Autor: @abiszet

Nach dem Remis ist vor dem Lerneffekt

Ein Glückstor, ein unbeholfener Fehler, eine falsche Schiedsrichterentscheidung (wofür Patrick Ittrich immer gut ist), eine überragende Einzelaktion. Dann kann so ein enges Spiel auch zu einem Sieg werden. Ein Glückstor, ein unbeholfener Fehler, eine falsche Schiedsrichterentscheidung (wofür Patrick Ittrich wirklich immer gut ist), eine überragende Einzelaktion. Und dann kann man schnell auch einmal mit leeren Händen da stehen. Aber nichts davon trat ein, so blieb es beim 1:1 gegen die abstiegsbedrohten Kölner mit ihren beschränkten Mitteln. Im Abstiegskampf der letzten beiden Jahre wären wir mit dem Remis nicht zufrieden gewesen. “Warum fehlt gerade gegen so einen Gegner die Genauigkeit, die letzte Gier, die Leidenschaft?”, hätten wir uns gefragt. Sebastian Hoeneß meinte dagegen, den Punkt müsse man einfach mal akzeptieren, Sport-Direktor Fabian Wohlgemuth war mit der Punkteteiling gar zufrieden, ganz im Gegensatz zu Waldemar Anton und Angelo Stiller. “Nach der Führung haben wir zu arrogant gespielt“, sagte der eine und „nach der Führung haben wir nachgelassen, wir hätten sie killen müssen. Solche Spiele müssen wir auf unsere Seite kriegen“, der andere. Es spricht für das Team …

Game, Set, Match.

Die letzten Wochen glichen einem Tennismatch. DFL-Präsidium, Clubs, Presse und Fans lieferten sich einen end- und atemlosen Ballwechsel bestehend aus Statements, Artikeln, TV-Shows, Tweets und Bannern. Und gerade als alle dachten, der fünfte Satz würde in den Tiebreak gehen, kam am Mittwoch Nachmittag die überraschende Meldung: Das DFL-Präsidium hat den Deal mit einem möglichen Investoren aka strategischem Vermarktungspartner gestoppt. Das kommt auch dem VfB sehr entgegen, hat er doch in dieser Sache weder in der Kommunikation mit seinen Mitgliedern und Fans noch in der öffentlichen Debatte ein besonders gute Figur abgegeben. Erst stimmt der VfB im Dezember durch seinen Vertreter Alex Wehrle mit „Ja“ für den DFL-Deal, ohne vorher dieses Votum auf eine möglichst breite Basis gestellt zu haben. Mit dem Fan-Ausschuss wurde der Deal zwar besprochen, aber man ging auseinander, ohne einer Meinung zu sein. Dann wagte Präsident Claus Vogt im Februar auf seinem Privataccount in den sozialen Medien den Vorstoß, die Abstimmung im Sinne der “Demokratie und Transparenz“ zu überdenken. Eine “erneute transparente Abstimmung aller 36 Vereine“ würde nach Meinung von Vogt die …

Der Fight Club

Arbeitssiege, dreckige Siege, glückliche Siege: Dafür steht der VfB nicht unbedingt. Aber der VfB zeigt in dieser Saison sowieso Qualitäten, die man mit ihm traditionell eher nicht in Verbindung bringt. Neben Spielfreude und intelligenter Spielauffassung vor allem Widerstandsfähigkeit, Leidenschaft, Einsatz und unbedingten Siegeswillen. Dafür gibt es keinen Schönheitspreis in Darmstadt, aber drei Punkte. Wenn man oben bleiben möchte, muss man auch einen nicht gerade schönen und eher unverdienten Sieg mitnehmen, zumal in Unterzahl. Hektisch und hitzig ging es am Böllenfalltor zu. Spätestens nach der ziemlich uncleveren gelb-roten Karte von Pascal Stenzel war klar: Das Feinfüßige und Samtpfotige war nicht gefragt in Darmstadt. Dass der VfB das Kampfspiel demütig annahm, den Schwerpunkt aufs Kämpferische legte und zeitweise sogar Befreiungsschläge einstreute, zeigt die Reife der Mannschaft. Denn sind wir ehrlich: In der Vergangenheit hätte irgendein Darmstädter mindestens den Ausgleich reingewürgt und man hätte gesagt: „Schon ok, wir sind zwar Dritter und die Letzter, aber wir waren sehr lange in Unterzahl“. Der VfB wäre mit weniger zufrieden gewesen, auch gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner. Die Selbstzufriedenheit stand den …

Meins bleibt meins

Es ist die neue Qualität des VfB, Spiele wie gegen den FSV Mainz 05 unspektakulär zu gewinnen. Die neue Qualität als Spitzenmannschaft. Der überraschend aufgebotene Fabian Bredlow bringt es nach dem Spiel auf den Punkt: “Wir haben heute nicht unseren besten Fußball gespielt und dennoch ziehen wir solche Partien an Land.“ Me and my monkey Es sitzt bei mir immer noch der Affe auf der Schulter, der mir irgendwas von „Kraftverlust“ und „Aufbaugegner“ ins Ohr flüstert. Schließlich hatte der VfB eine aufregende und mitreissende Pokal-Partie gegen Leverkusen in den Beinen und musste gegen den Tabellen-17. antreten, der in den letzten zehn Spielen lediglich vier Tore schoss (aber auch nur sieben bekam). Nach dem Spiel trollte sich der Affe, wie er es fast immer in dieser Saison tut: Der VfB ist nicht immer souverän, aber nach Anlaufschwierigkeiten bleiben die drei Punkte in Stuttgart. An das Spiel wird sich nach der Saison niemand mehr erinnern. Aber wenn Du genau diese Spiele gewinnst, humorlos, letztlich ungefährdet, dann bist Du eine Spitzenmannschaft, die zu Recht auf Platz 3 der …

Denk’ an Dich!

Robert Schlienz schaut zufrieden von oben herunter: Der VfB hat in einem komplizierten Spiel gegen Freiburg die Widerstandskraft an den Tag gelegt, die den Größten in der Geschichte des VfB so ausgezeichnet hatte. 2:0-Führung nach sieben Minuten: Was soll da schief gehen? 72 Minuten in Überzahl und der Sieg nur noch eine Frage der Höhe? So einfach war es in Freiburg nicht, der VfB konnte nur bestehen, weil er deutlich reifer auftritt und sich vor allem in der zweiten Hälfte von der Hektik des Gegners nicht anstecken ließ. Der erste Sieg in Freiburg seit 2018 stand unter dem Motto “Denk’ an Dich”: An die VfB-Legende Schlienz, der am Samstag 100 Jahre geworden wäre und an Dan-Axel Zagadou, der sich unter der Woche eine schwere Bänderverletzung im Knie zugezogen hatte. Die Mannschaft machte sich in Trikots mit Name und Rückennummer des Innenverteidigers warm und widmete ihm den 3:1 Erfolg im Breisgau. Der Start ins Spiel konnte nicht besser sein: Waldemar Anton spürte den Benjamin Pavard in sich und spielte den Vertikalpass seines Lebens auf Deniz Undav. …

Robert Schlienz ist unser Held, war der beste Mann der Welt!

Allgöwer, Buchwald, Klinsmann, Ohlicher, Khedira, Gomez, alles Legenden. Aber der Größte in der Geschichte des VfB wird immer Robert Schlienz sein. Der einmalige Stuttgarter Journalist und Romancier Hans Blickensdörfer schrieb über ihn: “Wir werden nie mehr einen wie Robert Schlienz erleben. Aber wir können alle von ihm lernen.“ Natürlich ist Schlienz der Einmalige, aber auch der Einarmige, dem nach einem Autounfall der linke Unterarm amputiert werden musste. Sein Comeback gab er keine vier Monate nach dem Unglück und alle schauten im Neckarstadion ungläubig, weil keiner es glauben konnte, wie ein Einarmiger im Fußball mit seinen vielen Zweikämpfen bestehen könnte. Wie soll er fallen, wie soll er das Gleichgewicht halten? Mit eiserner Disziplin und ungebrochenem Willen kämpfte er sich zurück. Das waren sowieso seine Stärken. Er war kein Feinfuß, er war ein unerschrockener Arbeiter, ein unermüdlicher Antreiber, im „Doppelpass“ würde man wahrscheinlich von einem „Mentalitätsspieler“ sprechen. Angefangen hatte er als Mittelstürmer und schoss in der Saison 1945/1946 in 30 Spielen sagenhafte 45 Tore. Als Schlienz von seiner rot-weißen Wolke auf Robert Lewandowski schaute, konnte er nur …

Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann

Unglaube, Freude, Trauer, Respekt, Zuversicht, Irritation. In den letzten Tagen sind unsere Gefühle mit uns Gassi gegangen. Aber der Reihe nach: Zunächst wurde gemeldet, für den Umbau des Neckarstadions seien kurzfristig nochmal 20 Millionen Euro mehr notwendig, um den Zeitplan bis zur EM zu schaffen. Es wurden Probleme im Fundament gefunden, die der VfB zu spät bzw. gar nicht kommunizierte und damit die Stadt unter Druck setzte, die für die 20 Millionen einspringen muss. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, klagte Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann. Sogar von einem Skandal war die Rede, dass der Gemeinderat der Finanzspritze innerhalb von 48 Stunden zustimmen musste, um die EM-Ausrichtung nicht zu gefährden. Auch, dass sich die Situation so dramatisch entwickelt habe, wurde angezweifelt: Das kann „nicht erst in den letzten Tagen eingetreten sein“, so Dejan Perc von der SPD. Auch andere Gemeinderäte machen dem VfB unverhohlen Vorwürfe. Damit beläuft sich die Gesamtsumme auf 140 Millionen Euro, die sich der VfB, die Stadt und die Stadiongesellschaft teilen. Der Umbau ist zu eine Art Stadion 21 geworden, die ursprünglich veranlagten …

Wundavbar!

Der VfB hatte sich in den elf Begegnungen zuvor meist geweigert gegen die Sachsen mitzuspielen, hatte den Gegner regelrecht ignoriert, weil es das Spiel nicht geben dürfte. Im zwölften Spiel machte der VfB ernst oder wie die Süddeutsche Zeitung schrieb: “Die Heimmannschaft zeigte den Enthusiasmus eines Traditionsklubs; die Auswärtsmannschaft zeigte die Blutarmut eines künstlich hergestellten Konstrukts.“ Zwei unnötige Niederlagen zum Start in das Jahr, neben dem Fehlen der Afrika Cup- und Asienspielen-Teilnehmer auch noch die fünfte gelbe Karte für Atakan Karazor. Dazu ein Gegner, der dem VfB offensichtlich nicht liegt. Komplizierte Voraussetzungen, aber Trainer Sebastian Hoeneß war nach dem Spiel stolz, dass sein Team mit “dieser anspruchsvollen Situation überragend umgegangen ist“. Der VfB hatte mehr Überzeugung im Spiel nach vorne, mehr Präzision im Passspiel, mehr Power im Pressing und Gegenpressing wie vor dem 2:0, erfreute sich an sich selbst (5 Kilometer mehr gelaufen als der Gegner) und nutzte seine Torchancen. Wobei: 11:1 Torschüsse waren es in der ersten Halbzeit und auf der Anzeigetafel stand lediglich ein 2:1. Enzo Millot übernahm dabei merklich Verantwortung. Einerseits das …

Fluchttore statt Auswärtstore

Eine Saison ohne Abstiegssorgen war alles, was wir wollten. Das hatten wir bereits nach 16 Spieltagen erreicht. Wenn man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen will – und den Eindruck macht keiner beim VfB – ist das 0:1 gegen Bochum zu wenig. Woran lag’s: am Team? Am Trainer? Am Gegner? Oder gar an einem Zaunbanner? 19:6 Torschüsse, knapp 500 gespielte Pässe (Bochum: 294) und 63 Prozent Ballbesitz: Die Statistiken stimmten gegen den Club aus dem Ruhrpott. Auf der Anzeigetafel stand dagegen eine Eins bei Bochum und eine Null bei VfB. Und das war nicht gut so. Bochum so gut wie ohne Torchancen, die Sicherheitskräfte der VfB-Abwehr waren jederzeit auf Ballhöhe. Es war ein Abspielfehler von Angelo Stiller, der die Entscheidung brachte. Am Gegner lag’s also nicht, dass der VfB zum zweiten Mal in Folge verlor. Auch dem Team kann man wenig vorwerfen. Im Gegensatz zu Gladbach letzte Woche von Anfang an mehr Spannung auf dem Platz, der VfB dominierte das Spiel. Auch wenn gerade in der ersten Halbzeit nur Halbchancen erspielt wurden, weil Bochum durch …

Lommelich

Bin ich enttäuscht nach der 3:1 Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach zum Auftakt des Spieljahres 2024? Eigentlich nicht. Denn ich hatte es erwartet. So wie ich es fast bei jedem Spiel in dieser Saison erwartet habe, dass der alte VfB wieder zum Vorschein kommt. Mit seinen Unkonzentriertheiten und Nachlässigkeiten vorne und hinten, mit seiner fehlenden Konsequenz. Denn dass der VfB in der Hinrunde so guten Fußball spielte nach zwei fast schon traumatischen Jahren, das kann nicht sein. So jedenfalls mein Eindruck und deshalb rechne ich bei jedem Spiel mit einem Rückschlag. Ich traute dem Saisonverlauf bisher einfach nicht, ich bekomme wohl den Bruddler und das schwierige Umfeld nicht aus mir heraus. Gegen Gladbach endlich wie erwartet: Die Niederlage gegen die Borussia ist aber kein Beinbruch, zu gut und zu erfolgreich ist der VfB in den meisten der 16 Spiele zuvor aufgetreten. Die Rückrunde ist fast schon eine Bonus-Runde, das Ziel einer „sorgenfreien Saison“ so gut wie erreicht. Aber unsere Erfahrungen in der Vergangenheit mit sogenannten „Bonus-Spielen“ verheissen nichts Gutes. Ich bin mir jedoch sicher, dass in …