Autor: @abiszet

Ein enges Hösle

Die Spiele des VfB sind zäh geworden. Auch wenn immer wieder die Spielfreude zu sehen ist – der jugendliche Leichtsinn, dieses „keinen Kopf“ machen, ist ein bisschen verloren gegangen. Weil in der ersten Halbzeit die Überlegenheit nicht in Tore gewandelt wurde, konnte die Hertha mit einem „Kacktor“ (Sasa-Voice) einen Punkt retten. Wirklich überzeugend oder gar furchterregend traten die Berliner nicht auf. Mit Matheus Cunha und Matteo Guendouzi haben sie zwar zumindest optisch zwei auffällige Akteure in ihren Reihen, aber die beiden wirken zu eitel und zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie dem Berliner Spiel spürbare Akzente geben könnten. Weder positiv noch negativ fiel Santi Ascacibar auf. Hat er überhaupt ein Foul begangen? Ist er in Berlin womöglich zahm geworden? Zur Story des Spiels wurde natürlich die Rückkehr von Sami Khedira gemacht. Außer einer glücklichen (und so nicht gewollten) Vorlage auf Torschütze Luca Netz und sehr stabilen Auftritten vor den Fernsehkameras waren die 30 Minuten alles andere als weltmeisterlich. Punkt in Stuttgart. Muss Hertha so aufgrund des Spielverlaufs glücklich mitnehmen. Die Leistung hatte …

Kein Platz für einen Weltmeister

Sami Khedira kehrt mit Hertha BSC zum VfB zurück. Welchen Empfang hätte er wohl in einem vollen Neckarstadion bekommen? Es gibt Spieler für die besonderen Momente: Chadrac Akolos 2:1 in der Nachspielzeit gegen Köln (Eskalation), Florian Kleins 3:2 in Nürnberg (komplette Eskalation), Gonzalo Castros 3:2 gegen den HSV (zumindest vor dem TV: Voll-Eskalation). Und dann gibt es Spieler für die ganz besonderen Momente: Hermann Ohlichers 2:1 in Bremen (für die älteren), Guido Buchwalds 2:1 in Leverkusen, Sami Khediras 2:1 gegen Cottbus. Sie alle haben sich Einträge in der VfB-Geschichte verdient. Ich habe Sami Khedira schon immer gemocht. Und ihn gegen alle verteidigt (ich schaue Dich an, Holger!), die ihn für technisch limitiert, zu langsam, zu hölzern, zu irgendwas hielten. Aber das wäre gar nicht notwendig gewesen, seine unglaublichen Erfolge und seine Stammplätze bei Trainern wie Jose Mourinho, Carlo Ancelotti, Massimiliano Allegri und … äh, … Jogi Löw sprechen für sich. Bin ich jetzt traurig, dass Sami zu Hertha BSC wechselt? In dem blauen Dress sieht der Oeffinger schon komisch aus und ein Wechsel in die …

Wieso, weshalb, varum?

Die fünf Tore hat kein Schiedsrichter oder Video-Schiri zu varantworten, sondern sind auf gravierende Abwehrmängel und individuelle Fehler zurück zu führen. Aber varum werden Handelfmeter nicht für den VfB gepfiffen, meine Frage! Das var keine gute Leistung des VfB, keine Frage. Vor allem in der ersten Halbzeit var das gar nichts gegen einen Gegner, der alles andere als in Form var, der vier der letzten fünf Spieler verlor und zuletzt erstaunliche Probleme hatte, ein Tor zu schießen. Haken wir gleich die erste Halbzeit ab, oder? Denn wie der VfB im zweiten Abschnitt begann, var durchaus respektabel: griffiger, zielstrebiger, durchschlagskräftiger. Belohnung der Anschlusstreffer von Sasa Kaljdzic, der sich nicht vom Ball trennen ließ und dann mit einem Drahdiwaberl im Fußgelenk zum 2:1 traf. Leverkusen var merklich angeknockt und dann die Szene in der 56. Minute: Kalajdzic schießt aus einem Meter Timothy Fosuh-Mensa an die Hand, die er nicht vor sein Gesicht hielt (wie Kerem Demirbay nach dem Spiel meinte), sondern über der Schulter. Nach aktueller Regel ist das ein elfmeterwürdiges Handspiel. Anstatt dessen läuft der Konter …

Zu viel kann, zu wenig muss

Es sind kleine Szenen, die solche enge Spiele entscheiden: Daniel Didavi steht beim vermeintlichen 2:0 einen Fuß breit im Abseits, Fabian Bredlow rutscht vor dem 1:2 unglücklich aus, beim nicht ganz so eindeutigen Handspiel von Stefan Lainer in der Nachspielzeit können sich weder Schiri noch VAR zu einer Elfmeterentscheidung oder zumindest einem Review der Szene durchringen. Um gegen Borussia Mönchengladbach zu bestehen, muss aber alles passen. Da reicht ein weiteres unwiderstehliches Solo von Silas nicht. Ja, Silas ist beim VfB der Mann der Woche. „Wir haben über Restverteidigung gesprochen“, sagte Gladbach-Trainer Marco Rose nach dem Spiel. Aber diesen Rest ließ Silas kümmerlich aussehen, wie Zuschauer wirkten sie bei seinem Tor in der 3. Minute. Wahrscheinlich wollen sie das Tor aus nächster Nähe genießen. Nicht mal der mitgelaufene Nico Gonzalez konnte da sauer sein, weil Super-Silas nicht abspielte. Aber eine herausragende Silas-Szene ist leider zu wenig gegen einen Champions League Kandidaten. Gegen die in 2021 noch ungeschlagenen Gladbacher müssen die Chancen von eben Didavi (1. Halbzeit) und Sasa Kalajdzic (2. Halbzeit) genutzt werden. We call him …

Der VfB gewinnt das wichtige Aua-Spiel

Christian Gentner wäre stolz gewesen: Der VfB auf Augenhöhe mit Mainz. Die gute Nachricht: Aber nur, weil Mainz den VfB auf sein Niveau runter gezogen hat. Kennt noch jemand Jens Jeremies? Ein eher mittelmäßig begabter und beliebter Mittelfeldspieler und Treter bei Bayern München Ende der 90er-, Anfang der Nuller-Jahre. Aber er brachte es mit seinen limitierten Fähigkeiten recht weit und wusste durchaus als Trashtalker zu überzeugen. Zum eleganten französischen Mittelfeldlenker Patrick Vieira sagte er einmal während eines Champions League-Spiels gegen Arsenal London: „Siehst Du die Mittellinie? Kommst Du drüber, macht es Aua!“ Im Spiel gegen den FSV Mainz 05 machte es mehrfach Aua für die VfB-Spieler. Der Jens Jeremies von heute und aus Mainz heisst Dominik Kohr und blieb bis zur 81. Minute erstaunlicherweise ohne gelbe Karte, obwohl er einiges unternahm, sich den Karton früher zu holen. Dem Tabellenvorletzten ging es nur darum, den Spielfluss zu unterbrechen, wenn nicht mit erlaubten Mitteln, dann mit Fouls. Für eine spielerisch orientierte Mannschaft wie den VfB war dies ein absoluter Stresstest, eine Reifeprüfung, ob sie nicht nur jung …

Der einsame Präsident

Es gibt die schöne Geschichte von Bayern-Trainer Louis van Gaal, wie er in der Halbzeitpause eines Spiels vor seiner Mannschaft die Hose herunter lässt und von ihr forderte, sie solle im Spiel Eier zeigen. VfB-Präsident Claus Vogt hat mit seinem Statement zur Verschiebung der Mitgliederversammlung (ursprünglich geplant: 18. März 2021) blank gezogen und Eier gezeigt. Denn er begründet nicht nur die Verschiebung (sehr ausführlich), sondern liefert auch Insights aus der Mercedestraße. Dass seine beiden Präsidiumskollegen Rainer Mutscher und Dr. Bernd Gaiser sowie der Vereinsbeiratsvorsitzende Wolf-Dietrich Erhard keinerlei Interesse am Austausch von Argumenten haben, dass sie sich für Meinungen der Mitglieder offensichtlich nicht interessieren. Dass auf ihn massiv Druck ausgeübt wird, bis hin zur Androhung von Schadensersatz. Man erkennt: Vogt ist völlig isoliert beim VfB und er entschied sich letztlich „gegen den erklärten Willen meiner beiden weiteren Präsidiumsmitglieder“ für eine Verschiebung, was den Anschein eines Alleingangs hat, aber ein Indiz dafür ist, dass er ganz alleine ist. Er wirkt dabei – und das wird Vogt nicht ungelegen kommen – als „einsamer Ritter im Kampf für Gerechtigkeit“, …

Mal schön den Ball flach halten …

Das Baden-Württemberg-Derbyle ist schnell erzählt: Zwei astreine Torvorlagen von Orel Mangala und Pascal Stenzel, ein verschossener Elfmeter von Nicolas Gonzalez, zwei Pfostenschüsse, ein gegnerischer Torhüter in Top-Form. Hat der VfB ein Problem? Ja, die Ergebnisse stimmen nicht mehr, das Leichte und Lässige ist verloren gegangen. Aber was wird denn erwartet? Dass der VfB eine clevere und formstarke Mannschaft wie den SC Freiburg herspielt? Dass der VfB durch die Liga fliegt? Auch wenn es manchmal nicht so aussah: Jeder Punkt muss hart erkämpft werden, dazu müssen alle in der Mannschaft ihre Top-Leistung auf den Platz bringen. Das war in den letzten Spielen aufgrund von Formschwächen nicht der Fall. Die zweite Halbzeit war absolut in Ordnung, Freiburg kam auf dem Zahnfleisch daher und der VfB spielte nicht wie in den letzten Jahren alibimäßig die Aufholjagd, sondern biss sich in die Partie, ein Punkt wäre mehr als verdient gewesen. Mal ehrlich: Dass die Saison kein Ponyhof wird, war klar, oder? Es ist eine junge Mannschaft und wir wollten eine junge Mannschaft – und die hat uns bisher mehr …

Die große Enttäuschung

Ist es wirklich ein Aufreger, dass offenbar Vorstand und Teile des Präsidiums die Aufklärung des Datenskandals behindern und an der Weitergabe der Daten beteiligt waren oder zumindest davon gewusst haben könnten? Also Stefan Heim, der als Finanzvorstand wohl keine 700.000,- EUR freigibt, ohne zu wissen, wofür. Also Jochen Röttgermann, in dessen Marketingressort die Ausgliederungskommunikation fiel. Also Rainer Mutschler, der damalige Projektverantwortliche der Ausgliederung. Und Dr. Bernd Gaiser, der womöglich als Intimus von Wolfgang Dietrich Einblick in alle Vorgänge gehabt haben könnte. Nein, der Aufreger ist, dass Fehlverhalten vertuscht werden soll, wobei wir dies befürchten mussten nach den Erfahrungen der letzten Jahre, in denen wir belogen wurden. Aber eins wurde nun durch die Veröffentlichung von Marko Schumacher in der Stuttgarter Zeitung/Nachrichten und im kicker mehr als deutlich: Die eigene Position ist den Verantwortlichen wichtiger als die Mitglieder des VfB. Das Verhalten ist nicht nur Betrug an den Mitgliedern, das ist Betrug an der Wahrheit, das ist der Verrat an den Werten des VfB. Wut. Enttäuschung. Scham. Dinge, die ich nach WD nie mehr für meinen Verein …

Die Chancen-Sünder von der Alm

„Die SpVgg Greuther Fürth hat ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt und den VfB Stuttgart vor heimischem Publikum verdient mit 2:0 besiegt. Während die Gäste aus dem Schwabenland optisch tonangebend waren, aber aus ihrem Ballbesitz viel zu wenig machten, arbeitete sich das Kleeblatt in die Partie hinein und zwang den VfB schlussendlich mit der clevereren Spielanlage in die Knie.“ Das schrieb der kicker zur Niederlage am 25. Spieltag in der letzten Saison und könnte so etwas ähnliches auch nach dem 17. Spieltag der Bundesligasaison 2020/2021 schreiben. Zweite Liga, das liegt dem VfB einfach nicht. Der Gegner überlässt den Stuttgartern den Ball, ständig wird mit langen Bällen die eigene Pressinglinie überspielt, in der Offensive gibt es keine Räume. Man muss es so klar sagen: Auch in der zweiten Liga wird mangelnde Spannung bestraft, wie gegen Bielefeld die Weigerung zu verteidigen von Borna Sosa beim 2:0 und Philipp Klement beim 3:0. Das war lediglich Begleitservice der beiden, es hätte nur noch gefehlt, dass sie Ritsu Doan ein Getränk angeboten hätten („Kaffee oder Tee?“). Die Niederlage gegen Arminia Bielefeld fühlte …

Sie geben einfach nicht auf

Wie gegen Hoffenheim und Union Berlin schafft der VfB in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Interessant: Immer waren der Kopf oder die Füße von Sasa Kalajdzic beteiligt. Er ist der Mann für die Crunchtime, so etwas wie die laufende Zweimeter-Brechstange, wenn Spiele noch einmal gedreht werden sollen. Der VfB ist wie Borna Sosa: Es gelingt nicht alles, es passieren Fehler, aber von Rückschlägen lässt sich der Kroate nicht entmutigen. In der 34. Minute begeht Sosa ein selten dämliches Foul an Stefan Lainer, das zu einem Strafstoß und zum 0:1-Rückstand führt. Aber Sosa lässt den Kopf nicht hängen, ist vor allem in der zweiten Halbzeit auf seiner linken Seite offensiv deutlich aktiver und gefährlicher als Kollege Silas auf rechts. Sosa geht weiter mutig ins Dribbling, schlägt viele Flanken in den Strafraum und ist defensiv nicht etwa zaghaft und unsicher, sondern solide und ernsthaft. Dass man das einmal über den 22-jährigen sagen würde, war vor einem halben Jahr wirklich nicht abzusehen. Borna und ernsthaft? Das schien sich bis vor kurzem noch auszuschließen. Für das 3.000 Bundesligator des …