Autor: @abiszet

Die Woche der Wahrheit

In neun von zehn Spielen gewinnt der VfB gegen Holstein Kiel. Im zehnten holt sich Holger Badstuber ein sau-blöde gelb-rote Karte ab und Emiliano Insua hüpft eine Fußbreite hoch, um eine Flanke zu verteidigen. Nico Gonzalez und Silas lassen ihre Torchancen liegen und schon ist der VfB in der Herbstkrise. Wegen diesem einen Spiel? Die Panik-Orchester bei vielen Fans und auch in Teilen der Medien spielen sich schon warm. Klar, gemotzt wird immer und 0 Punkte gegen die beiden Tabellenletzten ist jetzt nicht die optimale Ausbeute. Aber ist es ein Grund zur Panik? Gar ein Grund, den Trainer in Frage zu stellen? Wirklich nicht. Aber eins muss man sagen: Herr Walter, wir haben (mehr als) ein Problem. Wie stressresistent er und sein Team sind, wie gut sein System funktioniert, werden wir in der Woche der Wahrheit sehen: 2x HSV, dann gegen Dynamo Dresden. Das sind die Schlüsselspiele der Saison. Danach werden wir wissen, in welchen Modus der VfB schaltet: Krisen- oder Erfolgs-Modus? Auf welche Faktoren kommt es an? Personal Castro rein, Castro raus, Castro rein. …

Fußballheimat Württemberg: zwischen Bundesliga und Kreisklasse

Literaturwochen bei vertikalpass! Nachdem wir am Freitag unser eigenes Buch vorgestellt haben (hier entlang), gehts sofort weiter mit dem neuen Werk von Bernd Sautter, dem Macher der Liga der Propheten, der uns schon mit seinem ersten Buch „Heimspiele“ begeistert hat. Oberflächlich betrachtet hat sich Bernd Sautter bei seinem neuesten Buch „Fußballheimat Württemberg“ an „tl;dr“ orientiert – „too long, didn’t read“ heißt das ausgeschrieben und bedeutet so viel wie: längere Texte will niemand mehr lesen – wenn denn überhaupt noch gelesen wird und anstatt dessen nicht vierstündige Podcasts gehört werden. Sautter beschreibt 100 kurze Geschichten anhand von geschichtsträchtigen Orten, bei jedem Umblättern wartet eine neue Überraschung, man kommt aus dem Staunen, Lachen und Lernen nicht mehr heraus. Sautter ist ein großartiger Geschichtenerzähler, wortwitzig, kurzweilig, das liest sich alles so flüssig wie das Aufbauspiel des FC Barcelona. Sautter erzählt von Menschen und man merkt, er liebt Menschen, so wie er sie beschreibt. Das ist manchmal komisch, bisweilen scharfsichtig, ab und zu schräg und immer interessant. Schnörkel sind in Sautters Texten, einige Schleifen, fast so wie im Spiel von …

Das „Vertikalbuch“

Mein Blog, meine Bäbber, meine Tasse, mein Buch. Ja, mit dem VfB kann man es weit bringen und braucht dazu nicht mal eine kurvige Spielerfrau, ’ne tiefergelegte G-Klasse oder einen eigenen Deckel im selbsternannten „Edelitaliener“ Vivaldi. Nicht mal kicken muss man können. Viel besser ist es doch, das eigene Buch beim Wittwer, Osiander und bei Amazon zu bestellen. 140 eng beschriebene Seiten, mit ein paar peinlichen Bildern drin. VfB Stuttgart Fußballfibel, Band 25 der Bibliothek des Deutschen Fußballs heißt das Ding. Das hört sich spießiger an als es ist, wir haben es zu unserem „VertikalBuch“ gemacht, mit eigenem Sound(track) inklusive Andrea Berg, Dire Straits und den Yung Hurn. Unser Buch ist keine klassische Chronik, es ist eher eine Chronik des 19. Mai 2007 von 9 Uhr morgen bis 4 Uhr nachts, es ist ein großer Liveticker. Auch wenn der Frauenarzt von Bischofsbrück auftaucht und wir im Verlauf des Buches auf Elfriede Schneider von der Metzgerei Schneider treffen, auf die Fashion-Ikone Winnie Klenk, auf den schwäbischen Sänger Wolle Kriwanek, auf Pferde, Hunde und Hirsche, so steht …

Super-Hitz: Bad Cannstatts Bester?

Eines vorweg: Natürlich ist Thomas Hitzlsperger das Beste, was dem VfB Stuttgart passieren konnte. Er ist eine Bereicherung für unseren Club. Er hatte den Mut, den Kader auf links zu drehen, was nicht ohne Risiko war und nach wie vor ist. Wir hoffen, dass sein Plan aufgeht, auch wenn wir nicht wissen, wie groß sein Anteil daran war und ist. Hitzlsperger ist eine Bereicherung für den VfB, denn er ist fan-nah, integrativ, empathisch, feinfühlig, diskussionsfreudig und meinungsstark. Seine Stärke ist nicht nur die Kommunikation sondern alle, alle Beteiligten bei der Entscheidungsfindung mitzunehmen … okay, von Christian Gentner einmal abgesehen. Dem Vernehmen nach war er kein Freund von der Idee, Jürgen Klinsmann zum Vorstandsvorsitzenden der VfB 1893 AG zu machen, er fürchtete womöglich um seine Position. Verständlich. Aber wird dem Meister von 2007 nicht zu viel zugemutet? Vom Meisterhelden zum „Beauftragten des Vorstands in der Schnittstelle zwischen dem Lizenzspielerbereich und der Vereinsführung“ zum Präsidiumsmitglied zum NLZ-Leiter zum Sport-Vorstand (seit Februar 2019!) zum Vorstandsvorsitzenden zum Cannstatter Supermann innerhalb von etwa drei Jahren. Eine steile Karriere. Dass er …

Typisch VfB

Wenn in die Scheisse, dann richtig mit Vollgas. Der VfB als sein eigenes Abrisskommando. Wenn, dann als bisher unbesiegter Tabellenführer gegen den Tabellenletzten die erste Niederlage kassieren, nach vier Pfostentreffern und Scheibenschießen am Spielende. Typisch VfB. Wenn Du mit Mario Gomez und Hamadi Al Ghaddioui zwei Ochsen im Sturm hast, dann brauchen die Flanken und Vorlagen, im wesentlichen von den Außenpositionen. Wenn die aber einzig mit einem indisponierten Borna Sosa und einem deplatzierten Santi Ascacibar besetzt sind, dann geht der Matchplan von Trainer Tim Walter nicht auf (er korrigiert dies später mit den Einwechslungen von Silas und Massimo). Aber selbst mit einer beschissenen Aufstellung und Einstellung muss der VfB gegen Wehen Wiesbaden gewinnen. Von einem Kader, der 100 mal teurer ist, kann man das erwarten. Millionarios verlieren gegen eine, sorry, Thekentruppe. Typisch VfB. Zugegeben, Doppeltorschütze Manuel Schäffler ist in der Form seines Lebens. Der würde im Moment auch barfuss, mit verbundenen Augen und drei Maß vom Wasen intus die Kisten machen und seine Tore resultieren aus geradezu grotesken individuellen Fehlern. Sosa verhindert die Flanke beim …

Drecksspiel! Dreckssieg!

Arbeitssieg. Glück gehabt. Mund abputzen, weitermachen. Die Tabellenführung bekommst du nicht mit einem Schönheitspreis. Ein gutes Pferdle springt nicht höher als nötig. Wer solche Spiele gewinnt, steigt am Ende auf. Floskeln gibts genug für den unansehnlichen Sieg des VfB gegen Fürth. Oder „Typisch zweite Liga“, wie Kollege Christian Prechtl meinte, dem ich kurz nach Spielende über den Weg lief. Der VfB zählt am Ende drei Verletzte und ebenso viele Aluminiumtreffern gegen sich, gewinnt aber dank höherer individueller Klasse und den Treffern von Daniel Didavi und Philipp Förster. Spiel erzählt. Danke, tschau. Doch den vierten Heimsieg der Saison nur auf nackte Zahlen (zum Beispiel nur 50 Prozent Ballbesitz) zu reduzieren, wäre fahrlässig. Das Spiel gegen Fürth war nämlich das schlechteste in der Ära Walter. Aber woran lags? Zum Beispiel daran, dass sich der bisherige Spielaufbaukönig Pascal Stenzel unerklärlich viele Abspielfehler leistete. Daran, dass Marc-Oliver Kempf öfter unsicher wirkte, mehrfach überspielt und überlaufen wurde. Auch Orel Mangala – in der Vorwoche noch sehr überzeugend – fehlten Präsenz, Sicherheit und Dominanz. Daniel Didavi, eigentlich ein Supertechniker, schien mit …

Nur noch ein bissle Santi im Getriebe …

Nur, um das gleich mal zu klären: Fast alles ist gut. Und das liegt weniger am ersten Auswärtssieg und an der Tabellenführung bis Montag. Das liegt an dem, was wir teilweise in Regensburg gesehen haben. Ist Euch der linke Fuß von Daniel Didavi aufgefallen? Er kann mit ihm womöglich Klavier spielen, so viel Gefühl hat er in ihm. Wie er vor dem 1:2 wie mit dem Zirkel gezogen die Flanke auf den Kopf von Holger Badstuber gezaubert hat – Weltklasse. Oder Gregor Kobel im Tor. In keinem Stuttgarter Kasten stand jemals ein Keeper, dem man bedenkenlos den Ball zuspielen konnte. Manchmal wirken die Situationen brenzlig, aber nur auf uns Zuschauer, weil wir uns erst einmal an das neue Aufbauspiel gewöhnen müssen bis wir das in Ruhe anschauen können. Apropos: Holger Badstuber ist auch so einer, der fast nie aus der Ruhe zu bringen ist. Mit der Mentalität und Selbstsicherheit eines Champions League-Spielers löst er so gut wie jede Situation souverän und spielerisch. Warum er beim VfB spielt und nicht in der Champions League? Weil er …

VfB Love Island: Klinsi & Guido <3

Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald, Thomas Berthold, Matthias Klopfer, Claus Vogt, Britta Seeger, Alexander Wehrle, Erwin Staudt, Bernhard Heusler, Hans Zeisl – okay, es ist kein 29-Mann-Kader wie der, aus dem Trainer Tim Walter eine finale Auswahl treffen muss, aber dennoch ist es ein fast unübersichtliches Personalpuzzle, das sich um diverse Posten beim VfB bewirbt. Entweder offiziell oder über die reichweitenstarke Medien mit entsprechend schlagzeilenträchtigen Aussagen. Nicht eingerechnet dabei die Kandidaten, die sich bisher im Hintergrund halten. Uns sind mindesten zwei weitere Personen bekannt, die sich um die Präsidentschaft des VfB 1893 e.V. bewerben wollen. What a time to be alive! Wenn wir Trainer Walter fragen würden, dann sagt er, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Aber ist das auch bei der Besetzung der offenen Posten im Präsidium, Vorstand und Aufsichtsrat des VfB der Fall? Im Mittelpunkt stehen Guido & Klinsi. Die Frage ist: Handelt es sich um heiße Flirts oder um wahre Liebe? Geht es um verletzte Eitelkeiten oder um die Sache (also den VfB)? Erst sagt Klinsmann dem VfB mit nebulösen Begründungen ab, dann sagt …

Walterball: Krawall & Remmidemmi

Sind wir ehrlich: Mit einem weniger hibbeligen Stürmer als Silvère Ganvoula hätte der VfB gegen den VfL Bochum verloren. Diese Erkenntnis ist nichts neues. Es ist ein Muster, dass sich konsequent durch die bisherige Saison zieht: Der VfB ist überlegen, nutzt aber seine Torchancen nicht bzw. zu selten, macht zu wenig aus seinem Ballbesitz und ist hinten offen wie ein Scheunentor. In der Offensive sorgen zwei überragende, individuelle Momente von Philipp Klement/Daniel Didavi und Nicolas Gonzalez für Remmidemmi und entscheiden am Ende das Spiel. Aber die Krawall-Abwehr! Nathaniel Philips zeigt bei seinem ersten schlechteren Auftritt im VfB-Trikot extreme Schwierigkeiten im Spielaufbau, wenn er mal ein bisschen Druck bekommt, Holger Badstuber trotz 100 Prozent Passquote mit einigen Schildkrötenmomenten. Dazu Abspielfehler beim kleinsten Pressing. Andere Mannschaften – beispielsweise in der Bundesliga – nutzen das gnadenlos aus. Wir müssen also froh sein, dass die Entwicklung des Walter-Fußballs im Unterhaus stattfindet, wo Fehler nicht (immer) gnadenlos bestraft werden. Ohne Worte! 😍 #VfB #Silas #Wamangituka pic.twitter.com/YQ4jFUzOpA — MeanMachine1893 (@MeanMachine1893) September 2, 2019 Natürlich erwartet niemand, dass der VfB jeden Gegner …

Die Arschgeige nervt!

Während die mitgereisten VfB-Fans in Aue mal wieder ein Auswärtsspiel fast zum Heimspiel gemacht haben, verfolgten wir das traurige 0:0 im vertikalpass-Headquarter in der Stuttgarter City, Home of Straßenmusik. Als Ouvertüre geigten zwei zuckersüße Teenager Stücke von Vivaldi, niemand konnte ihnen böse sein, wenn sie nur nicht direkt unter unserem Büro gespielt hätten. Zur Einstimmung, gerade als die Aufstellungen durchgegeben wurden, spielte ein schleimiger Saxophonist so schnulzige Stehblues-Lieder, dass man sich Richard Claydermann als Hintergrundmusik wünschte. Als das Spiel ein wenig Fahrt aufnahm, so etwa als der VfB den Elfmeter nicht zugesprochen bekam, nervte die Arschgeige. Sorry, ich nenne den Geiger so, weil der immer bei uns spielt. Ich hatte ihn vor einiger Zeit schon einmal darauf angesprochen, wann er denn fertig sei, seine Geige zu stimmen. Da antwortete er mir, er würde improvisieren. Ja gut, ich habe keine Ahnung von klassischer Musik. Ich habe auch keine Ahnung, was Felix Zwayer im Spiel gegen Aue gepfiffen hat. Ich bin da voll der Meinung von Thomas Hitzlsperger („Wer die Elfmeterszene für strittig hält, schaut zum ersten …