Autor: @abiszet

Fußball ist Mathematik!

Seit dem Trainerwechsel von Tim Walter zu Pellegrino Matarazzo wissen wir: Der VfB wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein. Denn Ottmar Hitzfeld ist als Mathematik-Lehrer siebenfacher deutscher Meister und zweifacher Champions League-Sieger geworden, Matarazzo hat an der Columbia University in New York Mathematik studiert – was soll uns da noch passieren? Die Besetzung der Trainerposition durch den Italo-Amerikaner ist nur logisch, denn er hat die restlichen 16 Spiele der Rückrunde bereits vorausberechnet. Das Ergebnis präsentierte er bei seinem Vorstellungsgespräch: Aufstieg als Zweitliga-Meister. Ganz ehrlich, wie Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat hätte ich mich damit auch gegen Ludovic Magnin, Markus Anfang, Sandro Schwarz, Zsolt Löw und Bruno Labbadia entschieden. Lehnen wir uns also zurück und genießen die Rückrunde. Was erwartet uns also, abgesehen vom nachhaltigen Erfolg? Auch wenn ein Trainerwechsel beim VfB so etwas ähnliches ist wie die Periode in der Mathematik – ein Vorgang, der sich stets wiederholt – so beherrscht der neue Coach die Mengenlehre, er weiß, wo und wann Räume auf dem Spielfeld besetzt werden sollen. Das beinhaltet sowohl das Verhalten beim Pressing …

Bring‘ ma wieder Schwung in die Kiste!

Ich freue mich jedes Jahr auf den Mercedes-Benz Junior Cup in Sindelfingen. In erster Linie wegen des Soundtracks vor, nach und während der Spiele, einfach, um mich wieder ein bisschen so zu fühlen, wie damals, als ich noch die Haare trug wie ein aufgerissenes Sofakissen und mir Löcher in die Jeans schnitt. Ich werde auch 2020 nicht enttäuscht: „Thunder“, „We will rock you“, „Sing Hallelujah“, „Just can‘t get enough“ und als mein absoluter Favourite Track „Barbra Streisand“. Hier die kompletten Lyrics: Barbra Streisand Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo Barbra Streisand Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo woo Woo woo woo woo woo woo (repeat) Und zwischendrin immer wieder die Animationen des durchaus aufdringlichen neuen Hallenmoderators, „Seid Ihr noch da?“ und „Bring‘ ma wieder Schwung in die Kiste“ Aber es geht beim #MBJC2020 nicht um Musik. Auch wenn das …

Eat. Sleep. Insua-Flanke. Terodde-Tor. Repeat!

Er war ein Transfer von Robin Dutt. Er war der dienstälteste Spieler des VfB. Er stand bei den drei bittersten Niederlagen der letzten viereinhalb Jahre auf dem Platz (2016 gegen Bremen 2:6, 2019 gegen Augsburg 0:6, 2019 gegen HSV 2:6). Er war wirklich nicht der Schnellste und manchmal turnte er an Stellen des Platzes herum, an denen er nichts zu suchen hatte. Sein Stellungsspiel war gelegentlich schwieriger zu entschlüsseln als das Rätsel der New York Times in der Wochenendausgabe und der Adventskalender von Heinz Kamke. Trotzdem schmerzt der Abgang von Emiliano Insua. Er fehlt als Sympathieträger, er fehlt als einer, der sich ganz offensichtlich mit dem VfB und der Stadt identifiziert hat. Es fehlen seine putzigen Posts auf Instagram, Facebook oder Twitter, gerne mal mit Schreibfehlern in den Vereinsnamen. Es fehlen seine gute Laune und sein ansteckendes Lachen. Es sind vor allem seine Flanken, die in Erinnerung bleiben. Insbesondere die auf Simon Terodde in der Aufstiegssaison, die eigentlich immer zu einem Tor führten. Die, die zu weit geschlagen waren oder hinter dem Tor landeten. Stets …

VfB mit Herz

The Power of Love

Ich habe ein Auskunftsgesicht. Überall, in Stuttgart sowieso, werde ich nach dem Weg gefragt, wie der Fahrkartenautomat funktioniert oder nach der Uhrzeit. Einmal wurde ich sogar darum gebeten, jemanden zu umarmen. Aber ich habe wohl nicht nur ein Auskunftsgesicht, sondern auch ein VfB-Gesicht. Ich stehe in meinem Businessoutfit in Frankfurt am Bahnhof, es ist Montag, 9 Dezember, ca. 18 Uhr. Ich warte auf meinen Zug und möchte dringend zurück nach Stuttgart, um mir das Heimspiel gegen Nürnberg im Neckarstadion anzuschauen. Da werde ich mal wieder angesprochen. Von einem VfB-Fan im aktuellen, roten Auswärts-Trikot. Er fragt mich auf Englisch, auf welchem Gleis der Zug nach Stuttgart fährt. Da ich denselben Weg habe, bitte ich ihn, mich zu begleiten und natürlich kommen wir ins Gespräch. Pedro ist Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln, er arbeitet in Deutschland für ein Projekt bei HP – und er ist VfB-Fan „since 2007, remember Pardo and Osorio“ – und natürlich remembere ich mich. Wie sollte ich das vergessen, ich erspare Pedro aber, dass ich über 2007 ein Buch geschrieben habe. Immer wenn er …

VfB-Krise: Trainerwechsel is a must

Thomas Hitzlsperger ist unzufrieden, weil das Projekt Aufstieg in Gefahr ist. Sven Mislintat ist unzufrieden, weil er sich sicher ist, dass mit „seinem“ Kader mehr herauszuholen ist als 31 Punkte nach 18 Spielen. Tim Walter ist unzufrieden, weil sein Fußball nicht so funktioniert (und erfolgreich ist), wie er es gerne hätte. Teile des Teams sind unzufrieden, weil sie nicht an den Walterball glauben und er ihnen zu angestrengend ist. Natürlich ist auch der Aufsichtsrat unzufrieden und das ist immer gefährlich, sind da ja auch Mitglieder dabei, die vieles besser wissen und die teilweise die Manieren eines unerzogenen Rauhaardackels mit Beissreflex haben. Und was passiert: Der Trainer wird entlassen. Wenn VfB-Krise, dann ist die Trainer-Entlassung offensichtlich ein Muss. Es gibt nicht nur einen Schuldigen am enttäuschenden Abschneiden in den ersten 18 Spielen. Da sind der rechte und linke Pfosten sowie die Querlatte des gegnerischen Tores, der Videoschiedsrichter und das Unvermögen, den Ball ins Tor zu schießen. Aber es ist auch die deutliche Rückwärtsentwicklung im Verlauf der Hinrunde und die Erkenntnis, dass das sogenannte Walter-System von den …

Bölle, Borna, Ballbesitz

Alles Banane. Born to be Breitbandfußball. Auch gegen Darmstadt 98 ist das Spiel des VfB Stuttgart bedürftig und bedächtig, überhaupt nicht beflügelt, wie wir es beim Saisonauftakt gegen Hannover 96 noch gesehen haben. Same procedure as last Auswärtsspiel: Das Stuttgarter Team läuft einem Rückstand hinterher und es fehlen ihm die Mittel, gegen einen biederen Gegner Tore zu schießen. Die Taktik von Walter ist so flexibel wie ein Baum. Am Stamm bewegt er sich keinen Millimeter, während die Zweige sich ein bisschen im Wind bewegen. Ballbesitz? Interessiert auch Tim Walter nicht. Es geht um Spielkontrolle. Und die hat der Trainer der Mannschaft so eingeimpft, dass sie immer vorsichtig agiert. Zu vorsichtig. Eckbälle werden deshalb kurz gespielt, um mit einer Flanke keinen Konter zu riskieren. Vertikales Spiel wird vermieden, um dem Gegner bei Ballverlust keine Räume zu eröffnen. Statt den direkten Weg zu suchen mit einem risikoreichen Pass wird hinten rum gespielt, auch wenn man sich zuvor bis zum 16-Meter-Raum kombiniert hat. Dadurch spielt der VfB gehemmt, uninspiriert, ohne Tempo und ohne Risiko. Sowohl spieltaktisch, als auch …

Präsident mit Probezeit

„Hey, alles glänzt, so schön neu. Hey, wenn’s Dir nicht gefällt, mach’ neu!“ Der VfB muss Fan von Peter Fox sein, denn alles neu zu machen und Neuanfänge auszurufen, darin ist der Club gut. Nach der bleiernen Zeit unter Gerd E. Mäuser, die triumphale Wahl von Bernd Wahler. Nach dem deprimierenden Abstieg die Installation des „Machers“ Wolfgang Dietrich. Von Sport-Vorständen einmal ganz abgesehen: Fredi Bobic, Robin Dutt, Jan Schindelmeiser, Michael Reschke, Thomas Hitzlsperger. Immer wenn der Neue kam, sollte alles besser werden. Aber der VfB spielt in der zweiten Liga und das nicht einmal besonders gut, auch wenn er in der Spitzengruppe der Tabelle steht. Jetzt also der neue VfB-Präsident Claus Vogt, unter dem alles besser werden soll. Die Fallhöhe nach dem ungeliebten Wolfgang Dietrich ist nicht sehr hoch, die Erwartungen allerdings schon. Vogt hat nicht gerade gesagt, „Ich seh‘ besser aus als Bono und bin ’nen Mann des Volkes. Bereit die Welt zu retten, auch wenn das zu viel gewollt ist!“ (Peter Fox), aber er hat die VfB-Mitglieder mit seiner präsidialen, aber auch leicht …

Super, Mario!

Wir VfB-Fans sind leicht zu emotionalisieren: Nach fünf Niederlagen in der Hinrunde kann man den Aufstieg vergessen, beim ersten Rückpass auf den Torwart wird gepfiffen und wenn Mario Gomez fünf Tore schießt (vier durch VAR annulliert), dann wird sofort von „Fußball-Gott“ gesprochen. Oder eher geschrien, wie die beiden Jungs hinter mir, die bei jeder Ballberührung von Gomez brüllten (erst der eine, dann der andere): „Mariooooo Fußballgott!!!“ Als er ausgewechselt wurde, flüsterten sie: „Hoffentlich verlieren wir das nicht noch!“ Ja, wir kennen nur schwarz oder weiss, grenzenlose Euphorie oder bodenloses Gebruddel. Vor einigen Wochen war Mario Gomez noch der Stolper-Hannes seiner Anfangszeit, nur mittlerweile zu alt, zu langsam, zu satt, zu teuer, zu irgendwas. Jetzt ist er der Mann, der den VfB mit einem Tor (und einem aberkannten) sowie einem genialen Assist wieder in die Spur bringt. Aberkannte #Gomez-Tore haben mehr Tradition als RB Leipzig. #VfB #VfBFCN — Leon Herzog (@leonherzog_) December 9, 2019 Trainer Tim Walter hat begriffen, dass Gomez das emotionale Herz der derzeitigen VfB-Mannschaft ist bzw. sein kann. Er muss bei Laune gehalten …

Charaktertest für die Spieler – Finale für Walter?

5 Niederlagen aus den letzten 8 Spielen inklusive DFB-Pokal, da kann man schon mal nervös werden beim VfB. Das Team rangiert zwar immer noch Platz 3, aber der Trend spricht nicht für Trainer Tim Walter. Doch was spricht für ihn? Dass er eine eigene Spielidee hat, dass er einen komplett reformierten Kader neu ausrichten muss, dass er lange auf wichtige Spieler wie Marcin Kaminski, Sasa Kalajdzic und Daniel Didavi verzichten musste und nach wie vor muss. Und nicht zuletzt spricht für ihn auch, dass das sportliche Führungsduo Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat eine neue Ära mit ihm prägen will. Mit einem Fußball, der aktiv und nicht reaktiv ist, der auf offensive Elemente, Leidenschaft und auf Mut setzt. Das ist bisher nur bedingt gelungen. Viel Ballbesitz, viele Torchancen, zu wenig Tore, zu wenig Punkte. Gemessen am Aufwand, auch finanziell mit dem teuersten Kader der zweiten Liga. Vor kurzem war der VfB noch das spannendste Trainer-Projekt des deutschen Fußballs, jetzt wird Walters Spielidee als hübsch bezeichnet, „aber die Liga kennt sie halt längst.“ Dem VfB-Spiel fehlt die …

Sandhausen 2 – Gomez 3

Es nervt. Es nervt wirklich hart. Vier identische Spielverläufe bei Wiesbaden, Kiel, Osnabrück und Sandhausen. Vier Mal eine Niederlage gegen einen deutlich unterlegenen Gegner. Und warum? Weil der VfB alle diese Spiele als lästige Plfichtaufgabe empfindet. Ganz so wie der beliebte Ex-VfB-Trainer Markus Weinzierl einmal rhetorisch sagte: „Wer will schon nach Sandhausen fahren?“ Wenn Markus Weinzierl den Journalisten erklärt, warum jetzt wirklich alle zusammenhalten müssen. #VfBRBL #VfB pic.twitter.com/3XWLHeALjf — Vertikalpass (@vertikalpass) February 14, 2019 Ganz offensichtlich hatte beim VfB keiner Bock. Oder jeder glaubte, es geht von selbst. Ergebnis ist ein Gegentor nach 44 Sekunden. Ergebnis sind zwei Tore nach Ecken, die lächerlicher nicht verteidigt werden können. Es scheint die Einstellung der VfB-Spieler unübersehbar: „Es ist ja nur Sandhausen!“. Klar ist es ärgerlich, dass Mario Gomez bei drei Toren minimal im Abseits steht. Aber das sollte jetzt bitte schön nicht aus Ausrede herhalten. Das Spiel des VfB war uninspiriert, hoffnungs- und ambitionslos. Wenn in der 75. Minute beim Stand von 2:0 Gonzalo Castro 20 Meter vor dem Tor den Einwurf nach hinten bringt und kurze …