Autor: @abiszet

Love is all around

Kennt noch jemand DJ Bobo? Er war mal sowas wie die Helene Fischer der Schweiz und stilbildend bei Frisuren, Kostümen und Choreos wie nach ihm nur noch Jeanette Biedermann und Ed Sheeran. Fast die gesamte Saison saß ich bei den Spielen des VfB vor dem Fernseher und machte diesen Signature-Dancemove von DJ Bobo (ich bin ein benadeter Sitztänzer): Weit ausgebreitete Arme, mit denen ich die Welt umarmen wollte, weil der VfB so überraschend gut spielte. Und DJ (Freunde dürfen ihn DJ nennen) schrieb auch schon vor rund 30 Jahren den Soundtrack für die VfB-Saison 2020/2021. Mit dem titelgebenden „Love is all around“ natürlich, aber auch mit „There is a Party“, „VfB can make it a better place (aus „Pray“) und „VfB is what I’m living for“ (aus „Everybody“). Mein Resümee zur #VfB Saison auch wenn keiner danach gefragt hat: War gut, gerne wieder. — 𝒩𝑒𝒸𝓀𝒶𝓇𝓅𝑒𝓇𝓁𝑒 💋 (@snowwhizzl) May 22, 2021 „Wir verfügen über sehr gute Qualität, sehr viel Potenzial, ein gutes Gerüst, eine gute Mischung – wir können uns auf die Bundesliga freuen.“ Für diesen …

Wataru Endo: Der Equalizer

Es ist ein bisschen ungerecht gegenüber Svonimir Soldo und Pavel Pardo. Gegenüber Carlos Dunga, Srecko Katanec und Roland Hattenberger, gegenüber VfB-Legende Guido Buchwald sowieso, der lange im defensiven Mittelfeld, spielte, auch gegenüber Jürgen Hartmann, der einst sogar gegen Diego Maradonna im direkten Duell antrat. Gegenüber William Kvist weniger, der beim VfB eher unglücklich agierte und dafür gegenüber dem unermüdlichen Zwieikampfmonster Serey Dié. Würde es im Moment eine Umfrage unter VfB-Fans geben, wer der beste Sechser aller Zeiten beim VfB war, Platz 1 für Wataru Endo wäre keine Überraschung. Manche nennen ihn den „Bodyguard, der Staub saugt“ oder „Den Raumschließer“. Wir haben die Endokratie ausgerufen und ihn den Endonator genannt. Dabei ist er kein draufgängerischer Superheld, sondern eher ein introvertierter und zurückhaltender Typ mit einem ausgleichenden Charakter. Er ist immer dort, wo man ihn braucht. Um Schnittstellen zu schließen, Passwege zuzustellen oder einfach mit einem seiner vier Beine den Ball zu erobern. Darin ist er ebenso versiert wie in der Fähigkeit, den Ball zu behalten. Oft sieht er sich beim Pressing einer Überzahl an Gegenspielern gegenüber, …

Sasa Kalajdzic: King of Cool

Er ist der König des Strafraums, der Herr der Lüfte, der Fürst der Field-Interviews und das emotionale Herz des VfB-Teams. Er vereint scheinbar alle positiven Eigenschaften in einer Person: Teamspirit, Torinstinkt, Charme, Cleverness, Humor, Spielintelligenz, Mut, Übermut und Demut. Der in Wien geborene Sohn serbischer Eltern ist einer der spannendsten Spieler der Bundesliga. Er weiß nicht, was eine Jugendakademie ist und profitiert von seinem ungewöhnlichen Werdegang, in dem er als junger Fußballer fast alle Positionen im Mittelfeld gespielt hat. Denn ihn nur auf seine Körpergröße von zwei Metern und ein gutes Kopfballspiel zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Sein Bewegungsablauf wirkt zwar manchmal tolpatschig, wenn er mit rudernden Armen zu sprinten versucht, aber im Grunde ist er einfach nur cool. „Ich bin nicht der klassische Riese, der vier Meter breit ist und sich vor lauter Kraft kaum bewegen kann, sondern eher der Schlaks, der mit dem Ball umgehen kann“, sagt er. Wenn Sasa das 2:2 gegen Union Berlin schießt, denke ich „Ok, cool“. Wenn er den Fuß hinhält zum 2:1 gegen Gladbach, „Ok, cool“. Wenn …

Waldemar Anton: Auf Boss Level

Eins kann man sagen: Waldemar Anton hat beim VfB Stuttgart mehr Glück und ein deutlich höheres Standing als zuvor Karim Haggui, Konstantin Rausch und Mo Abdellaoue, die ebenfalls von Hannover nach Stuttgart wechselten. In Hannover war Anton allerdings zum Verhängnis geworden, dass er so talentiert ist: Er kann in der Innenverteidigung auf allen Positionen der Dreierkette spielen, er kann auf der Sechs agieren, er ist zweikampfstark und mutig im Spielaufbau. An der Leine wurde er zudem zum Kapitän befördert und doch überfordert, weil die Mannschaft strukturell und charakterlich unrund zusammen gestellt wurde, wir kennen das in Stuttgart nicht nur von Herrn Reschke. Auf Anton lagen stets hohe Erwartungen – vielleicht manchmal auch zu hohe. Am Ende wirkte der U21-Europameister von 2017 (ohne Einsatz allerdings) orientierungslos bis er nach seinem Wechsel zum VfB das wurde, was ihm im Blut zu liegen scheint: der Abwehrchef. Die englische Webseite Soccer Souls schrieb 2019 über ihn: „The German is a top tackler and relies more on positioning than pace. He can pick out a pass, bring the ball out …

Gregor Kobel: Der Shouter

Das einzig Gute an den Geisterspielen ist: Wir können jeden Spieltag dabei zuhören, wie Gregor Kobel Impulsvorträge zum Thema „Motivation“ im Strafraum hält. Er lobt, er muntert auf, er feuert seine Kollegen an. Nebenher hält er auch noch den einen oder anderen Ball. Aber nicht nur mit seinem lauten Organ und seinen Motivationssprüchen, sondern durch seine fast schon beängstigende Präsenz gibt er dem Team Sicherheit und Orientierung. Mir übrigens auch. Bei vielen Keepern in der Vergangenheit hatte ich Angst, wenn eine Flanke in den Strafraum fliegt. Bei Kobel mache ich mir ein Bier auf. Der Schweizer ist das Alpha-Männchen im Tor des VfB, ohne dabei so lächerlich zu wirken wie einst Oliver Kahn. Nach dem Spiel gegen Schalke 04 schrieben wir: „Dann in der 82. Minute eine Parade wie ein Kunstwerk. Der eingewechselte Allessandro Schöpf mit einem fein gezirkelten Fernschuss: Kobel fliegt, er steht in der Luft, aus seiner Körperspannung lässt sich der Strom für ein Einfamilienhaus speisen, mit der rechten Hand lenkt er den Ball ans Lattenkreuz.“ Timo Hildebrand hatte zu Beginn seiner Karriere …

Borna Sosa: Der Soul Surfer

„Das könnte sein Jahr werden!“ Sven Mislintat war im „kicker“ vor der Saison optimistisch, dass Borna Sosa nach diversen Verletzungen und Formkrisen in seiner dritten Saison den Durchbruch beim VfB schafft. Wie so oft hatte Mislintat recht. Seine Flanken sind wie Wellen, kurvig und mächtig und gefährlich für den Gegner. Und er berührt das Herz mit seinem ernsthaften Blick, der erst freundlich wird, wenn Sasa Kalajdzic zu ihm kommt, um sich für eine Torvorlage zu bedanken. Sosa hat diese melancholische Eleganz, die seine Verletzlichkeit erahnen lässt, er ist sensibel und emotional, wie seine Aussagen rund um seine Einbügerung in Deutschland zeigen. Über seine Flanken, die meist nicht scharf, sondern hoch fliegen und plötzlich runter fallen, spricht jeder. Die übt er auch in jedem Training. Die englische Fußballseite „First Time Finish“ schrieb: „Sosa’s crossing ability is unique in an era where crossing is becoming a ‘dying art’ in the game. Perhaps only Trent Alexander-Arnold compares to the 23 year old in the current generation when it comes to this unique attribute. When Sosa is about to …

Silas: Der Spektakelspieler

In der Zweitligasaison konnte einem Silas manchmal auf die Nerven gehen: Zu unkonzentriert beim ersten Kontakt, zu ausufernd seine Dribblings, zu hektisch und unberechenbar sein Spiel für Kollegen und Zuschauer. In der ersten Bundesliga wurde Silas dann zum nächsten heißen Scheiß. 16 Scorerpunkte verbuchte er in 25 Spielen. Es schien keine Grenzen zu geben für ihn – bis ihm beim Spiel gegen Bayern München das Kreuzband riss. Silas hatte sich von Kinshasa über Paris in Stuttgart in die Notizbücher der Scouts großer Vereine in den großen Ligen gespielt. Dort steht er noch, sicher recht weit oben, aber die Verletzung hat seine phänomenale Entwicklung erst einmal gestoppt. Auch wenn es abgedroschen klingt, wenn einer jung und wild ist, dann Silas. Ein echter Draufgänger, er dribbelt auch dann, wenn ein Abspiel angebracht wäre. Vor einem Jahr hat er das noch übertrieben und verzettelte sich in Einzelaktionen. Aber es zeichnet ihn immer noch aus, dass er das Unerwartete macht und so plötzlich Situationen kreiert, die zu Torgefahr führen. Er ist der Prototyp eines Straßenfußballers, er kam erst mit …

Der VfB Stuttgart gibt nicht auf

Wir kennen das vom VfB aus der Vergangenheit: Gut mitspielen, ohne wirklich gefährlich zu sein. Defensiv weitgehend stabil stehen, ohne große Chancen zuzulassen. Um dann doch noch ein Tor zu bekommen. Ein blödes dazu. Das Spiel ist zu, der VfB kommt nicht zurück, ist zwar bemüht, aber frisst dann noch ein zweites und gar drittes Tor. Nicht so in dieser Saison. Die Mannschaft gibt nicht auf. Auch in der B- oder C-Besetzung nicht. Wir dürfen nicht vergessen: Der VfB hat mit vielen verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen und befindet sich im Niemandsland der Tabelle, eine Steilvorlage für einen Spannungsabfall für eine VfB-Mannschaft der letzten Jahr(zehnte)e. Trainer Pellegrino Matarazzo wechselt dann die Wende ein. Gonzalo Castro kommt für Erik Thommy und die Offensivaktionen werden durch den Kapitän zielstrebiger, strukturierter und gefährlicher. Die Hektik ist raus, die Ungenauigkeiten passé, Castro strahlt sofort Ruhe mit seiner Passsicherheit aus. Der Ausgleich ist eine überragende Einzelaktion von Wataru Endo, der der Spieler der Saison beim VfB ist. Er ist der Stabilisator im defensiven Mittelfeld, die Ruhe selbst, selbst wenn er in …

Die Luft ist raus. Aber nicht beim VfB.

Wir kennen das vom VfB aus der Vergangenheit: Gut mitspielen, ohne wirklich gefährlich zu sein. Defensiv weitgehend stabil stehen, ohne große Chancen zuzulassen. Um dann doch noch ein Tor zu bekommen. Ein blödes dazu. Das Spiel ist zu, der VfB kommt nicht zurück, ist zwar bemüht, aber frisst dann noch ein zweites und gar drittes Tor. Nicht so in dieser Saison. Die Mannschaft gibt nicht auf. Auch in der B- oder C-Besetzung nicht. Wir dürfen nicht vergessen: Der VfB hat mit vielen verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen und befindet sich im Niemandsland der Tabelle, eine Steilvorlage für einen Spannungsabfall für eine VfB-Mannschaft der letzten Jahr(zehnte)e. Trainer Pellegrino Matarazzo wechselt dann die Wende ein. Gonzalo Castro kommt für Erik Thommy und die Offensivaktionen werden durch den Kapitän zielstrebiger, strukturierter und gefährlicher. Die Hektik ist raus, die Ungenauigkeiten passé, Castro strahlt sofort Ruhe mit seiner Passsicherheit aus. Der Ausgleich ist eine überragende Einzelaktion von Wataru Endo, der der Spieler der Saison beim VfB ist. Er ist der Stabilisator im defensiven Mittelfeld, die Ruhe selbst, selbst wenn er in …

Der Stimmungsmacher

Seit 2014 hat er alles mitgemacht und mitverantwortet: zwei Abstiege, zwei Aufstiege, die Ausgliederung, den Datenskandal, elf Trainer, fünf Sportvorstände. Seit der Ausgliederung 2017 ist er Mitglied der schnellen Eingreiftruppe namens „Präsidialausschuss“, bestehend aus Präsident, einem Altgedienten mit Sportkompetenz (zuletzt Hermann Ohlicher, aktuell Rainer Adrion) und eben Mister Wilfried Porth himself. Wilfried Porth ist der Vertreter des Anteilseigners Daimler im VfB AG-Aufsichtsrat, er schaut nach dem Rechten und soll dafür sorgen, dass nichts dem Erfolg im Wege steht, schließlich soll die Marke Mercedes nicht beschädigt werden, sondern im besten Fall vom Engagement beim VfB profitieren. Ob ihm das mit seinem Verhalten und seiner Politik bisher gelungen ist? Ein unanständiger Wolfgang Dietrich als Präsident, zwei Abstiege, die Mitgliederverarsche und die Schlammschlacht Anfang des Jahres zwischen Verein und AG: Genau das sollte wohl der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollorgans Aufsichtsrat eher verhindern, oder? Wilfried Porth ist der Förderer und Einflüsterer von Thomas Hitzlsperger. Oder um 11Freunde zu zitieren: „… (Porth) war die trei­bende Kraft hinter dem Anteils­ver­kauf an die Daimler AG und war auch maß­geb­lich daran betei­ligt, Thomas …