Wataru Endo zu sehen, den japanischen Ascacibar (sorry Sebastian, vermisst ausser Dir jemand Santi?) und hinter ihm der extrem raumsensible, fehlerlose und tacklingfreudige Ata Karazor, für mich der beste Mann auf dem Platz. Wie habe ich es vermisst, einen selbstbewussten, befreiten, pressing-, risiko- und lauffreudigen VfB zu sehen. Auch wenn in der ersten Halbzeit nicht alles klappt, so hat man gesehen, dass deutlich schneller gespielt wird, dass versucht wird, vertikal zu spielen und dass der Ball mit möglichst wenig Ballkontakten nach vorne getragen werden soll. Kein Larifari-Fußball mehr, mit Ballbesitz als Selbstzweck. Gut, die 20 Minuten nach der Pause haben sicher Pellegrino Matarazzo auch nicht gefallen, aber echte Torchancen hat Heidenheim nicht, denn die Defensive ist deutlich stabiler als unter Tim Walter – was ehrlicherweise …

80 ist das neue 75: Alles Gute, Jürgen Sundermann!

Jürgen Sundermann, für viele Fans im fortgeschrittenen Alter immer noch der Wundermann wegen seiner Verdienste um den Aufstieg 1977, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Da können wir schon ein bisschen nostalgisch werden, oder? Dass wir dazu einen Text nahezu unverändert veröffentlichen, der exakt fünf Jahre alt ist, darf nicht als Zeichen mangelnder Wertschätzung verstanden werden. Ganz im Gegenteil: Was kann schöner sein, als mit 80 Jahren noch genauso fit zu sein wie mit 75. Oder wie Sundermann es selbst im aktuellen Interview sagt: „Allet wunderbar. Bei meinem 75. hat mir mein Arzt gesagt, dass ich 135 Jahre alt werde. Jetzt meint er, es werden noch ein paar mehr.“ Meine Erinnerungen an den Aufstieg 1977 sind altersbedingt ein bisschen nebulös. Drei Dinge sind mir aber noch sehr präsent: Die schönen Trikots mit dem Frottesana-Schriftzug (erster Trikotsponsor von 1976 bis 1979). Egal ob weiss oder rot, kurz oder langärmelig – wenn schon Werbung, dann ist das für mich das beste Trikot; nichts im Brustring platziert, der Schriftzug überzeugt mit perfekter Größe und optimalem Stand, es stört kein …

Fußball ist Mathematik!

Seit dem Trainerwechsel von Tim Walter zu Pellegrino Matarazzo wissen wir: Der VfB wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein. Denn Ottmar Hitzfeld ist als Mathematik-Lehrer siebenfacher deutscher Meister und zweifacher Champions League-Sieger geworden, Matarazzo hat an der Columbia University in New York Mathematik studiert – was soll uns da noch passieren? Die Besetzung der Trainerposition durch den Italo-Amerikaner ist nur logisch, denn er hat die restlichen 16 Spiele der Rückrunde bereits vorausberechnet. Das Ergebnis präsentierte er bei seinem Vorstellungsgespräch: Aufstieg als Zweitliga-Meister. Ganz ehrlich, wie Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat hätte ich mich damit auch gegen Ludovic Magnin, Markus Anfang, Sandro Schwarz, Zsolt Löw und Bruno Labbadia entschieden. Lehnen wir uns also zurück und genießen die Rückrunde. Was erwartet uns also, abgesehen vom nachhaltigen Erfolg? Auch wenn ein Trainerwechsel beim VfB so etwas ähnliches ist wie die Periode in der Mathematik – ein Vorgang, der sich stets wiederholt – so beherrscht der neue Coach die Mengenlehre, er weiß, wo und wann Räume auf dem Spielfeld besetzt werden sollen. Das beinhaltet sowohl das Verhalten beim Pressing …

Bring‘ ma wieder Schwung in die Kiste!

Ich freue mich jedes Jahr auf den Mercedes-Benz Junior Cup in Sindelfingen. In erster Linie wegen des Soundtracks vor, nach und während der Spiele, einfach, um mich wieder ein bisschen so zu fühlen, wie damals, als ich noch die Haare trug wie ein aufgerissenes Sofakissen und mir Löcher in die Jeans schnitt. Ich werde auch 2020 nicht enttäuscht: „Thunder“, „We will rock you“, „Sing Hallelujah“, „Just can‘t get enough“ und als mein absoluter Favourite Track „Barbra Streisand“. Hier die kompletten Lyrics: Barbra Streisand Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo Barbra Streisand Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo (repeat) Und zwischendrin immer wieder die Animationen des durchaus aufdringlichen neuen Hallenmoderators, „Seid Ihr noch da?“ und „Bring‘ ma wieder Schwung in die Kiste“ Aber es geht beim #MBJC2020 nicht um Musik. Auch wenn das …

Eat. Sleep. Insua-Flanke. Terodde-Tor. Repeat!

Er war ein Transfer von Robin Dutt. Er war der dienstälteste Spieler des VfB. Er stand bei den drei bittersten Niederlagen der letzten viereinhalb Jahre auf dem Platz (2016 gegen Bremen 2:6, 2019 gegen Augsburg 0:6, 2019 gegen HSV 2:6). Er war wirklich nicht der Schnellste und manchmal turnte er an Stellen des Platzes herum, an denen er nichts zu suchen hatte. Sein Stellungsspiel war gelegentlich schwieriger zu entschlüsseln als das Rätsel der New York Times in der Wochenendausgabe und der Adventskalender von Heinz Kamke. Trotzdem schmerzt der Abgang von Emiliano Insua. Er fehlt als Sympathieträger, er fehlt als einer, der sich ganz offensichtlich mit dem VfB und der Stadt identifiziert hat. Es fehlen seine putzigen Posts auf Instagram, Facebook oder Twitter, gerne mal mit Schreibfehlern in den Vereinsnamen. Es fehlen seine gute Laune und sein ansteckendes Lachen. Es sind vor allem seine Flanken, die in Erinnerung bleiben. Insbesondere die auf Simon Terodde in der Aufstiegssaison, die eigentlich immer zu einem Tor führten. Die, die zu weit geschlagen waren oder hinter dem Tor landeten. Stets …