Autor: @abiszet

Nein, es liegt nicht am Trainer!

Wenn Bercay Özcan frei vor dem Tor verschießt, dann liegt dies nicht in der Verantwortung von Hannes Wolf. Wenn Dennis Aogo – durch den Vorstand Michael Reschke die Erfahrung im Team erhöht hat, aber nicht die Qualität – einen Elfmeter verschießt, dann ist dies nicht die Schuld vom Trainer. Wenn die Mannschaft zwei Slapstick-Tore nach Standards bekommt, dann kann dies selbst Pep Guardiola nicht verhindern. Da kann der fuchteln wie er will am Spielfeldrand. Ordentliche Leistung gegen Bayern? Geschenkt. Solche Kicks gegen solche Truppen, da gilt’s. Die Dinger zu verlieren geht gar nicht. #VfB — Jens Nagler (@jens_nagler) December 19, 2017 Aogo muss den Deckel drauf machen. Ist aber typisch genau für diesen Spieler. Larifarischeisse wie schon in Hamburg und in Gelsenkirchen. Und nachher soll dann der Trainer schuld sein #VfB — Mark1893 (@MarkL1893) December 19, 2017 Sind wir ehrlich: Fünf Niederlagen am Stück hatten beim VfB in der Vergangenheit in zehn von zehn Fällen eine Folge: Der Trainer muss gehen und entweder übernimmt ein U-Coach, der ohnehin gerade Zeit hat oder es kommt ein …

Fußball ist: zum Kotzen! (Manchmal jedenfalls)

Fußball ist: tolle Tore, herrliche Spielzüge, katastrophale Fehler. Fußball ist: Katalysator, Gemeinschaftserlebnis, identitätsstiftend. Fußball ist: Freude, Frust, unvorhersehbar. Fußball ist: Bayern ärgern, Meckern über James‘ Arroganz, 90 Minuten einen ehemaligen Spieler auspfeifen. Fußball ist: Tempo, Taktik und auch mal Trottel. Wir lieben Fußball. Denn er legt Emotionen offen, kann auch mal Grenzen überschreiten (wie das diskutable Verhalten gegenüber Sven Ulreich), er macht einem Hoffnung, lockt mit einem unerwarteten Punktgewinn, verführt einen mit der Süße eines späten Tores. All das, nur um uns dann die größte aller Enttäuschungen zu bescheren. Der Fußball stürzt uns gerne ins Bodenlose, nimmt keine Rücksicht auf Vernunft, um uns dann in ein Meer aus Tränen zu schubsen. Ulreich. In der letzten Sekunde der Nachspielzeit. Vor der VfB-Kurve, die ihn über 94 Minuten ausgepfiffen haben. Mehr Kahn-Moment geht nicht. #VfBFCB — Oliver Schmidt (@breitnigge) 16. Dezember 2017 Deshalb lieben wir Fußball. Wie nach dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Deshalb hassen wir Fußball. Wie heute. Und das auf ewig. Also bis zum nächsten Spiel. Es ist zum Kotzen. Nicht, weil Sven …

Die Schönheit der Chance: So gewinnt der VfB gegen die Bayern!

Es gab Zeiten, da war die Begegnung mit dem FC Bayern München das Spiel des Jahres für die Stuttgarter. Alle bis unter den Vokuhila vollgepumpt mit Motivation, es den Bazis, Großkopferten und Lederhosenträgern mal so richtig zu zeigen. Heute ist es eher ein Spiel, in dem man Angst haben muss, eine richtige Klatsche zu kassieren. Aber auch ein Spiel, in dem die Erwartungen gering sind, ein Spiel, in dem der VfB eigentlich nur positiv überraschen kann. Eine riesige Chance also, die letzten negativen Ergebnisse vergessen zu machen und einen versöhnlichen Hinrundenabschluss zu schaffen. Und dem VfB gelingt die Überraschung, glaubt’s mir. Und das geht so: Hannes Wolf hat sich einen besonderen Matchplan ausgedacht, der sich von denen der Auswärtsspiele allerdings nur geringfügig unterscheidet: Er stellt um auf 7-2-1. Siebenerkette statt Fehlerkette. Die Abwehr bilden alle verfügbaren Defensiv-Kräfte: In der Mitte verteidigen Baumgartl, Badstuber, Kaminski. Damit die Abstände zwischen ihnen garantiert klein bleiben, bindet Wolf die drei Innenverteidiger an den Händen mit Schnüren aneinander. Auf außen wird gedoppelt mit Insua/Aogo und Pavard/Beck. Davor räumen Ascacibar und …

Von Windeln verweht

Hannes Wolf, wir müssen reden. Schon klar, die Niederlage war auch unglaubliches Pech, erst die Verletzungen von Donis und Akolo, dann das Slapstick-Tor von Uth. Ja, und Hoffenheim ist nicht unbedingt der Gegner, den ein Aufsteiger schlagen muss. Aber dieses Spiel gleicht wie ein Ei den meisten anderen Auswärtsspielen. Ich erwarte eine Lernkurve von Ihnen und der Mannschaft. Denn es reicht nicht, gut zu beginnen. Es reicht nicht – selbst gegen einen völlig uninspirierten Gegner wie Hoffenheim – nur ordentlich zu verteidigen. Denn Sie müssten es ja besser wissen: Irgendeiner in der Abwehr schießt einen Bock! Gegen Frankfurt war es Ginczek, gegen Hamburg war es Zieler, gegen Bremen war es Badstuber und jetzt war es Insua, der sich übertölpeln ließ. Damit müssen Sie einfach rechnen. Hatten Sie wie ich auch die gesamte zweite Halbzeit das Gefühl, dass jeden Augenblick das Gegentor fallen wird? Hatten Sie wie ich auch die gesamte zweite Halbzeit das Gefühl, das Ihre Mannschaft kein Tor schießen wird? Soll das eigentlich ewig so weitergehen, dass wir auswärts wie Pussies auftreten und einfach nur …

Bist du noch Mitglied oder schon Kunde?

Thomas Hitzlsperger wird mit fast schon nordkoreanischer Mehrheit zum Präsidiumsmitglied berufen, die Satzungsänderung zur Online-Abstimmung wird abgelehnt, der Präsident reagiert auf kritische Fragen unwirsch und gewählt wird ein Vereinsbeirat, der die Interessen aller Mitglieder vertreten und sie repräsentieren soll. Demnach sind die Mitglieder im Schnitt über 40 Jahre alt, entweder Führungskraft, Unternehmer oder Professor und fast ausschließlich männlich. Keine großen Überraschungen also bei der Mitgliederversammlung. Interessant ist allerdings, dass zur letzten außerordentlichen Versammlung ca. 14.000 Personen kamen. Am ersten Advent verloren sich rund 1.500 Anwesende in der Messehalle. Und dabei steigen die Mitgliederzahlen kontinuierlich, so kann Präsident Wolfgang Dietrich bald das 60.000ste Mitglied begrüßen. Woran liegt das? Dass es mit der Mitbestimmung zumindest gefühlt nicht weit her ist? Dass viele nur kommen, wenn es G’schenkle gibt? Oder hat sich im Verhältnis Verein/Mitglieder grundsätzlich etwas verändert? Wahrscheinlich alles zusammen. Denn die Mitglieder werden zu Kunden bzw. werden vom VfB als Kundschaft und „Zielgruppe“ betrachtet, die mit entsprechenden Angeboten getriggert werden soll: zum Beispiel mit fast täglichen Newslettern („Wer ist dein +1?“), mit Bierdeckel- und Member-get-Member-Aktionen, wie …

Der Picknicker

Manche nennen ihn Gift-Gaucho (Copyright @ChrisPrech), die StZ/StN bezeichnen ihn als Schwaben-Gattuso, in Argentinien heißt er El Rusito (der kleine Russe). Wer ihn noch nicht kennt, rennt vehement inkompetent durch die Welt: Santiago Ascacibar ist für uns der Picknicker. Kein Scheiss, Mann, jeder weiss, Mann! Er wird noch nicht so sehr gehypt wie Benjamin Pavard, aber die Fans feiern ihn permanent, das nur als Argument, warum man ihn den Picknicker nennt. Santi ist direkt angekommen in Stuttgart, für einen 20-jährigen Argentinier auf erster Auslandsstation erstaunlich genug und nach zehn Bundesligaspielen hat er sich bereits unersetzlich gemacht. Er hat das Herz eines Kämpfers, die Lunge eines Pferdes und die Füße eines Marathonläufers. Und er verfügt sogar über zwei gleich gute Füße, er kann rechts wie links, würde der Kaiser sagen. Ja gut, äh, … aber Statur, Frisur und Laufstil erinnern mich allerdings an Sebastian Rode und der ist nun wirklich kein Picknicker. Buenos Dias, Mittelfeld-Messias Ascacibar ist kein unauffälliger Sechser, der nur gut im Raum steht und Dreimeterpässe quer und zurück spielt: Ihm gelingen spektakuläre Tacklings, …

Mehr als drei Punkte

Platz 11, 16 Punkte, 8 Zähler Abstand auf Tabellenrang 16, so gut wie alle spielten für den VfB, ein Spieltag zum Chillen. Aber vor allem ist der Sieg mehr als drei Punkte Wert. „Haben Sie eigentlich schon einmal so mannorientiert gespielt wie heute?“, wird Hannes Wolf im Anschluss an die Pressekonferenz im kleinen Kreis gefragt. Der VfB-Trainer überlegt. Er lächelt. „Nein“. Ganz leise fügt er hinzu: „In Fürth haben wir es mal versucht“. Wer sich nicht erinnert: Das war ein fürchterliches Spiel und ging 0:1 verloren. Dieses Mal ging sein Matchplan auf. Manndeckung, das schöne alte Wort aus den 70er und 80er Jahren, was hat das im modernen Spiel von heute zu suchen? Das fragte sich wohl auch Emiliano Insua, der in der ersten Halbzeit überhaupt nicht mit dieser Spielweise zurecht kam. Das lief im zweiten Durchgang besser (Wolf: „Wir haben Insua noch weiter vor geschoben auf Toljan“), durch die mannorientierte Spielweise verwickelte der VfB den BVB immer wieder in Zweikämpfe und ließ deutlich weniger Kombinationen zu als in Durchgang eins. Dazu kamen immer wieder …

Eine Brezel ist auch nur ein Mensch

Stuttgart ist Stuggi. Ist Brezel, Kehrwoche, Porsche, Daimler, Feinstaub. Ist sparsam, spießig, fleißig, ist stock-im-arschig. Nicht nur der Stuttgarter „Tatort“ wird nach diesem einfallslosen Rezept komponiert. Kaum eine Veröffentlichung über Stuttgart kommt über diese Oberflächlichkeiten hinaus. Jetzt also ein cooles VfB-Trikot, eine Collabo zwischen dem VfB und dem Künstlerkollektiv 0711. Da darf die Brezel natürlich nicht fehlen. Denn mit einer Brezel kann man alles machen, sie ist wahnsinnig geduldig. Man kann sie mit und ohne Butter essen, mit Marmelade oder Nutella, in den Kaffee eintunken (sensationelles Video), wenn sie hart wird, kann man mit ihr Verbrechen begehen und wenn einem gar nichts anderes einfällt, dann kann man mit ihr einen Bürgermeisterwahlkampf führen und man macht sie auf ein Fußballtrikot. Verbunden mit einem Herz, wegen der Emotion, ganz klar. Brezelliebe nennt es Schowi, Harald Schmidt hätte Brätzellove gesagt. So, genug abgekotzt. Denn gut ist, dass auf dem Trikot kein Besen oder Kerrwisch ist und dazu der Slogan „Wir putzen unsere Gegner weg!“. Nein, das Ganze ist geschmackvoll im Camouflage-Style gemacht, in wieweit das Fashion ist und …

Le Atze* und Le Meira

Es ist mehr als eine Mode, sich dem Fußball und seinen Protagonisten mit Oberflächlichkeiten zu nähern. Fangen wir also diesen Text über Benjamin Pavard damit an: Er verwendet auf seiner Facebook-Seite namens Benjamin Pavardinho eines unserer Stadionbilder nach dem Platzsturm beim Aufstieg. Aber gernö, lieber Benjamin und Chapeau für Deinen guten Geschmack. Seit Schillbär Gress und Didier Six lieben die VfB-Fans französische Spieler. Wie sie Benschamää aussprechen, erinnert dabei stark an Franz Beckenbauers legendäre Aussprache von Jean-Pierre Papin: „Schopärpapa“. Und dann muss man natürlich seine Friese thematisieren. Ein Lockenhelm à la Atze Schröder mit dem Potential zum Kult, fehlt nur noch die Pavard-Perücke im VfB-Shop. Aber im Zuge der Professionalisierung des VfB müssen wir wohl nicht mehr lange drauf warten. Aber gehen wir weg von Boulevard-Themen, kommen wir zum Sportlichen. Also weg von Le Atze*, hin zu Le Meira. Denn das luftige Champagner-Spiel des 21-jährigen Franzosen erinnert mich an den 2007er-Kapitän Fernando Meira. Ja, ein großer Vergleich, aber besser als ihn mit Toni Sunjic oder Schorsch Niederstrecker zu vergleichen, oder? Da sind zunächst seine eleganten …

Gut, besser, Berkay!

Es war ein Trainerspiel. Es war ein Trainersieg. Gut, Hannes Wolf war gezwungen, durch den Ausfall von Holger Goodstuber die Abwehr auf eine Viererkette umzustellen. Erneut Daniel Ginczek in der Startelf zu bringen, konnte man noch erwarten, auch Takuma Asano bekam nach seinem guten Lautern-Spiel eine weitere Chance. Dass allerdings Berkay Özcan startete, hat bei vielen für Unverständnis gesorgt. Gerade mal 18 Minuten im ersten Heimspiel gegen Mainz hat der 19-jährige gehabt und dazu noch ein paar Minuten im Pokalspiel gegen Kaiserslautern. Wie heißt die Fußballfloskel? „Er hat es ganz gut gemacht!“. Kann man so sagen, zwei Torvorlagen, ballsicher, selbstbewusst, bisschen zu verspielt. Und ja, die Handlungsschnelligkeit hat manchmal gefehlt. Aber das wäre jetzt wieder rumgebruddelt. Wolf jedenfalls hatte hier das richtige Gespür und damit erneut bewiesen, dass bei ihm kein Spieler abgeschrieben ist. Danke Hannes! Hast halt doch immer Recht! Zumindest das beste Händchen für Deine Spieler. #NoMoreBruddelnForNothing #ShameOnMe #VfBSCF #VfB — Dirk Edgar W. (@VfBWallaceFan) October 29, 2017 Sehr geil wie sich alle für Berkay Özcan freuen 😍 #VfBscf — Christoph Ba (@thisiskritz) …