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Wataru Endo: Der Equalizer

Es ist ein bisschen ungerecht gegenüber Svonimir Soldo und Pavel Pardo. Gegenüber Carlos Dunga, Srecko Katanec und Roland Hattenberger, gegenüber VfB-Legende Guido Buchwald sowieso, der lange im defensiven Mittelfeld, spielte, auch gegenüber Jürgen Hartmann, der einst sogar gegen Diego Maradonna im direkten Duell antrat. Gegenüber William Kvist weniger, der beim VfB eher unglücklich agierte und dafür gegenüber dem unermüdlichen Zwieikampfmonster Serey Dié. Würde es im Moment eine Umfrage unter VfB-Fans geben, wer der beste Sechser aller Zeiten beim VfB war, Platz 1 für Wataru Endo wäre keine Überraschung. Manche nennen ihn den „Bodyguard, der Staub saugt“ oder „Den Raumschließer“. Wir haben die Endokratie ausgerufen und ihn den Endonator genannt. Dabei ist er kein draufgängerischer Superheld, sondern eher ein introvertierter und zurückhaltender Typ mit einem ausgleichenden Charakter. Er ist immer dort, wo man ihn braucht. Um Schnittstellen zu schließen, Passwege zuzustellen oder einfach mit einem seiner vier Beine den Ball zu erobern. Darin ist er ebenso versiert wie in der Fähigkeit, den Ball zu behalten. Oft sieht er sich beim Pressing einer Überzahl an Gegenspielern gegenüber, …

Sasa Kalajdzic: King of Cool

Er ist der König des Strafraums, der Herr der Lüfte, der Fürst der Field-Interviews und das emotionale Herz des VfB-Teams. Er vereint scheinbar alle positiven Eigenschaften in einer Person: Teamspirit, Torinstinkt, Charme, Cleverness, Humor, Spielintelligenz, Mut, Übermut und Demut. Der in Wien geborene Sohn serbischer Eltern ist einer der spannendsten Spieler der Bundesliga. Er weiß nicht, was eine Jugendakademie ist und profitiert von seinem ungewöhnlichen Werdegang, in dem er als junger Fußballer fast alle Positionen im Mittelfeld gespielt hat. Denn ihn nur auf seine Körpergröße von zwei Metern und ein gutes Kopfballspiel zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Sein Bewegungsablauf wirkt zwar manchmal tolpatschig, wenn er mit rudernden Armen zu sprinten versucht, aber im Grunde ist er einfach nur cool. „Ich bin nicht der klassische Riese, der vier Meter breit ist und sich vor lauter Kraft kaum bewegen kann, sondern eher der Schlaks, der mit dem Ball umgehen kann“, sagt er. Wenn Sasa das 2:2 gegen Union Berlin schießt, denke ich „Ok, cool“. Wenn er den Fuß hinhält zum 2:1 gegen Gladbach, „Ok, cool“. Wenn …

Waldemar Anton: Auf Boss Level

Eins kann man sagen: Waldemar Anton hat beim VfB Stuttgart mehr Glück und ein deutlich höheres Standing als zuvor Karim Haggui, Konstantin Rausch und Mo Abdellaoue, die ebenfalls von Hannover nach Stuttgart wechselten. In Hannover war Anton allerdings zum Verhängnis geworden, dass er so talentiert ist: Er kann in der Innenverteidigung auf allen Positionen der Dreierkette spielen, er kann auf der Sechs agieren, er ist zweikampfstark und mutig im Spielaufbau. An der Leine wurde er zudem zum Kapitän befördert und doch überfordert, weil die Mannschaft strukturell und charakterlich unrund zusammen gestellt wurde, wir kennen das in Stuttgart nicht nur von Herrn Reschke. Auf Anton lagen stets hohe Erwartungen – vielleicht manchmal auch zu hohe. Am Ende wirkte der U21-Europameister von 2017 (ohne Einsatz allerdings) orientierungslos bis er nach seinem Wechsel zum VfB das wurde, was ihm im Blut zu liegen scheint: der Abwehrchef. Die englische Webseite Soccer Souls schrieb 2019 über ihn: „The German is a top tackler and relies more on positioning than pace. He can pick out a pass, bring the ball out …

Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Ob Sven Mislintat von Wolfgang Dietrich oder doch von Thomas Hitzlsperger zum VfB Stuttgart geholt, wurde, variiert je nach nach Erzählung und Erzähler. Nach zwei Spielzeiten kann man festhalten: Hauptsache, er ist da! In Bad Cannstatt wurde viel zu lange nach Gutsherren-Art gehandelt: Schnell wechselnde Sportdirektoren holten Spieler, mit denen die noch schneller wechselnden Trainer viel zu oft nichts anfangen konnten. Entwicklung? Nachhaltigkeit? Keine Chance. Das änderte sich mit Sven Mislintat. Vom Sportvorstand Hitzlsperger mit allen Freiheiten ausgestattet, hat er es sich zum Projekt gemacht, den neuen VfB zu bauen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass der nice Dude nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckt. Für Andreas Beck, Dennis Aogo, Christian Gentner und Holger Badstuber war kein Platz auf Mislintats Baustelle. Für Tim Walter auch nicht. Riskante Entscheidungen, die belohnt wurden. Sven Mislintat ist ein Zocker: Er wettete darauf, dass der unbekannte Matarazzo der richtige Coach sei, um das junge Team in der zweiten Liga weiterzuentwickeln und gleichzeitig aufzusteigen. Er gewann diese Wette denkbar knapp. Man denke da nur an seinen Auftritt bei SWR Sport nach …

Gregor Kobel: Der Shouter

Das einzig Gute an den Geisterspielen ist: Wir können jeden Spieltag dabei zuhören, wie Gregor Kobel Impulsvorträge zum Thema „Motivation“ im Strafraum hält. Er lobt, er muntert auf, er feuert seine Kollegen an. Nebenher hält er auch noch den einen oder anderen Ball. Aber nicht nur mit seinem lauten Organ und seinen Motivationssprüchen, sondern durch seine fast schon beängstigende Präsenz gibt er dem Team Sicherheit und Orientierung. Mir übrigens auch. Bei vielen Keepern in der Vergangenheit hatte ich Angst, wenn eine Flanke in den Strafraum fliegt. Bei Kobel mache ich mir ein Bier auf. Der Schweizer ist das Alpha-Männchen im Tor des VfB, ohne dabei so lächerlich zu wirken wie einst Oliver Kahn. Nach dem Spiel gegen Schalke 04 schrieben wir: „Dann in der 82. Minute eine Parade wie ein Kunstwerk. Der eingewechselte Allessandro Schöpf mit einem fein gezirkelten Fernschuss: Kobel fliegt, er steht in der Luft, aus seiner Körperspannung lässt sich der Strom für ein Einfamilienhaus speisen, mit der rechten Hand lenkt er den Ball ans Lattenkreuz.“ Timo Hildebrand hatte zu Beginn seiner Karriere …

Borna Sosa: Der Soul Surfer

„Das könnte sein Jahr werden!“ Sven Mislintat war im „kicker“ vor der Saison optimistisch, dass Borna Sosa nach diversen Verletzungen und Formkrisen in seiner dritten Saison den Durchbruch beim VfB schafft. Wie so oft hatte Mislintat recht. Seine Flanken sind wie Wellen, kurvig und mächtig und gefährlich für den Gegner. Und er berührt das Herz mit seinem ernsthaften Blick, der erst freundlich wird, wenn Sasa Kalajdzic zu ihm kommt, um sich für eine Torvorlage zu bedanken. Sosa hat diese melancholische Eleganz, die seine Verletzlichkeit erahnen lässt, er ist sensibel und emotional, wie seine Aussagen rund um seine Einbügerung in Deutschland zeigen. Über seine Flanken, die meist nicht scharf, sondern hoch fliegen und plötzlich runter fallen, spricht jeder. Die übt er auch in jedem Training. Die englische Fußballseite „First Time Finish“ schrieb: „Sosa’s crossing ability is unique in an era where crossing is becoming a ‘dying art’ in the game. Perhaps only Trent Alexander-Arnold compares to the 23 year old in the current generation when it comes to this unique attribute. When Sosa is about to …

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Was spaltet die VfB-Fans am meisten? Wolfgang Dietrich? Hitz vs. Vogt? Linsen vs. Spätzle? Nein, es ist natürlich Philipp Förster! Die einen halten ihn nach wie vor für nicht bundesligatauglich, die anderen feiern seine Laufstärke, sein Pressingverhalten und den vorletzten Pass vor dem Torabschluss. Klar ist: Philipp Förster hat sich im Windschatten von Überfliegern wie Silas, Sosa und Sasa heimlich, still und leise von einem unauffälligen Zweitliga-Kicker zu einem Spieler entwickelt, der zweifelsohne Bundesliga-Startelf-Potenzial hat. 24 Spiele, 3 Tore und 200 Laufkilometer stehen für den Mann zubuche, der schon früh vom KSC in die Stuttgarter Jugend flüchtete wechselte und über die Stationen Waldhof Mannheim, Nürnberg und Sandhausen wieder dort gelandet ist, wo er schon von 2010 bis 2014 für die U17 und U19 spielte. Förster ist kein Mittelfeldstratege wie Endo und Mangala, kein Spektakelspieler wie Silas, kein Vollstrecker wie Sasa Kalajdzic. Philipp Förster ist genau der Spieler, der in Matarazzos Ensemble noch fehlt: Ein fleißiger Arbeiter, der die taktischen Anweisungen des Trainers zuverlässig umsetzt. Sind Endo und Mangala die Kommandozentrale, ist Förster der Maschinenraum. An …

Silas: Der Spektakelspieler

In der Zweitligasaison konnte einem Silas manchmal auf die Nerven gehen: Zu unkonzentriert beim ersten Kontakt, zu ausufernd seine Dribblings, zu hektisch und unberechenbar sein Spiel für Kollegen und Zuschauer. In der ersten Bundesliga wurde Silas dann zum nächsten heißen Scheiß. 16 Scorerpunkte verbuchte er in 25 Spielen. Es schien keine Grenzen zu geben für ihn – bis ihm beim Spiel gegen Bayern München das Kreuzband riss. Silas hatte sich von Kinshasa über Paris in Stuttgart in die Notizbücher der Scouts großer Vereine in den großen Ligen gespielt. Dort steht er noch, sicher recht weit oben, aber die Verletzung hat seine phänomenale Entwicklung erst einmal gestoppt. Auch wenn es abgedroschen klingt, wenn einer jung und wild ist, dann Silas. Ein echter Draufgänger, er dribbelt auch dann, wenn ein Abspiel angebracht wäre. Vor einem Jahr hat er das noch übertrieben und verzettelte sich in Einzelaktionen. Aber es zeichnet ihn immer noch aus, dass er das Unerwartete macht und so plötzlich Situationen kreiert, die zu Torgefahr führen. Er ist der Prototyp eines Straßenfußballers, er kam erst mit …

Das Eigentor

Profi-Fußball kommt von professionell, bedeutet also, etwas mit der nötigen Expertise und Erfahrung zu tun. Mit Fug und Recht kann man sowohl den DFB als auch die Berater von Borna Sosa als unprofessionell und amateurhaft bezeichnen. Wobei man damit die Amateure beleidigen würde. Was ist passiert? Borna Sosa hat sich einbürgern lassen, mit allem drum und dran, mit 33 Fragen zu Deutschland und mit dem Ziel, für die Deutsche Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. Der DFB hatte sich wie die VfB-Fans in Sosa und seine bornösen Flanken verliebt und heftiges Interesse signalisiert, vor allem wegen der EM in diesem Jahr. Die FIFA-Statuten hat dabei leider niemand geprüft. Ein Blick hinein hätte nämlich ergeben, dass ein Antrag auf Wechsel der Nationalmannschaft nur dann positiv bewertet wird, wenn der Spieler „zum Zeitpunkt seines letzten Einsatzes für seinen aktuellen Mitgliedsverband in einem offiziellen Wettbewerb irgendeiner Fußballsparte noch nicht 21 Jahre alt war“. Sosa war bei seinem letzten Einsatz für die U21 Kroatiens in der EM-Qualifikation gegen Schottland im November 2020 allerdings bereits 22 Jahre alt. So stümperhaft und verantwortungslos …

VertikalGIF #VfBFCA: Ex-Angstgegner

Da ist er endlich: der vierzigste Punkt. Und Nummer 41 und 42 noch dazu. Erzielt mit einem 2:1 gegen Ex-Angstgegner Augsburg mit dem Trainer, der mit dafür verantwortlich war, dass der VfB 2019 abgestiegen ist. Es gab schon schlechtere Freitagabende. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content Dass es so kommen würde, war allerdings ungewiss. Schließlich kämpfte der FCA mit seinen 33 Punkten noch gegen den Abstieg und das Brustring-Lazarett wurde immer größer. Neuester Patient auf Station 1893: Gregor Kobel mit Rückenproblemen. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content Für ihn stand „Copa-Keeper“ Fabian Bredlow im Tor, doch dazu später mehr. Fast noch erstaunlicher war die Tatsache, dass statt Atakan Karazor auf einmal Philipp Klement in der Startelf auftauchte. Die VfB-Fans rieben sich verwundert die Augen und fragten sich: Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content Markus Weinzierl wollte bei Augsburg den Geist von 2016 beschwören und tatsächlich legte sein Team extrem druckvoll los. Und der VfB? …