Autor: @abiszet

Der Endonator

Er ist der König im Mittelfeld des VfB Stuttgart, der Dominator der Defensive, der Initiator von Offensivaktionen, der Großmeister des Diagonal- und vor allem des Vertikalpasses und seit dem Schalke-Spiel auch noch Torschütze. Bitte erheben sie sich für den Endonator im VfB-Spiel: Wataru Endo. Der Mann, der immer wieder für die Ausschüttung von Glückshormonen bei den VfB-Fans sorgt, den sogenannten Endophinen (sorry, aber das ist noch lange nicht alles). Die defensiven Mittelfeldspieler, sie sind ein bisschen zum Hype geworden in den letzten Jahren. Angefangen mit Claude Makelele, dem Klavierträger bei Real Madrid, über den scheinbar unsichtbaren Sergio Busquets bei Barcelona bis hin zu Joshua Kimmich, weil er so schön brüllen und aus dem Halbfeld flanken kann. Wataru Endo war beim VfB ab seinem ersten Spiel gegen den KSC ein Spektakel. Er gewann jedes Kopfballduell gegen zwei Köpfe größere Gegenspieler und deutete dies seinen Mitspielern vorher mit weit ausgestreckten Armen an: „Überlasst ihn mir, ich kann das!“. Tatsächlich kann er eigentlich alles. Dieses Derby, wir schrieben damals nach dem 3:0-Sieg „Endo, der neue Soldo“, war der …

Kobel, du bist so ein Gott, Junge!

Erstaunlich: Der VfB am 23. Spieltag im Gleichschritt mit Bayern München. Beide mit einem 5:1, beide mit schwierigen Phasen, in denen der Gegner die Wende hätte schaffen können. Beide nur in der ersten Hälfte souverän, beide mit Joker-Toren, beide mit Siegen, die letztlich zu hoch ausfielen. Aber beide erledigten ihre Pflichtaufgabe, das war besonders beim VfB schon ganz anders, Stichwort „Aufbaugegner“. Schalke 04 kam mit einem Trainer ins Neckarstadion, der beim VfB durchaus Spuren hinterlassen hat: Als Nachfolger von Markus Babbel kam Christian Gross im Winter 2009, in 19 Spielen unter dem Schweizer gelangen 14 Siege und drei Unentschieden. Nur gegen Vizemeister FC Schalke 04 und den HSV gab es Niederlagen. Keine Mannschaft spielte in dieser Saison eine so erfolgreiche Rückrunde wie der VfB. Das Highlight war sicher das Champions League-Hinspiel gegen Barcelona, als der VfB die Katalanen am Rande einer Niederlage hatte. Gross forderte stets absoluten Einsatz: „Ich verlange von meinen Spielern immer volle Leidenschaft“. Er galt als hart, aber herzlich und legte großen Wert auf Disziplin. Es ist traurig anzusehen, wie der Schalker …

All you need is love

Abseits des Platzes ist es aufregend genug, so dass ein Spiel wie gegen den 1. FC Köln ganz wohltuend ist. Vor dem Fernseher dösen, nur bei zwei Aufregern aufwachen: Die Ruhrnachrichten berichteten davon, dass Sven Mislintat 2022 als Nachfolger von Michael Zorc bei Borussia Dortmund im Gespräch ist und dann das Tor des Tages von Sasa Kalajdzic nach einer wie immer bornösen Freistoß-Flanke von Sosa. Letzte Woche noch kassierte der VfB gegen Hertha BSC den späten Ausgleich, so hatte Köln lediglich zwei Torchancen durch Emmanuel Dennis und Salih Özcan. Wobei der Lerneffekt aus dem Berlin-Spiel nicht allzu groß war: Auch wenn die Kölner sich insgesamt ziemlich harmlos präsentierten, wurde es gegen Ende doch noch knapp, auch weil Umschaltmomente nicht konsequent genug ausgespielt wurden und die Abwehr ein bisschen zu tief und sorglos stand. So eine Gurke wie von Berlin letzte Woche bekamen die Geißböcke aber zum Glück nicht hin. Aber einem schwachen Gegner wie Köln, auf den man mit einem Sieg den Vorsprung auf acht Punkte ausbauen kann, sollte man keine Gelegenheit für einen Glückstreffer …

Ein enges Hösle

Die Spiele des VfB sind zäh geworden. Auch wenn immer wieder die Spielfreude zu sehen ist – der jugendliche Leichtsinn, dieses „keinen Kopf“ machen, ist ein bisschen verloren gegangen. Weil in der ersten Halbzeit die Überlegenheit nicht in Tore gewandelt wurde, konnte die Hertha mit einem „Kacktor“ (Sasa-Voice) einen Punkt retten. Wirklich überzeugend oder gar furchterregend traten die Berliner nicht auf. Mit Matheus Cunha und Matteo Guendouzi haben sie zwar zumindest optisch zwei auffällige Akteure in ihren Reihen, aber die beiden wirken zu eitel und zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie dem Berliner Spiel spürbare Akzente geben könnten. Weder positiv noch negativ fiel Santi Ascacibar auf. Hat er überhaupt ein Foul begangen? Ist er in Berlin womöglich zahm geworden? Zur Story des Spiels wurde natürlich die Rückkehr von Sami Khedira gemacht. Außer einer glücklichen (und so nicht gewollten) Vorlage auf Torschütze Luca Netz und sehr stabilen Auftritten vor den Fernsehkameras waren die 30 Minuten alles andere als weltmeisterlich. Punkt in Stuttgart. Muss Hertha so aufgrund des Spielverlaufs glücklich mitnehmen. Die Leistung hatte …

Kein Platz für einen Weltmeister

Sami Khedira kehrt mit Hertha BSC zum VfB zurück. Welchen Empfang hätte er wohl in einem vollen Neckarstadion bekommen? Es gibt Spieler für die besonderen Momente: Chadrac Akolos 2:1 in der Nachspielzeit gegen Köln (Eskalation), Florian Kleins 3:2 in Nürnberg (komplette Eskalation), Gonzalo Castros 3:2 gegen den HSV (zumindest vor dem TV: Voll-Eskalation). Und dann gibt es Spieler für die ganz besonderen Momente: Hermann Ohlichers 2:1 in Bremen (für die älteren), Guido Buchwalds 2:1 in Leverkusen, Sami Khediras 2:1 gegen Cottbus. Sie alle haben sich Einträge in der VfB-Geschichte verdient. Ich habe Sami Khedira schon immer gemocht. Und ihn gegen alle verteidigt (ich schaue Dich an, Holger!), die ihn für technisch limitiert, zu langsam, zu hölzern, zu irgendwas hielten. Aber das wäre gar nicht notwendig gewesen, seine unglaublichen Erfolge und seine Stammplätze bei Trainern wie Jose Mourinho, Carlo Ancelotti, Massimiliano Allegri und … äh, … Jogi Löw sprechen für sich. Bin ich jetzt traurig, dass Sami zu Hertha BSC wechselt? In dem blauen Dress sieht der Oeffinger schon komisch aus und ein Wechsel in die …

Wieso, weshalb, varum?

Die fünf Tore hat kein Schiedsrichter oder Video-Schiri zu varantworten, sondern sind auf gravierende Abwehrmängel und individuelle Fehler zurück zu führen. Aber varum werden Handelfmeter nicht für den VfB gepfiffen, meine Frage! Das var keine gute Leistung des VfB, keine Frage. Vor allem in der ersten Halbzeit var das gar nichts gegen einen Gegner, der alles andere als in Form var, der vier der letzten fünf Spieler verlor und zuletzt erstaunliche Probleme hatte, ein Tor zu schießen. Haken wir gleich die erste Halbzeit ab, oder? Denn wie der VfB im zweiten Abschnitt begann, var durchaus respektabel: griffiger, zielstrebiger, durchschlagskräftiger. Belohnung der Anschlusstreffer von Sasa Kaljdzic, der sich nicht vom Ball trennen ließ und dann mit einem Drahdiwaberl im Fußgelenk zum 2:1 traf. Leverkusen var merklich angeknockt und dann die Szene in der 56. Minute: Kalajdzic schießt aus einem Meter Timothy Fosuh-Mensa an die Hand, die er nicht vor sein Gesicht hielt (wie Kerem Demirbay nach dem Spiel meinte), sondern über der Schulter. Nach aktueller Regel ist das ein elfmeterwürdiges Handspiel. Anstatt dessen läuft der Konter …

Zu viel kann, zu wenig muss

Es sind kleine Szenen, die solche enge Spiele entscheiden: Daniel Didavi steht beim vermeintlichen 2:0 einen Fuß breit im Abseits, Fabian Bredlow rutscht vor dem 1:2 unglücklich aus, beim nicht ganz so eindeutigen Handspiel von Stefan Lainer in der Nachspielzeit können sich weder Schiri noch VAR zu einer Elfmeterentscheidung oder zumindest einem Review der Szene durchringen. Um gegen Borussia Mönchengladbach zu bestehen, muss aber alles passen. Da reicht ein weiteres unwiderstehliches Solo von Silas nicht. Ja, Silas ist beim VfB der Mann der Woche. „Wir haben über Restverteidigung gesprochen“, sagte Gladbach-Trainer Marco Rose nach dem Spiel. Aber diesen Rest ließ Silas kümmerlich aussehen, wie Zuschauer wirkten sie bei seinem Tor in der 3. Minute. Wahrscheinlich wollen sie das Tor aus nächster Nähe genießen. Nicht mal der mitgelaufene Nico Gonzalez konnte da sauer sein, weil Super-Silas nicht abspielte. Aber eine herausragende Silas-Szene ist leider zu wenig gegen einen Champions League Kandidaten. Gegen die in 2021 noch ungeschlagenen Gladbacher müssen die Chancen von eben Didavi (1. Halbzeit) und Sasa Kalajdzic (2. Halbzeit) genutzt werden. We call him …

Der VfB gewinnt das wichtige Aua-Spiel

Christian Gentner wäre stolz gewesen: Der VfB auf Augenhöhe mit Mainz. Die gute Nachricht: Aber nur, weil Mainz den VfB auf sein Niveau runter gezogen hat. Kennt noch jemand Jens Jeremies? Ein eher mittelmäßig begabter und beliebter Mittelfeldspieler und Treter bei Bayern München Ende der 90er-, Anfang der Nuller-Jahre. Aber er brachte es mit seinen limitierten Fähigkeiten recht weit und wusste durchaus als Trashtalker zu überzeugen. Zum eleganten französischen Mittelfeldlenker Patrick Vieira sagte er einmal während eines Champions League-Spiels gegen Arsenal London: „Siehst Du die Mittellinie? Kommst Du drüber, macht es Aua!“ Im Spiel gegen den FSV Mainz 05 machte es mehrfach Aua für die VfB-Spieler. Der Jens Jeremies von heute und aus Mainz heisst Dominik Kohr und blieb bis zur 81. Minute erstaunlicherweise ohne gelbe Karte, obwohl er einiges unternahm, sich den Karton früher zu holen. Dem Tabellenvorletzten ging es nur darum, den Spielfluss zu unterbrechen, wenn nicht mit erlaubten Mitteln, dann mit Fouls. Für eine spielerisch orientierte Mannschaft wie den VfB war dies ein absoluter Stresstest, eine Reifeprüfung, ob sie nicht nur jung …

Der einsame Präsident

Es gibt die schöne Geschichte von Bayern-Trainer Louis van Gaal, wie er in der Halbzeitpause eines Spiels vor seiner Mannschaft die Hose herunter lässt und von ihr forderte, sie solle im Spiel Eier zeigen. VfB-Präsident Claus Vogt hat mit seinem Statement zur Verschiebung der Mitgliederversammlung (ursprünglich geplant: 18. März 2021) blank gezogen und Eier gezeigt. Denn er begründet nicht nur die Verschiebung (sehr ausführlich), sondern liefert auch Insights aus der Mercedestraße. Dass seine beiden Präsidiumskollegen Rainer Mutscher und Dr. Bernd Gaiser sowie der Vereinsbeiratsvorsitzende Wolf-Dietrich Erhard keinerlei Interesse am Austausch von Argumenten haben, dass sie sich für Meinungen der Mitglieder offensichtlich nicht interessieren. Dass auf ihn massiv Druck ausgeübt wird, bis hin zur Androhung von Schadensersatz. Man erkennt: Vogt ist völlig isoliert beim VfB und er entschied sich letztlich „gegen den erklärten Willen meiner beiden weiteren Präsidiumsmitglieder“ für eine Verschiebung, was den Anschein eines Alleingangs hat, aber ein Indiz dafür ist, dass er ganz alleine ist. Er wirkt dabei – und das wird Vogt nicht ungelegen kommen – als „einsamer Ritter im Kampf für Gerechtigkeit“, …

Mal schön den Ball flach halten …

Das Baden-Württemberg-Derbyle ist schnell erzählt: Zwei astreine Torvorlagen von Orel Mangala und Pascal Stenzel, ein verschossener Elfmeter von Nicolas Gonzalez, zwei Pfostenschüsse, ein gegnerischer Torhüter in Top-Form. Hat der VfB ein Problem? Ja, die Ergebnisse stimmen nicht mehr, das Leichte und Lässige ist verloren gegangen. Aber was wird denn erwartet? Dass der VfB eine clevere und formstarke Mannschaft wie den SC Freiburg herspielt? Dass der VfB durch die Liga fliegt? Auch wenn es manchmal nicht so aussah: Jeder Punkt muss hart erkämpft werden, dazu müssen alle in der Mannschaft ihre Top-Leistung auf den Platz bringen. Das war in den letzten Spielen aufgrund von Formschwächen nicht der Fall. Die zweite Halbzeit war absolut in Ordnung, Freiburg kam auf dem Zahnfleisch daher und der VfB spielte nicht wie in den letzten Jahren alibimäßig die Aufholjagd, sondern biss sich in die Partie, ein Punkt wäre mehr als verdient gewesen. Mal ehrlich: Dass die Saison kein Ponyhof wird, war klar, oder? Es ist eine junge Mannschaft und wir wollten eine junge Mannschaft – und die hat uns bisher mehr …